Sinn und Unsinn von Social Trading

04.08.2014 - 5 Minuten Lesezeit

Parallel zu unserer aktuellen Testung der interessantesten Social Trading Anbieter mit Echtgeldkonten wollen wir uns auch an einer kritischen Betrachtung der Vor- und Nachteile dieser Anlageform versuchen. Als Diskussionsgrundlage sollen uns dafür die bekanntesten Argumente der Kritiker und Befürworter dienen.

Social Trading ermöglicht das Nachhandeln (hoffentlich) erfolgreicher Trader, ohne dass man seine Positionen selbst managen muss. Im Grunde holt man sich also einen oder kombiniert mehrere Fondsmanager für sein Depot und wird damit zum sogenannten „Follower“. Kann mit dem gleichen Depot in der Regel aber auch individuell seine eigenen Trades und Ideen ausführen. Social Trading ist also für mehrere Zwecke gedacht. Einmal als Beimischung/Diversifikation für noch aktive Trader. Zum anderen als alternative Anlageform. Für alle bisher erfolglosen Trader, oder jene die sich gar nicht auf dieses schwierige Terrain begeben wollen. Bei den aktuellen Niedrigstzinsen aber trotzdem interessantere Erträge suchen.


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Virtuelle & anonyme Trader

Kritiker merken regelmäßig an, dass man a) nicht wirklich weiß wem man denn eigentlich sein hart erarbeitetes Geld anvertraut, und/oder b) viele Strategien zum gleichen Trader gehören können und nicht einmal mit Echtgeld gehandelt werden müssen.
So könnte man also mehrere verschiedene Demokonten anmelden, und darauf konträre Strategien handeln. Eine davon wird schon aufgehen, damit möglichst viele Follower darauf aufmerksam werden und investieren.

Das ist z.B. wirklich möglich beim Marktführer eToro. Andere Anbieter allerdings machen es besser und stellen klar, wer hinter den Strategien steckt. Und das Optimum sind jene Plattformen, die entweder klar ausweisen welche Strategien nur mit virtuellem Geld und welche mit Echtgeld gehandelt werden, wie bei ayondo. Bzw. gibt es sogar Anbieter wie OANDA, die überhaupt NUR Echtgeldtrader zulassen, und auch das erst nach einem monatelangen Zertifizierungsprozess.

Wer tut sich das an

Mein Lieblingsargument: „Warum sollte sich ein erfolgreicher Trader einen Börsenbrief oder Social Trading antun? Entweder er ist so gut, dass er auch bei einem Hedgefonds/Vermögensverwalter arbeiten könnte, oder er hätte das finanziell ja gar nicht nötig.“
Auf den ersten Blick absolut logisch. Und tatsächlich wird es Social Trader geben, die nur mit Demokonten erfolgreich sind, nicht aber mit Echtgeld. Die sogenannten Papertrader, die an den Spreads und der Slippage im Echtgeldhandel scheitern oder noch öfter an ihrer Psyche.
Doch nicht jeder erfolgreiche Trader hat Lust auf strenge Vorgaben und tägliche kontrollierte Routine unter einem Arbeitgeber. Bevorzugt daher seine Selbstständigkeit.
Oder, und das wird in der Mehrzahl wohl der Fall sein, man hat noch keinen so großen Kapitalstock, um alleine von seinem Trading leben zu können mit Berücksichtigung der monatlichen Entnahmen und Drawdownphasen. Das kann auf intelligente Studenten genauso zutreffen wie auf Späteinsteiger, die Trading erstmal nebenbei anfangen, aber schon ein gutes Näschen haben.
Auch professionelle Vermögensverwalter werden bereits auf Plattformen wie wikifolio aktiv. Einfach weil dort die ganze Abwicklung und das Marketing für sie übernommen wird, und ein größeres Publikum auf gute Strategien aufmerksam wird.

Und mal Hand aufs Herz: Wer würde sich zusätzlichem Einkommen verschließen, wenn absolut kein Mehraufwand notwendig ist? Man lässt seine Trades einfach kopieren wenn das jemand möchte, und das war´s. Ich jedenfalls wäre dabei, wenn ich gut genug dafür wäre (Forexhandel ist nicht mein Ding, bei den meisten Plattformen sind aber nur Währungen vernünftig kopierbar).

Slippage & Zeitverzögerung

DAS ist in der Tat meiner Erfahrung nach die absolut größte Herausforderung für die Anbieter. Nehmen wir den Trader patternicus von ayondo als Beispiel, das erfolgreiche Steckenpferd dort. Er handelt sehr aktiv den Dax30-Index mit ca. 800 Followern. Jede seiner Orders wird so rasch als möglich automatisch nachgehandelt auf den Konten seiner Fans. Umso größer nun die Fangemeinde und desto später man sich an sein Konto angehängt hat, desto größer wird die Zeitverzögerung bei der Orderausführung sein. Zwar zeigen unsere ersten Echtgeldtests, dass die Verzögerung minimal ist. Trotzdem ergibt das bei volatilen Basiswerten wie dem Dax30-Index rasch 1-2 Punkte Slippage, da er einfach nicht so liquide ist wie etwa das Währungspaar EUR/USD. Das summiert sich natürlich über die Zeit. Zwar ist sehr wohl auch positive Slippage möglich, also dass man als Follower einen besseren Kurs erwischt als der Trader selbst. Aber in der Regel zieht man bei Ausbrüchen und Kursrutschen den Kürzeren.

Unmöglich wird das Prinzip Social Trading dann etwa bei Aktien, speziell Nebenwerten. Hier kann einfach keine faire Ausführung mehr garantiert werden, bzw. würden beliebte Trader hier ja sogar zu Preistreibern an der Börse werden. Aus diesem Grund stellen die meisten Anbieter generell nur Devisenhandel zur Verfügung. Mutige Anbieter, die auch die wichtigsten Indizes und Rohstoffen anbieten, erlauben eine ganze Palette weiterer interessanter Strategien und Beimischungen. Jeder Follower muss hier ganz einfach selbst beurteilen nach der ersten Handvoll kopierter Trades, ob die Slippage für ihn akzeptabel ist. Wichtig ist am Ende schließlich nur, dass eine positive Performance zu Buche steht.

Fazit

Ich mag Social Trading. Die Umsetzung ist meist sehr simpel gelöst, ohne administrative Aufwände oder hohe Mindesteinlagen. Man wird keine Wundertrader finden die einem bis zur Pensionierung schöne Erträge verschaffen. Aber wer ein Auge auf seine Trader hat und nach aufsteigenden Stars Ausschau hält, kann durchaus sogar die besten Fonds schlagen. Ich trade selbst nicht extrem aktiv, daher ist Social Trading für mich eine interessante Beimischung, um speziell durch Forextrader eine spannende Diversifikation und Performance zu erlangen.

Lass Profis für dich traden“ ist ein netter Slogan. Ob das aber auch tatsächlich der Fall ist, sehen wir uns mit unseren aktuellen Echtgeldtests unter www.brokerdeal.de sehr genau an. Mit Fokus auf faire Orderausführung und Slippage, weil nur dann hat so eine Plattform Zukunftschancen.

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Dieter kommentierte am 28.05.2016 um 16:16 Uhr

    Hallo Herr Hinterleitner,
    für mich als Einsteiger ein interessanter Artikel und Hinweis auf das Social Trading. Ein Punkt bleibt offen. Ist es nicht sinnvoll seine Tradingeinstieg als Anfänger mit dem ST zu starten um daraus zu lernen? Darüber findet sich nichts in Ihrem Artikel.
    Besten Gruß Dieter

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 30.05.2016 um 20:34 Uhr

    Verstehe ich Sie richtig, Sie wollen anfangs anderen Tradern folgen um daraus zu lernen? Hm, der Lerneffekt wird wohl nicht so groß sein, da die Trader nicht alles nachvollziehbar kommunizieren. Man müsste sich anhand der Charts ansehen wo die Trader ein- und aussteigen und daraus versuchen schlau zu werden. Stelle ich mir sehr mühsam vor. Nur wenige Social Trader legen ganz genau offen wie sie handeln. Beste Grüße
    Michael Hinterleitner

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