Aufsichtsrat der Lufthansa genehmigt Rettungspaket

Die Corona-Krise hat die Lufthansa schwer getroffen. In Folge hoher Umsatzrückgänge musste der Konzern staatliche Hilfen beantragen. Die Unternehmensführung der Lufthansa hatte bereits dem mit der Bundesregierung ausgehandelten Lufthansa Rettungspaket zugestimmt. Nun gab auch der Aufsichtsrat sein Einverständnis. Die Lufthansa stimmte auch der Forderung der EU-Kommission zu, Start- und Landerechte (sogenannte Slots) abzugeben.

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Intensive Diskussionen vor Entscheidung des Aufsichtsrats

Wo Depot eröffnenWie Karl-Ludwig Kley, der Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa, sagte, kam es vor der Entscheidung des Gremiums zu einer intensiven Diskussion. Der Aufsichtsrat zeigte sich besorgt, dass die strengen Auflagen der EU-Kommission zulasten der Drehkreuzfunktion an den beiden wichtigen Flughäfen in Frankfurt am Main und München gehen könnte. Nach der Zustimmung durch den Aufsichtsrat fehlt noch die Genehmigung durch die Aktionäre. Kley rät diesen, ebenfalls für das Hilfspaket zu stimmen. Für den 25. Juni ist eine außerordentliche Hauptversammlung vorgesehen.

Die Corona-Pandemie betraf insbesondere Airlines massiv. Seit Beginn der Pandemie sind kaum noch Passagierflugzeuge in der Luft. Die Lufthansa erlitt aus diesem Grund hohe Umsatzrückgänge und musste letztendlich die Bundesregierung um Hilfe bitten. In der letzten Woche einigte sich das Unternehmen mit den Verantwortlichen in Berlin auf ein Hilfspaket im Umfang von neun Milliarden Euro.

Aufsichtsrat der Lufthansa genehmigt Rettungspaket

Hilfsgelder der Bundesregierung und der KfW

Drei Milliarden Euro stellt die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Form von Krediten zur Verfügung. Sechs Milliarden Euro erhält die Lufthansa aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF, der in Folge der Corona-Krise aufgelegt wurde. Dieser soll die Schäden, die bei vielen Unternehmen als Folge der Pandemie entstanden sind, auffangen. Der Fonds soll über eine Kapitalerhöhung bei der Lufthansa Aktien zeichnen und so letztendlich einen Anteil von 20 Prozent am Luftfahrtkonzern erhalten. Dies ist gerade bei der Lufthansa nicht unumstritten. Bis 1963 war das Unternehmen in staatlichem Besitz und erst 1997 wurde die Lufthansa endgültig privatisiert.

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Bedenken zu EU-Vorgaben

Die Bedenken des Aufsichtsrats bezogen sich vor allem auf die Vorgaben der EU-Kommission, die dem Hilfspaket ebenso wie die Bundesregierung zustimmen muss. Der erste Vorschlag der EU sah vor, dass die Lufthansa 20 Jets abgibt. Das Unternehmen war allerdings nur bereit, drei Flugzeuge abzugeben, was die EU-Kommission ablehnte. Die Bundesregierung sagte letztendlich zu, den Wett zu schützen. Lufthansa und EU-Kommission einigten sich darauf, dass die Airline 24 ihrer Start- und Landerechte an den Flughäfen in Frankfurt am Main und München an andere Airlines abgibt. Eine Airline kann dabei bis zu vier Flugzeuge an einem der beiden Flughäfen stationieren. In dieser Form gilt die Regelung für neue Marktteilnehmer und ist für eineinhalb Jahre vorgesehen.

Findet sich keine neue Airline, können sich auch bekannte Marktteilnehmer für die frei werdenden Slots bewerben und es kommt zu einem Bieterverfahren. Allerdings haben nur europäische Airlines, die bisher ohne staatliche Hilfen durch die Krise gekommen sind, eine Chance auf die Start- und Landerechte.

Rettungspaket für die Lufthansa

Slots sehr begehrt

Damit hätte beispielsweise Ryanair aus der irischen Hauptstadt Dublin gute Chancen. Zum einen kam das Unternehmen bisher ohne finanzielle Hilfen durch die Krise, zum anderen kritisierte Ryanair den Einstieg der Bundesregierung bei der Lufthansa massiv. Ryanair hat bisher noch keine Flugzeuge in München stationiert. Easyjet dagegen hat derzeit keine Flugzeuge in Frankfurt am Main und könnte ebenfalls die Chance auf einen Zuschlag haben.

Slots sind in der Luftfahrtbranche sehr wichtig und ein Anzeichen für die Marktmacht einer Airline. Staatliche Hilfen für Airlines könnten letztendlich zulasten des Wettbewerbs gehen und einen Nachteil für Passagiere darstellen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager befürchtete, dass die Preise für Flugtickets steigen könnten.

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Corona traf Luftfahrt sehr stark

Die Luftfahrt gehört ähnliche wie die Tourismusbranche zu den Bereichen, die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen sind. Zunächst machten Lockdowns und Reisewarnungen Flugreisen praktisch unmöglich, nun kommt bei Bürgern und Unternehmen die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen hinzu. Zuletzt gingen fast nur noch Frachtflüge in die Luft. Die Situation könnte mehrere zehntausend Arbeitsplätze bei der Lufthansa bedrohen.

Die Lufthansa geht davon aus, dass erst in einigen Jahren wieder ein ähnlicher Wert bei Umsätzen und Passagierzahlen erreicht wird wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Lufthansa-Chef Carsten Spohr spricht daher davon, dass das Unternehmen seine Kapazitäten anpassen und somit auch das Angebot verkleinern muss. Dies soll auf einem sozial vertretbaren Weg geschehen. Daher sind Gespräche mit den Tarif- und Sozialpartnern sowie Gewerkschaften geplant.

Lufthansa Rettungspaket

Erleichterung über Einigung

Auch wenn das Hilfspaket noch nicht endgültig beschlossen ist und die Zustimmung der Aktionäre noch aussteht, zeigt sich das Wirtschaftsministerium mit der Einigung zufrieden. Dennoch ist die Einigung nach schweren Verhandlungen mit der EU nur ein Zwischenschritt. Erst auf der Hauptversammlung kann es zu einem endgültigen Abschluss kommen und auch die EU-Kommission und die Bundesregierung müssen dem Hilfspaket noch abschließend zustimmen.

Die Anleger an der Börse zeigten sich über die Einigung erleichtert, doch Analysten verschiedener Banken und Analysehäuser waren zunächst skeptisch. Einige senkten ihre Einschätzungen und Kursziele für die Aktie der Airline. Womöglich bleibt die bisher überdurchschnittliche Kursentwicklung im Vergleich zu anderen Airlines nicht bestehen und auch der Einstieg der Regierung ist mit Unsicherheiten verbunden.

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CFDs als Alternative bei sinkenden Kursen

Aus fundamentaler und technischer Sicht kann es zu sinkenden Kursen kommen. Daher könnten sich einige Anleger für Leerverkäufe entscheiden. Eine Alternative sind jedoch CFDs, mit denen Anleger auch auf sinkende Kurse setzen können. Hier kommt auch eine Hebelwirkung zum Tragen. Gehen Anleger über CFDs short und der Aktienkurs fällt tatsächlich, so erhalten Anleger auch bei sinkenden Kursen einen Gewinn. Voraussetzung für den CFD-Handel ist ein Konto bei einem auf Differenzkontrakte spezialisierten Broker.

Aufsichtsrat der Lufthansa genehmigt Rettungspaket

Hohe Verluste in den letzten Monaten

Der operative Verlust der Lufthansa betrug im abgelaufenen Quartal 1,2 Milliarden Euro. Dazu kamen 950 Millionen Euro Verluste aus Termingeschäften mit Treibstoff, sodass unter dem Stricht ein Verlust von über zwei Milliarden Euro steht. Damit wird wohl das Rettungspaket der Bundesregierung alleine nicht ausreichen. Weitere Einsparungen, auch bei den Mitarbeitern, sind wohl unausweichlich. Carsten Spohr kündigte bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen an, dass es zu Restrukturierungen, darunter auch dem Einstieg der Bundesregierung und das geplante Hilfspaket, kommen wird.

Im Mai konnten nur drei Prozent aller geplanten Flüge durchgeführt werden. Ab Juni wollen die Lufthansa und ihre Tochter-Airlines die Anzahl an Flügen wieder schrittweise erhöhen. Im September könnten dann wieder 40 Prozent aller ursprünglich geplanten Flüge durchgeführt werden. Ziele werden wohl vor allem touristische wichtige Orte sein.

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Die meisten Flugzeuge am Boden

Teilweise konnten in den letzten Wochen nur 63 der insgesamt 763 Flugzeuge der Lufthansa fliegen. Auch in den nächsten Monaten werden nicht alle Jets in die Luft gehen. Nach Berechnungen des Managements werden 2021 noch 300 Flugzeuge am Boden bleiben; in den beiden darauf folgenden Jahren 200 bzw. 100.

Des Weiteren sind derzeit 87.000 Mitarbeiter des Unternehmens von Kurzarbeit betroffen. In Unternehmenskreisen heißt es, dass das Unternehmen einen Personalüberhang von bis zu 20.000 Mitarbeitern aufweise. Daher will die Lufthansa nun das Gespräch mit den Gewerkschaften suchen. Lösungen könnten Teilzeit und Gehaltsverzicht sein. Die Lufthansa wagt derzeit noch keinen Ausblick auf das Gesamtjahr, da die Unsicherheiten derzeit groß sind. Es ist jedoch schon jetzt von einem deutlichen Rückgang beim Betriebsergebnis auszugehen.

lufthansa krise

Luftfahrtbranche seit April in der Krise

Im April nahmen bereits die Sorgen zu, dass die Corona-Pandemie die Luftfahrt hart treffen könnte und viele Arbeitsplätze in Gefahr sein könnten. Der Dachverband der Fluggesellschaften IATA ging schon Anfang April davon aus, dass letztendlich 25 Millionen Menschen in der Branche ihren Job verlieren könnten. Diese Einschätzung beruhte wohl insbesondere darauf, dass zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa so viele Flugzeuge wie vor 65 Jahren unterwegs waren. Dies bedeutete letztendlich, dass es gut 90 Prozent weniger Flüge gab als vor der Pandemie.

Die Lufthansa begann daher schon vor einigen Wochen mit dem Abbau von Stellen, insbesondere in der Verwaltung. Zudem wurde das endgültige Aus für Germanwings bekannt. Neben der Lufthansa mussten in den letzten Wochen auch andere Airlines staatliche Hilfen beantragen, darunter Swiss Air, ein Tochterunternehmen der Lufthansa.

Zudem ging die IATA schon vor einigen Wochen davon aus, dass die Geldreserven bei vielen Airlines nicht allzu lange reichen werden und damit staatliche Unterstützung notwendig sein wird. Zu den laufenden Kosten und fehlenden Einnahmen könnten auch hohe Forderungen für Ticket-Rückerstattungen kommen, die die finanzielle Situation weiter belasten.

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Fazit: Lufthansa nimmt weitere Hürde für Rettungspaket

Nach der Unternehmensführung der Lufthansa stimmte nun auch der Aufsichtsrat dem Hilfspaket der Bundesregierung in Milliardenhöhe zu. Drei Milliarden Euro kommen als Darlehen von der KfW, weitere sechs Milliarden Euro übernimmt der neu aufgelegte Fonds der Bundesregierung. Im Gegenzug steigt die Bundesregierung mit einer Beteiligung von 20 Prozent bei der Lufthansa ein.

Auch mit der EU-Kommission, die dem Rettungspaket ebenso zustimmen muss wie die Bundesregierung, wurde eine Einigung erzielt. Die Lufthansa muss 24 Start- und Landerechte an zwei Flughäfen an Konkurrenten abgeben. Nun müssen allerdings noch die Aktionäre der Lufthansa auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen.

Neben dem Rettungspaket der Bundesregierung werden wohl weitere Restrukturierungen auf die Lufthansa zukommen, von denen wohl auch viele Mitarbeiter betroffen sein werden. Das Unternehmen will nun Gespräche mit Gewerkschaften aufnehmen. Zudem kann im Juni damit begonnen werden, die Anzahl der Flüge wieder nach und nach zu steigern. Wäre jetzt die Gelegenheit die Luftfahrt Aktie günstig zu kaufen?

Bilderquelle:

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