Momentum-Strategie: Handeln, wo die Musik spielt

Die Märkte bewegen sich zu einem erheblichen Teil der Zeit impulslos. Geld wird in den relativ kurzen Trendphasen verdient. Was liegt da näher, als gezielt nach Märkten am Beginn solcher Phasen zu suchen? Diesen Ansatz verfolgen Momentum-Strategien.

  • Das Momentum misst die Geschwindigkeit der Kursbewegung
  • Die Kombination mit fundamentalen Aspekten ist denkbar

Wie lassen sich Märkte identifizieren, die sich im Frühstadium einer größeren Kursbewegung befinden? Typischerweise beginnen größere Bewegungen mit einem stärkeren Impuls in die Richtung des neuen Trends. Eine Möglichkeit, solche Kursbewegungen (auch über Scanner) zu identifizieren, ist das Momentum.


Berechnung des Kursmomentums

Das Momentum ist ein sehr einfacher Indikator. Sein Wert berechnet sich aus der Differenz zwischen dem Schlusskurs der aktuellen Periode und dem Schlusskurs von vor n Perioden. Wird ein 10-Tages-Momentum berechnet (von diesen Parametereinstellungen geht z. B. John J. Murphy in „Technische Analyse der Finanzmärkte“ aus), berechnet sich der Wert aus

Momentum = Kurs T – (Kurs T-n), wobei n in diesem Fall gleich 10 ist.

Das Momentum misst die Steigung des Marktes. Notiert es über der Nulllinie, ist der Kurs am betreffenden Tag höher als zehn Tage zuvor. Steigt das Momentum oberhalb der Nulllinie an, beschleunigt sich der Aufwärtstrend. Flacht sich der Anstieg oberhalb der Nulllinie ab, steigen die Kurse weiter - aber mit verringerter Geschwindigkeit. Das Momentum misst damit die Geschwindigkeit einer Kursbewegung.

Eine Möglichkeit zur Umsetzung von Momentumstrategien besteht in der Interpretation von Durchkreuzungen der Nulllinie als Handelssignal. Das ist insbesondere in Kombination mit Trendanalysen denkbar: Überkreuzt das Momentum in einem Aufwärtstrend die Nulllinie nach oben, ist die vorangegangene Korrektur womöglich beendet und der Trend setzt sich fort.


Gesucht: Märkte mit hohem Momentum

Eine Momentum-Strategie kann ferner darin bestehen, über Marktscanner gezielt nach Märkten mit hohem Momentum zu suchen und Positionen in Trendrichtung aufzubauen. Märkte mit hohem Momentum versprechen starke Kursbewegungen in relativ kurzer Zeit. Damit die Strategie aufgeht, braucht es zusätzlich eine hinreichende Trefferquote und eine Strategie zur Verlustbegrenzung.

Die ausschließliche Orientierung am Momentum ist nicht ohne Risiko: Schließlich könnte der Markt die angelaufenen Kursgewinne auch sehr schnell wieder abgeben. Deshalb sind weitere Filter wie z. B. die Analyse des Trends hilfreich. Verluste sollten unabhängig von Werten des Momentums durch Stopp Loss begrenzt werden.


Das Momentum und die Fundamentale Analyse

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Momentum mit Aspekten der Fundamentalen Analyse zu kombinieren. Die Analyse der Märkte über Marktscanner umfasst dann zwei Schritte:

  1. Suche nach Branchen, Ländern, Wertpapieren etc. die fundamental betrachtet deutliche Kursgewinne rechtfertigen
  2. Suche innerhalb dieser Märkte nach hohen Momentumwerten

Die grundlegende Überlegung: Mit der Fundamentalanalyse wird ermittelt, welche Märkte strukturell unterbewertet sind. Trader wissen, dass „Recht haben“ nicht gleichzusetzen ist mit „Recht bekommen“:

Nur weil ein Markt unterbewertet ist, schließen sich noch lange keine Kursgewinne an.

Tritt in fundamental unterbewerteten Branchen ein deutlich anziehendes Kursmomentum auf, nimmt der Markt möglicherweise eine Neubewertung vor. Dann besteht Potenzial für größere Kursgewinne. Aussichtsreich ist diese Variante der Momentumstrategie insbesondere, wenn nicht nur einzelne Titel, sondern ganze Branchen und Länder fundamental bewertet werden.