Vertrieb von Binäre Optionen, CFDs und Forex in Belgien verboten - staatliche Heuchelei?

18.08.2016 - 5 Minuten Lesezeit

Wer hätte gedacht, dass es so schnell gehen kann! Male ein Gespenst (den bösen Börsenzocker) an die Wand, dazu einen schlimmen Finanzausbeuter (den raffgierigen Broker/Banken die OTC-Geschäfte anbieten) – und schon ist die Angst der Bevölkerung so groß, dass man diese Geschäfte für den Privatkunden durch den Staat einschränken kann.

So geschehen in Belgien. Ab dem 18 August dürfen keinem belgischen Bürger mehr Binäre Optionen, Forex oder CFDs im OTC-Markt (over the counter) angeboten werden. Der angebliche Sinn dahinter: Schutz des Kunden. Bei Binären Optionen ist das ja noch nachvollziehbar (lesen Sie dazu den Artikel Boombranche mit Fragezeichen). Aber auch gleich die beliebten CFDs und FX-Spots verbieten?

Futures darf der Kunde natürlich weiterhandeln, obwohl hier in der Regel über 90 % der Privatkunden kein Geld gewinnen, sondern verlieren. Wo ist da die Logik?

Artikel mit freundlicher Genehmigung von finanzmarktwelt.de 

Um den Zusammenhang zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus der Vergangenheit, die sich jetzt offenkundig wiederholt:
Ich kann mich noch gut daran erinnern als 2008 der Verkauf von Real Madrid-Trikots in einigen Karstadt-Filialen in Deutschland wegen der darauf stehenden Bwin Werbung verboten wurde.

Hier mal eine Begründung vom 08.02.2008 des damaligen Pressesprecher Lotto Berlin, Thomas Dumke, in der Welt. Dumke sagte in der damaligen Stellungnahme in einem Interview, dass die Bürger vor der Spielsucht geschützt werden müssten (Spielsucht-Prävention) und dass der Staatsvertrag zu diesem Schutz beitrage.

Es gibt noch viele solcher Angstmacher-Darstellungen. Was absolut klar ist, dass die Spielsucht eine schreckliche Krankheit ist und dass man diese Krankheit nicht von der Politik für andere Zwecke missbrauchen sollte!

2006 konnte ich noch problemlos eine Sportwette abgeben. Wie z.B. FC Bayern München gegen einen Viertligisten. Ein klares Ergebnis, welches sehr risikoarm war. Damals habe ich für einen Sieg auf die Bayern bei einer Quote von 1,02 für 1000 EUR = 1020 Euro bekommen. 2 % Rendite in 90 Minuten ohne großes Risiko und dazu noch steuerfrei! Ich hätte aber auch von meinem Gewinn ohne Murren Steuern gezahlt!

Am 09.08.2016 möchte ich nun eine Wette platzieren. Ich suche mir eine möglichst risikoarme Wette aus. Olympische Spiele Rio 2016.
Australien gegen Simbabwe um 21.00 Uhr, Frauenfußball. Quote 1,02, klarer Favorit ist Australien.

Aber dann bekomme ich die Meldung: „Diese Wette wird heute nicht mehr angenommen“.

Ich solle bitte mehr Risiko eingehen! Wie bitte?

Aber was ist denn mit dem Staat, der mich doch angeblich vor Spielsucht schützen soll? Am Ende nämlich ist es jetzt der Staat, der mich in eine riskantere Wette drängt!

Wieso?

Weil der Staat durch die Regulierung nun vorab eine Steuer von 5 % auf den Wetteinsatz vereinnahmt und deshalb risikoarme Wetten nicht mehr funktionieren.

In meinem Fall hätte ich damals 2 % gewonnen und heute bei der gleichen Wette ein Verlust von 3,1 %. Dank an die deutschen Politiker!

Kommen wir zurück zu unseren belgischen Freunden, wo ab dem 18.08.2016 keine CFD’s oder Forex-Banken/Broker mehr Werbung für diese Produkte machen dürfen.

Übrigens ist das aus meiner Sicht nur der Anfang! Es wird vermutlich in naher Zukunft Frankreich nachziehen!

Aber was ist mit Deutschland?

Am 11.08.2016 rufe ich bei der BaFin an und frage wegen einem drohenden Werbeverbot nach.

Ich wurde an das Referat Wa 26 (ist unter anderem für OTC-Geschäfte zuständig) weitergeleitet. Ein freundlicher Mitarbeiter der BaFin begrüßte mich. Ich erklärte ihm mein Anliegen, doch zu meinem Erstaunen wusste dieser Mitarbeiter von nichts. Er versicherte mir dass solch ein Verbot, seines Wissens nach, von der BaFin nicht geplant ist. Am Ende des Gesprächs bat er mich, ob ich ihm dieses Schreiben der belgischen Aufsicht zukommen lassen könnte. Was ich natürlich tat, denn ich helfe dem BaFin immer gern.


Wie sehen das die Broker und Banken?

Am 11.08.2016 kontaktierte ich eine Bank, die auch CFD’s und Forex anbietet, und fragte nach, wie sie die belgische Verordnung interpretieren. Man teilte mir mit, dass die Rechtsabteilung der Bank zurzeit mit der belgischen Aufsicht in Kontakt stehe und aktuell keine konkrete Stellungnahme abgeben könne. So wie es auf den ersten Blick aussieht, ist der Vertrieb verboten, aber das könnte man schnell auch als generelles Verbot interpretieren. Wums! Generelles Verbot von OTC-Geschäften in Belgien? Das wäre in der Tat der Hammer! Denn viele Leute sichern so ihre Fremdwährungskredite und Aktiendepots ab – auch in Belgien.

Es tummeln sich viele schwarze Scharfe am Markt, die trotz Europäischer Finanzlizenz ihr Unwesen treiben können. Da stellt sich die Frage, ob es mehr Sinn macht, einfach bestimmte Produkte zu verbieten – oder ob es nicht eher ratsam wäre, die anbietenden Unternehmen strenger zu kontrollieren bzw. deren Lizenz einzuziehen!


Worum geht es wirklich? Das zeigt ein Blick auf Frankreich und Belgien:

a) Frankreich

Finanzsteuer geringer als erwartet:

Der französische Staat nimmt mit der Finanztransaktionssteuer über 60 % weniger ein als erwartet, weil viele Anleger die Belastung durch CFD’s vermeiden können.

Seit 2012 erhebt der Französische Staat eine Steuer auf alle Aktienkäufe von französischen Gesellschaften, die einen Börsenwert von mindestens einer Milliarde Euro aufweisen. Dies betrifft ca. 130 Wertpapiere derzeit. Die Steuer liegt bei 0,2 % des Aktienwertes.

Durch diese Steuereinführung ist das Volumen dieser Aktien bereits im ersten Jahr nach Einführung der Steuer mit über 25 % deutlich zurückgegangen – und das ging Jahr für Jahr so weiter!

b) Belgien

Der belgische Staat verlangt eine Börsenumsatzsteuer von 0,17 % bei Kauf/Verkauf belgischer oder ausländischer, börsennotierter Aktien, Anleihen und anderer Wertpapiere.

Auch hier kann man mit Aktien-CFD’s die Steuer legal einsparen.

Also liegt das Interesse des Staats klar auf der Hand: Es geht hier nicht um den Schutz der Kunden, sondern vielmehr um die dringend benötigten Mehreinnahmen des Staates! Leider wieder zu Lasten der normalen Bürger, denn die Oberschicht wird Mittel und Wege finden, auch diese Steuer zu umgehen.

Offizielle Bekanntmachung des Verbots in Belgien:
http://www.fsma.be/en/Site/Repository/press/div/2016/08-08_banning.aspx

Ihr Stefan Kasper-Behrs
Redakteur von Finanzmarktwelt

Artikel mit freundlicher Genehmigung von finanzmarktwelt.de 

Über den Autor

Stefan Kasper-Behrs

Stefan Kasper-Behrs

Herr Kasper-Behrs bringt umfassende Erfahrungen aus dem Bankwesen bzw. Brokerage mit.Seit mehr als 14 Jahren leitet er einen Onlinebroker, dazu seit mehr als 7 Jahren auch ein Softwareunternehmen. Auch ist er als Prokurist seit mehr als 5 Jahren bei einem bayerischen Finanzdienstleister tätig. Alles in allem arbeitet Herr Kasper-Behrs schon mehr als 20 Jahre im Finanzsektor. Über die Jahre hat er sich Kontakte und ein Knowhow aufgebaut, das er voll und ganz in seine investigativen Artikel einfließen lassen kann.

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