Diese Orderarten muss jeder Trader kennen

27.08.2014 - 5 Minuten Lesezeit

Das Nutzen unterschiedlicher Orderarten gehört für Trader zum Arbeitsalltag und nicht nur professionelle Anleger greifen zu diesen Hilfsmitteln. Wer sich gegen zu hohe Verluste schützen, den erzielten Gewinn absichern oder zu einem ganz bestimmten Kurs einsteigen will, sollte sich zumindest mit den gängigsten Orderarten auskennen. Wir stellen Ihnen nachfolgend sechs wichtige Ordertypen vor.

Den besten Einstiegszeitpunkt wählen

Geschäftsmann hält UhrEine der wohl wichtigsten Entscheidungen, die ein Trader fällen muss, ist die Wahl des Zeitpunkts für den Einstieg in den Handel.

Dabei gibt es keine Methode, die den optimalen Einstieg garantiert und Sie verlassen sich dabei stets auf Ihre eigenen Überlegungen und Analysen.

Haben Sie Ihre Entscheidung getroffen, können Sie mit unterschiedlichen Ordertypen dafür sorgen, dass Sie zu genau dem vorbestimmten Kurs einsteigen können und die Marktentwicklung dabei nicht durchgehend beobachten müssen, um den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.

Auch lassen sich Orderarten dazu nutzen, den Verkauf zu dem gewünschten Kurs zu realisieren. So können Sie Gewinneinbußen vermeiden wenn sich der Kursverlauf nach einer Weile ändert oder die Verluste einschränken wenn der Markt gegen Sie läuft.

Durch das Nutzen der Ordertypen können Sie Ihre Strategie nach festen Kriterien definieren und erreichen damit noch größere Effizienz. Aus diesen Gründen sollten Sie die Wahl des Brokers und auch der Handelsplattform ebenfalls von der Auswahl der vorhandenen Orderarten abhängig machen.

Orderarten beim Aktienhandel

Die Market-Order – Sofortige Ausführung unabhängig vom Preis

Bei der Market-Order wird ein Kauf- oder Verkaufsauftrag sofort ausgeführt – ganz unabhängig vom Kurs. Beim Kauf wird eine Market Order auch als „Billigst“ und beim Verkauf als „Bestens“ bezeichnet. Das bedeutet, dass zum aktuell billigsten verfügbaren Preis gekauft bzw. zum aktuell besten Preis verkauft wird.

Die Market-Order wird meist dann genutzt, wenn ein Trader schnell agieren möchte und will, dass eine bestimmte Transaktion in jedem Fall zur Ausführung kommt – und zwar unabhängig von der Kursveränderung im Zeitraum zwischen dem Aufrufen des Ordertickets und der tatsächlichen Ausführung.


Die Limit-Order – Den Ausführungspreis eingrenzen

Ist ein Markt besonders volatil, ist eine Market-Order nicht ausreichend. Ein solcher Markt ist besonders starken und schnellen Schwankungen unterlegen und so kann der Einsatz der Market-Order unter Umständen zu ungünstigen Kursabweichungen führen. Wollen Sie dies verhindern und liegt Ihre oberste Priorität nicht auf der sofortigen Ausführung, sollten Sie die Limit-Orders nutzen.

Wer eine Limit-Order aufgibt, setzt einen Höchstpreis fest, mit dem er ein Instrument erwerben möchte oder legt den Mindestpreis fest, zu dem er bereit ist zu verkaufen. Wenn die festgelegten Kurse zum Zeitpunkt der Orderaufgabe nicht erreicht werden, wird die Kauf- oder Verkaufsorder nicht ausgeführt und aus dem Orderbuch gestrichen.


Die Stop-Order – Zur Verlustbegrenzung und Gewinnabsicherung

Eine Stop-Order wird immer dann genutzt, wenn es darum geht, Verluste zu begrenzen oder im Vorfeld einen Einstiegskurs festzulegen. Bei Erreichen des festgelegten Stop-Kurses wird eine Market-Order ausgelöst und zwar entweder zum Kauf oder zum Verkauf eines Instruments. Die Market-Order kommt in beiden Fällen dann zur Ausführung, wenn das von Ihnen festgelegte Kursniveau erreicht wird.

Geht es um eine Verkaufsorder, dann ist auch von einer Stop-Loss-Order die Rede. Je nach dem ob Sie auf steigende oder auf fallende Kurse handeln wird der Stop-Loss-Kurs unterhalb bzw. oberhalb des Einstiegskurses angesetzt und dient als „Reißleine“ falls der Markt lange genug gegen Sie läuft.

Verläuft die Kursentwicklung zu ihren Gunsten, können Sie Ihre Gewinne absichern, indem Sie die Stop-Loss Grenze immer weiter mit nach oben ziehen und behalten somit die Kontrolle über die Höhe der Verluste, die Sie bereit sind in Kauf zu nehmen.

Handelt es sich dagegen um eine Kauforder, spricht man von einer Stop-Buy-Order oder auch von einer Start-Buy-Order.

Damit können Sie festlegen, ab welchem Kurs Sie in den Handel einsteigen möchten. Das ist beispielsweise dann nützlich, wenn Sie der Überzeugung sind, dass der Kurs sich in eine bestimmte Richtung entwickelt sobald ein Kursniveau erreicht wird.


Die Trailing-Stop-Order – Flexible Stop-Loss- bzw. Stop-Buy-Order

Bei der Trailing-Stop-Order handelt es sich um eine Erweiterung der Stop- Order. Dabei bewegt sich Das Niveau, das die Market-Order auslöst, entweder dynamisch mit der Kursbewegung oder bleibt stehen.

Dabei kommt es wieder darauf an, ob auf steigende oder auf fallende Kurse gesetzt wird und ob sie eine Kauf- oder eine Verkaufsorder ausführen möchten.

Angenommen Sie setzen auf steigende Kurse und wollen Ihre Gewinne absichern und geben im Vorfeld einen Stop-Loss Kurs an. Steigt nun der Preis des Instruments, wandert der Stop-Loss mit nach oben und behält dabei stets den anfänglichen Kursabstand bei.

Ändert sich der Kursverlauf, bleibt das Absicherungsniveau stehen und löst eine Verkaufsorder aus wenn es erreicht wird. Bei einer Short-Position verhält es sich genau umgekehrt.

Bei einer Kauforder einer Long-Position wandert eine Stop-Buy-Order in vorgegebenem Abstand mit nach unten, bleibt stehen sobald sich die Kursbewegung ändert und wird als Market-Order ins Orderbuch eingetragen, wenn das Kurs-Niveau erreicht ist.

Trailing-Stop-Orders lassen sich übrigens auch mit Limit-Orders verbinden. Somit stellen Sie sicher, dass die Ausführung nur dann erfolgt, wenn der Kurs das vorgegebene Limit-Niveau erreicht.


Die Stop-Limit-Order – Kombinieren Sie zwei Orderarten

Die Stop-Limit-Order stellt eine Kombination einer Stop- und einer Limit-Order dar. Wollen Sie einen Verkaufsauftrag aus diese Weise realisieren, geben Sie zunächst einen Stop-Loss-Kurs an.

Wird diese Marke erreicht, kommt es zur Orderaufgabe. Allerdings kommt es nicht zwangsläufig zu einer Ausführung wie es bei einer Stop-Market-Order der Fall wäre.

Bei Erreichen des Stop-Loss-Kurses erfolgt zunächst der Eintrag einer limitierten Order ins Orderbuch. Das Limit ist dabei kleiner (Long-Position) oder größer (Short-Position) als der Stop-Loss-Kurs oder liegt auf gleicher Höhe.

Wird das Stop-Loss-Niveau erreicht und es findet sich kein Käufer zum vorgegebenen Limit-Kurs, verfällt die Order und kommt nicht zur Ausführung.

Mit einer solchen Order können Sie sich gegen eine ungünstige Ausführung absichern, gehen aber zugleich das Risiko ein, dass der Verkaufsauftrag unter Umständen überhaupt nicht zur Ausführung kommt.

Diese Ordervariante lässt sich ebenfalls auf einen Kaufauftrag anwenden. Dabei wird ein Start-Buy-Order bzw. Stop-Buy-Order Kurs festgelegt und die entsprechende Limit-Marke verhindert einen ungünstigen Einstiegskurs. Auch in diesem Fall gibt es das Risiko starker Kurssprünge und der damit verbundenen nicht erfolgten Ausführung.


One-Cancels-Other-Order – Die Entweder-Oder-Variante

Bei dieser Orderart geben Sie zwei Orders zugleich auf, von denen nur eine zur Ausführung kommt und die andere damit gelöscht wird.

Eine solche Orderkombination wird zum Beispiel angewendet, wenn Sie einen Verkauf planen und das Verlustrisiko mit einer Stop-Limit-Order einschränken und zugleich mit einer Limit-Order mögliche Gewinne automatisch realisieren wollen.

Bei einer Kauforder verhält es sich umgekehrt: Dabei platzieren Sie eine Limit-Order für den Kauf und legen zugleich ein Start-Buy-Limit-Order für einen vorteilhafteren Kurs fest.

Über den Autor

Thomas May

Thomas May

Thomas May begeistert sich seit Ende der Neunziger Jahre für die Börse. Parallel zu seinem Soziologiestudium begann er mit dem Aktien- und Optionshandel und finanzierte so seinen Lebensunterhalt.Fasziniert von der Möglichkeit Kursverläufe zu antizipieren, befasste er sich intensiv mit klassischer Charttechnik, Indikatoren- und Zyklenanalyse und konnte diese Ansätze um eigene Konzepte der Trendprognose und Chartgeometrie ergänzen. Bei GodmodeTrader ist Thomas May mit der Analyse der Märkte Schweiz und USA sowie Branchenindizes, Edelmetallen und Rohstoffen betraut. Gemeinsam mit Daniel Kühn leitet er die Redaktion.Darüber hinaus ist der passionierte Swingtrader gefragter Kommentator des aktuellen Marktgeschehens in renommierten Wirtschaftsmedien.Folgen Sie Thomas May auf Guidants.

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