Swing Trading Strategie

Mit einer Swing Trading Strategie versuchen Trader, Korrekturen gegen den übergeordneten Markttrend zum Einstieg zu nutzen. In einem exemplarischen Aufwärtstrendkanal wird somit gekauft, wenn sich der Markt nach einer Korrektur im unteren Bereich des Kanals aufhält. Im ersten Schritt jeder Swing Trading Strategie steht deshalb die Suche nach möglichst signifikanten Trendkanälen.


Swing Trading: Einstieg in Trendrichtung zu günstigen Kursen

Der Ansatz ist auf allen zeitlichen Ebenen umsetzbar und lässt sich durch Stop Buy bzw. Stop Sell Orders auch ohne ständige Anwesenheit am Bildschirm verfolgen. Die Suche nach signifikanten Trend- und Regressionskanälen kann durch Marktscanner wesentlich erleichtert werden. Und: Es wird in Trendrichtung gehandelt.

Swing Trading kombiniert dabei die Essenz aus zwei wesentlichen Erkenntnissen der Technischen Analyse:

  1. Erstens geht die TA davon aus, dass ein einmal etablierter Trend im Markt sich mit einer größeren Wahrscheinlichkeit fortsetzt, als dass er endet.
  2. Zweitens erkennt die TA, dass Kurse sich in wiederkehrenden Mustern bewegen, zu deren bekanntesten Vertretern das Auf und Ab innerhalb eines Trends zählen.

Wird an der unteren Linie eines Aufwärtstrendkanals eine Longposition eröffnet, sollte diese profitabel sein, wenn sich der Trend fortsetzt. Da dies statistisch mit einer größeren Wahrscheinlichkeit der Fall ist als ein Trendbruch, ist eine Bedingung für eine erfolgreiche Strategie bereits gegeben: Die hinreichend hohe Trefferquote.

Die zweite Bedingung – eine strikte Verlustbegrenzung – lässt sich beim Swing Trading ebenfalls recht leicht umsetzen. Es wird davon ausgegangen, dass nach einem Einstieg recht schnell Bewegungen in Trendrichtungen stattfinden sollten. Ist dies nicht der Fall, wird die Position geschlossen.


Swing Trading eignet sich für Berufstätige

Bei der Beurteilung von Trading Strategien kommt ein Kriterium regelmäßig zu kurz: Trader sollten sich fragen, welcher zeitliche Aufwand mit der Umsetzung einer Strategie auf Dauer verbunden ist. Die wenigsten Trader üben diese Tätigkeit in Vollzeit aus. Müssen Trades parallel zu einem Hauptjob platziert werden, sollte der Aufwand für Analyse und Handel einen gewissen Rahmen nicht sprengen.

Swing Trading kann sich bei der Wahl eines geeigneten Ansatzes als Strategie für Berufstätige eignen. Michael Hinterleitner hat im Blog einen diskretionären Ansatz vorgestellt, der mit relativ wenig Zeitaufwand umgesetzt werden kann. Trades werden dabei außerhalb der Haupthandelszeiten als Stopp Buy bzw. Stopp Sell Orders im Markt platziert.

Gehandelt wird überwiegend mit CFDs auf liquide Aktien. Es muss sich dabei um Aktien mit üblicherweise engen Spreads handeln, die vorzugweise eine gewisse Volatilität an den Tag legen. Es wird nicht gegen klare Trends gehandelt, der späte Einstieg in Trends soll ebenfalls vermieden werden. Long Entry Signale erfordern kleine bullishe Tageskerzen, Short Entry Signale erfordern kleine bearishe Tageskerzen. Die Kerzen müssen sich in der Nähe der Extrempunkte befinden.

Die Stopp-Entry-Orders werden knapp über dem Tageshoch für die Eröffnung einer Longposition und knapp unter dem Tagestief für die Eröffnung einer Shortposition platziert – konkret beläuft sich der Abstand auf 1-2 Cent bzw. 5 Cent bei Aktienkursen oberhalb von 50 EUR.

Jede Position wird mit einem Stopp Loss abgesichert. Der Abstand errechnet sich als das 0,60-fache der Volatilität der letzten zehn Handelstage (Average True Range, ATR). Das Kursziel wird als das 1,80-fache der ATR festgelegt. Zusätzlich gilt ein horizontaler, d.h. zeitlicher Stopp von vier Tagen. Pro Trade wird ein Hundertstel des zur Verfügung stehenden Kapitals riskiert. So viel geht verloren, wenn die Stopp Loss Order zum festgelegten Kurs ausgeführt wird.


Swing Trading nach Marc Rivalland

Zu den bekanntesten Ansätzen im Swing Trading zählt jener von Marc Rivalland („Marc Rivalland on Swing Trading“, 2005). Bei dieser Vorgehensweise wird eine Swing Position eröffnet, wenn eine Gegentrendbewegung über mindestens drei Tage (bzw. Stunden, Wochen etc. – abhängig von der verwendeten Periodenlänge) anhält. In einem Aufwärtstrend bedarf es dazu mindestens drei „Down Days“.

Down Day und Up Day

Ein Down Day ist definiert als Handelstag, an dem Hoch und Tief niedriger ausfallen als am Vortag. Ein Up Day ist dementsprechend ein Tag, an dem Hoch und Tief höher ausfallen als am Vortag. Es muss sich somit um klare Korrekturen handeln, trendlose Marktbewegungen eignen sich zum Swing Trading nicht.

Treten in einem Aufwärtstrend mindestens drei Down Days in Folge auf und kommt es am vierten Tag zu einem Verlassen der Vortagesspanne nach oben, wird eine Longposition eröffnet.

Dazu kann bereits am Morgen des vierten Tages eine Stop Buy Order über dem Hoch des dritten Down Days platziert werden. Zur Absicherung wird ein Stop Loss kurz über dem Tief des dritten Down Days platziert.

Swing Trading mit Fibonacci Retracements

Philosophie des Swing Tradings ist es, zu günstigen Niveaus in den Markt einzusteigen:

Gekauft wird idealerweise nach einer Korrektur im Aufwärtstrend, verkauft nach einer Korrektur im Abwärtstrend.

Bei einem lehrbuchmäßigen Ablauf wird nahe am Ende der Korrektur eine Position in Richtung des nun fortzusetzenden Trends eröffnet. Doch wann ist eine Korrektur ausgeprägt genug? Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Fibonacci Retracements werden häufig herangezogen, um das Ausmaß einer Korrektur zu messen.

Fibonacci Retracements basieren auf einer grundlegenden Erkenntnis:

Die in einem Trend üblichen Korrekturen enden nicht willkürlich in einer Wiederaufnahme der Trendrichtung. Stattdessen kommt es oft nach einem bestimmten Ausmaß einer Korrektur im Bezug auf die vorangegangene Kursbewegung zu einem Ende der Korrektur und einer Umkehr des Marktes in Trendrichtung.

Die Abbildung unten zeigt ein Fibonacci Retracement im DAX Chart.

Was bedeuten die Zahlen?

38,20 %, 50 %, 61,8 % und 100 % markieren den Prozentsatz, zu dem die vorangegangene Aufwärtsbewegung durch die Korrektur wieder rückgängig gemacht wurde. Bei 100 % wäre die gesamte Bewegung vom Markt revidiert worden. In der Abbildung unten notiert der Markt nahe seines 38,20 % Retracements – ein relativ häufiger Umkehrpunkt für Korrekturen.

 

Screenshot: Fibonacci Retracement im DAX

Screenshot: Fibonacci Retracement im DAX

Zur Erinnerung:
Solange eine Korrektur oberhalb des 38,20 % Retracements endet, liegt den meisten Definitionen nach ein starker Trend vor. Ein Trendbruch liegt selbst bei Erreichen des 38,20 % Retracements nicht vor.

Wie funktioniert Swing Trading mit Fibonacci Retracements? Trader legen einen Retracement-Bereich fest, der eine hohe Signifikanz erwarten lässt. Eine hohe Signifikanz liegt vor, wenn der Markt in der Vergangenheit häufiger bis in einen bestimmten Retracement-Bereich korrigiert hat und danach seinen Trend wieder aufnahm. Auch das 50 %-Retracement kann gewählt werden, obwohl dieses nicht auf eine Fibonacci Zahl zurückgeht.

Läuft ein aufwärts gerichteter Markt in ein Retracement hinein, kann bereits dies als vorgelagertes Kaufsignal betrachtet werden. Der Einstieg in den Markt erfolgt dann mit der nächsten bullishen Kerze. Alternativ dazu kann ein Wiederausbrechen des Marktes nach oben aus dem Retracement-Bereich als Basis für ein Einstiegssignal definiert werden.

 


Swing Trading mit Kumulationspunkten

Werden Swing Trading Signale bzw. die zu handelnden Märkte manuell und ohne Scanner gesucht, erhöht dies den Aufwand. Die manuelle Auswahl ermöglicht im Gegenzug die Berücksichtigung einer großen Zahl von Indizien. Wählerische Trader eröffnen Positionen nur, wenn zeitgleich mehrere Signale im Chart auftreten.

So könnte z. B. festgelegt werden, dass eine Longposition nur eröffnet wird, wenn

  • Der Markt knapp oberhalb einer intakten Aufwärtstrendlinie notiert
  • Die Bewegung weg vom Markt mit einem Candlestick-Signal einhergeht, z. B. bullishe Kerze mit langem Schatten
  • Das Volumen während der Korrektur rückläufig war

Naturgemäß erfüllen nur relativ wenige Handelssignale alle diese Kriterien. Der Aufwand, der für die Suche nach jedem einzelnen Signal betrieben werden muss, ist dann hoch.


Marktscanner, mechanisches Handelssystem oder diskretionär?

Einfacher ist die Arbeit mit einem Marktscanner, der Signale auflistet und automatisch über das Auftreten von Swing Trading Situationen informiert. Wer gar keinen Zeitaufwand investieren möchte, kann die Signale zugleich durch ein mechanisches Handelssystem umsetzen lassen.

In diesem Fall kann aber die persönliche Erfahrung und Intuition nicht in Handelsentscheidungen einfließen – es sei denn, es gelingt, diese vollständig in einen Algorithmus umzusetzen. Für die meisten Trader dürfte ein Kompromiss die richtige Wahl sein. Die Vorselektion aus einer großen Anzahl von Märkten wird mit einem Marktscanner vorgenommen. Danach folgt eine manuelle Auslese – eventuell unter Berücksichtigung von charttechnischen Kumulationspunkten.

Treten mehrere Handelssignale auf, kann Swing Trading auch in zwei Märkten parallel durchgeführt werden. Hier kann es zu einem erhöhten Risiko kommen, wenn mehrere untereinander hoch korrelierte Märkte gehandelt werden.