Ant Financial IPO 2020 gescheitert: Neuer Versuch denkbar

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Im Herbst 2020 wurde der geplante Ant Financial IPO kurzfristig abgesagt. Der Ant Financial Börsengang sollte der bislang größte werden. Danach wurden die Pläne für einen IPO bei Ant Financial erst einmal auf Eis gelegt.

Daher ist derzeit offen, wann Anleger die Ant Financial Aktie zeichnen können. Ursprünglich war ein Börsengang in Shanghai und Hongkong vorgesehen.

Der Ant Financial Börsengang sollte 37 Milliarden Dollar einbringen. Damit wäre dies der größte Börsengang aller Zeiten gewesen. Saudi Aramco nahm mit seinem Börsengang seinerzeit 29 Milliarden Dollar ein.

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Ant Financial 2014 gegründet

Die Ant Group ist ein Tochterunternehmen von Alibaba und wurde im Oktober 2014 gegründet. Weiterhin ist das Unternehmen trotz fehlgeschlagenem Börsengang mit 150 bis 200 Milliarden Dollar das am höchsten bewertete Finanzunternehmen der Welt und das wertvollste Einhorn.

Im Juli 2020 benannte sich das Unternehmen in Ant Technology Group bzw. Ant Group um. Zuvor firmierte das Unternehmen als Ant Financial Group. Der Name signalisierte eher Aktivitäten im Finanzbereich, weniger im Bereich Technologie.

Das Unternehmen bietet verschiedene Finanz- und Bezahldienste an und betreibt mit Alipay die größte Plattform für mobile Zahlungen und Online-Zahlungen der Welt. Dazu kommt mit Yu‘e Bao der größte internationale Geldmarktfonds und mit Sesam Credite ein Bonitätsbewertungssystem. Im Februar 2021 lag die Nutzerzahl der Ant Group bei 1,3 Milliarden Menschen in aller Welt.

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Unternehmen erhielt viel Kapital von Investoren

Ant Financial ging aus einem Rebranding bei Alipay hervor und konnte schon im Folgejahr 4,5 Milliarden Dollar von Investoren einzahlen. Schon im Frühjahr 2016 hatte das Unternehmen etwa 450 Millionen aktive Nutzer und über Alipay wurden Transaktionen im Wert von neun Billionen Dollar durchgeführt.

Eine Schätzung von Credit Suisse kam zu dem Ergebnis, dass 58 Prozent aller Online-Zahlungen in China über Alipay ausgeführt werden. In den letzten Jahren wurden einige Unternehmen, auch aus den USA, übernommen. An Klarna aus Schweden soll Ant Financial mit einem Prozent beteiligt sein.

Die geplante Übernahme von MoneyGram International platze, da der Ausschuss für ausländische Investitionen in den USA die Genehmigung verweigerte. 2018 sagte zudem die chinesische Cyberspace-Administration, dass das Unternehmen die Datenschutzvorgaben des Landes nicht erfülle.

Dennoch konnte Ant Financial 2018 erneut 14 Milliarden Dollar von Investoren erhalten und konnte seine Expansion in andere Länder starten. Auch für Europa und die USA gibt es hier Bestrebungen.

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Börsengang für Herbst 2020 geplant

Im August 2020 wurde dann bekannt, dass das Unternehmen im September oder Oktober des gleichen Jahres an die Börse gehen will. Geplant war damals, dass nach dem Ant Financial IPO 15 Prozent der Unternehmensanteile an der Börse gehandelt werden sollen. Dies wären bei einem Unternehmenswert von 150 bis 200 Milliarden Dollar rund 20 bis 30 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen wollte aufgrund der Schwierigkeiten zwischen den USA und China nicht in den USA an die Börse. Letztendlich wurde der Börsengang auf die erste Novemberwoche 2020 terminiert. Zwei Tage vor dem geplanten Ant Financial IPO wurde der Börsengang dann aber abgesagt.

In der Vorbereitung zum Börsengang legte das Unternehmen auch Geschäftszahlen vor. Im ersten Halbjahr 2020 wurde ein Umsatz von fast neun Milliarden Euro und ein Gewinn von etwa 2,6 Milliarden Dollar erzielt.

Damals wurde im Börsenprospekt eine aktive Nutzerzahl von 711 Millionen Menschen genannt. Dies wären doppelt so viele wie bei PayPal. Zu den Angeboten des Unternehmens gehören demnach

  • Kredite
  • Versicherungen und
  • Dienstleistungen zum Vermögensmanagement.

Mit diesen Dienstleistungen begibt sich Alipay in einen Sektor, der staatlich kontrolliert wird.

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Alibaba weiter an Ant Financial beteiligt

Alibaba war im Herbst 2020 weiter mit 33 Prozent an der Ant Group beteiligt. Seit Dezember 2019 wird das Unternehmen von Simon Hu geführt. Im Herbst 2019 gab es einige Umstrukturierungen, auch auf der personellen Ebene, und Unternehmensgründer Jack Ma zog sich aus dem Unternehmen zurück.

Gerüchte über einen Ant Financial Börsengang gab es schon länger und wurde schon Ende 2017 erwartet. Damals kamen aber eine schlechte Profitabilität und regulatorische Probleme auf und der IPO wurde, laut IPO Kalender, verschoben. In den Folgejahren wurden die Vorgaben aus den USA strenger.

Beim Ant Financial IPO zeichnen in Hongkong war ein Einstiegspreis von 80 Hongkong-Dollar pro Aktie geplant und es sollten 1,67 Milliarden Aktien angeboten werden. Darüber hinaus wollte Ant Financial eigentlich vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November 2020 an die Börse gehen, da das Unternehmen in Folge der Wahl Unruhen an den Märkten befürchtete.

Dies war jedoch aufgrund der chinesischen Finanzaufsicht nicht möglich, die einen Interessenskonflikt befürchtete. Die Finanzaufsicht kritisierte zudem, dass Kleinanleger nur über Alipay in das Unternehmen investieren könnten.

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Kein Ant Financial IPO in den USA

Alibaba ging 2014 noch in den USA an die Börse. Bei Ant Financial wirkte sich aber der Handelskonflikt zwischen China und den USA in den letzten Jahren stärker aus. Unter anderem drohte der ehemalige US-Präsident Donald Trump dem Unternehmen mit Sanktionen, da er durch Ant Financial die nationale Sicherheit der USA gefährdet sah.

2020 versuchte auch die Regierung in Peking zu verhindern, dass chinesische Unternehmen einen Börsengang in den USA durchführen. Damit sollte auch der Finanzplatz China gestärkt und die eigene Börse attraktiver gemacht werden.

Daher wurde laut Jack Ma erstmals der Preis für eine solch große Listung außerhalb von New York bestimmt. Er führte weiter aus, dass er sich einige Jahre zuvor noch nicht einmal getraut hätte, über einen solchen Börsengang nachzudenken. Mit derartigen Aussagen wollte er womöglich auch die Regierung in Peking auf seine Seite bringen, die weiterhin einen großen Einfluss auf viele Unternehmen im Land hat.

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Ant Financial bei 2020 mit 313 Milliarden Dollar bewertet

Geplant war 2020, dass Ant Financial über seinen IPO gut 17 Milliarden Dollar einnimmt. Diese Gelder sollten für weiteres Wachstum verwendet werden. Das Unternehmen wollte so seine Marktführerschaft in China weiter ausbauen. Da nur ein Teil der Unternehmensanteile an der Börse gehandelt werden sollten, lag die Bewertung bei etwa 313 Milliarden Dollar.

Die kurzfristige Absage des Ant Financial IPOs war für Anleger wie auch für Marktbeobachter eine große Überraschung. Danach wurde deutlich, dass ein zweiter Versuch frühestens ein halbes Jahr später stattfinden könnte. Außerdem müsste die Bewertung des Unternehmens reduziert werden.

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Spannungen mit chinesischen Behörden

Dies würde auch aufgrund der Spannungen mit den chinesischen Behörden nicht überraschen. Dem geplatzten Ant Financial Aktie Börsengang gingen neue Pläne der chinesischen Regierung für die Vergaben von Krediten im Internet voraus, die sich zum damaligen Zeitpunkt stark auf Ant Financial ausgewirkt hätten. Die Regierung verkündete, dass 30 Prozent der Kredite, die ein Finanzunternehmen zusammen mit Banken vergibt, von den Unternehmen selbst finanziert werden müssen.

Dies wurde von Experten als Schritt gegen das wachsende Kreditgeschäft von Ant Financial gewertet. Das Unternehmen präsentiert sich zwar als Technologieunternehmen, trat aber in der Vergangenheit immer mehr wie eine Bank auf. Dies geht auch mit Risiken einher. Auch im Börsenprospekt stand, dass knapp 40 Prozent der Einnahmen aus der Vergaben von Verbraucherkrediten stammen.

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Wann kommt die Ant Financial Aktie?

Bisher ist unklar, wann Anleger Ant Financial zeichnen und die Ant Financial Aktie handeln können. Klar ist, dass der Börsenprospekt vor einem neuen Versuch neu erstellt werden muss. Im Herbst 2020 ging man aufgrund der regulatorischen Änderungen davon aus, dass das Unterlagen mindestens ein halbes Jahr dafür braucht. Nach dem geplatzten Börsengang gingen viele Analysten aber davon aus, dass ein Ant Financial IPO dennoch früher oder später stattfindet, womöglich aber eine Nummer kleiner.

Die Absage des Börsengangs wirkte sich damals auch auf die Aktie von Alibaba aus, die deutlich einbrach. Seitdem Alibaba 2014 an die New Yorker Börse ging, stieg der Aktienkurs deutlich. Bis zum geplanten Börsengang von Ant Financial konnte Alibaba aus seinem Börsengang rund 330 Gewinne verbuchen und war damals mit 800 Milliarden Dollar bewertet.

Ein weiterer Grund für die Absage des Börsengangs war womöglich eine Rede von Jack Ma aus dem Oktober 2020, in dem er das Vorgehen der chinesischen Behörden kritisiert hatte. Er sagte, dass die Regulierung in China Investitionen abbremse. Daher konnte der gestoppte Börsengang auch als eine Maßnahme der Regierung gegen die Aussagen von Jack Ma gesehen werden.

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Erfolgreiches Quartal vor geplantem Börsengang

Vor dem geplanten Börsengang war das dritte Quartal 2020 im Übrigen sehr erfolgreich für Ant Financial. Das Unternehmen hatte sich schon damals gut von der Corona-Pandemie erholt. Der Umsatz lag bei 155 chinesischen Yuan und damit etwa 30 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen war mit 47,5 Milliarden Yuan 28 Prozent höher als im dritten Quartal 2019. Der gesamte Gewinn sank aber um 60 Prozent auf 28,8 Milliarden Yuan. Dies hing mit einem großen Sonderauftrag zusammen, den das Unternehmen schon ein Jahr zuvor verbucht hatte.

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Hoffnung auf zweiten Anlauf an der Börse

Im Februar 2021 gab es dann Hoffnungen auf einen neuen Anlauf zu einem Ant Financial IPO. Damals berichteten einige Medien, dass das Unternehmen kurz vor einem Durchbruch bei Verhandlungen mit der chinesischen Regierung stehen würde.

Dabei hieß es, beide Seiten hätten sich auf einen Plan zur Umstrukturierung geeinigt. Die chinesischen Behörden hatten zuvor eine Neustrukturierung gefordert.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, hätten sich beide Seiten darauf geeinigt, dass alle Geschäftsbereiche des Unternehmens unter dem Dach einer Finanzholding zusammengelegt werden sollten. Dazu würden auch Bereiche wie die Blockchain-Sparte und die Essenslieferdienste gehören. Ant Financial hatte zunächst versucht, nur die Finanzdienstleistungen neu aufzustellen.

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Eine Finanzholding würde bedeuten, dass strengere Vorgaben zur Regulierung gelten würden, was sicher den Vorstellungen der Regierung in Peking entspricht. Diese arbeitet seit einiger Zeit daran, neue Regeln aufzustellen und so Finanzdienstleister und Technikunternehmen stärker zu kontrollieren.

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Auf neue Regulierungen einstellen

Die Marktregulierungsbehörde verkündete zu Jahresbeginn 2021 beispielsweise neue Anti-Monopolregeln. Damit stehen den chinesischen Technologieunternehmen große Veränderungen ins Haus. Die Unternehmen der Branche konnten viele Jahre wachsen und es gab keine strikte Regulierung.

Nun kommen aber zahlreiche Vorgaben auf die Unternehmen zu. Eine davon ist schon lange bekannt. Die sogenannte „Great Firewall“ dient dazu, das Internet zu kontrollieren und vor Konkurrenz aus den USA zu schützen. Seit Jahren schon sind beispielsweise

  • Google
  • Twitter oder
  • andere bekannte US-Webseiten

in China nicht aufrufbar.

Dies ließ viele Jahre Raum für eigene Entwicklungen. Beispielsweise wurde Baidu zu einer beliebten Suchmaschine und Weibo ist eines der beliebtesten sozialen Netzwerke. Das früher oder später ähnlich wie zum Beispiel PayPal auch ein Zahlungsanbieter entsteht, war damit sicher keine Überraschung.

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Neuaufstellung bei Ant Financial

Alipay entstand 2004 und war für Zahlungen bei Alibaba gedacht. 2011 trennte Jack Ma dann Alipay aus Alibaba heraus. Für Alibaba ist Jack Ma übrigens weiter selbst verantwortlich.

Gemeinsam mit der Konkurrenz von Tencent machen beide Unternehmen 94 Prozent des Marktes für mobile Zahlungen in China aus. Viele Umsätze von Ant Financial kommen mittlerweile aber über Kredite, die an Verbraucher vergeben werden. Dies dürfte die chinesische Regierung mehr stören als die Online-Bezahlwege.

Anfang 2021 schien es wohl Fortschritte bei der Neuaufstellung von Ant Financial gegeben zu haben, doch bis das Unternehmen seine Pläne hinsichtlich einer Ant Financial Aktie wieder verfolgen kann, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Den Plänen zu einem Ant Financial IPO müsste dann auch vom Financial Stability and Development Committee zugestimmt werden. Die Regulierungsbehörde ist dem Staatsrat unterstellt. Das Unternehmen muss sich zudem auf die Regulierungen einstellen, die in den letzten Monaten hinzu gekommen sind. Dies könnte für Ant Financial eine hohe Kapitalaufstockung bedeuten.

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Börsengang nach Lösen der Schwierigkeiten mit der Regierung

Ende Januar 2021 deutete Yi Gang, der Chef der chinesischen Zentralbank, bei einem Panel im Rahmen des Weltwirtschaftsforums an, dass die Regulierungsbehörden einen klaren rechtlichen Rahmen benötigen, um die Schwierigkeiten bei Ant Financial in den Griff zu bekommen. Dies sei ein Prozess und wenn die Schwierigkeiten gelöst sind, könne wieder ein IPO in Betracht kommen. Dies lies die Hoffnungen von Anleger, dass es in nicht allzu ferner Zukunft einen Ant Financial IPO geben könnte, wieder steigen.

Im Übrigen haben die Regulierungsbehörden auch Alibaba im Blick. Ende Dezember 2020 wurde bekannt, dass eine kartellrechtliche Untersuchung gegen Alibaba eingeleitet wurde. Von Oktober 2020 bis Februar 2021 verlor die Alibaba Aktie um 30 Prozent.

Schon 2011 wurde die Herauslösung von Ant Financial bzw. Alipay aus dem Alibaba-Konzern damit begründet, dass es nur über Veränderungen bei der Eigentümerstruktur möglich war, die Vorgaben der chinesischen Regierung zu erfüllen. Damals bemühte sich das Unternehmen um eine Banklizenz.

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Fazit: Ant Financial IPO nach Umstrukturierung denkbar

Ant Financial wollte eigentlich schon im November 2020 an die Börsen gehen. Der Ant Financial IPO wäre der größte Börsengang aller Zeiten gewesen, wurde aber wenige Tagen vor dem Börsenstart abgesagt. Hintergrund waren wohl vor allem Schwierigkeiten mit der chinesischen Regierung.

Weiter hoffen aber viele Anleger auf einen Ant Financial IPO. Anfang des Jahres gab es Berichte, wonach eine Lösung mit der Regierung in Peking gefunden werden könnte. Dieses scheint aber mit Umstrukturierungen verbunden zu sein, die die chinesische Regierung fordert. Wie lange dies dauert und wie hoch die Kosten für Ant Financial sein könnten, ist aber unklar.

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