Binäre Optionen vs. CFDs: Ein Direktvergleich

20.06.2017 - 5 Minuten Lesezeit

Sowohl Binäre Optionen als auch CFDs eignen sich für kurzfristige Spekulation. Beiden Instrumenten gemein sind die geringen Zutrittshürden auch und gerade für Einsteiger. Daneben gibt es erhebliche Unterschiede im Hinblick auf Funktionsweise, Kosten, Transparenz und Anbieterkultur. Diese Unterschiede sollen hier dargestellt werden.

Funktionsweise: Hopp oder Top vs. Basiswert-Klon

Die Funktionsweise von Binären Optionen ist sehr einfach: Die Kontrakte werden mit einer festgelegten Rendite zurückgezahlt, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt und verfallen wertlos bzw. mit einem festgelegten Restwert, wenn das Ereignis nicht eintritt.

Ein Beispiel: Eine Option kann mit 90 % Rendite zurückgezahlt werden, wenn der DAX am Ende der Handelswoche über 10.000 Punkten notiert und wertlos verfallen, wenn der Leitindex unter 10.000 Punkten notiert.

CFDs funktionieren grundlegend anders. Ein Differenzkontrakt „klont“ seinen Basiswert. Die Kursentwicklung eines CFDs folgt 1:1 der Kursentwicklung des Basiswertes. Überproportionale Gewinne bzw. Verluste entstehen allein aus dem eingesetzten Finanzhebel, nicht jedoch aus dem Konstruktionsprinzip von CFDs.

Ein Beispiel: Notiert der DAX bei 10.000 Punkten und beläuft sich der Kontraktwert eines DAX-CFDs auf 1,00 EUR pro 1,00 Punkte, entspricht der Nominalwert eines Kontraktes 10.000 EUR. Verlangt der Broker eine Initial Margin von 1,0 %, kann dieser Kontrakt mit 100 EUR Einsatz gehandelt werden. Steigt der Index um 5 % auf 10.500 Punkte, entspricht dies einem Zugewinn im CFD um 500 EUR bzw. 5 %. Bezogen auf den Einsatz ist der Gewinn allerdings deutlich höher – das ist auf den Finanzhebel zurückzuführen.

Bei Binären Optionen ist das Risiko immer auf den Einsatz begrenzt. Bei CFDs gilt dies nur, wenn garantierte Stopp Loss Orders genutzt werden oder ein genereller Ausschluss von Nachschusspflichten vereinbart wird. Letzteres wird in Kürze für deutsche Anbieter Pflicht sein. Das Gewinnpotenzial ist bei Binären Optionen auf die ausgelobte Rendite begrenzt, bei CFDs dagegen theoretisch unbegrenzt.


Kosten im Handel: Implizite Rohmargen vs. Spreads und Kommissionen

Binäre Optionen Broker verlangen keine expliziten Gebühren von ihren Kunden. Die Margen der Anbieter sind im Verhältnis von Rendite zu Einsatz enthalten. Ein einfaches Beispiel dafür sind Binäre Plain Vanilla Optionen, die am Geld eröffnet werden und somit statistisch eine Gewinnwahrscheinlichkeit von ziemlich genau 50 % aufweisen sollten. Hier entspräche eine Ablaufrendite von 100 % im Gewinnfall einem „Roulettespiel ohne null“.

Je niedriger die Rendite, desto größer die Gewinnmarge des Brokers.

Die so anfallenden Rohmargen können beträchtlich sein. Bietet ein Broker für Binäre Plain Vanilla Optionen 80 % Ablaufrendite (das ist ein marktüblicher Wert) und werden jeweils eine Call- und eine Put Option mit 100 EUR Einsatz gekauft, verdient der Broker 20 Euro, da eine Option wertlos verfüllt. Das entspricht 10 % des Handelsvolumens. Diese Kosten fallen nahezu unabhängig von der Transaktionsgröße an. Lediglich einige Broker gewähren Kunden mit höheren Umsätzen auch höhere Renditen.

Im CFD Handel fallen Kosten durch Spreads und Kommissionen sowie Finanzierungskosten an. Wie genau die Kosten aufgeteilt sind, hängt maßgeblich vom Broker ab. Broker können Margen in den Spreads platzieren oder ausschließlich Kommissionen belasten. Letzteres gilt als transparenter und deshalb empfehlenswert. Als optimale Lösung gilt DMA Trading. Dabei handeln CFD Trader zu den tatsächlichen Kursen der Börse und ohne jegliche Markups. In diesem Fall verlangen die Broker Kommissionen. Diese liegen in der Regel bei 0,01 % bis 0,2 % des gehebelten Transaktionsvolumens.


Struktur des Marktes: Echte Broker vs. White Label

Der noch relativ jungen Markt für Binäre Optionen besteht überwiegend aus White Label Lizenznehmern, die Technologie und Kurse von einzelnen, oligopolartig organisierten Plattformen im Hintergrund erhalten. Die Lizenznehmer sind primär für Vertrieb und Kundenbetreuung zuständig und erhalten Provisionen für generierte Umsätze.

Die Plattformen sind häufig weniger Broker als Softwareentwickler und haben mitunter einen engen Bezug zum Gambling Bereich. Die wenigen dominierenden Anbieter im Hintergrund bestimmen maßgeblich über Konditionen und Produktangebot, wie zum Beispiel die handelbaren Optionstypen und Basiswerte.

Zumindest die größeren CFD Broker am Markt sind genuin Finanzunternehmen und zum Teil schon seit Jahrzehnten aktiv. White Label Modelle gibt es ebenfalls – vor allem jedoch im Zusammenhang mit britischen Brokern, die über Introducing Broker den deutschen Markt mit deutschsprachigem Kundenservice erschließen.

Auffällig ist, dass sich fernab der regulierten Binäre Optionen Broker auch immer wieder dubiose Anbieter ansiedeln, die mindestens im Grenzbereich zum Betrug agieren. Mehrere europäische Finanzaufsichtsbehörden haben solche Anbieter bereits auf Blacklists gesetzt. Wer wissen möchte, ob ein bestimmter Binäre Optionen Broker seriös lizenziert ist, kann bei Finanzbehörden wie der zypriotischen Zeit CySEC Nachforschungen anstellen. Die CySEC führt zum Beispiel eine Liste mit angemeldeten Internetdomains. Dadurch lässt sich feststellen, ob eine Domain tatsächlich zu einem bestimmten Broker gehört.


Regulierung und Einlagensicherung

Fast alle Binäre Optionen Anbieter mit Brokerlizenz sind auf Zypern ansässig. Einige Anbieter agieren auch von Malta aus – dann häufig mit Glücksspiellizenz. Zypern ist EU Mitgliedsland und auch Standort vieler CFD Broker. Trotz EU Finanzmarktrichtlinie ist das Regulierungsumfeld des Inselstaats nicht 1:1 mit dem an den etablierten Finanzstandorten zu vergleichen.

Ein kritischer Punkt im Hinblick auf die Einlagensicherung findet sich in den Geschäftsbedingungen vieler Binäre Optionen Broker. Dort räumen sich die Anbieter das Recht ein, Kundengelder bei Banken und anderen Institutionen außerhalb der EU bzw. des EEA anzulegen. In den Geschäftsbedingungen wird ausdrücklich drauf hingewiesen, dass dies Auswirkungen auf den Einlagenschutz im Falle einer Pleite solche Banken haben kann.

Das Geld durch die Anbieter häufiger außerhalb Europas angelegt wird, hängt auch mit dem Hintergrund vieler Unternehmen der Branche zusammen. Die in Europa regulierten Tochtergesellschaften gehören häufig zu Unternehmen aus Übersee und sitzen zum Beispiel auf den Seychellen oder Südafrika.

Ebenso wie die meisten Binäre Optionen Broker verfügen auch die meisten CFD Broker nicht über eine eigene Banklizenz. Die Gelder werden deshalb bei Kreditinstituten angelegt. Bei zypriotischen Brokern kann es sich dabei um Banken mit Sitz in Zypern handeln, was mit einer auf 20.000 EUR begrenzten Einlagensicherung durch den ICF einhergeht. Größere Broker legen Kundengelder jedoch in der Regel bei deutschen oder britischen Banken an. Dann gilt eine Einlagensicherung in Höhe von 100.000 EUR pro Kunde.


Fazit

Der CFD Handel ist ausgereifter als das Angebot im Bereich Binäre Optionen. Der Handel ist gemessen am Verhältnis von Umsatz zu Kosten günstiger und (nicht nur, aber vor allem) bei Brokern mit DMA-Marktmodell auch sehr viel transparenter.

Bei vielen Binäre Optionen Brokern finden sich erhebliche Schwächen zum Beispiel im Hinblick auf die Einlagensicherung. Die Branche steht generell vor zwei großen Herausforderungen: Erstens müssen „schwarze Schafe“ stärker bekämpft, zweitens die tatsächliche Zahl von Anbietern hinter White Label Lizenzen vergrößert werden. Wer bei CFDs Nachschusspflichten ausschließt, ist in jedem Fall besser bedient als mit binären Optionen.

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Team BrokerDeal

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Kommentare

  • Rita L. kommentierte am 30.06.2017 um 09:36 Uhr

    Herzlichen Dank an das Redaktionsteam für den sehr interessanten Artikel.
    Habe jetzt erst einmal grundlegend die Unterschiede erkannen können.
    Besten Dank und Gruß

    Rita

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 30.06.2017 um 10:03 Uhr

    Vielen Dank für dein Feedback, freut uns!

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