Gemeinsam gegen Apple und Google: Europäer schließen Allianz für mobiles Zahlungssystem

15.09.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone wird auch in Deutschland zunehmend beliebter. Allerdings können deutsche und europäische Banken von diesem Trend bislang nicht profitieren. Dies soll sich allerdings in Zukunft ändern: So haben sich sieben europäische Zahlungsanbieter zusammengeschlossen, um den amerikanischen Konzernen Google, Apple, Visa und MasterCard in Zukunft Paroli bieten zu können. Im Folgenden werden wir die Erfolgsaussichten dieses Vorhabens beleuchten. Skeptisch stimmt dabei der Versuch der deutschen Banken und Sparkassen, mit paydirekt einen Konkurrenten zu PayPal zu etablieren: Damit ist man krachend gescheitert.

Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone wird zunehmend beliebter

Schon seit einigen Jahren kann man beobachten, dass das mobile Bezahlen mit Hilfe des Smartphones immer beliebter wird. Ein Vorreiter bei dieser Entwicklung stellt China dar, denn in keinem anderen Land der Welt ist diese Zahlungsmethode beliebter. Mittlerweile ist dieser Trend allerdings auch in Europa und damit auch in Deutschland angekommen. Da man heutzutage sein Smartphone fast immer dabei hat, ist es ja auch sehr praktisch, damit zu bezahlen. Denn im Endeffekt ist es dadurch nicht mehr notwendig, einen Geldbeutel mit Bargeld oder EC- bzw. Kreditkarte mit sich zu führen. Schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich Technologien häufig durchsetzen, wenn sie für den Nutzer bequem und einfach nutzbar sind. Genau dies trifft auch auf das Bezahlen per Smartphone zu. Es ist aus diesem Grund davon auszugehen, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen dazu entscheiden werden, im Geschäft auf diese Art und Weise zu bezahlen.

Google und Apple nutzen ihre marktbeherrschende Stellung

Der Markt für das mobile Bezahlen wird dabei durch die beiden Konzerne Google und Apple dominiert. So hat Google durch sein Betriebssystem Android bei den Smartphones eine marktbeherrschende Stellung inne. Damit war es für das Unternehmen auch ein Leichtes, seinen eigenen Bezahldienst Google Pay zu „pushen“. Wer dagegen kein Smartphone mit Android Betriebssystem nutzt, wird in der Regel ein Produkt von Apple in den Händen halten. Apple geht dabei noch rigoroser vor, als Google: So ist die meistgenutzte Technik für das mobile Bezahlen der NFC Chip (near field communication). Dieser Chip findet sich auch auf immer mehr EC- und Kreditkarten und sorgt dafür, dass man an der Kasse kontaktlos bezahlen kann.

Auf Apple Geräten wie dem iPhone, dem iPad oder der iWatch kann dieser Chip allerdings nur von Apple Pay und nicht von Drittanbietern genutzt werden. Für Konkurrenten ist es daher sehr schwierig, einen Zugang zu diesem lukrativen Markt zu erhalten.

Europäische Anbieter schließen Allianz für mobiles Zahlungssystem

Um sich trotzdem gegen die Dominanz der genannten amerikanischen Unternehmen zu wehren, haben sich nunmehr sieben europäische Zahlungsanbieter zu einer Allianz zusammengeschlossen. Das Ziel ist es dabei, einen europäischen Standard für das mobile Bezahlen zu etablieren. Zu den beteiligten Unternehmen zählen dabei: Bluecode (Deutschland und Österreich), Twint (Schweiz), Swish (Schweden), Vipps (Norwegen), Mobilepay (Finnland und Dänemark), Bancontact Payconiq (Belgien) und Sibs / MB Way (Portugal). Die Allianz trägt dabei den Namen European Mobile Payment Systems Association (kurz EMPSA) und hat ihren Sitz in der Schweiz (Zürich).

Die Technik stammt dabei hauptsächlich von Bluecode. Dies hat sowohl Vorteile, als auch Nachteile. So generiert die Bluecode App für das Bezahlen einen Barcode auf dem Smartphone, welcher dann an der Kasse eingescannt wird. Man benötigt daher bei dieser Methode keinen NFC Chip. Somit kann man Bluecode auch auf Apple Geräten nutzen. Eine weiterer Vorteil besteht darin, dass das mobile Bezahlen mit dem Girokonto verknüpft ist. Daher ist es zum Beispiel nicht erforderlich, eine Kreditkarte auf dem Smartphone zu hinterlegen.

Allerdings stellt der Barcode von Bluecode gleichzeitig auch einen Schwachpunkt dar. Denn das kontaktlose Bezahlen mittels NFC Chip stellt die deutlich modernere Technik dar. Auch viele Verbraucher haben sich mittlerweile an diese Art des Bezahlens gewöhnt (sei es durch das Smartphone oder durch die eingebauten NFC Chips auf den EC- und Kreditkarten). Es erscheint daher gut möglich, dass die Barcode Technik von Bluecode von den Kunden als veraltet wahrgenommen wird.

Keine ausreichende Zahl von Akzeptanzstellen

Ein weiteres Problem von EMPSA besteht darin, dass bislang nur sehr wenige Geschäfte diese Zahlungsmethode akzeptieren. Dies wissen auch die teilnehmenden Unternehmen der Allianz, weshalb sie zum Beispiel Gutscheine und Rabattaktionen anbieten möchten, um die Kunden von den Vorteilen des neuen Zahlungssystems zu überzeugen. Eine Möglichkeit wäre dabei, mit dem Anbieter Payback zusammenzuarbeiten. Denn auch dieser bietet mittlerweile die Möglichkeit, nicht nur Payback Punkte zu sammeln und Gutscheine auszugeben. Vielmehr kann man heutzutage auch mit Payback Pay bezahlen. Dafür nutzt man eine ähnliche Methode wie Bluecode. Eine Kooperation mit Payback könnte daher EMPSA helfen, sich rascher zu verbreiten. Zu bedenken geben sollte allerdings die Tatsache, dass selbst ein großer Anbieter wie Payback mit seiner Bezahlfunktion bislang nur wenig Erfolg hatte. Anscheinend ist die Marktmacht von Google und Apple schlicht zu groß.

Deutsche Banken und Sparkassen sind mit paydirekt als PayPal Alternative gescheitert

Dennoch ist es erfreulich, dass die europäischen Banken versuchen, sich gegen die Übermacht von Google, Apple, MasterCard und Visa zu wehren. Allerdings erscheint es höchst fraglich, ob sie damit im Endeffekt auch erfolgreich sein werden. Dagegen sprechen, wie dargestellt, die veraltete Technologie und die geringe Anzahl an Akzeptanzstellen.

Dazu kommt, dass man in Deutschland schon einmal mit einem ähnlichen Projekt gescheitert ist. So hatten die deutschen Banken und Sparkassen im Jahr 2015 mit „paydirekt“ zum Gegenangriff auf den Zahlungsdienstleister PayPal geblasen. Dazu hatten sie versucht, das amerikanische Vorbild möglichst gut zu kopieren. Außerdem warben sie damit, dass die Kunden bei paydirekt keine Angst haben mussten, dass ihre Daten in den USA an Dritte verkauft werden würden. Allerdings erfolgte der Angriff auf den amerikanischen Zahlungsanbieter wahrscheinlich einige Jahre zu spät.

Überhaupt zeigten sich die deutschen Banken und Sparkassen zu zögerlich. Wahrscheinlich haben sie zu langen darauf vertraut, dass sie mit ihrem gewohnten Geschäftsmodell auch in Zukunft Geld verdienen werden. So hat es zum Beispiel alleine bei paydirekt über zwei Jahre gedauert, um sich überhaupt auf einen gemeinsamen Standard einigen zu können. Besonders viel Zeit haben sich dabei vor allem die Sparkassen gelassen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass PayPal in den vergangenen Jahren immer weiter wachsen konnte. Mittlerweile bietet das Unternehmen sogar Kredite an und macht daher den etablierten Kreditinstituten auch auf diesem Geschäftsfeld Konkurrenz. Für die Banken und Sparkassen ist das eine sehr bedenkliche Entwicklung: Denn aufgrund der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken fällt es ihnen ohnehin von Jahr zu Jahr schwerer, überhaupt noch Gewinne zu erwirtschaften. Jedenfalls konnte sich paydirekt nicht als Alternative zu PayPal etablieren.

Haben die deutschen Kreditinstitute aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?

Es ist daher fraglich, ob die deutschen Banken und Sparkassen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Um überhaupt etwas gegen die Übermacht von Google und Apple ausrichten zu können, müsste wahrscheinlich sehr viel Geld in Marketing Maßnahmen investiert werden. Allerdings erscheint es fraglich, ob die Banken aufgrund der aufgezeigten Probleme derzeit überhaupt in der Lage sind, solche Ausgaben zu stemmen. Daher ist es höchst ungewiss, ob das europäische mobile Bezahlsystem erfolgreich sein kann.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Menschen in Zukunft immer häufiger ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen werden. Allerdings werden dabei aller Voraussicht nach vor allem Google und Apple profitieren. Diesen Befund sollte man auch als Anleger beachten.

Besser in die Aktien amerikanischer Unternehmen investieren

So raten wir zum Beispiel davon ab, in die Aktien deutscher Banken zu investieren. Denn es ist zurzeit noch nicht wirklich absehbar, wie diese in Zukunft nachhaltig Gewinne erwirtschaften können. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Aktienkurse dieser Unternehmen sich im Keller befinden. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken fortsetzen wird. Zusätzlich haben die europäischen Banken damit zu kämpfen, dass sie von der Politik viel stärker reguliert und besteuert werden, als ihre amerikanischen Konkurrenten.

Wer daher vom Trend des mobilen Bezahlens profitieren möchte, kann dazu auf amerikanische Unternehmen wie Google oder Apple zurückgreifen. Als Anleger kann man dazu Aktien dieser Unternehmen kaufen. Wer dagegen lieber von kurzfristigen Kursschwankungen profitieren möchte, kann auch mit Aktien CFD traden. Der Handel bei einem CFD Broker bietet einem dabei mehrere Vorteile. So ist es zum Beispiel möglich, das vorhandene Kapital zu „hebeln“. Um den Handel mit CFD zu trainieren, bieten die meisten Broker auch die Möglichkeit, ein kostenloses Demokonto zu eröffnen. Auch dort erhält man in der Regel echte Kurse zur Verfügung gestellt, um damit den Börsenhandel realitätsnah simulieren zu können. Allerdings handelt man auf einem solchen Konto nicht mit echtem Geld, sondern mit virtuellem Kapital. Viele Broker stellen einem dafür erfahrungsgemäß ein virtuelles Guthaben in Höhe von 10.000 € zur Verfügung, um das Trading mit CFD zu trainieren. Die Demophase beträgt dabei meistens 30 Tage. Wer allerdings mehr Zeit benötigt, um sich zum Beispiel mit der Handelsplattform des Brokers vertraut zu machen, kann diesen Zeitraum in der Regel unproblematisch verlängern.

Außerdem bieten einem heutzutage viele Broker ebenfalls umfangreiche Schulungsangebote. Damit gelingt es auch Anfängern schnell, sich mit dem Trading vertraut zu machen. Besonders hilfreich sind dabei unserer Erfahrung nach Webinare und Videos. Denn dadurch kann man erfahrenen Tradern dabei zuschauen, wie diese die Märkte analysieren und Signale für profitable Trades finden. Wer bisher noch keinen CFD Broker hat, kann zum Beispiel unseren großen Broker Vergleich nutzen, um einen guten Anbieter zu finden.

 

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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