GAP Strategie

Gaps sind Kurslücken und eröffnen im besten Fall einen Blick auf das Kräfteverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Häufig basieren GAP Strategien auf der Annahme, dass Kurslücken geschlossen werden. Das ist zwar sehr häufig der Fall, kann aber Jahre dauern.

Zielt eine GAP Strategie auf die Schließung von Kurslücken ab, sollte sie intraday eingesetzt werden. Hier soll es um die Interpretation der verschiedenen Typen von Kurslücken gehen.

Die Charttechnik kennt drei Typen von Kurslücken:

  • Ausbruchslücken
  • Fortsetzungslücken
  • Erschöpfungslücken

Ausbruchslücken (im angelsächsischen RaumStrategie als „breakaway gap“ bezeichnet treten typischerweise im Kontext der Vollendung von Chartformationen auf. Durchbricht der Markt einen Widerstand, ist das grundsätzlich ein Hinweis auf weiter steigende Kurse.

Erfolgt der Durchbruch mit einer Kurslücke, verstärkt diese das Signal deutlich. Das gilt umso mehr, wenn die Lücke mit einem deutlich anziehenden Volumen einhergeht.

Dasselbe Prinzip gilt für Ausbruchslücken bei Dreiecken (Ausbruch aus dem Dreieck), Kopf-Schulter-Formationen (Bruch der Nackenlinie), Trendlinien- und Kanäle und grundsätzlich alle Ausbruchsszenarien, die in der Technischen Analyse eine Rolle spielen. Ausbruchslücken erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines vollendeten Ausbruchs und das Potenzial der dem Ausbruch folgenden Bewegung. Fällt der Markt in einem Aufwärtstrend unter eine Ausbruchslücke zurück, ist dies ein deutlicher Hinweis auf ein Ende der Bewegung nach oben.

Fortsetzungslücken treten im weiteren Verlauf einer Marktbewegung auf. Es kann sich um eine einzelne, aber auch um eine Serie von Lücken handeln. Charakteristisch ist das Auftreten in etwa auf der Hälfte der gesamten Bewegung, weshalb Fortsetzungslücken auch als „Measuring Gaps“ bezeichnet werden. Fortsetzungslücken werden idealtypisch von mittleren Handelsumsätzen begleitet und bestärken die Aussagekraft des Trends.

Kurzfazit: Sowohl Ausbruchs- als auch Fortsetzungslücken können im Rahmen einer GAP Strategie zum Einstieg in Trend- bzw. Ausbruchsrichtung genutzt werden.

Erschöpfungslücken (exhaustion gaps) sind in Aufwärtstrends Aufwärtslücken, die in einem relativ späten Stadium des Trends auftreten. John J. Murphy charakterisiert diese Lücken in „Technische Analyse der Finanzmärkte“ als „letztes Aufbäumen der Kurse“. Maßgeblich für die Einstufung eines Gaps als exhaustion gap ist ein im Nachgang sehr schnell abebbender Aufwärtstrend.

Es kommt zu einer seitwärts oder leicht abwärts gerichteten Marktbewegung. In dieser kann eine weitere, dann abwärts gerichtete Lücke auftreten. An diese wiederum schließt sich ein starker Abwärtstrend an. Das Szenario mit zwei Lücken wird nach Aufwärtstrends als „obere Inselumkehr“ bezeichnet und markiert typischerweise ex post ein bedeutendes Hoch, das für längere Zeit nicht mehr erreicht wird.

Für die Umsetzung von GAP Strategien bietet sich der Einsatz von Marktscannern an, die das Auftreten von Lücken für zahlreiche Märkte prüfen. Die Gaps sollten dann visuell eingestuft werden. Die alleinige Anwendung exemplarischer Gaps auf große Leitmärkte führt zu einer relativ überschaubaren Anzahl von Handelssignalen.