Scalp Trading mit Heiko Behrendt (Teil 2/4)

30.10.2015 - 3 Minuten Lesezeit

Vor allem berufstätige Trader verfügen häufig nur über ein stark limitiertes Zeitbudget, möchten aber zugleich am Puls des Marktes handeln und sich dabei nicht ausschließlich auf algorithmische Handelssysteme und ihre automatische Umsetzung verlassen. Der kurzfristige Zeithorizont im Scalping kommt diesem Anforderungsprofil entgegen: Im Handel auf 1- oder 5-Minuten-Charts lassen sich Handelssignale häufig manuell identifizieren und vollständig handeln – ohne großen Zeitaufwand und ohne Algorithmus. Auf der kurzfristigen Zeitebene entstehen sehr viele Handelssignale, die sich nach kurzer Sichtung der Charts identifizieren und innerhalb weniger Minuten vollständig handeln lassen.

Gute Scalping-Ansätze zeichnen sich durch eine hohe Trefferquote aus

Ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg solcher Scalping-Ansätze ist die Auswahl der Handelssignale: Eine hinreichend große Trade Ratio („Trefferquote“) ist ebenso notwendige Bedingung für positive Handelsergebnisse wie eine strikte und in jeder einzelnen Position sehr eng gefasste Verlustbegrenzung. Das Ziel beim Scalping besteht in der Entwicklung einer Handelsstrategie, deren Gesamtprofit sich aus vielen kleinen Einzelgewinnen zusammensetzt.

Große Einzelverluste werden durch die Verlustbegrenzung mittels Stop-Loss unterbunden, große Einzelgewinne fallen aufgrund rascher Gewinnmitnahmen nicht an: Das Gros der Positionen wird innerhalb weniger Minuten wieder geschlossen. Aufgrund der großen Anzahl der auf der kurzfristigen Zeitebene verfügbaren Handelssignale und der vergleichsweise gut kalkulierbaren Erträge formulieren viele Scalper Zielsetzungen wie z. B. tägliche Erträge im Umfang von zehn Indexpunkten im DAX-Future. Die Anzahl der zur Realisierung dieses Ziels notwendigen Trades pro Handelstag schwankt typischerweise – mitunter reichen weniger als fünf RT-Trades aus, mitunter sind mehrere Dutzend erforderlich.


Typische Problemstellungen bei prozyklischen Handelsstrategien

Im Scalping sind sowohl prozyklische als auch antizyklische Handelsansätze weit verbreitet – auch der kombinierte Einsatz beider Ansätze ist möglich. Prozyklische Handelsstrategien setzen auf die Fortsetzung eines bestehenden Trends und sehen den Einstieg in den Markt insbesondere im Zusammenhang mit charttechnischen Ausbrüchen vor. Beim Scalping liegt ein solcher Ausbruch ggf. bereits beim Überschreiten des letzten Hochs vor. Prominentere Beispiele für Ausbruchstrategien sind Widerstände und Unterstützungen sowie die gesamte Bandbreite der charttechnischen Kursformationen.

Fehlausbrüche identifizieren

Zu den größten Problemstellungen von Ausbruchstrategien zählt die Identifikation von Fehlausbrüchen und der Umgang damit. Ein klassisches Beispiel dafür ist die „Bullenfalle“, bei der der Marlt mehrfach aus einer Trading Range ausbricht und danach wieder in die Range zurückkehrt.

Umgang mit Fehlsignalen

Der bestmögliche Umgang mit Fehlsignalen besteht für Scalper in konsequenter Verlustbegrenzung. Diese lässt sich auf der sehr kurzfristigen Zeitebene und im Kontext einer Handelsstrategie mit einer großen Zahl von Transaktionen erfahrungsgemäß auch durch Einsteiger relativ leicht durchhalten, weil im Scalping nicht der einzelne Trade, sondern die Trade Ratio im Vordergrund steht.

Da die Verlustbegrenzung nicht bei der Trade Ratio, sondern bei der Payoff Ratio ansetzt, kann die Suche nach zusätzlichen Filtern für die Handelssignale sinnvoll sein. Im Aktienhandel bieten sich dafür z. B. die Umsätze an: Der Durchbruch durch einen charttechnischen Widerstand wird nur in Richtung des Ausbruchs gehandelt, wenn der Ausbruch mit einem Anstieg des Volumens einhergeht.


Trade Ratio und Payoff Ratio: So kalkulieren Scalper

Der Profit-Faktor einer Scalping-Strategie wird nicht anders berechnet als bei Handelssystemen anderen Typs: Entscheidend ist das Produkt aus Payoff Ratio und Trade Ratio. Ein nicht untypisches Profil für Scalping ist eine „Trefferquote“ im Bereich von 70 %. Das bedeutet, dass bei einer Parität der Gewinne aus profitablen Positionen und der Verluste defizitärer Positionen (z. B. jeweils ein Indexpunkt) ein profitables System vorliegt: Aus 100 Trades resultiert in diesem Fall ein Gewinn im Umfang von 40 Punkten. Fällt dagegen der durchschnittliche Verlust je defizitärer Position doppelt so groß aus wie der durchschnittliche Gewinn, reduziert sich der Gewinn auf 10 Punkte – und liegt damit nahe an der Verlustzone, die bereits bei einem Rückgang der Trefferquote um wenige Prozentpunkte erreicht wird.

Dieses rudimentäre Beispiel unterstreicht die Bedeutung einer konsequenten und (!) engen Verlustbegrenzung. Ausgehend von 40 Punkten Gewinn pro 100 Trades (Trefferquote 70 % und Payoff Ratio = 1) und einem Punktwert von 25 € (das entspricht den Kontraktspezifikationen der Eurex für den DAX-Future) ergibt sich ein Gewinn in Höhe von 1.000 € pro 100 Positionen. Ausgehend von zehn Trades pro Tag und 50 (aktiven) Handelswochen resultiert dieser Kalkulation zufolge ein Jahresgewinn in Höhe von 50.000 € pro (in allen Positionen) gehandeltem Kontrakt – bei einem Einsatz ab ca. 5.000-10.000 €.

Über den Autor

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt begann im Jahr 1998 mit Aktien zu handeln. Die gesammelten Erfahrungen und das angeeignete Fachwissen zur Technischen Analyse legten den Grundstein für seine hauptberufliche Tradertätigkeit, die er seit 2001 ausübt. Seither handelt er bevorzugt Indizes und Währungspaare im kurzfristigen Anlagebereich und hält Vorträge zu Börsenpsychologie und markttechnischem Trading. Gleichzeitig bietet er als Coach individuelle Analysen und Zielerarbeitung für Daytrader an. 2010 startete der Premium-Service "Highspeed Daytrader". Hier können die Teilnehmer dem Experten über die Schulter schauen und mit ihm gemeinsam im kurzfristigen Bereich traden. 2012 kam die erste DVD zum Thema Scalptrading für Einsteiger auf den Markt, in der Heiko Behrendt in 190 Minuten sein Wissen über die Märkte zur Verfügung stellt und zeigt, wie kurzfristiges Trading funktioniert. Folgen Sie Heiko Behrendt auf Guidants.

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