Versiegende Vola - Der Herzschlag der Märkte kränkelt!

29.07.2014 - 7 Minuten Lesezeit

Trader leben von Kursbewegungen und Schwankungen an den Märkten – aktuell beobachten wir einen massiven Rückgang dieser Lebensgrundlage. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Hause trading-stars.de bestätigt dies auch für die beliebten Währungsmärkte (Forex).

Volatilität – die Grundlagen

Die Börse lebt von der Bewegung – das tägliche Auf und Ab an den Finanzmärkten beschäftigt unseren Geist, bewegt unser Depot und füllt alltäglich den Wirtschaftsteil unserer Morgenlektüre. Ist man einmal mit der Faszination Börse in Berührung gekommen, fällt das Loslassen schwer. Die Chance auf große Gewinne glüht in jedem Anfänger auf, wogegen Profis eher daran interessiert sind, sich ein regelmäßiges Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Nun können wir heutzutage nahezu Alles und zu jeder Zeit handeln – Futures auf Lebendrind, CFD´s auf den DAX oder hunderte von Devisenpaaren werden hoch, und natürlich auch wieder herunter getradet. Dabei leben die Märkte von Trendbewegungen, also der meist zickzack-artigen Schwankung, welche von Fachleuten auch gerne als Volatilität bezeichnet wird. Vergleichsweise ruhige Marktphasen generieren demnach eine niedrige Volatilität, wogegen wir von einer hohen Volatilität sprechen, wenn es „heiß hergeht“ an den Finanzplätzen. Das auf die Veränderung dieser Schwankungsintensitäten auch direkt spekuliert und gehandelt werden kann, wird dabei regelmäßig vergessen.

Der Volatilitätsmesser für den deutschen Aktienmarkt: VDAX NEW

Grundlegend gibt es für nahezu alle Märkte Volatilitätsmesser und –indizes. Unter Tradern finden jedoch zwei dieser Indikationen besondere Aufmerksamkeit. Bezogen auf den deutschen Markt ist dies der VDAX NEW, welcher von der Deutschen Börse Group ermittelt wird, und die von den Marktteilnehmern erwartete Schwankungsbreite für die 30 Dax-Titel wiedergibt.

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VDAX NEW im langfristigen 10-Jahres-Chartbild. Quelle: www.boerse-frankfurt.de

Schnell wird deutlich, dass die aktuelle Schwankung im deutschen Aktienmarkt nahe dem historischen Tiefststand notiert.

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VDAX NEW im 3-Jahres-Chartbild. Quelle: www.boerse-frankfurt.de

Der Volatilitätsmesser für den US-amerikanischen Aktienmarkt: VIX

Der große Bruder des VDAX NEW ist der VIX (Chicago Board Options Exchange Market Volatility Index). Dieser amerikanische Index spiegelt die implizite Volatilität für den marktbreiten S&P 500 Index wieder. Da dieser als weltweiter Leitindex gilt, wird er auch als übergreifender Indikator für die Situation am gesamten Aktienmarkt genutzt.

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VIX (blau) und S&P 500 Index (rot) im langfristigen Vergleich über fünf Handelsjahre.

Die Berechnung der Volatilitätsindizes

Die Berechnung dieser Indizes erfolgt nicht aufgrund der historischen Volatilitäten, sondern begründet sich auf die sogenannte implizite Volatilität. Das ist die von den Marktteilnehmern erwartete, zukünftige Schwankung des zugrundeliegenden Marktes. Im VDAX NEW werden dabei die an der Terminbörse EUREX gehandelten Optionen für die Berechnung relevant.

Volatilitäten im Währungshandel (Forex)

Für die, bei Tradern beliebten, Währungsmärkten gibt es keine „offiziellen“ Volatilitätsmesser sodass wir hier eine eigene, langfristige Kursdatenuntersuchung angefertigt haben. Dazu haben wir die absolute Tagesschwankung 21 wichtiger Devisenpaare ausgewertet und mit einem gleitenden Durchschnitt gefiltert.

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Die absolute Tagesschwankung von 21 Devisenpaaren im langfristigen Vergleich.

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Die gefilterte und gemittelte Tagesschwankung der untersuchten Devisenpaare.

Das Ergebnis: Der Devisenmarkt schläft regelrecht ein!

Wie kann man die Volatilität traden?

Wie ein gemeines Wertpapier auch, kann die Volatilität steigen, fallen oder auch temporär stagnieren. Was die Volatilität jedoch nicht kann, ist wertlos werden oder für längere Zeit gegen Null tendieren. Historisch betrachtet schwankt die Volatilität an den Aktienmärkten im Jahresverlauf deutlich – diese, nahezu regelmäßigen Bewegungen kann der Trader nutzen.

Fällt die Volatilität auf historische Tiefs zurück, ist ein neuerlicher Anstieg nur eine Frage der Zeit. Im Gegenzug werden Phasen hoher Volatilität mit regelmäßiger Sicherheit in ruhigeren Marktzyklen münden. Der einzige Unsicherheitsfaktor ist hierbei die Zeit, und damit einhergehende Finanzierungs- und Kapitalbindungskosten.

Der Derivatemarkt bietet ein weites Spektrum an Anlageinstrumenten auf die genannten Volatilitätsindizes. Da Zertifikate jedoch zum Teil sehr undurchsichtig strukturiert sind, habe ich mich an dieser Stelle für einen CFD (Contract for Difference) entschieden. Auch auf den Handel des Futures habe ich verzichtet – hierbei ist unbedingt zu beachten, dass Vola-Futures höchste Wertigkeiten haben. Bereits ein einziger Pip im VIX-Kontrakt verändert Ihr Handelskonto um 10,00 $. Nur wer sich die hohe Marginanforderung und hohe Schwankungen kontotechnisch erlauben kann, sollte überhaupt an ein Engagement im Future nachdenken.

Aber auch beim Handel mit CFD´s gilt es einiges zu beachten. Diverse Broker bieten hierbei Vola-Indizes an, meist jedoch unter einem anderen Namen/Kürzel/Symbol – notfalls müssen Sie hier bei Ihrem Broker nachfragen. Des Weiteren sind auch hier Roll- und Finanzierungskosten, sowie weitere Kommissionen bei Kauf und Verkauf zu beachten. Der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs sollte moderat gestaltet sein – bei Produkten auf den VIX rund 0,15 bis 0,20 Spreadpunkte. Die Kurse können zum Teil deutlich vom eigentlichen Index abweichen, je nachdem welchen Future-Kontrakt der Broker zugrunde legt. Generell sollten Sie sich sehr genau, ausführlich und ganzheitlich mit der Thematik auseinandersetzen, bevor Sie aktiv agieren können.

Volatilität zur Diversifikation

Die Volatilität ist unabhängig von Sektoren, Regionen oder Erntezeiten. Daher eignet sie sich ausgezeichnet zur weiteren Risikostreuung, auch Diversifikation genannt, in ihrem Depot. Dabei können Sie sich den Chart zur Hilfe nehmen und „Vola-Plays“ an den bereits genannten historischen Hochs und Tiefs eingehen. In Zeiten mittlerer Schwankungsbreite sollten Sie diese Engagements jedoch deutlich begrenzen, da wir hier, im Gegensatz zu den Aktien, keinerlei Rendite durch Kursgewinne oder Dividendenzahlungen erwarten dürfen.

Hedging mit der Volatilität

Da die Volatilitätsindizes eines Marktes mit seiner Wertentwicklung negativ korreliert sind, eignen sie sich zur Absicherung und Diversifizierung eines Aktienportfolios. Auch kann die Volatilität rein logisch nicht wertlos verfallen, wie dagegen ein Unternehmen oder Konzern insolvent werden kann. Führen Sie beispielsweise ein marktbreites Depot mit deutschen Blue-Chip-Titeln, so erleiden Sie bei einem DAX-Crash einen massiven Draw-down. Der VDAX-NEW, also der eigens über Futures, Optionen oder andere Derivate handelbare Volatilitätsindex der Deutsche Börse Group wird dagegen deutlich an Wert gewinnen und kann so zur Absicherung genutzt werden. Jüngst bieten auch einige CFD-Broker Volatilitätsindizes an – achten Sie hierbei jedoch auf die Spreads zwischen An- und Verkaufspreis.

Euphorie oder Panikattacke – welche Schlüsse wir noch ziehen können

Umgangssprachlich werden die Volatilitätsindizes auch als „Angstmesser“ bezeichnet. So kann man anhand der Indexstände Rückschlüsse auf die mentale Verfassung der Marktteilnehmer ziehen. Während VIX und VDAX NEW regelmäßig historische Höchststände im Zuge panikartiger Börsencrashs verzeichnen konnten, fallen die Vola-Indikationen einhergehend mit stabilen Aktienmarktrallys auf Tiefststände. Die aktuelle Kaufwelle in den Wertpapieren hinterlässt beispielsweise deutliche Spuren im Chartbild des VIX. Man könnte auch sagen, die Anspannung und die Angst fließen aus dem Markt – im Gegenzug werden die Marktteilnehmer euphorischer. Das diese Gefühlszustände der „Masse“ nicht von Dauer sein können sollte dabei jedoch bedacht werden.

Volatilität als Indikator im kurzfristigen Intraday-Trading

Auch im Trading in den kleinen Zeiteinheiten, also Intraday, kann man die Volatilität nutzen. Nur volatile Marktphasen haben die Kraft, Trendbewegungen entstehen zu lassen. Hierbei kann man grundsätzlich schwankungsschwache Handelszeiten über Zeitfilter kennzeichnen. Dagegen verspricht ein volumen- und volastarkes Umfeld mehr Signale und Tradingmöglichkeiten. Volatile Handelszeiten über den Tag verteilt sind beispielsweise die europäische Markteröffnung (ab 08.00 Uhr) und der darauffolgende Vormittag, der erste Teil der US-Session zwischen 14.00 Uhr und 18.00 Uhr, sowie der Handelsschluss an der Wallstreet bis 22.00 Uhr – alle Angaben MEZ. Als technischer Indikator können dabei wieder unsere gleitenden Durchschnitte, sowie andere volatilitätsbasierte Indikatoren (zum Beispiel ATR) dienen.

Newstrading mit der Volatilität

Befindet sich die Volatilität im Vorfeld wichtiger Wirtschaftstermine auf einem niedrigen Niveau, so kann man auf einen Anstieg der Marktschwankung im Zuge der Bekanntgabe der News spekulieren. Die Pressekonferenzen der großen Zentralbanken erfreuen sich dabei besonderer Aufmerksamkeit.

Fazit

Die Analyse und der Einbezug der Volatilität im täglichen Trading kann für Anfänger wie Profis eine große Bereicherung in der Arbeit sein. Wenn auch die Interpretation ein wenig Übung braucht, so sind die Signale stets hilfreich und deren Anwendung vielfältig. Gerade in Phasen historischer Extrema kann das „Vola-Play“ bei begrenztem Risiko deutliche Gewinne generieren. Eine anhaltend niedrige Schwankung sollte in ihren gehandelten Systemen und Ansätzen beispielsweise durch eine Verringerte Anzahl von Trades Beachtung finden.

Über den Autor

Den Kern von Trading Stars machen der wissenschaftliche Leiter Dr. Stefan Friedrichowski sowie der Trader Christian Stern aus. Als promovierter Physiker und Vollzeithändler leitet Dr. Stefan Friedrichowski die wissenschaftliche Arbeit und die Entwicklung von Handelsstrategien. Der Fokus liegt dabei auf statistischen Untersuchungen und Validierungen zur Erstellung von Regelwerken. Zudem vermittelt er Fachwissen im Bereich Excel und C-Programmierung für Trader. Als Vollzeithändler mit rund zwölf Jahren Markterfahrung leitet Christian Stern den Wertpapierhandel und den Bereich Ausbildung der Trading Stars. Der Fokus liegt dabei in der Vermittlung von Grundlagen- und Expertenwissen für den erfolgreichen Börsenhandel.

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