Mein Feind der Market Maker?

13.07.2015 - 5 Minuten Lesezeit

Ein Broker ist notwendig, damit wir Trader über ihn am Handel an der Börse und auch außerbörslich aktiv teilnehmen können. Die Broker wollen natürlich genauso ihren Schnitt machen. Viele empfehlenswerte Anbieter konzentrieren sich dabei auf eine Gebühr für die Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage, oder bemühen sich um ein optimal kundenorientiertes Dealing Desk. Während die sogenannten Pommesbuden tatsächlich auch unsere Gegenspieler sind.

Was genau ist ein Market Maker?

Ein Market Maker ist grundsätzlich ein Börsenmakler, der durch stetiges Erstellen von Geld- und Briefkursen die Handelbarkeit gewisser Werte sicherstellt. Darüber hinaus gleicht ein Market Maker auch noch Liquiditätsschwankungen aus und erhält dafür als Vergütung oftmals Vergünstigungen im Handel mit den Werten.


Die zwei Gesichter der Market Maker

Börsenkurs und BörsenmaklerDer Verlust des Kunden ist der Gewinn des Brokers. So werden fälschlicherweise generell Market Maker eingeschätzt, dabei trifft das nicht auf alle zu (Artikel über die unterschiedlichen Broker-Arten). Ein Market Maker(MM) stellt den durchgängigen Handel auch illiquider Märkte sicher, indem er ständig An- und Verkaufskurse dafür stellt. Sehr häufig anzutreffen bei den Forex- und CFD-Brokern, aber auch der Direkthandel von Derivaten mit den Emittenten ist so ein außerbörsliches Geschäft.

Das ist per se im Grunde ja etwas Gutes, da man so Anteile selbst dann erwerben kann, wenn an der Börse gerade kein Angebot vorliegt.

Wo liegt hier nun der mögliche Interessenskonflikt?

Ein Market Maker wird im Sinne seiner Profitmaximierung zuerst versuchen, Kundenorders intern zu matchen. Was dann noch ungedeckt bleibt wird gehedgt, oder sogar ins eigene Buch genommen.

Beispiel:
Max will 40 CFDs auf den Dax30 kaufen.
Moritz will 10 Anteile verkaufen und Wilhelm 5.

Der Market Maker stellt für diesen CFD aktuell einen Kurs mit einem Spread von 1 Punkt. 1 CFD bewegt in der Regel 1 € pro Daxpunkt. Während der Dax-Future, an dem sich diese Kursstellungen orientieren, pro Kontrakt satte 25 € pro Punkt bewegt. Der FDax wird mit im Schnitt 0,5 Punkten Spread gehandelt. Die CFD-Broker sichern sich in diesem Fall ihr Einkommen also über den erhöhten Spread, was noch vollkommen in Ordnung geht. Dafür erhält man ja ein weitaus flexibleres Instrument mit minimalem Kapitalaufwand.

Weiter mit unserem Beispiel: 15 Stück wechseln schon mal intern den Besitzer, und der Market Maker streicht 15 x 100% vom Spread ein, also jedes Mal den ganzen Punkt.

Bleiben noch 25 Anteile offen. Ein solider Market Maker hedgt diese sofort am Markt, indem er einen Kontrakt des FDax (=25 € pro Punkt) an der Börse kauft und diesen bildlich gesprochen an Max weiter reicht. Damit Max in Summe 40 CFDs bekommt. Der Broker steht dann neutral an der Seitenlinie, und verdient bei diesen 25 gehedgten Anteilen immer noch je 0,5 Punkte durch den höheren Spread.

Das ist alles noch im grünen Bereich, daran gibt es nichts auszusetzen.

Die zweite Möglichkeit aber, und diese Broker sollte man meiden: der Market Maker nimmt diese 25 Anteile, die nach dem internen matchen noch offen sind, auf seine eigene Kappe bzw. in sein eigenes Buch. Damit verdient er wieder 100 % vom Spread auf diesmal alle 40 Anteile, hat aber das Risiko, vom Kunden realisierte Gewinne aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen.

Nur: jeder Market Maker und Insider weiß ja, dass 70-80 % seiner Kunden langfristig Geld verlieren laut Statistiken, also ist das langfristig gesehen ja leider ein gutes Geschäft...

Die beiden Varianten wie ein guter und ein schlechter Market Maker vorgeht

Market Maker lassen sich in zwei Lager einteilen


STP versus Dealing Desk

Das ist eine beliebte Praxis sogar bei einem sehr bekannten Marktführer. Angenehmerweise erkennen aber laufend mehr Broker, dass die Kunden sich nicht länger an der Nase herumführen lassen, und wechseln von der sogenannten Dealing Desk-Ausführung zur STP- oder ECN-Ausführung. Dabei ist der Broker dann tatsächlich nur noch der Vermittler zwischen den Kundenwünschen und dem Angebot der an den Broker angeschlossenen Liquiditätsprovider und Börsen. Ohne selber Positionen ins eigene Buch zu nehmen.

Aber noch einmal zur Klarstellung: es gibt sehr wohl vertrauenswürdige Market Maker! Nur wie erkennt man nun die schwarzen Schafe?


Market Maker - Schwarze Schafe erkennen

BrokerDeal hat lange versucht, eine klare schriftliche Aussage von den Brokern dazu zu erhalten, ob sämtliche Kundenpositionen zu 100% gehedgt werden oder eben ins eigene Buch genommen werden. Das Ergebnis war selten ganz eindeutig, und die Kontrollmöglichkeit unsererseits nicht gegeben. Wir lassen uns da aber noch etwas einfallen.

Bis dahin kann ich Ihnen folgende Tipps mit auf den Weg geben:

  • Skepsis bei hohen Einzahlungsboni und ständigen teuren Werbeaktionen!

    Der Broker muss diese ja wieder irgendwie verdienen, und die Gewinnmargen sind bei ehrlichen Brokern nicht mehr sehr hoch heutzutage. Gerade bei binären Optionen sind Einzahlungsboni von 100-300% keine Seltenheit, da muss man nur den gesunden Verstand einschalten und die Gier außen vor lassen.


  • Merkwürdige Ausführungen

    Relativ häufig erhalte ich Anfragen von Tradern, ob es denn normal sei, wenn diese in den ersten Wochen schöne Gewinne erzielen, und dies plötzlich sehr viel schwerer fällt.Nun, daran kann natürlich der Markt oder der Trader selbst ganz alleine schuld sein. Allerdings gibt es eben auch diese Pommesbuden, die erfolgreiche Trader, und das bedeutet ja Verluste für solche Broker, auf langsamere Orderausführungen umstellen etwa. Oder grundsätzlich 1-3 Pip/Punkte Slippage aufschlagen. Dann heißt es sofort die Zelte abbrechen, und andere Trader vor diesem Anbieter warnen.


  • Stop-Fishing

    Zu solchen merkwürdigen Ausführungen zählt auch das berühmte und lästige Abfischen von gesetzten Stopps. Der Vergleich des CFD-Charts mit jenem der Originalbörse macht hier zu Recht viele Kunden bei solchen Brokern misstrauisch. Wenn der Support hier keine zufriedenstellende Antwort geben kann, sollte auch in diesem Fall das Konto sofort aufgelöst werden. Ausnahmen toleriere ich bei sogenannten Mis-Ticks in den Charts. Wenn fehlerhafte Kursdaten zu einem Sprung im Chart führen, der dann manchmal automatisiert Stopps auslöst. Ein guter Kundenservice wird solche Ausführungen aber sofort rückgängig machen bzw. ersetzen.


  • Kundenbewertungen durchstöbern

    Die Beurteilungen echter Trader sind eine wahre Goldgrube für solche Recherchen. BrokerDeal.de legt denn auch viel Wert auf das Sammeln solcher Erfahrungen. An dieser Stelle auch gerne wieder einmal so ein Aufruf an alle Trader, die ihre Broker noch nicht bewertet haben!

Ich hoffe ich kann mit diesen Tipps so manchen Trader vor Schaden bewahren. Diesbezüglich wird BrokerDeal in naher Zukunft auch neue Qualitätssiegel einführen im Brokervergleich. Welche wiederum auf unseren anonymen Echtgeldtests basieren, die wir jährlich wiederholen.

Viel Erfolg beim Trading!
Michael Hinterleitner

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Go kommentierte am 21.07.2016 um 14:37 Uhr

    Hallo, da ich gerade etwas über den market maker lese. der MM der comdirect hat einfach so die stopplossorder und takeprofitorder für fx, aktien und edelmetalle geändert. man kann ab sofort bei der comdirect bei cfds beim kauf oder verkauf mit stopploss oder limit mit 0,1 % des kurswertes einsteigen. wenn mann ohne stopp/limit kauft/verkauft und man ist im trade ist es nicht möglich einen stopploss/takeprofit unter der 0,1 % regelung zu setzen. auf anfrage kam nur die mitteilung, dass dies so entscheiden wurde. ich finde das nicht richtig dennich bin so in meiner eintscheidungsfreiheit eingeschränkt

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 23.07.2016 um 09:49 Uhr

    Ich verstehe nicht ganz: 0,1% vom Kurswert ist der neue Mindestabstand, den Stops und Limits haben müssen? Das wären im Dax also 10 Punkte, im EUR/USD 11 Pips?

  • RA Peter Hahn, M.C.L. kommentierte am 21.04.2015 um 13:23 Uhr

    Sehr geehrter Herr Hinterleitner,
    könnten Sie mit mir wegen Forex Geschäften eines Mandanten in EURCHF Kontakt aufnehmen?
    Vielleicht haben Sie ja noch einen guten Tipp zur Abwehr von Ansprüchen aus einem Margin Call. MFG, Hahn

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