Großer Verfallstag - wenn die Hexen tanzen

18.09.2014 - 2 Minuten Lesezeit

Viermal in jedem Handelsjahr lassen die Hexen das Börsenparkett mit ihrem Tanz erzittern. Mit dem dreifachen Verfall von wichtigen Terminkontrakten werden regelmäßig hochvolatile Kursbewegungen und ungewöhnliche Volumina beobachtet, sodass Privatanleger in Deckung gehen sollten. Börsenhändler sprechen aufgrund der scheinbar unvorhersehbaren und chaotischen Auswirkungen auf die Kurse bei solchen Verfallstagen von einem „Hexensabbat“.

Der Begriff stammt aus der frühen Neuzeit und bezeichnet geheime Treffen von Hexen und Hexern mit dem Teufel.

Doch was passiert an einem solchen „Hexensabbat“ genau?

An der Börse werden Terminkontrakte in Form von Futures oder Optionen gehandelt. Wetten mit einem festen, zeitlichen Ablauf zur Spekulation auf Kursveränderungen der Basiswerte oder für Absicherungsgeschäfte. Diese Instrumente werden in großer Zahl von professionellen Marktteilnehmern gehandelt und haben einen hohen Einfluss auf die Kapitalmärkte und die zugrunde liegenden Indizes.

Der große, dreifache Verfallstag

An den großen, dreifachen Verfallstagen laufen diese Kontrakte jeweils am dritten Freitag eines Quartals aus und werden letztmalig abgerechnet. Weltweit fällt dieser Termin an allen wichtigen Börsenplätzen auf denselben Tag – Ausnahmen sind beispielsweise an Feiertagen möglich.

Verfall an der Terminbörse EUREX und im XETRA-Handelssystem

An der Terminbörse EUREX (hier wird u.a. der DAX-Future gehandelt) verfallen dann Futures und Optionen der STOXX-Familie (gegen 12 Uhr), auf die Indizes DAX, MDAX und TecDAX (gegen 13 Uhr zur Mittagesauktion) und schließlich auf die XETRA-Aktien zur Schlussauktion (gegen 17.30 Uhr).

Warum können hochvolatile Kursbewegungen entstehen?

Das Handelsvolumen an den Terminmärkten ist deutlich höher als an den Kassamärkten. Da die Abrechnung und Kursentwicklung der Terminprodukte jedoch an die Entwicklung der Basiswerte (zum Beispiel einer Aktie) gekoppelt ist, versuchen die Akteure die Finanzprodukte bis zum Zeitpunkt der endgültigen Abrechnung in „ihre“ Handelsrichtung zu beeinflussen. Die letzte Stunde vor dem Verfall wird aufgrund der regelmäßig entstehenden Kurskapriolen auch als „Geisterstunde“ bezeichnet.

Warum sollten private Anleger in Deckung gehen?

Durch den erhöhten Aktionismus großer, institutioneller Marktteilnehmer kann sich das Handelsvolumen an den Termin- und Kassamärkten im Vorfeld des Verfalls verdoppeln. Große Positionen beeinflussen die Kurse dynamisch und erhöhen so die Schwankungen am gesamten Markt. Private Anleger arbeiten oftmals mit engen Absicherungen oder gehebelten Derivaten sodass eine erhöhte Gefahr des „Ausstoppens“ besteht.

Der kleine Verfallstag

Dem großen, dreifachen Verfallstag steht der kleine gegenüber. An jedem dritten Freitag eines Monats verfallen Serien von Terminprodukten, jedoch mit deutlich weniger Einfluss auf den Gesamtmarkt.

Hier sehen Sie ein Grundlagenvideo zum Thema Indizes und Futures sowie deren Verhalten zum Verfall und der Veränderung der Handelsvolumina:

 

Über den Autor

Den Kern von Trading Stars machen der wissenschaftliche Leiter Dr. Stefan Friedrichowski sowie der Trader Christian Stern aus. Als promovierter Physiker und Vollzeithändler leitet Dr. Stefan Friedrichowski die wissenschaftliche Arbeit und die Entwicklung von Handelsstrategien. Der Fokus liegt dabei auf statistischen Untersuchungen und Validierungen zur Erstellung von Regelwerken. Zudem vermittelt er Fachwissen im Bereich Excel und C-Programmierung für Trader. Als Vollzeithändler mit rund zwölf Jahren Markterfahrung leitet Christian Stern den Wertpapierhandel und den Bereich Ausbildung der Trading Stars. Der Fokus liegt dabei in der Vermittlung von Grundlagen- und Expertenwissen für den erfolgreichen Börsenhandel.

Kommentare

  • roul senz kommentierte am 21.09.2016 um 21:16 Uhr

    gut zu wissen, dann sollte man nicht Traden!

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