Scalp Trading mit Heiko Behrendt (Teil 1/4)

20.10.2015 - 3 Minuten Lesezeit

Unter dem Oberbegriff Scalping werden verschiedene Handelsansätze verstanden, denen eine sehr kurze durchschnittliche Positionsdauer gemein ist. An dieser Stelle soll es nicht um Level II- bzw. Orderbuch-Scalping, sondern andere Ansätze mit einem sehr kurzen Zeithorizont gehen. Das englischsprachige „to scalp“ besitzt insbesondere im amerikanischen Sprachraum explizit die Bedeutung „mit kleinen Gewinnen spekulieren“.

Hohe Trefferquote, enge Stops und viele Trades: So funktioniert Scalp Trading

Schon allein aufgrund der sehr kurzen Haltedauer ist das Gewinnpotenzial jeder einzelnen Position begrenzt: Profitable Positionen werden von Scalpern sehr rasch geschlossen, um Gewinne zu sichern bzw. zu realisieren. Für das Gesamtergebnis ist entscheidend, dass genügend Handelssignale zur Verfügung stehen. Das wiederum ist bei Strategien mit sehr kurzfristigem Zeithorizont regelmäßig der Fall: 30 Transaktionen und mehr pro Tag sind beim Scalping keine Seltenheit. Die Erfordernisse der Charteinstellungen ergeben sich aus dem kurzfristigen Zeithorizont: Zum Einsatz kommen Charts in Zeitintervallen bis zu maximal 5 Minuten, wobei Tick-Charts und Sekundencharts die Regel sind. Aus dem durch schnelle Gewinnmitnahmen begrenzten Gewinnpotenzial jeder einzelnen Position ergeben sich entsprechend strenge Vorgaben für die Verlustbegrenzung: Entwickelt sich eine Position nicht umgehend in den positiven Bereich, kommt es zur Glattstellung. Entweder manuell oder durch enge Stopps. Der pro Position maximal in Kauf genommene Verlust sollte den geplanten Gewinn nicht übersteigen und sollte besser darunter angesetzt werden, weil ansonsten die Ansprüche an die Trefferquote enorm ansteigen.


Einstiegssignale für Scalper

Der Ausstieg aus offenen Positionen wird im Scalping im Wesentlichen durch die überlebenswichtigen Vorgaben des Risiko- und Moneymanagements geregelt. Mehr Gestaltungsmöglichkeiten bestehen im Hinblick auf die Strukturierung der Einstiegssignale: Nicht anders als bei anderen Trading-Stilen zielt die erste wichtige Entscheidung auf Handel mit oder gegen den Trend ab.

Antizyklisch

Antizyklische Scalping-Ansätze fokussieren die Hochs und Tiefs von Marktimpulsen bzw. relevante Marken im Chart wie Widerstände, Unterstützungen etc. Dabei wird z. B. eine Shortposition eröffnet, nachdem der Markt ein altes Hoch wieder erreicht hat. Die Chancen auf einen kurzfristigen und damit für Scalper relevanten Rücksetzer sind in dieser Konstellation ausgesprochen hoch: Selbst in dynamischen Aufwärtsbewegungen finden sich an entscheidenden Marken im Chart kurzfristige Korrektur- oder Konsolidierungsphasen.

Prozyklisch

Prozyklisch ausgerichtete Scalping-Strategien sehen die Eröffnung von Positionen dagegen bevorzugt im Umfeld von Ausbrüchen vor: Die Trefferwahrscheinlichkeit ist empirisch betrachtet vor allem bei Ausbrüchen über/unter das Tageshoch- bzw. Tief des Vortages hinreichend groß. In diesem Zusammenhang lässt sich anhand eines praktischen Beispiels eine scharfe Abgrenzung zwischen Scalping und anderen (auf dieselbe Marktrichtung abzielenden) Strategien vornehmen.


Praxisbeispiel: Unterschied zwischen Scalp Trading und anderen Stilen

Ein Fallbeispiel:

Der Markt läuft auf ein neues Hoch zu. Die meisten prozyklisch ausgerichteten Trader werden eine Stop-Buy-Order etwas oberhalb des Hochs platzieren und dabei einen Abstand wählen, der das Risiko einer klassischen „Bullenfalle“ minimiert. Scalper werden dagegen in aller Regel eine Position kurz unterhalb des Hochs eröffnen und wenige Punkte darüber wieder schließen – noch unterhalb des Levels, auf dem die Stop-Buy-Orders der anderen (bullishen) Marktteilnehmer aktiviert werden. Grundsätzlich sind Marktkonstellationen in der Nähe signifikanter Widerstands- und Unterstützungszonen für Scalper häufig interessant: Meistens unternimmt der Markt intraday mehrere gut identifizierbare Anläufe auf diese Marken, denen ein Rücksetzer folgt. Beide Bewegungen ermöglichen kleine, aber schnelle Gewinne. Das gilt insbesondere für antizyklisch ausgerichtete Scalping-Ansätze, für die False Breakouts interessante Einstiegssignale darstellen. Ein klassisches Beispiel dafür findet sich in Trading Ranges und anderen horizontalen Widerstands- und Unterstützungsszenarien, in denen der Markt sehr häufig minimal über Widerstand bzw. Unterstützung hinaus läuft, um dann umzukehren. So kann z. B. nach einem sehr knappen Überschreiten des Widerstands mit hoher Gewinnwahrscheinlichkeit eine Shortposition eröffnet werden, weil in dieser „unglaubwürdigen“ Zone Anschlusskäufe fehlen. Auch hier spielen taktische Überlegungen zu den Positionen anderer Marktteilnehmer somit eine wichtige Rolle. Fortsetzung folgt.

Über den Autor

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt begann im Jahr 1998 mit Aktien zu handeln. Die gesammelten Erfahrungen und das angeeignete Fachwissen zur Technischen Analyse legten den Grundstein für seine hauptberufliche Tradertätigkeit, die er seit 2001 ausübt. Seither handelt er bevorzugt Indizes und Währungspaare im kurzfristigen Anlagebereich und hält Vorträge zu Börsenpsychologie und markttechnischem Trading. Gleichzeitig bietet er als Coach individuelle Analysen und Zielerarbeitung für Daytrader an. 2010 startete der Premium-Service "Highspeed Daytrader". Hier können die Teilnehmer dem Experten über die Schulter schauen und mit ihm gemeinsam im kurzfristigen Bereich traden. 2012 kam die erste DVD zum Thema Scalptrading für Einsteiger auf den Markt, in der Heiko Behrendt in 190 Minuten sein Wissen über die Märkte zur Verfügung stellt und zeigt, wie kurzfristiges Trading funktioniert. Folgen Sie Heiko Behrendt auf Guidants.

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