Die Grundsätze der Markttechnik

11.09.2014 - 7 Minuten Lesezeit

Die reine Markttechnik ist ein kraftvolles und elegantes Werkzeug für Trader. Die Anwendung erfordert die Kenntnis bestimmtes Grundsätze, die der markttechnischen Analyse innewohnen. Der folgende Artikel befasst sich mit diesen Basics und bietet unerfahrenen Händlern einen Einstieg in die Welt der Markttechnik.

Die unterschiedlichen Arten von Tradern

Grundsätzlich werden beim Handel drei Arten von Tradern unterschieden: Trader, die eine Long-Position halten und auf steigende Kurse setzen, Anleger, die Short positioniert sind, also auf fallende Kurse spekulieren, und Händler die Flat sind und somit noch auf den optimalen Einstiegszeitpunkt warten. Zusammengenommen sind diese Trader für das Zustandekommen der Kurse verantwortlich, da sie für Angebot und Nachfrage sorgen.

Somit soll an dieser Stelle gesagt werden, dass nicht Nachrichten oder bestimmte Ereignisse für die Kurse verantwortlich sind, sondern die Trader, die ihre Orders im Orderbuch haben. All diese Orders werden über die sogenannte Time&Sales Liste umgesetzt und ausgeführt. Diese Vorgänge werden daraufhin graphisch auf den entsprechenden Tickcharts dargestellt.

Wer um das Vorhandensein von Orderbüchern weiß, wird die Entstehung von Trends nachvollziehen können. Wenn die Nachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt das Angebot übersteigt, wenn es also mehr Käufer als Verkäufer gibt, wird der Kurs durch die Trader mit Long-Positionierung (diejenigen, die einen Wert kaufen) steigen.

Nehmen wir an, ein Großanleger oder eine Institution kauft einen bestimmten Wert in großem Stil und daraufhin steigt der Kurs automatisch und deutlich.

Wie entsteht ein Börsentrend

Entstehung eines Hochpunktes

Steigt der Kurs eines Wertpapiers deutlich genug, wird diese Tatsache in der Regel durch entsprechende Medien wie Presse oder das Internet allgemein bekannt. Daraufhin wird auch der eine oder andere einige Anfänger oder Händler ohne Erfahrung im markttechnischen Bereich auf diesen Wert aufmerksam. Zwar sind diejenigen in den meisten Fällen nicht positioniert, doch würde der Kursanstieg ihr Interesse wecken und daraufhin würden sie das Wertpapier ebenfalls kaufen.

Aber was ist mit den Tradern, die das Wertpapier schon länger besitzen und somit bereits die erste Kursbewegung mitgemacht haben? Diese haben damit mehr oder weniger hohe Gewinne realisiert. Angenommen, viele von ihnen beschließen daraufhin, dass ihnen der erzielte Profit genügt und stellen ihre Wertpapiere zum Verkauf.

Nun sind da auf der einen Seite einige Anfänger, die das Wertpapier kaufen möchten und viele, die zugleich verkaufen wollen, weil sie bereits einen Gewinn erzielen konnten. In diesem Fall übersteigt also das Angebot die Nachfrage. Genau dieser Wechsel erzeugt einen Hochpunkt, der in der Markttechnik mit der Zahl 2 gekennzeichnet wird.

Wie ein in der Markttechnik sogenannter Punkt 2 entsteht

Vergessen wir bei dem ganzen Treiben nicht die dritte Gruppe, die auf die Bewegungen des Marktes aufmerksam wurde und nun in Wartestellung auf den richtigen Einstiegspunkt wartet. Diese Gruppe ist also Flat.

Der Markt kippt und zieht erneut an

Nun haben also viele Trader verkauft und nur wenige gekauft. Die Nachfrage ist somit geringer als das Angebot. Das führt dazu, dass der Preis des Wertpapiers sinkt – der Markt kippt also und wird nach unten gehandelt.

Kommen wir zu den Tradern, die auf dem Hochpunkt gekauft haben und zwar von den Tradern, die ihre Wertpapiere zu dem Zeitpunkt verkauft haben. Da der Kurs gefallen ist, sind diese Trader folglich im Minus und beschließen daraufhin, ihre Anteile zu verkaufen. So landen die Wertpapiere wieder auf der Angebotsseite des Orderbuchs.

Der daraus resultierende Kursrutsch lockt wiederum andere Trader an. Diese kaufen das Wertpapier daraufhin zu dem günstigeren Preis. So sind wieder mehr Trader da, die bereit sind zu kaufen als zu verkaufen. Das hat zur Folge, dass Kurs wieder anzieht und über das vorhergehende Hoch hinaus schießt – für diese starke Bewegung sorgen dann auch die Trader, die bisher Flat waren und den Markt bis dato beobachtet hatten, um markttechnisch den optimalen einstieg zu finden.

Ein neuer Hochpunkt in einem Börsentrend entsteht

So setzt sich das ganze immer weiter fort, bis es irgendwann zu einem Trendbruch kommt.

Der Trendbruch

Ein Trendbruch ist dann gegeben, wenn der Kurs des Wertpapiers unter den vorhergehenden Tiefpunkt fällt. Trader, die den Trend nach markttechnischen Grundsätzen handeln, setzen ihre Stop-Limit-Orders immer unter Punkt 3 an und ziehen diesen gegebenenfalls immer wieder nach. Würde der Kurs also unter das letzte Tief fallen, würden die Stop-Limit-Orders ausgelöst, die daraufhin zu einer Market-Order werden und es erfolgt die sofortige Ausführung. Daraufhin fällt der Kurs noch weiter und das ganze beginnt von vorne – nur eben in der anderen Richtung.

Wenn ein Trend kippt

Der Grund dafür, dass vor allem Trading-Anfänger so oft Minustrades tätigen, liegt darin, dass sie oft Entscheidungen treffen, die sich auf die bereits vorhandene Bewegung stützen und zwar darum, weil ihnen das Verständnis des Trendaufbaus fehlt. Für einen erfolgreichen Trade wäre es nämlich besser, auf die zu erwartende Bewegung zu setzen anstatt während der Bewegung oder sogar am Ende dieser.

Was genau ist die Bewegung?

Im Verlauf des Artikels ist mehrfach der Begriff „Bewegung“ aufgetaucht. Als Bewegung werden im Trading neuralgische Punkte bezeichnet, an denen der Kurs eines Finanzinstruments Fahrt aufnimmt. In der Regel findet dies am vorhergehenden Hoch statt – also an unserem Punkt 2.

Doch warum hat dieser Punkt 2 so eine wichtige Bedeutung? Das hat den Grund, dass dieser Punkt als spezieller Treffpunkt von Orders gilt. Hier treffen unter anderem Einstiegs- und Stop-Orders sowie Einstiegsorders durch Positionsdrehung auf einander und daraus ergibt sich eine schnelle Bewegung, die in einen neuen Hochpunkt (neuer Punkt zwei) gipfelt.

Ein Ausbruch in der Markttechnik auf einen neuen Punkt 2

Im oberen Bild wird diese Situation noch einmal veranschaulicht.

Wir haben also folgende Situation: Der erste Trader hält eine Short-Position und wird an Punkt 2 ausgestoppt. Daraufhin wird seine Stop-Order im Orderbuch als Market-Order eingetragen und von jemandem gekauft, der nun eine Long-Position hält.

Nun hat der erste Trader erkannt, dass er mit seiner Short-Position falsch gelegen hatte und beschließt, seine Position zu drehen. Das bedeutet, dass er noch mal kauft und daraufhin noch eine Long-Order entsteht. Somit steht ein- und derselbe Trader zwei Mal im Orderbuch.

Ein dritter Trader war bisher Flat und sieht ein markttechnisches Signal zum Einstieg. All diese Trader zusammen verursachen den sogenannten Dominoeffekt, der für die markttechnische Bewegung verantwortlich ist. Somit ist es auch einleuchtend, wieso erfahrene Markttechniker stets einen Punkt 2 für seinen Einstieg sucht.

Der Einsatz in der Praxis

Die Pflicht eines Traders, der nach markttechnischen Grundsätzen handelt, liegt darin, einen intakten Trend zu finden und dort das Augenmerk auf einen markanten Punkt 2 zu legen. Die eigentliche Kür des markttechnischen Tradings ist aber das Erkennen der eigentlichen Großwetterlage. Suchen Sie also stets das WO. Wo befindet sich der Markt aktuell eigentlich? Ist der Markt eigentlich in einer Phase der Bewegung oder der Korrektur? Oder ist die Korrektur zu Ende und es beginnt gerade eine neue Bewegung?

Jeder getätigte Trade ist nämlich nur so gut, wie die jeweilige Marktphase. Natürlich können Sie auch mit einem zufälligen Trade Gewinne erzielen, aber auf lange Sicht werden Sie nicht erfolgreich sein. Hier kommen wir zu der wichtigsten Regel und der größten Herausforderung im Trading – das Warten. Wer an den Märkten nicht auf die richtige Phase wartet, wird auf lange Sich kein Geld verdienen.

So teilt sich die Kür im markttechnischen Handel in zwei Schritte. Zunächst wird ein Signal (Punkt 2) in einem intakten Trend gefunden. Daraufhin heißt es, sich die Marktphase – die übergeordnete Zeiteinheit – anzusehen. Wenn sich die zugehörige Phase ebenfalls in einem intakten Trend befindet und dort sogar aus der Korrektur heraus auf dem Weg zum entsprechenden Punkt 2 ist, dann haben Sie den perfekten Einstiegspunkt gefunden.

Die Art der Bewegung und die Trendfortsetzung aus dem Blickwinkel der Markttechnik

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser kleinen Abhandlung die Markttechnik in ihren Grundzügen etwas näher bringen.

Verpassen Sie auch nicht meine beiden thematisch passenden Artikel "Die Philosophie der Markttechnik" sowie "10 goldene Regeln der Markttechnik".

Sollten Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung. Sofern Sie Interesse an einer markttechnischen Ausbildung haben sollten, sind Sie jederzeit eingeladen, meinen Premiumdienst „Gabels Markttechnik Paket“ zwei Wochen kostenfrei zu testen, Mitglieder von BrokerDeal finden im Mitgliederbereich auch einen 20%igen Rabattcode.

Herzlichst Ihr

Markus Gabel

Über den Autor

Markus Gabel

Markus Gabel

Markus Gabel ist geprüfter Vermögensberater und seit dem Jahr 2000 im Finanzbereich tätig. Sein Faible: der Devisenhandel.Seit 2008 ist er auf die Technische Analyse bzw. die Markttechnik spezialisiert – über alle Märkte hinweg. 2009 begann Markus Gabel seine aktive Tätigkeit mit einem Blog für Einsteiger und Hobbytrader sowie einer täglichen Kolumne über die wichtigsten Devisenpaare. Damit erreichte er regelmäßig Tausende von Lesern. Sein Handelsansatz liegt im Handel aus der Korrektur heraus, von ihm auch „Trading mit der Ballkönigin“ genannt.Bei GodmodeTrader ist Markus Gabel seit 2012 und betreut den Trading-Service Gabels Markttechnik Paket. Er fand sein Zuhause im Tageschart mit den Signalgebern aus dem Wochen- und Monatschart. Mit dieser ruhigen Art des Tradings richtet er sich vor allem an die nebenberuflichen Trader, die ihr Kapital selbst auf sinnvolle Art und Weise verwalten wollen.Folgen Sie Markus Gabel auf Guidants.

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