Bollinger Band Strategie: Pro- oder antizyklisch?

Bollinger Bänder zeigen eine mögliche Überhitzung des Marktes an, können aber auch als Kursziele verwendet werden. Ein Überblick über Konstruktion und Interpretation des weit verbreiteten Indikators und die Nutzung als Strategie.

  • 95 % der Kurse fallen zwischen die Bollinger Bänder
  • Kurse nahe der Bänder können auf eine Überhitzung hindeuten
  • Nahe des gleitenden Durchschnitts kann nach Korrekturen der Einstieg in Trendrichtung erfolgen

Bollinger Bänder ähneln im Chart auf den ersten Blick einfachen Prozentbändern. Letztere werden mit einem festen prozentualen Abstand um einen gleitenden Durchschnitt gelegt.

Bei Bollinger Bändern definiert sich dieser Abstand zum MA nicht durch einen Prozentsatz, sondern durch eine doppelte Standardabweichung.

Die wesentliche Konsequenz: Ca. 95 % aller Kurse liegen im Bereich zwischen dem oberen und dem unteren Bollinger Band.


Antizyklisch: Verkaufen, wenn der Markt seine Extreme erreicht

Eine antizyklische Bollinger Band Strategie könnte vorsehen, die Bänder als Extremwerte zu betrachten. Erreicht der Markt das obere Band, wird verkauft et vice versa. Damit werden Bollinger Bänder als Oszillatoren verwendet.

Diese Vorgehensweise ist insbesondere in trendlosen Phasen aussichtsreich. In diesen Phasen ziehen größere Kursbewegungen in die eine oder andere Richtung mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit Korrekturen nach sich, weil höhere Kurse sofort zu Gewinnmitnahmen genutzt werden.

In starken Trendphasen ist eine antizyklische Interpretation von Bollinger Bändern dagegen nicht empfehlenswert.

Der Markt kann sich über einen längeren Zeitraum nahe am oberen Band bewegen:

Auf diese Zeiträume entfällt ein wesentlicher Teil der Kursgewinne in einem Aufwärtstrend. Positionen gegen eine so starke Trendphase widersprechen allen Erkenntnissen der Technischen Analyse.

Prozyklisch: Nach Korrekturen in Richtung des Trends handeln

Eine andere Interpretation sieht vor, nach Korrekturen Positionen in Richtung des übergeordneten Trends zu eröffnen. Dabei kommt dem gleitenden Durchschnitt eine wichtige Bedeutung zu. In Aufwärtstrends wird sich der Markt überwiegend zwischen den MA und dem oberen Bollinger Band bewegen. Kehrt der Markt während einer Korrektur bis auf das Niveau des MA zurück, kann dies als Einstiegssignal definiert werden.

Neben dem Einstiegssignal sind ein Exit Signal und eine Stop Loss Regelung notwendig. Ein Stop Loss kann knapp unterhalb des MA gesetzt werden. Wird diese unterschritten, liegt definitionsgemäß ein Bruch des Trends vor – Spekulationen auf dessen Fortsetzung erübrigen sich damit.


Expansion und Kontraktion

Wie aber wird das Ausstiegssignal definiert, wenn Kurse nahe am oberen Bollinger Band in starken Aufwärtstrends gerade nicht dazu geeignet sind, eine Richtungsänderung anzuzeigen? Die Antwort kann außerhalb des BB-Konzepts z. B. im Bereich der Charttechnik gesucht werden. Auch die Bollinger Bänder selbst liefern aber Hinweise.

Der Abstand zwischen oberem und unterem BB ist anders als bei Prozentbändern nicht konstant, sondern steht im Zusammenhang mit der Volatilität. Weit auseinanderdriftende Bänder sind ebenso wie ein sehr kleiner Abstand ein Hinweis auf möglicherweise bevorstehende Trendwechsel.


Die Parametereinstellungen

Die Parameter von Bollinger Bändern lassen sich in den meisten Chartprogrammen einstellen. Das gilt sowohl für die Länge des MA als auch für den Zeitraum, auf den sich die Standardabweichung bezieht. Um eine Bollinger Band Strategie zu entwickeln, müssen diese Parameter auf den jeweils zu handelnden Markt angepasst werden.