Rettungsleine vs. Krisenmotor: Die Auswirkungen von Quantitative Easing

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, was ein starker Staat und solide Geldsysteme Wert sind. Das Ende 2019 im zentralchinesischen Wuhan ausgebrochene neuartige Coronavirus rast in einer für die Moderne beispiellosen Geschwindigkeit um den Globus. Zuerst infizierte es Wuhan und die Provinz Hubei, sprang dann in den Iran und nach Italien. Von hier aus wurde es in ganz Europa verbreitet. Das Virus SARS-CoV2 löst nicht nur die Lungenkrankheit Covid-19 aus. Es hat auch die globalisierte Wirtschaft infiziert. Inzwischen rechnen viele Analysten damit, dass die Erholung erst im Jahr 2021 geschafft sein wird. Mit den massiven wirtschaftlichen Verwerfungen geht der Ruf nach finanziellen Hilfen einher. Seit Wochen häufiger ist der Begriff des Quantitative Easing (QE) zu hören. Was steckt dahinter?

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Definition Quantitative Lockerung: EZB pumpt Geld in den Markt?

In Krisenzeiten ploppen wirtschaftstheoretische und ökonomische Fachbegriffe wie Pilze in Medienberichten auf. Dies war in der Krise nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank so. Auch 2020 kündigt sich ähnliche Entwicklung an. Nach oben wird – gerade in den Wirtschaftsmagazinen – das Quantitative Easing gespült. Solange die gesundheitlichen Auswirkungen des neuartigen Coronavirus die Hauptrolle spielen, sind solche Fachtermini in den Tageszeitungen noch nicht ganz so prominent vertreten.

Anleger, welche die Märkte beobachten, werden den Begriff in den zurückliegenden Wochen häufig gelesen haben. Und auch Ottonormalverbraucher dürften bald öfter damit in Berührung kommen. Was steckt dahinter? Der englische Begriff Quantitative Easing lässt sich ins Deutsche mit Quantitative Lockerung übersetzen.

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Zentralbank wird zum Großinvestor

Für Nicht-Ökonomen ist auch dieser Begriff immer noch nichtssagend. Dahinter steht letztlich eine Form der Geldpolitik, mit welcher Zentralbanken auf das Finanzsystem Einfluss nehmen. Grundsätzlich haben Zentral- und Notenbanken mehrere Möglichkeiten, den Geldmarkt zu beeinflussen. Eine Option: Die Leitzinsen anheben oder senken. Aufgrund der Krisen in den 2000er Jahren hat die EZB für den Euroraum dieses Element allerdings schon ausgeschöpft.

Mithilfe der Quantitativen Lockerung strebt die Zentralbank nach einer weiteren Steuerung des Geldflusses. Hierbei erfolgt der Griff zu unkonventionellen Maßnahmen. Hintergrund: Zentralbanken schießen Liquidität durch das Aufkaufen von Anleihen in den Markt. Diese Anleihen – oder festverzinslichen Wertpapiere – kauft die Zentralbank von Geschäftsbanken auf.

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Keine Erhöhung der Geldmenge

Anders als in den letzten Monaten immer wieder diskutierte Maßnahmen zur Stimulation der Märkte – etwa das Helikoptergeld – setzt das Quantitative Easing auf eine indirekte Einflussnahme. Das Ziel ist keine Erhöhung der Geldmenge. Letztlich kann das Ganze im Grundprinzip als Tausch aufgefasst werden. Geschäftsbanken tauschen ihre festverzinslichen Wertpapiere bei der Zentralbank (im Fall der EU ist dies die EZB) gegen Zentralbankgeld.

Warum dieser Handel? Quantitative Easing nimmt Einfluss auf das Geldmengenwachstum und soll stimulierend auf die Wirtschaft einwirken. Hintergrund: Durch diese Form der Geldpolitik werden seitens der EZB verschiedene Wirkungskanäle bedient.

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Wann kommt Quantitative Easing zum Einsatz?

Zentralbanken gehen nicht mit der Gießkanne über die Geldmärkte und verteilen Mittel nach Bauchgefühl. Jede Maßnahme, welche von den Währungshütern in Erwägung gezogen wird, muss einer speziellen Zielsetzung folgen. In der Vergangenheit hat die Quantitative Lockerung lange nicht zum „Werkzeugkasten“ der Zentralbanken gehört. Und auf in der Finanzkrise 2007/2008 hat sich die EZB mit dem Einsatz dieses Werkzeugs noch zurückgehalten.

Als Maßnahme kommt das Quantitative Easing in Betracht, wenn andere Tools bereits ausgeschöpft sind. Szenarien können:

  • niedrige Zinsen
  • Deflation
  • sich abschwächende Nachfrage
  • ein sich abkühlendes Investitionsklima

sein. Anhand dieser Auflistung wird klar, dass QE in den Bereich jener geldpolitischen Steuerungsmaßnahmen gehört, die eher nachrangig zum Einsatz kommen. Wie sieht die Anwendung in der Praxis aus?

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Quantitative Easing in den USA

Lange vor der EZB setzten die Vereinigten Staaten auf QE als geldpolitisches Instrument. Als Reaktion auf die Subprime-Krise, die sich am US-Immobilienmarkt entzündete, senkte die amerikanische Zentralbank Fed den Leitzins massiv ab. In der Folge blieb nach der Reduzierung nahe null das Quantitative Easing als Instrument. Gestartet wurde das Programm im Dezember 2008. In der ersten Finanzierungsrunde pumpte die Zentralbank 600 Milliarden US-Dollar über hypothekenbesicherte Wertpapiere in den Markt. Später wurde das Ganze um weitere 750 Milliarden US-Dollar für hypothekenbesicherte Wertpapiere und 300 Milliarden Dollar für US Treasuries.

In einem zweiten Schritt investierte die US-Zentralbank noch einmal 600 Milliarden US-Dollar, um Staatsanleihen der USA zu erwerben. Dieses Paket wurde auf mehrere Monate verteilt, in denen jeweils 75 Milliarden USD durch Quantitative Lockerung in den Markt flossen. Im September 2012 kündigte die Fed eine dritte Tranche ihrer Quantitative Easing Maßnahmen an. Mit 85 Milliarden US-Dollar Gesamtvolumen pro Monat floss mehr Liquidität in den Markt als noch im vorangegangenen Paket. Ab Ende 2013 wurde das monatliche Volumen der Anleihekäufe kontinuierlich reduziert.

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Im Rahmen der Coronavirus-Pandemie wurde in den USA für die Fed Quantitative Easing schlagartig wieder zum Thema. Erst sollte es um den Ankauf von Anleihen im Wert von 700 Milliarden US-Dollar gehen. Kurz darauf die Nachricht, dass die Zentralbank die Deckelung aufzuheben gedenkt. Letztlich erwarb die Fed im Rahmen des Anleiheankaufs Wertpapiere im Gegenwert von geschätzt 1,5 Billionen US-Dollar. Aber: So schnell wie das Volumen der Käufe im QE nach oben schnellte, so rapide ging es wieder abwärts.

Mittlerweile scheint die Fed den „rauchenden Colt“ wieder weggesteckt zu haben. Aber: Die schnelle Reaktion beim Quantitative Easing verdeutlicht, dass die US-Währungshüter jederzeit bereit sein werden, wieder alles auf eine Karte zu setzen. Ob die Fed hier wird nachsteuern müssen, hängt in erster Instanz davon ab, wie sich die Märkte in den kommenden Monaten verhalten. Aktuell scheinen zumindest Anleger und Aktionäre die Realwirtschaft aus ihrer Kalkulation zu streichen.

Die USA stehen vor einer Rekordarbeitslosigkeit, an den Ausgabestellen für Lebensmittel bilden sich Schlangen – und manche Innenstädte sind immer noch verwaist. Die Fed scheint trotzdem vorerst keinen Anlass zu sehen, erneut beim Quantitative Easing massiv in die Vollen zu gehen.

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Quantitative Lockerung: EZB setzt seit Jahren auf dieses Thema

Quantitative Easing spielt nicht nur für die US-Notenbank eine Rolle. Auch in der Europäischen Union sind die Währungshüter in den letzten Jahren dazu übergegangen, diese Option als geldpolitisches Steuerungsinstrument zu nutzen. Allerdings hat die EZB wesentlich später als die Fed damit begonnen, auf dieses Werkzeug zu setzten.

2009 erklärte der damalige EZB Präsident sogar noch, dass QE nicht betrieben würde. Anfang 2015 dann der Paukenschlag. EZB Präsident Draghi verkündete die Auflage eines Programms zur Quantitativen Lockerung, welches ein Volumen von 1,1 Billionen Euro haben sollte. Im Nachhinein betrachtet hat diese Summe den tatsächlichen Bedarf bei Weitem nicht gedeckt. Hintergrund: Eigentlich sollte das Programm auf etwa 18 Monate befristet sein. Die EZB verkündete allerdings schon im März 2016, dass man das Programm verlängern werde. Parallel führte die Europäische Zentralbank eine Aufstockung der Kapitalsumme für das QE durch – um 20 Milliarden Euro monatlich. Im Rahmen der Coronavirus-Krise 2020 hat die EZB den Anleihekauf noch einmal hochgefahren.

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Risiken des Quantitative Easing: Sparer & Verbraucher leiden

Quantitative Easing hat sich als Management-Tool für die Zentralbank bewährt. Die EZB steht aber nicht etwa aufgrund einer besonders weitsichtigen Geldpolitik im Fokus und wird mit Lob überschüttet. Seit der Subprime-Krise und dem Flächenbrand durch die Staatsschuldenkrise hat die Europäische Zentralbank eher sehr viel Prügel für ihre Geldpolitik einstecken müssen. In der Kritik geht es nicht allein um die massiv abgesenkten Zinssätze. Auf die Maßnahmen aus dem Bereich der Quantitativen Lockerung ist in den Fokus gerückt. An welchen Punkten hat sich die Kritik besonders heftig entzündet?

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1. Fallende Zinsen durch das Quantitative Easing

Wo Depot eröffnenKaufen im Rahmen der Quantitativen Lockerung EZB und andere Zentralbanken massiv Anleihen auf, greift greifen die Währungshüter damit in das Preisgefüge ein. Durch den Aufkauf verändert sich das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage. Eine Stimulation der Nachfrage verteuert die Anleihen und festverzinslichen Wertpapiere. Auf der anderen Seite verringern sich die Zinsen. Damit treten Zentralbanken – wie die EZB – eine Entwicklung los, die sich fortsetzt.

Investoren beginnen damit, ihr Portfolio umzuschichten, sie suchen nach einer höheren Ertragsaussicht. Die Suche nach mehr Rentabilität führt letzten Endes dazu, dass sich die Preise für andere Kapitalanlagen erhöhen, während die Zinsen nachgeben. Und sinkende Zinsen führen am Ende dazu, dass Finanzierungen günstiger zu haben sind. Ein Trend, der für die Stützung der Wirtschaft einen positiven Effekt bedeutet. Privater Konsum legt zu und das Investitionsgeschehen zieht an.

2. Bankeinlagen bringen keine Zinsen mehr

Klingt im ersten Moment gar nicht so dramatisch. Allerdings hat diese Entwicklung nicht nur eine Seite. Sinken Zinsen für Anlageformen, sind davon natürlich die Sparer betroffen. Besonders drastisch haben diesen Effekt Anleger zu spüren bekommen, die vor den Krisen in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre in Sparbuch, Tagesgeld und Co. investierten. Als Folge der EZB Politik brachen die Zinsen massiv ein. 2003 lagen die Zinsen für Einlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten bei durchgehend über zwei Prozent. Ab April 2009 begannen die durchschnittlichen Guthabenzinsen massiv abzuschmelzen. 2020 ist laut der Zinsstatistik der Bundesbank die Verzinsung in diesem Bereich bei 0,11 Prozent p. a. angekommen. Die Fed belässt die Zinsen bei 0%.

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Für Sparer bedeutet diese Entwicklung, dass die Zuwächse bei den zinsbasierten Spareinlagen weitgehend stagnieren. Speziell bei den kurzfristig verfügbaren Geldanlagen – sprich dem Sparbuch und dem Tagesgeld – ist diese Entwicklung offensichtlich. Aber auch Bankeinlagen, die mittelfristig angelegt sind, haben in der Vergangenheit schwere Zinsabschläge verkraften müssen. Festgeld liegt so gut wie kaum noch über 1,5 Prozent p. a. Guthabenverzinsung.

Was die Situation aus Anlegersicht so schwierig macht, ist die Geldentwertung durch die Inflation. Maßnahmen der EZB – wozu Leitzinssenkungen und das Quantitative Easing Programm gehören – verfolgen das Ziel, die Wirtschaft im Euroraum zu stabilisieren und die Inflationsrate um die zwei Prozent zu halten. Bedeutet: Erreicht die Europäische Zentralbank dieses Ziel, verliert jeder Euro einen Teil seiner Kaufkraft. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie ist die Inflationsrate zwar inzwischen nahe der 0-Prozent-Marke angekommen. Experten sehen es aber durchaus als möglich an, dass die Inflation wieder deutliche anzieht – sobald beispielsweise die Mineralölpreise wieder deutlich anziehen.

Zusätzlich schmelzen die Erträge aus den Spareinlagen durch die Abgeltungssteuer ab. Jeder Steuerpflichtige kann im Rahmen des Sparer-Pauschbetrags zwar bis zu 801 Euro vor dem sofortigen Abzug der Quellensteuer schützen. Wo Wertpapiere mit Bankeinlagen kombiniert werden, ist dieser Betrag allerdings schnell erreicht. Über kurz oder lang bedeutet diese Entwicklung, dass Sparer nach Abzug von Steuern und Inflation real einen Verlust erwirtschaften. An dieser Tatsache entzündet sich regelmäßig Kritik: Die Zentralbanken betreiben – so die Kritik – eine Politik der Enteignung des „kleinen Mannes“.

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3. Kapitalbildende Versicherungen lohnen sich kaum noch

Die Entwicklung fallender Zinsen trifft aber nicht nur private Sparer, die auf Bankeinlagen setzen. Auch im Bereich kapitalbildender Versicherungen gerät die Rendite unter Druck. Alle Maßnahmen, die eine Verringerung der Zinsen am Anleihemarkt nach sich ziehen, treffen institutionelle Anleger. Da sich die Quantitative Lockerung der EZB nicht nur auf die Staatsanleihen auswirkt, ist in den letzten Jahren der Ertrag aus den Versicherungen kontinuierlich abgeschmolzen. Besonders deutlich ist diese Entwicklung am Garantiezins, der unter anderem für die Kapitallebensversicherung gilt, geworden. 2017 wurde hier zum letzten Mal der Rotstift angesetzt – und der sogenannte Höchstrechnungszins unter die Marke von 1 Prozent festgesetzt.

Da Problem: Viele Haushalte haben in der Vergangenheit auf Produkte wie die private Renten- oder kapitalbildende Lebensversicherung gesetzt – um für den Ruhestand vorzusorgen. Schrumpfen die Verzinsungen so stark wie in den letzten Jahren zusammen, verringert sich nicht einfach bloß deren Rendite. Diese Form der Geldanlage ist relativ teuer. Gerade in den Anfangsjahren wird wenig Geld in die Sparrate gesteckt. Unterm Strich lohnen sich solche Versicherungen im Neugeschäft – aus Sicht der Versicherungsnehmer – kaum noch.

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4. Altersvorsorge wird schwieriger

Angesichts fallender Zinsen am Anleihemarkt – unter anderem durch das Quantitative Easing Programm der EZB – wird Altersvorsorge zunehmend schwieriger. Für viele Sparer sind Anleihen, Bankeinlagen und Bank Aktien über die Jahre sichere Häfen gewesen, um für die Rente vorzusorgen. Selbst Anleger, die eine gewisse Affinität zu Wertpapieren haben, schichten früher oder später ihr Portfolio um – und müssen inzwischen ernüchtert feststellen, dass nach der Umschichtung es kaum noch eine nennenswerte Rendite gibt.

Schwierigkeiten zeigen sich nicht nur für den Privat- oder Kleinanleger. Auch das Segment der institutionellen Anleger – wie beispielsweise bAV Einrichtungen (betriebliche Altersvorsorge) – werden seit dem Beginn des Quantitative Easing Programm der EZB mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Einer Umfrage Ende 2019 zufolge halten Marktteilnehmer die Maßnahmen in der Krise zwar generell für richtig. Allerdings – so die Haltung der bAV Einrichtungen – werden die negativen Auswirkungen immer deutlicher.

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5. Versicherungen werden teurer

Maßnahmen der Zentralbank zur Stabilisierung und Stützung der Wirtschaft in der Eurozone wie das Quantitative Easing EZB Programm wirken sich fundamental auf alle Bereiche aus, in denen Anleihen eine wichtige Rolle spielen. Berührt werden nicht nur die Spareinlagen vieler Haushalte, was sich spätestens in der Altersvorsorge bemerkbar machen wird. Ein Teil der Verbraucher bekommt dessen Effekte direkt zu spüren – in Form höherer Versicherungsbeiträge.

Ein Beispiel ist die private Krankenversicherung. Aus den Beiträgen der Versicherten wird nicht nur der aktuelle Versicherungsschutz bezahlt. Ein Teil der Prämien fließt in die Altersrückstellungen. Deren Aufgabe: Mit Erreichen eines gewissen Lebensalters löst die Versicherung diese auf, um den Beitrag für ältere Versicherte stabil zu halten. Die Rückstellungen fließen in ein Anlageportfolio, das sich unter anderem auf verzinsliche Wertpapiere stützt.

Sinken deren Zinsen durch Anleihekäufe der EZB, verändern sich die Kalkulationsgrundlagen der Versicherer. Mit der für die Zukunft erwarteten Rendite kann nicht mehr gerechnet werden – die Berechnungsgrundlagen werden angepasst, was zu steigenden Versicherungsbeiträgen führt. In den letzten Jahren haben Versicherte in der PKV diesen Effekt massiv zu spüren bekommen.

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6. QE bläst die Immobilienpreise auf

Ein Kernaspekt im Quantitative Easing Programm ist die Verringerung der Zinsen am Anleihemarkt. Investoren haben auf der anderen Seite das Bestreben, eine gesunde Mischung aus Rendite und Sicherheit im Portfolio aufzubauen. Die Folge ist eine Abwanderung in Anlageklassen, die einen höheren Ertrag versprechen. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass der Immobiliensektor von der Kapitalschwemme der EZB profitiert – eben durch eine Kombination aus niedrigen Zinsen und hoher verfügbarer Liquidität.

Banken reichen bereits seit Jahren Baufinanzierungen mit historisch niedrigen Zinssätzen aus. Eine Entwicklung, aus der nicht nur institutionelle Marktteilnehmer ihren Nutzen ziehen. Viele Privathaushalte haben die Chance in der Vergangenheit genutzt – und sind dank der niedrigen Zinsen für Baufinanzierungen ins Eigenheim umgezogen. Die Folge: Selbst Märkte, in denen über Jahre eher ein Überangebot herrschte, sind inzwischen zunehmend unter Druck geraten. Die Nachfrage ist einfach höher als das Angebot. Bereits 2015 hielt die Bundesbank Medienberichten zufolge die Immobilienpreise in einigen Regionen für bis zu 20 Prozent überbewertet. Die Entwicklung solcher Preisblasen weckt unangenehme Erinnerungen an die 2000er Jahre.

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  1. QE fördert die Exportwirtschaft

Mit Quantitative Easing öffnen Zentralbanken nicht einfach nur die Geldschleuse. Auf diese Weise kann der Euro abgewertet werden, was die Wirtschaft – zumindest in einigen Bereichen – fördert. Von einem zu anderen Handelswährungen wie dem US-Dollar niedrigen Euro profitiert die Exportwirtschaft. Unternehmen aus diesem Sektor werden gestärkt und können mehr Arbeitsplätze schaffen. Zu den Profiteuren gehört daher Deutschland, das allgemein als Exportschwergewicht gilt.

Auf der anderen Seite wird die Quantitative Lockerung zu einem Problem für andere Wirtschaftszweige. Unternehmen, die eher im Import tätig sind, leiden unter abgewerteten Währungen. Produkte und Vorerzeugnisse müssen teuer eingekauft werden. Letztlich hat das Quantitative Easing EZB Programm zwei Seiten. Speziell Volkswirtschaften in der EU, die weniger stark exportorientiert eingestellt sind, leiden folgerichtig stärker unter den unkonventionellen Maßnahmen der EZB.

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Quantitative Easing als Krisenmotor

Zentralbanken wie die EZB setzen auf Quantitative Easing als Maßnahme, um durch Krisen zu kommen – wenn sie andere geldpolitische Mittel bereits ausgeschöpft haben. Speziell Leitzinssenkungen sind eine Maßnahme mit endlichem Charakter. Experten sehen in der Quantitativen Lockerung durchaus Potenzial, wenn es um das direkte Bewältigen akuter Krisen geht. Wie geht es danach aber weiter? Die US-Notenbank hat bereits 2014 das Zurückfahren seiner QE Maßnahmen eingeleitet. Das Quantitative Easing Programm der EZB läuft seit 2015.

Durch die Coronavirus-Pandemie hat die Zentralbank die Maßnahmen nicht zurückgefahren, sondern sogar noch ausgeweitet. Durch die Geldflut versucht die EZB, den Markt zu beruhigen. Ein drastisches Ausweiten vom Quantitative Easing Programm birgt allerdings die Gefahr neuer Krisen in sich.

  • Immobilienblasen entstehen: Zu den Risiken der Quantitativen Lockerung gehören die Auswirkungen auf den Immobiliensektor. In den letzten Jahren haben hier die Preise deutlich angezogen. Mit immer höheren Preisniveaus warnen Experten zunehmend davor, dass Immobilien in einigen Ländern/Regionen deutlich überbewertet sind. Kaufpreise werden nicht mehr vom realen Wert gedeckt. Was hier droht, ist die Entstehung einer Immobilienblase. Im schlimmsten Fall entwickeln sich starke Verwerfungen, wie am US-Immobilienmarkt im Zuge der Krise 2007/2008.
  • Kreditblasen drohen sich zu bilden: Eine lockere Geldpolitik soll für Banken der Anreiz sein, Kapital über Kredite an die Wirtschaft weiterzureichen. Allerdings entsteht hier schnell ein schmaler Grat. Werden Investitionen ausschließlich auf Pump finanziert, können sich Kreditblasen entwickeln. Sobald Unternehmen in die Lage geraten, ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen zu können, setzt eine Kettenreaktion ein. Besonders groß wird die Gefahr, wenn durch das QE nicht nur die Realwirtschaft gestärkt wird, sondern nicht mehr wirtschaftlich arbeitende Unternehmen gestützt werden. Diese „Zombies“ werden früher oder später zu einer Gefahr.
  • Aktienmärkte sehen Kapitalflut: Mit den Maßnahmen der Quantitativen Lockerung löst die EZB eine Geldschwemme aus, die nicht nur der Realwirtschaft zugutekommt. Auch die Finanzmärkte spüren die Entwicklung sehr schnell. Anleger schichten ihre Portfolios um und setzen auf Papiere mit höherer Rendite. Durch die Zunahme der Liquidität an den Börsen steigt automatisch die Nachfrage – was sich auf die Kursentwicklung auswirkt. Deutlich sichtbar wird die Entwicklung in den historischen Kursen der großen Aktienindizes. Hier lohnt es sich die Aktientrends im Auge zu behalten. DAX, Dow Jones und Co. haben nach 2009 eine beispiellose Wachstumsphase erlebt. Die Gefahr besteht, dass bei einer Beendigung des QE die Börsen massive Kursverluste hinnehmen müssen – wenn Anleger Kapital abziehen. Um immer aktuell zu bleiben empfehelen wir hier einen der DAX Benachrichtigung Services einzuschalten.

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Fazit: Quantitative Easing wird zum Problem

Als Reaktion auf die Krisen der späten 2000er Jahre waren die Zentralbanken in einem bisher nicht gekannten Ausmaß gefordert. Die EZB und Fed haben neben Leitzinssenkungen auch zur Quantitativen Lockerung gegriffen. Diese unkonventionelle Maßnahme hat in der Krise als Stabilisator funktioniert. Allerdings zeigt sich inzwischen auch, welche Schattenseiten das Ganze hat. Die Zentralbanken nehmen immer weiter Geld in die Hand, um Schulden zu finanzieren. Die Verbindlichkeiten steigen in globalen Maßstab.

Parallel scheinen sich Finanzmärkte und Realwirtschaft immer weiter voneinander zu entfernen. Und auch im Immobilienmarkt rumort es zunehmend. Das Quantitative Easing Programm hat durchaus das Zeug dazu, neuerliche Krisen anzuheizen.

Bilderquelle:

  • shutterstock.com

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