comdirect gewährt tiefe Einblicke im Interview

02.03.2015 - 6 Minuten Lesezeit

Beständig groß ist die Nachfrage nach mehr Informationen zum CFD- und Forex-Handel allgemein, aber auch spezifisch die einzelnen Broker betreffend. BrokerDeal wird mit einer Interviewserie über die brennendsten und zentralsten Fragen zur Qualität des Angebots und der Philosophie der Broker für Transparenz und Aufklärung sorgen. Heute im Gespräch: Mario Jessen, CFD Experte von comdirect.

Herr Jessen, vielen Dank für die Möglichkeit dieses aufschlussreichen Gesprächs, um unseren Lesern ein tieferes Verständnis für die Abläufe bei comdirect geben zu können. Damit zeigen Sie auch, dass Ihnen Transparenz wichtig ist.

Vielleicht möchten Sie unseren Lesern zu Beginn kurz schildern, für welche Zielgruppe sich Ihr Angebot besonders eignet?

comdirect bietet eine professionelle webbasierte CFD-Handelsplattform für jede Art von Trader. Mit dem eigens für CFDs entwickelten Portal „cfd.comdirect.de“ bieten wir auch Einsteigern eine sehr gute Möglichkeit, sich mit dem Produkt CFD vertraut zu machen. Denn bevor man mit CFDs handelt, sollte man sie genau verstanden haben.

Wenn man den Worst Case annimmt, wie und in welcher Höhe sind Kundengelder geschützt im Insolvenzfall sowohl des Brokers, als auch der depotführenden Bank?

Das gesamte auf dem CFD-Konto hinterlegte Kapital inklusive der eingesetzten Margin verbleibt auf den Konten bei comdirect. Kundengelder sind bei comdirect über die gesetzliche Einlagensicherung, also bis zu 100.000 Euro pro Person, sowie zusätzlich bis zu 77.072.000 Euro pro Person über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken gesichert. Abgesehen davon ist comdirect als führender Online-Broker ein wirtschaftlich sehr gut aufgestelltes Unternehmen, das ertragsstark und profitabel ist und den mittlerweile mehr als 1,9 Millionen Kunden ihre rund 36 Mrd. Euro Assets anvertraut haben.

Welche internen Systeme schützen den Kunden vor einem negativen Kontostand, ab wann führen Margin Calls zu automatischen Positionsschließungen?

Wir bieten unseren Kunden auf Wunsch eine kostenlose Risikobegrenzung an. Sollte in dieser Variante eine Nachschusspflicht entstehen, wird die von comdirect übernommen. Die Margin beträgt dabei für jedes Instrument 20 Prozent, das entspricht einem Hebel von fünf. Unabhängig von der Risikobegrenzung erhalten Kunden die Information zu einem Margin-Call automatisiert auf unterschiedlichen Wegen, zum Beispiel per E-Mail. Es gibt drei Margin-Call Stufen: Margin-Call 1 wird ausgelöst, wenn 80 Prozent des Gesamtkapitals des Kunden als Margin eingesetzt sind. Margin-Call 2 wird ausgelöst, wenn 90 Prozent seines Gesamtkapitals als Margin eingesetzt sind. Als dritte Stufe erfolgt die automatische Positionsschließung, also dann, wenn das bereitgestellte Kapital des Kunden nicht mehr ausreicht, die Margin-Verpflichtungen zu erfüllen. Der Kunde hat über die CFD-App aber auch die Möglichkeit, die Positionen von unterwegs zu überwachen und so gegebenenfalls früher zu intervenieren.

Falls Kunden aufgrund unvorhergesehener Ereignisse oder schlechtem Risikomanagement trotzdem ins Minus rutschen, wie wird damit umgegangen?

Bei dem Konto mit Risikobegrenzung wird die Nachschusspflicht von comdirect übernommen. Sollte ein Kunde, der das Konto ohne Risikobegrenzung nutzt, in die Nachschusspflicht geraten, wird das CFD-Betreuungsteam zusammen mit dem Kunden eine individuelle Lösung finden. Größere Verluste sind bei uns aufgrund der automatischen Positionsschließung bisher aber nicht aufgetreten.

Werden die Forex-Orders final über ein Dealing Desk gecleart, oder gehen sie zu 100 % und ohne Zwischenschritte an den Interbankenmarkt?

Unser Market Maker, die Commerzbank AG, bietet keinen direkten Marktanschluss. Da sie keinen Eigenhandel betreibt, verwaltet sie Positionen nur in sehr engen Risikolimiten eigenständig.

Wie wird ein Interessenkonflikt zwischen den Tradern und dem Broker vermieden, werden Überhangpositionen nach dem internen matchen gehedgt oder als Gegenposition geführt? Woraus besteht der Verdienst des Brokers (ungehedgtes Marktrisiko, Mark Up, internem Matching, Kommission, Finanzierungskosten)?

Überhangpositionen werden durch Absicherungstransaktionen direkt an den Referenzmärkten oder dem Interbankenmarkt glattgestellt. Dadurch besteht kein Interessenkonflikt zwischen Trader, Broker und Market Maker. comdirect partizipiert ebenso wie der Market Maker neben den Provisionen für Aktien und Futures ausschließlich an den Erträgen aus dem Handels-Spread und dem Preis für das Halten von Positionen über Nacht.

Beim CFD-Handel ist ein Dealing Desk in der Regel ja unumgänglich, wie wird hier mit Überhangpositionen der Kunden verfahren nach dem internen matchen?

Unser Market Maker hedgt die Überhangpositionen direkt am Referenzmarkt. Zu fest definierten Zeitpunkten, das heißt vor Auktionen, vor Datenveröffentlichungen und vor Handelsschluss, werden sämtliche Risikopositionen glattgestellt.

In welcher Reihenfolge werden die Orders ausgeführt, nach dem first-come-first-serve-Prinzip, d.h. der älteste Stopp wird zuerst ausgeführt?

Market-Orders werden vor Limit- bzw. Stop-Orders ausgeführt. Für Limit- und Stop-Orders gilt zudem eine Preis-Zeit-Priorität, das heißt: Orders mit dem besten Preis – das ist bei Kauforders der höchste Limit-Preis, bei Verkaufsorders hingegen der niedrigste Limit-Preis – werden zuerst ausgeführt. Bei identischen Preisen bekommt die Order, welche zeitlich zuerst im Orderbuch geführt wurde, den Vorzug, nach dem Prinzip „first in – first executed“. Die Ausführungen beziehen natürlich die Markttiefe des Orderbuchs mit ein.

Sieht die ausführende Stelle wo die Orders der Kunden liegen, und können Re-Quotes notwendig werden? Bitte unterscheiden in FX- und CFD-Aufträge.

Die ausführende Stelle sieht die Kundenorders nicht. Damit stellen wir sicher, dass ein Potenzial für „Stop-Fishing“ erst gar nicht gegeben ist. Re-Quotes sind ausgeschlossen. Dies gilt sowohl für FX- als auch für CFD-Aufträge.

Bei extrem volatilen Events wie dem SNB-Debakel vom 15. Januar kam es bei vielen Brokern zu nachträglichen Änderungen bereits bestätigter Orderausführungen. Wie konnte es dazu kommen, und sind Kunden von comdirect davon ebenfalls betroffen?

Bei comdirect wurden nachträglich keine Orders zum Nachteil von Kunden geändert. Warum andere Marktteilnehmer dies eventuell getan haben, kommentieren wir nicht.

Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken im Vergleich mit der unmittelbaren Konkurrenz, was macht comdirect einzigartig?

comdirect ist eine deutsche Vollbank mit dem ganzen Spektrum moderner Banking-Produkte und natürlich als führender Online-Broker mit einem erstklassigen und umfassenden Angebot für Trader und Investoren. Auch beim CFD-Handel bieten wir unseren Kunden diesen Leistungsumfang in Verbindung mit attraktiven Konditionen. Mit der Commerzbank haben wir einen breit aufgestellten, ausgezeichneten Market-Maker mit exzellenter Kursstellung. Außerdem sind pro Kontoverbindung bis zu drei CFD-Konten möglich, Überweisungen auf CFD-Konten erfolgen innerhalb von wenigen Minuten. Spreads sind während der ganzen Handelszeit konstant. Es gibt keine versteckten Kosten oder Gebühren bei Inaktivität. Zudem gibt es keinen Mindestabstand bei der Orderplatzierung. Für alle handelbaren Werte erfolgt die Kursversorgung realtime. Gewinne und Verluste werden direkt steuerlich mit Gewinnen oder Verlusten aus beispielsweise Optionsscheinen, Zertifikaten oder Anleihen im comdirect-Depot verrechnet.Bei Overnight-Positionen haben wir eine gleichbleibende Margin-Anforderung. Und besonders wichtig ist neben der ständigen Weiterentwicklung unserer Handelsplattform und des Produktangebots unser ausgezeichneter Service durch unser eigenes deutschsprachiges CFD-Betreuungsteam in Quickborn bei Hamburg.

Was haben Sie an Ideen und Innovationen in der Pipeline für 2015?

Da steht einiges auf dem Plan. Die größte Neuerung wird sicherlich unser CFD-Trader sein. Die Handelsplattform hat viele neue Funktionen, die sich unsere Kunden und Interessenten gewünscht haben. Weitere Innovationen sind in der Pipeline. Mehr berichten wir dazu zu gegebener Zeit. Außerdem werden wir, wie schon in den vergangenen Jahren, unsere  Kunden von attraktiven Aktionen profitieren lassen.

Wir danken für dieses äußerst spannende und transparente Interview Herr Jessen, viel Erfolg weiterhin!

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

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