Ethereum: Mehr als eine Bitcoin-Kopie?

14.12.2017 - 11 Minuten Lesezeit

Der Kurs der Kryptowährung Ethereum steigt rasant – und folgt damit dem Kurs des Bitcoin. Ist Ether – so heißt die Kryptowährung eigentlich – nur eine Kopie des Bitcoin oder etabliert die Technologie der Smart Contracts eine neue Gattung virtueller Währungen? Wie können Anleger in Ether investieren? Was sind die wichtigsten Unterschiede zu Bitcoin? Diese und weitere Fragen zum Ethereum Netzwerk und seiner Währung werden hier beantwortet.

Was ist Ethereum?

Wenn von Ethereum gesprochen wird, ist meistens Ether gemeint. Das gilt jedenfalls, wenn es um Kryptowährungen geht.

Ether ist die Währung des Netzwerks Ethereum. Die virtuelle Währung wird innerhalb des Netzwerks benötigt, um Apps zu entwickeln und Handel zu betreiben.

Das Ethereum Netzwerk basiert zwar ebenso wie Bitcoin auf der Blockchain Technologie. Anders als bei Bitcoin beschränkt sich der Sinn des Netzwerks und der Technologie jedoch nicht auf die Bereitstellung einer Kryptowährung. Über das Ethereum Netzwerk sind sehr viele weitere Anwendungen möglich.

Open Software Plattform auf der Blockchain Technologie

Ethereum ist eine Open Software Plattform auf Basis der Blockchain Technologie.

Ethereum ist eine Open Software Plattform auf Basis der Blockchain Technologie. Das Netzwerk stellt Tools für Entwickler bereit, mit denen dezentrale Apps (Dapps) entwickelt werden können.

Die Tools vereinfachen die Entwicklung von Apps auf der Blockchain erheblich. Im Mittelpunkt steht dabei die Ethereum Virtual Machine. Diese ermöglicht das Schreiben von Programmen, ohne dass für jede App eine neue Blockchain erforderlich ist.

Ein wesentlicher Bestandteil von Ethereum sind Smart Contracts. Diese ermöglichen es, Verträge in Code umzuwandeln. Zu den über Smart Contracts dargestellten Anwendungen gehören z. B. Voting Systeme und Crowdfunding Plattformen.

Grundsätzlich eignet sich das Format für eine Vielzahl von Anwendungen, darunter z. B. die Abwicklung von Immobiliengeschäften, die Speicherung von Gesundheitsdaten, medizinische Forschung u.v.m.

Smart Contracts: Vertragsbedingungen in Code übersetzt

Der Code eines Smart Contracts wird im Netzwerk dezentral gespeichert und repliziert. Eine zentrale Speicherung und Überwachung ist nicht notwendig. Der Code eines Smart Contracts erfüllt selbständig die Vertragsklauseln- und Bedingungen. Möglich ist darüber insbesondere der Austausch von Wertgegenständen. Genannt seien Geld, Aktien, Informationen, Rechte usw.

Smart Contracts machen die Vertragsparteien damit autonom und unabhängig von Mittelsmännern.

Dokumente werden in der Blockchain irreversibel gespeichert, so dass keine zentrale Aufbewahrung von Daten erforderlich ist.

Ether wird von den Entwicklern von Ethereum nicht primär als Währung, sondern als „Krypto-Treibstoff“ eingestuft.

Ether ist die Währung des Netzwerks und wird verwendet, um darin für Services oder Mining Prozesse zu bezahlen. Miner werden im Ethereum Netzwerk ebenso wie bei Bitcoin für die Validierung eines Blocks vergütet.

Anders als bei Bitcoin ist die Zahl der Währungseinheiten nicht begrenzt. Die Schöpfung von Bitcoin durch den Mining Prozess verlangsamt sich in regelmäßigen Abständen und kommt bei 21 Millionen Einheiten vollends zum Erliegen.

Bei Ether verhält es sich anders: Miner können hier immer neue Einheiten hinzufügen. Das von Krypto-Befürwortern bei Bitcoin gerne angeführte Argument eines nicht-inflationären Charakters trifft auf die Währung des Ethereum Netzwerks somit nicht zu.

Am 30. Juli 2015 startete die Währung mit 60.102.216 Einheiten. Die Zahl ist ein Zufallsprodukt. Die „Gründer“ von Ethereum führten eine Crowdfunding Kampagne durch. Die Anzahl der dabei eingenommenen Bitcoin war maßgeblich für die Anzahl der anfänglich existierenden Einheiten.

Pro Jahr werden 26 % der anfänglich verfügbaren Einheiten zusätzlich geschöpft. Damit wächst die Geldmenge jedes Jahr um einen absoluten Betrag. Ether ist damit auf eine langfristig gegen null tendierende Inflationsrate ausgerichtet.

Theoretisch können Ether de facto eines Tages auch leicht deflationär sein. Das wäre der Fall, wenn bei einer großen Zahl existenter Einheiten die Zahl neuer Einheiten unter der Zahl verlorener Einheiten liegt.

Verloren ist eine Einheit, wenn der Besitzer seinen Private Key verloren hat.

Ein solcher endgültiger Verlust wird jedoch von keiner Instanz offiziell festgestellt.


Historie von Ethereum und Ether

Die Geschichte von Ethereum begann Ende 2013. Damals stellte Vitalik Buterin das Weißbuch „Ethereum: A Next Generation Smart Contract & Decentralized Application Platform“ vor.

Im April 2014 folgte die Veröffentlichung eines Yellow Papers durch Dr. Gavin Wood. In dem Papier wurde die formale Spezifikation des Netzwerks sowie die Ethereum Virtual Machine (EVM) vorgestellt.

Im Juli 2015 startete der Betrieb des Netzwerks. Bereits im Februar 2016 entfiel auf die Kryptowährung Ether eine Marktkapitalisierung von ca. 0,5 Mrd. USD.

Die Ether Hausse begann im März 2017 und verstärkte sich im Mai 2017. Im Dezember 2017 erreichte der Kurs erstmals die Marke von 500 USD. Das entspricht 4.000% Kurszuwachs in den letzten 12 Monaten.

Etherum Chart Dezember 2017

Wochenchart ETH/USD. Quelle: guidants.com

Ether hat ebenso wie Bitcoin einen „Hard Fork“ erlitten. Die Blockchain spaltete sich in zwei Linien. Neben Ethereum gibt es nun auch das weniger bedeutende Ethereum Classic.

Laut dem Portal coinmarketcap.com existierten Anfang Dezember 2017 rund 1.300 verschiedene Kryptowährungen. Gemessen an der Marktkapitalisierung belegte Ether (bzw. Ethereum, wie die Währung des Netzwerks auch auf vielen Marktplätzen namentlich mit diesem gleichgestellt wird) den zweiten Platz. Die Marktkapitalisierung erreichte ca. 44,7 Mrd. USD. Zu diesem Zeitpunkt existierten rund 96 Millionen Einheiten der Währung.

Die Entwicklung wird von der schweizerischen Stiftung Ethereum (Ethereum Foundation) geleitet. Das ist ein zentraler Unterschied zu Bitcoin:

Bei BTC gibt es keine namentlich bekannten Entwickler oder Verantwortlichen.

Ether kaufen, verkaufen und aufbewahren

Um Ether in „physischer“ Form kaufen zu können, müssen Anleger wie bei Bitcoin eine Wallet anlegen und Einheiten über Börsen oder Marktplätze kaufen.

Für die Börsen und Marktplätze gilt: Was bei Bitcoin eine große Reichweite und Liquidität vorweisen kann, kann dies meistens auch für Ether.

Reichweite und Liquidität sind die wesentlichen Merkmale von Börsen. Einzahlungen auf die Accounts der Handelsplätze sind je nach Anbieter z. B. mittels Banküberweisung oder Kreditkarte möglich.

Noch komplizierter als bei Bitcoin ist der Kauf von Ether gegen Bargeld. Das geht eigentlich nur über einen Umweg: Zunächst muss ein entsprechender Weg für den Tausch von Bargeld in Bitcoin aufgesucht werden. Danach können Bitcoin gegen Ether getauscht werden. Anleger sollten bei jeder Form von Transaktion unter Beteiligung von Bargeld größte Vorsicht walten lassen.

Cold Storage ist die sicherste Variante

Ether kann wie jede Kryptowährung mit verschiedenen Methoden aufbewahrt werden. Die unkomplizierteste Variante sind Online Wallets, wie sie in großer Zahl verfügbar sind. Hier besteht allerdings das Risiko von Verlusten durch Hackerangriffe oder andere kriminelle Aktivitäten. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu teils beträchtlichen Diebstählen bei Wallets.

Das Problem dieser Wallets: Eine große Zahl von Private Keys wird zentral auf Servern gespeichert. Das zieht Hacker an: Gelingt der Zugriff, kann eine große Zahl von Währungseinheiten erbeutet werden. In den letzten Monaten sind die Kurse für Kryptowährungen massiv in die Höhe gestiegen. Es ist deshalb zu erwarten, dass kriminelle Organisationen mehr Aufwand in Angriffe auf Wallets investieren.

Vor allem im Hinblick auf eine langfristige, sichere Verwahrung sind deshalb Cold Storage Methoden die bessere Wahl. Dabei werden Kryptowährungen auf USB-Sticks oder anderen Speichermedien aufbewahrt, die nicht ständig mit dem Internet verbunden sind. Mittlerweile gibt es recht ausgereifte „Hardware Wallets“. Diese sind mit kleinen Bildschirmen ausgestattet, die eine Art Guthabenabfrage ermöglichen. Es gibt verschiedene Sicherheitsmaßnahmen. Um eine Verbindung zur Blockchain herzustellen, muss z. B. je nach Endgerät eine vierstellige PIN eingegeben werden.

Eine Alternative zu Hardware Wallets sind Paper Wallets. Dabei wird der Private Key auf einem Stück Papier notiert oder gedruckt oder in ein Metall eingestanzt. Der Vorteil: Der Schlüssel ist nie online. Der Nachteil: Jeder, der den Code zu sehen bekommt, könnte auch Zugriff auf die virtuelle Währung erhalten.

Generell wird empfohlen, größere Bestände an Kryptowährungen in verschiedenen Wallets zu verwahren und so eine gewisse Streuung des unsystematischen Risikos zu erreichen. Dieses besteht bei Kryptowährungen in Hackerangriffen.


Trading und Investments in Ether

Neben einem Direktinvestment in „physisches“ Ether stehen langfristig orientierten Investoren und spekulativ ausgerichteten Tradern weitere Instrumente zur Verfügung. Einen Ether ETF gibt es bislang nicht. Da jedoch in Kürze der erste Bitcoin ETF auf den Markt treten dürfte, ist auch für die kleinere Kryptowährung für 2018 mit einem börsengehandelten Indexfonds zu rechnen. Bis dahin bleiben ETNs, Trusts und CFDs.

Ether ETNs

Seit Oktober 2017 ist an der Nasdaq Stockholm ein Ether Produkt handelbar. Die Exchange Traded Note (ETN) wurde durch den schwedischen Anbieter XBT Provider emittiert. XBT Provider hatte bereits 2015 ein ähnlich strukturiertes Produkt auf Bitcoin auf den Markt gebracht.

Bei dem Wertpapier handelt es sich um eine mit Ether besicherte Anleihe. Der Kurs der Kryptowährung wird 1:1 abgebildet, eine Hebelwirkung gibt es nicht. Das Papier bezieht sich auf den Ether Preis in USD und wird einmal in EUR und einmal in SEK notiert. Es wurden 20 Mio. ETNs mit einem Bezugsverhältnis von 1:10 emittiert. Als Referenzmärkte gelten laut dem Wertpapierprospekt von XBT Provider Poloniex, Kraken, Bitfinex, GDAX und Gemini.

Ether Trust

Nicht nur Bitcoin, sondern auch Ether kann über den Umweg von Trusts erworben werden. Ein Trust ist ein (in diesem Fall börsennotiertes) Unternehmen, dessen Anlagevermögen ausschließlich aus Ether besteht. Anteile an dem Trust sind damit gleichzusetzen mit dem Besitz der Kryptowährung.

Zu den bekanntesten Produkten in diesem Bereich zählt der Grayscale Ethereum Classic Investment Trust. Grayscale Investments LLC betreibt auch den Bitcoin Investment Trust und den Zcash Investment Trust. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 3 %. Stand Ende November waren ca. 3,6 Millionen Trust-Anteile im Umlauf. Das verwaltete Vermögen gab Grayscale Capital mit ca. 88 Mio. USD an.

Die private Keys für die durch den Trust gehaltenen Vermögenswerte werden nach Darstellung des Unternehmens in Wallets des Unternehmens Ledger SAS gehalten und durch Mehr-Faktor-Authentifizierung geschützt.

Ether ETF und Ether Zertifikat

Anders als bei der „größeren“ Kryptowährung Bitcoin gibt es für Ether bislang keine Zertifikate und ETFs im engeren Sinne. Mit dem ersten in den USA zugelassenen börsengehandelten Indexfonds ist für das Jahr 2018 mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Die wichtige Börse Chicago Board of Trade (CBOE) hat noch für 2017 die Zulassung von Futures auf Bitcoin angekündigt. Hält sich das Interesse an Kryptowährungen, dürften Kontrakte auf Ether bald folgen.

Der Handel von Terminkontrakten an einem regulierten Markt gilt als wesentlich für die Entwicklung von ETFs. Diese würden ihre Basis voraussichtlich nicht physisch, sondern über Swaps nachbilden. Den Kontrahenten der Swaps-Geschäfte müsste eine Absicherung über Futures möglich sein.

Die liechtensteinische Privatbank Frick & Co. emittierte im Juli 2017 mit dem Cryptocurrency Basket Tracker (CCT) ein weiteres Produkt, das seit September 2017 auch einer breiteren Öffentlichkeit angeboten wird. Die Bank beschreibt den CCT in der Pressemitteilung zwar als Zertifikat, die Konstruktion erinnert allerdings eher an einen Trust. In jedem Fall bildet der CCT die Kursentwicklung von Ether und Bitcoin ab.

Der Kurs des CCT orientiert sich nicht an verschiedenen Referenzmärkten, wie es z. B. beim Vontobel Partizipationszertifikat auf Bitcoin der Fall ist. Die Bank kooperiert mit Bitcoin Suisse. Bitcoin Suisse ist ein in der Schweiz ansässiger und auf Kryptowährungen spezialisierter Broker und Vermögensverwalter. Der Broker führt Liquidität aus verschiedenen Handelsplätzen zusammen.

Die Bank Frick & Co. ist offensichtlich selbst im Besitz der Kryptowährungen. Der Pressemeldung zufolge „werden die Kryptowährungen in sogenannten Cold-Storage-Wallets gehalten, also in Geldbörsen, welche nicht mit dem Internet verbunden sind.“  Von den Cold-Storage-Wallets wiederum werden demnach Sicherheitskopien angefertigt. Die Wallets und die Kopien werden an verschiedenen Orten aufbewahrt.

Ether CFDs

Ether kann bei diversen Brokern mittlerweile auch als CFD gehandelt werden, darunter z. B. Admiral Markets und JFD Brokers. Die CFD Broker sind rasch auf den Zug aufgesprungen. Nicht immer ist klar, auf welchen Handelsplatz sich die Kurse im CFD beziehen bzw. wie der Broker seine Kursstellung herleitet.

In hektischen Phasen können auch schon mal bloß offene Positionen geschlossen werden für einige Stunden. Aber zumindest kann mit CFDs unkompliziert auch auf fallende Kurse gesetzt werden. Und man kann im Normalfall jederzeit kaufen und verkaufen. Ohne Wartezeiten, und ohne Wallets bei verschiedenen Börsen haben zu müssen. Damit kommt man mit CFDs dem Thema Trading noch am nächsten.


Fazit

Ether unterscheidet sich in einigen Punkten von Bitcoin. Zwar basieren sowohl das Netzwerk Ethereum als auch Bitcoin auf der Blockchain Technologie. Ethereum ermöglicht über die EVM allerdings die sehr viel einfachere Entwicklung von Anwendungen auf der Blockchain und beschränkt das Anwendungsziel nicht auf eine Kryptowährung. Die Menge der umlaufenden Währungseinheiten steigt bei Ether zudem unendlich an, wenn auch relativ betrachtet abnehmend. Bei Bitcoin ist die Zahl der Einheiten begrenzt. Trading mit Ether ist mit CFDs am einfachsten. Investoren können in Trusts und ETNs einsteigen. Die Entwicklung von Zertifikaten und ETFs auf Ether dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Wie bei allen Kryptowährungen gilt: Was hoch fliegt, kann auch tief fallen.

Über den Autor

Team BrokerDeal

Team BrokerDeal

BrokerDeal kümmert sich neben den Brokervergleichen und den Vorteilen für Mitglieder auch um die Aus- und Weiterbildung der Mitglieder und Leser. Dafür mitverantwortlich sind eine Handvoll talentierter und erfahrener Trader, die Ihr Wissen gerne weitergeben. Wer ebenfalls Interesse daran hätte für BrokerDeal zu schreiben, kann jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen.

Kommentieren

(wird nicht angezeigt, Sie erhalten aber eine Bestätigungsmail auf diese E-Mail-Adresse, welche Voraussetzung für eine Freischaltung ist)

Anhang (max. 5 MB): (Dateiendungen: jpg, png, gif, pdf)
Wird geladen...