Trading mit Fibonacci – vom Ursprung bis zur Praxis

Der Begriff Fibonacci dürfte vielen Anhängern der Technischen Analyse bekannt vorkommen. Nahezu täglich finden insbesondere die Fibonacci-Retracement-Levels ihren Einzug in die Trading-Charts. Doch was hat es denn eigentlich mit dieser mathematischen Entdeckung auf sich? Kann man sie tatsächlich im praktischen Trading-Alltag verwenden oder gar gewinnbringend einsetzen? Soviel vorab: Es gibt Studien hier in Deutschland wie in Übersee, dass rein statistisch der Touch diverser Fibonacci-Levels keinen Vorzug gegenüber der 1/3-Theorie nach Charls Dow hat. Also nur Humbug? Mit Sicherheit nicht, denn letztlich ist es immer das was ein Anleger oder Trader daraus macht. Folglich liefern natürlich auch die Fibonacci-Levels keinen 100%igen Erfolg und doch lohnt der Blick in die Materie.

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Fibonacci-Trading: Wie alles begann

Beginnen wir daher mit der Entstehung bzw. vielmehr Entdeckung dieser Verhältnismäßigkeit und gehen einige hundert Jahre zurück in die Geschichte.

In seinem im Jahr 1202 erschienenen, berühmten Buch „Liper Abacci“ (zu Deutsch: Buch der Kalkulationen) dokumentierte der Mathematiker Leonardo Fibonacci da Pisa (~1180 bis ~1240) seine mathematische Errungenschaft, die ihresgleichen suchte.

Der Pisaer lernte auf seinen zahlreichen Handelsreisen nach Algerien, Ägypten, Syrien, Griechenland, Sizilien und in die Provence alle damals bekannten Rechenverfahren kennen. Daraufhin gelang es ihm, das bis dahin übliche lateinische Zahlensystem durch das uns vertraute Dezimalsystem zu ersetzen.

Dieses neuartige Zahlensystem ist auch als hindu-arabisches Zahlensystem bekannt. Da es insbesondere durch die Einführung der Null das davor übliche lateinische Zahlensystem ablöste, revolutionierte es die bis dato gültigen Berechnungsansätze. Das zuvor angewandte lateinische Zahlensystem hatte einen gewaltigen Nachteil: Als bis dahin gültiges Grundzahlenwerk ließ es nur Berechnungen zu, die umständlich mit Hilfe eines Rechenbrettes ausgeführt werden mussten.

In diesem Zusammenhang überrascht es wenig, dass diese umwälzende mathematische Entdeckung von Leonardo Fibonacci da Pisa großen Einfluss auf die weitere wissenschaftliche Entwicklung nahm, etwa in der Mathematik, der Buchhaltung und diversen angrenzenden Zahlwissenschaften wie der Technik, Physik oder auch Astronomie.


Die Verbindung zum Anleger und Trader

Um 1920 führte der für Elliott-Wave-Anhänger bekannte Urvater Ralph Nelson Elliott in seinem Buch „Nature´s Law“ die Fibonacci-Verhältnisse als Ordnungsprinzip der Welt und insbesondere als Grundlage seiner Elliott-Wave-Theorie ein. Der bis dahin in mancher Hinsicht vernachlässigte Fibonacci erfuhr dadurch geradezu eine Wiederbelebung.

Gelingt es daher dem Trader, bestimmte geometrische Chartkonstellationen zu identifizieren, kann er mit dem richtigen Verständnis potenzielle Wendepunkte erkennen und sich entsprechend im Markt positionieren.

Da es sich hierbei dennoch immer um den Handel mit Wahrscheinlichkeiten dreht, kann bzw. muss man im Fall einer falschen Einschätzung die Position aufgrund seiner vorherigen Erkenntnisse frühzeitig schließen (oder per Stop-Loss schließen lassen).

Letztlich geht es exakt darum mögliche Umkehrpunkte im Vorfeld zu lokalisieren.

Eine Bündelung weiterer Methoden der Technischen Analyse wie bspw. die der Elliott-Wellen oder Unterstützungs- und Widerstandszonen ist daher eine große Bedeutung zuzurechnen.

Es gilt daher immer zu beachten, dass die Preis- und Zeitanalyse in etwa wie eine mathematische Annäherung an potenzielle Wendepunkte funktioniert. Die Vielfältigkeit der Anwendung kennt keine Grenzen, daher widmen wir uns jetzt der eigentlichen Grundidee und nähern uns den wesentlichsten Fibonacci-Zahlen und ihren Verhältnissen an.

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Zur praktischen Lehre und der Fibonacci-Zahlenreihe

Die Fibonacci-Hasenfrage

Im eingangs erwähnten Werk „Liper Abacci“ wurde die vielerorts bekannte Frage nach der Kaninchenpopulation gestellt.

Genau genommen lautete sie wie folgt:

„Wie viele Kaninchenpaare können in einem geschlossenen Raum in einem einzigen Jahr aus einem einzigen Kaninchenpaar gezüchtet werden, wenn jedes Paar in jedem Monat ein neues Paar zur Welt bringt, angefangen im zweiten Lebensmonat?“

Die Zahl der Kaninchenpaare bleibt in den beiden ersten Monaten konstant bei 1, weil logischerweise jedes Paar einen Monat benötigt, um zeugungsfähig zu werden und dann jeden Monat ein weiteres Paar hervorzubringen.

Die Fibonacci-Hasenfrage bildlich aufgelöst: Nach einem Jahr wird der Züchter 144 Hasenpaare besitzen. Beim Betrachten der Zahlenreihe der Hasenpaare kann man feststellen, dass sie die Fibonacci-Reihe bildet. Bild mit freundlicher Genehmigung von Herrn Tobias Sägesser.

Als Lösung dieser Frage (Bild 1) entstand die populäre Fibonacci-Zahlenreihe: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233 usw. bis unendlich unabhängig von der Fragestellung.

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Die mathematische Formel dazu lautet: 

Die Fibonacci-Zahlenreihe ist also durch eine unendliche Zahlenfolge definiert, in der sich jede Zahl aus der Summe der beiden vorherigen ergibt. Das Bekannte an dieser Zahlenreihe ist jedoch nicht das absolute Ergebnis, sondern die Verhältnismäßigkeit der Zahlen zueinander.


Die Fibonacci-Verhältnismäßigkeit

Wobei neben dieser Zahlenfolge und der Verhältnismäßigkeit ein paar weitere interessante Eigenschaften zu erkennen sind, nicht zuletzt die, dass zwischen den Zahlen ein beinahe konstantes Verhältnis besteht, das sich als Goldener Schnitt zu erkennen gibt.

  • Die Summe von zwei aufeinander folgenden Zahlen ergibt also die nächsthöhere Zahl.
    Demzufolge: 1, 1+1 = 2, 1+2 = 3, 3+5 = 8, 5+8 = 13, 8+13 = 21 usw.
  • Das Verhältnis einer Zahl zu ihrer nächsthöheren Zahl nähert sich nach den ersten vier Gliedern der Reihe dem Wert 0,618. Zum Beispiel 1/1 = 1,00; 1/2 = 0,5; 2/3 = 0,67; 3/5 = 0,60; 5/8 = 0,625; 8/13 = 0,615; 13/21 = 0,619 usw.
    Interessant hierbei ist die Art und Weise, wie die Werte der ersten Brüche abwechselnd über und unter 0,618 liegen, wobei sich die Schwingungsweite grundsätzlich verkleinert.
  • Das Verhältnis einer Zahl zur ihrer nächstniedrigeren Zahl beträgt ungefähr 1,618 = dem Goldenen Schnitt (Phi). Dies entspricht dem Kehrwert von 0,618. Am Beispiel: 13/8 = 1,625; 21/13 = 1,615; 34/21 = 1,619.
    Grundsätzlich lässt sich festhalten: Je größer die Zahl ist, desto genauer nähert sich das Verhältnis Phi an.
  • Das Verhältnis zwischen einer Zahl und der übernächsten Zahl nähert sich überdies erneut dem Wert 2,618 bzw. dem Kehrwert 0,382. Zum Beispiel 13/34 = 0,382; 34/13 = 2,615.
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Hier schließt sich der Kreis zur Technischen Analyse

In der klassischen Technischen Analyse verwendet man die Fibonacci-Zahlen bzw. eben deren Verhältnismäßigkeiten in mehreren Bereichen: Bei Konsolidierungen oder Korrekturbewegungen werden mit ihrer Hilfe Unterstützungszonen ausfindig gemacht (auch hinlänglich als Fibonacci-Retracements bekannt).

EUR/USD-Tageschart erstellt mit Guidants. Nach Touch des 61,8% Fibonacci-Levels stehen die Chancen zur Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegun günstig. Doch kommt es so? Wir wissen es nicht und doch erlaubt uns das Fibonacci-Tool in Verbindung der Unterstützung sowie der im Nahbereich befindlichen Trendlinie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Annahme dafür.

Gleiches gilt bei Ausbrüchen und kontinuierlichen Anstiegen, wo anhand von Fibonacci-Extensions Preiszielzonen aufgespürt werden. Am bekanntesten sind die Niveaus 38,20 %, 50,00 % und 61,80 % im Sinne einer Korrektur und 161,80 % bzw. 261,80 % im Sinne einer Zielprojektion. Wobei insbesondere die vorzeitige Beendigung einer Korrekturbewegung im Bereich des 38,20-%- bzw. des 50,00-%-Fibonacci-Retracements für eine innere Stärke des übergeordneten Trends spricht.

In einem prinzipiell schwächeren Trendumfeld treten zumeist Korrekturbewegungen bis zum 61,80-%-Niveau auf. Somit wären wir auch gleich beim Thema!

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In der Praxis – EUR/USD und das 61,80 %-Fibonacci-Retracement

Nach diesem Theorie-Ausflug nachfolgend ein praktisches Beispiel zur Anwendung von Fibonacci.

Wie man sieht, setzte der EUR/USD am Tag der Erstellung dieses Artikels (24.02.2016) exakt bis zum 61,80 %-Fibonacci-Retracement des Bewegungsimpulses vom Januar-Tief bis zum Februar-Hoch zurück.

Singular betrachtet schon einmal interessant. Doch interessanterweise findet sich im Bereich rund um dieses Level auch eine frühere Widerstandszone, welche nunmehr als Unterstützung agiert. Ebenso befindet sich nur wenige Pips darunter die Aufwärtstrendlinie seit Dezember 2015 und somit wird das Bild komplementiert.

Nach Bewertung der gegenwärtigen Situation zum Zeitpunkt der Analyse, stehen die Chancen zur Wiederaufnahme eines Aufwärtsimpulses günstig. Grundbedingung dafür ist die umgehende Stabilisierung/Gegenbewegung mitsamt der Verteidigung des Levels rund um 61,80 %. Chancen ergeben sich unter Swing- und Positionsgesichtspunkten bis hin zum Hoch vom Februar bei 1,1377 USD und ggf. auch noch höher.

Christian Kämmerer

Head of German Speaking Markets

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www.jfdbrokers.com

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert.

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