Arete Trading von Birger Schäfermeier -
Erfahrungsbericht eines enttäuschten Kunden (Teil 2)

25.07.2017 - 10 Minuten Lesezeit

Unser Interview mit Joachim G. über seine erstaunliche Negativperformance von -108 % bei der Vermögensverwaltung von Arete Trading hat verständlicherweise für ziemliches Aufsehen gesorgt. Während wir noch darauf warten, von Joachim den neuesten Stand der Dinge zu erfahren, wendete sich ein weiterer ehemaliger Kunde von Herrn Schäfermeier an uns. Sein umfassender Erfahrungsbericht trägt nicht dazu bei, den negativen Eindruck zu korrigieren. Ganz im Gegenteil, aber lesen Sie selbst.

Benedikt G. bittet darum, in diesem Artikel ohne Nennung seines vollen Namens in Erscheinung zu treten. Die Redaktion von BrokerDeal kann die Identität durch entsprechende Dokumente bestätigen. 

Benedikt, vielen Dank erstmal, dass du auf uns zugekommen bist. Unser Interview mit Joachim G. hat ja auch deshalb für Aufregung gesorgt, weil aufgrund der schier unglaublichen Negativperformance (wenige) Zweifler rasch zur Stelle waren und uns Unwahrheiten ankreideten. Dein fundierter Bericht sorgt in dieser Hinsicht für noch einmal erhöhte Glaubwürdigkeit. Wir sind gespannt auf deine Geschichte.

Ich interessierte mich bereits eine ganze Weile fürs Traden, schaute mir viele Videos u.a. bei YouTube an und entschloss mich schließlich dazu das Traden erlernen zu wollen. Der Handel mit Futures interessierte mich besonders. Zeit und Kapital waren vorhanden, jetzt brauchte ich nur noch einen vertrauenswürdigen Lehrer. Durch meine YouTube-Recherchen kannte ich ausnahmslos alle „Trader“, die damals auf YouTube Videos veröffentlichten, in denen sie von kostenlosen Ratschlägen bis hin zu kompletten Trading-Ausbildungen alles anboten.

Ich entschied schließlich, mich von Birger Schäfermeier ausbilden zu lassen und buchte sein „Level 1“ Webinar. Nachdem ich es mir angeschaut hatte, entschloss ich mich dazu dem Trading, wie es Birger dort vorstellte, eine Chance zu geben. Er hatte mich davon überzeugt, dass trotz der erheblichen Risiken, die der Handel mit Futures mit sich bringt, das Ganze keine Hexenwerk ist, sondern mit Strategie und Statistik profitabel gemeistert werden kann, insbesondere wenn man simple Regeln befolgt. Davon bin ich auch heute noch überzeugt.

Ich begann mit dem Demotrading und machte mich mit den verschiedenen Orderarten vertraut und handelte zunächst eine simple Strategie, welche ich auf Birgers „Level 1“ erlernt hatte. Mal lief es besser, mal schlechter. Aber mit jedem Trade, egal ob Gewinner oder Verlierer, fühlte ich mich sicherer, denn ich stellte fest, dass ich durch das simple Befolgen von Regeln in Hinblick auf das Positionsgrößen- und Stopmanagement die Risiken gut im Griff hatte.

Mir wurde klar, dass das Ergebnis des einzelnen Trades Zufall sein kann, ich aber trotzdem nicht befürchten musste nach ein paar Trades plötzlich pleite zu sein. Denn ich war durch das Arbeiten mit Stop- und Limitorders schon bei der Tradeplanung dazu in der Lage genau zu bestimmen, wie viel Punkte/Euros ich in einem Verlierertrade maximal riskieren möchte, bzw. wann und mit wie viel Gewinn ich aus einem Gewinnertrade aussteigen möchte.

Je nach Marktphase ist es definitiv nicht leicht zu gewinnen, aber genauso schwer ist es ständig zu verlieren. Ich wollte zunächst meine Ausbildung bei Birger abschließen bevor ich meine u.a. auch bei Birger auf den Seminaren gewonnenen Erkenntnisse auf einem Echtgeldkonto mit meinem Kapital ausprobieren wollte.

Als ich davon erfuhr, dass Birger eine eigene Vermögensverwaltung betreibt, bei der er u.a. anbietet für Kunden im Rahmen sog. „Managed Accounts“ Futures zu handeln, war ich sehr interessiert.

Das „Factsheet“, welches ich daraufhin bei der Arete anforderte, überzeugte mich. Die Arete Trading GmbH, ein von der BaFin reguliertes Unternehmen führte dort Zahlen auf, welche für sich sprachen. Es wurde mit einer Performance in Höhe von 110,1 % für den Zeitraum von Dezember 2014 – März 2016 geworben. Die „angezielte Performance“ für ein Jahr wurde mit 20 % ausgewiesen. Das Jahr 2015 sei mit 70 % Performance abgeschlossen worden, im laufenden Jahr bis März 2016 stand, laut des „Factsheets“, bereits eine Performance von 13,8 % zu Buche, das durchschnittliche Risiko einer Transaktion wurde mit 0,75 % der Kontogröße angegeben.

Auf meine Nachfrage, ob schon Mal ein Jahr mit einer negativen Performance abgeschlossen wurde, teilte man mir folgendes schriftlich per eMail mit:

„Bezüglich der Frage, ob schon mal ein Jahr mit einer negativen Performance abgeschlossen wurde (…). Bei einzelnen Managed Accounts ist es schon vorgekommen, dass ein Jahr negativ abgeschlossen wurde. Das kommt immer drauf an, wann die Konten eröffnet wurden. Wenn die Eröffnung im laufenden Jahr und direkt vor einer Drawdown-Phase erfolgt ist, dann ist es schon vorgekommen, dass einzelne Jahre negativ abgeschlossen wurden. Auf das gesamte Jahr gesehen ist es bisher aber noch nicht vorgekommen.“

Nach reiflicher Überlegung und einem ausführlichen Abwägungsprozess für und wider eines Investments bei der Arete, fasste ich den Entschluss, mich mit dem Minimum für einen Future-Account (100.000 €) bei der Arete zu engagieren, mehr Geld konnte man ja später immer noch nachschießen. Die Zahlen sprachen für sich, seine 25 Jahre Erfahrung als Daytrader sprachen für Birger und spätestens nach dem Besuch seines „Level 2“ Seminares war ich von seiner Trading-Philosophie überzeugt und glaubte mein Geld in guten Händen.

Natürlich rechnete ich nicht damit, dass auch in diesem Jahr eine so überdurchschnittliche Performance erreicht werden wird, wie er es laut des „Factsheets“ im Jahr 2015 geschafft hatte, im schlimmsten Fall erwische ich eine langanhaltende Seitwärtsphase, in der er seine extrem profitablen Trendfolgestrategien nicht anwenden kann und ich verliere am Ende der 12 Monate ein paar Prozent meines Kapitals – damit konnte ich gut leben.

Die anvisierten 20 % Performance wären aus meiner Sicht schon phänomenal gewesen und wenn letztlich „nur“ 1 bis 10 % dabei herausgekommen wären, wäre ich auch extrem zufrieden gewesen, denn ich verfolgte mit meinem Engagement bei der Arete zwei Ziele.

Zum einen wollte ich innerhalb der anvisierten 12 Monate mein Vermögen mehren (lassen), in dem ich mein Geld einem Experten in diesem Bereich zu Verfügung stelle und zum anderen wollte ich für mich herausfinden, wie ich mit den definitiv zu erwartenden Schwankungen mental umgehen kann, denn mein Ziel war es, nach Abschluss der Trading-Ausbildung das Konto selbständig weiter zu handeln. Mit meinen persönlichen Erkenntnissen über den Handel mit Futures, dem was ich von Birger über die Chancen und Risiken im Handel mit Futures bereits gelernt hatte, den sehr guten Zahlen aus dem „Factsheet“ der Arete sowie meiner Neugierde wie ich auf den Handel Birgers mit meinem Geld und den zu erwartenden UPS and DOWNS mental reagieren werde, hielt ich es für vertretbar, mein Geld bei der Arete anzulegen.

Leider musste ich bereits nach nur 9 Monaten die Reißleine ziehen. Mein ursprünglich eingezahltes Kapital in Höhe von 100.000 € ($113,965.00) riss die 30 % Verlustschwelle. Dies war die vertraglich vereinbarte Schwelle, bei der ich den Handel allerspätestens stoppen wollte. Das Risikokapital war verbraucht, das Konto hatte die „Dead Zone“ erreicht.

Kontoauszug Mai 2016

Auszug aus dem Kontoauszug von Benedikt G. (Mai 2016)

Es war offenbar alles schief gelaufen, was schief laufen konnte, Birger hatte es tatsächlich geschafft mich aus dem Spiel zu nehmen. Der Supergau war eingetreten, selbst in meinem Demokonto hatte ich es nach rund 350 Trades aufgrund des Befolgens einfacher Regeln (Positionsgrößen- und Stopmanagement) nie geschafft mich so tief in die Nesseln zu setzen, wobei es natürlich auf dem Demo auch sch… egal gewesen wäre. Zum Glück hatte ich meine Reißleine und verlor „nur“ 30 %.

Aber was war passiert, wie konnte es sein, dass ein Trading-Experte und professioneller Vermögensverwalter offenbar nicht dazu in der Lage gewesen ist, mein ihm anvertrautes Kapital besser zu schützen und mich wenigstens im Spiel zu halten?

Natürlich habe ich Birger damit konfrontiert und natürlich hatte er auf alles Antworten, die mich aber allesamt nicht überzeugen konnten, insbesondere nicht sein immer wiederkehrender Satz:

Du hättest jederzeit aussteigen können.

Was hat meine, von mir niemals bestrittene Möglichkeit jederzeit aussteigen zu können, mit meinem Vorwurf an Birger zu tun, auf die Gegebenheiten der Märkte nicht hinreichend reagiert zu haben, nicht die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und mein Kapital besser zu schützen?

Ich bin ausgestiegen und zwar genau zu dem Zeitpunkt, zu dem ich spätestens aussteigen wollte. Nachdem ich erfahren hatte, wie es Joachim G. ergangen ist, wartete ich auch nicht darauf, dass Birger von sich aus den Handel stoppt, sondern ich forderte ihn auf den Handel sofort zu stoppen. Bis dahin hatte ich, auch wenn es von Anfang an nicht gut lief, Hoffnung und großes Vertrauen in meinen Mentor und Vermögensverwalter Birger Schäfermeier, welches nicht zuletzt auch durch mehrere persönliche Telefonate durch ihn selbst immer weiter genährt wurde.

Ich habe mein Engagement bei der Arete wie einen Trade geplant. Wann steige ich ein, wann steige ich im Verlustfall spätestens aus und wann im Gewinn.

„Trading Gesetz Nr. 1: Das Ergebnis des einzelnen Trades ist zufällig!“
„Trading Gesetz Nr. 2: Wir können die Höhe eines zufälligen (durchschnittlichen) Gewinns oder eines zufälligen (durchschnittlichen) Verlusts beeinflussen!“

Wir können nur 2 Dinge kontrollieren: 1. Unser Risiko und 2. Uns selbst.

Soweit so gut, aber in der Summe aller Trades sollte das daraus resultierende Ergebnis jedoch kein Zufall sein, sondern wenigstens den Verbleib im Spiel sichern können. Dies kann meines Erachtens auch gelingen, indem der Trader bei jedem einzelnen Trade die grundsätzlichen Regeln in Form von Positionsgrößen- und Stopmanagement einhält. Tages-, Wochen- und Monatslosslimits beachtet. Das richtige „Werkzeug“ zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle einsetzt. Also all das umsetzt, was ich bei Birger auf seinen Seminaren gelernt habe.

Was hat dann Birger aber falsch gemacht oder hat er überhaupt etwas falsch gemacht?

Darüber lässt sich bestimmt vorzüglich streiten oder auch nicht! Meiner Meinung nach spricht die Tatsache, dass nach nur 34 Handelstagen bereits ein Verlust in Höhe von $16.137 (-14,16 %) zu Buche stand zumindest nicht gerade für ein glückliches Händchen der handelnden Person. Ebenfalls gehe ich davon aus, dass es wohl zu vermeiden gewesen wäre, allein am 09. November 2016, also an einem einzigen Tag, auf ein zu diesem Zeitpunkt $101.293 (-11,17 %) großes Konto $9.775 zu verlieren (9,65 % Verlust an einem Tag).

Equity Handelskonto in USD

Equity Handelskonto in USD

 

Tradeverteilung Handelskonto

Tradeverteilung Handelskonto

Schon krass, wenn man in Betracht zieht, dass der anvisierte Gewinn nach 12 Monaten „nur“ bei 20 % Prozent liegen sollte. Knapp 10 % Verlust an einem Tag steht die Hoffnung auf bis zu 20 % nach einem Jahr gegenüber. So hatte ich mir das ganz ehrlich nicht vorgestellt. Ist Trading generell vielleicht doch nur Gezocke oder hat in meinem Fall zumindest der Trader Fehler gemacht?

Nach diesem Tag, dem 09. November, kannten u.a. der deutsche Aktienindex Dax sowie der amerikanische Leitindex S&P 500 quasi nur noch eine Richtung, nämlich nach oben. Es folgten Jahreshochs und Allzeithochs. Was ausblieb waren signifikante Gewinne auf meinem Konto, was folgte waren weitere Verluste in erster Linie durch Shorttrades auf den S&P 500 obwohl der Trend gar nicht mehr stärker in die Long-Richtung hätte zeigen können. Bei 30 % Verlust zog ich, wie bereits erwähnt, die Reißleine. Erstens, weil dies von Beginn an mein Worstcase-Plan gewesen ist und zweitens, weil mir zwischenzeitlich auch der Fall des Joachim G. bekannt wurde und ich verblüffende bzw. schockierende Parallelen entdeckte.

Mein Fazit

Um es nochmal deutlich zu machen, ich habe bei meinem Engagement in der Arete natürlich auch mit Verlusten gerechnet und ja ich hatte Birger vertraglich einen Verlust bis zu 30 % zugestanden. Die Art und Weise und mit welcher Geschwindigkeit es Birger aber dann tatsächlich geschafft hat, diese 30 % Verlust nach nur 9 Monaten vollständig auszureizen hat mich dann aber doch sehr schwer enttäuscht.

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Insider kommentierte am 05.09.2017 um 12:32 Uhr

    1. Lt. Grafik gab es schon ziemlich bald einen Einzelverlust von rund 5k, warum wurde da nicht sofort nachgehakt bzw. die Handelsvollmacht entzogen?
    2. Warum wurden abartige Gebühren durch den Broker (ein Schelm wer an Kickbacks und/oder Churning denkt) akzeptiert?

    Bitte nicht falsch verstehen, ich betreibe hier keine Täter/Opfer Umkehr, Schäfermeier hat genau das gemacht was er beim OPM Trading häufig macht, nämlich Geld verbrennen, nur warum man als Kunde da so lange zusieht kann ich nicht verstehen.

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