Checkliste für die Brokerwahl

14.07.2015 - 7 Minuten Lesezeit

Den individuell besten Broker zu finden gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines angehenden Traders. Dieser entscheidet, ob das eigene Setup auch adäquat umgesetzt werden kann. Manche Strategien können mit der falschen Brokerwahl sogar in den unprofitablen Bereich kippen. Glücklicherweise gibt es in Deutschland mittlerweile viele professionelle Anbieter, wodurch der Broker Vergleich aber nicht unbedingt einfacher wird.

Wahl des richtigen Weges an KreuzungDoch was macht einen guten Broker eigentlich aus und welcher Broker passt letztlich auf meine eigenen Bedürfnisse am besten? Typischerweise sind das nicht immer diejenigen Anbieter mit dem größten Marketingbudget und der technisch aktuellsten Website.

Wer einen für sich persönlich geeigneten Broker finden möchte, muss bei der Brokerwahl daher in erster Linie seinen eigenen Tradingstil und seine Bedürfnisse kennen.

Denn “den allgemein besten Broker” gibt es einfach nicht. Verschiedene Tradingstile und -bedürfnisse harmonisieren mit verschiedenen Brokern am besten.

Die folgende Brokerwahl-Checkliste soll eine Hilfestellung darstellen, mit der man Schritt für Schritt die individuell wichtigsten Kriterien und somit den optimalen Broker finden kann.


Die Art der Tradinginstrumente bzw. Produkte

Nicht jeder Broker bietet jedes Produkt an! Aber welche Gattung von Wertpapieren möchte ich überhaupt handeln? Beispiele wären CFDs, Aktien aber auch Futures, Optionsscheine und Zertifikate. Handelt es sich überhaupt um einen Trading-Broker, oder ist der Broker eher auf Investments – also längerfristige Geldanlagen – spezialisiert. Viele Broker bieten heute allerdings CFD- und Aktienhandel in Kombination an, was die Brokerwahl natürlich vereinfacht.


Die Art des Basiswertes ist bei der Brokerwahl entscheidend

Welche konkreten Werte möchte ich denn handeln? Wer beispielsweise weiß, dass er ausschließlich Devisen oder Indizes handelt, wird einen hierauf spezialisierten Broker favorisieren. Andere Trader handeln lieber Rohstoffe oder Aktien aller Art.

Für Anfänger gilt: Index- und Devisentrading ist gerade für kleinere Konten besser geeignet, da hier in der Regel die Kosten pro Trade geringer sind als bei Aktientrades.


Die Gebühren und Konditionen

Zunächst die Frage: welche Kosten können überhaupt anfallen? In erster Linie sind das die Ordergebühren für Kauf und Verkauf. Oft vernachlässigt aber ungeheuer wichtig ist auch die Kursstellung und der damit zusammenhängende Spread, also die Kursspanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, welcher letztlich ebenfalls für jeden Trade Kosten verursacht.

Bei Margin-Trading, also Handel mit kreditfinanzierten Hebeln, wie es bei CFDs üblich ist, sind außerdem die Finanzierungskosten zu berücksichtigen. Diese fallen in Form eines Zinses bei Trades an, die über Nacht gehalten werden. Zu guter Letzt sollte klar gestellt werden, ob es weitere Kosten in Form von Inaktivitätsgebühren, Plattformkosten oder Ähnliches gibt.


Wie harmonisiert die Gebührenstruktur des Brokers mit meinem Tradinstil?

Dieser Punkt ist bewusst extra gelistet. Je nach Art des Tradingstils sind nämlich manche Gebühren zu vernachlässigen und andere sind umso wichtiger. In dieser Hinsicht wichtigstes Kriterium ist die Handelsfrequenz des Setups.

Handle ich als Daytrader viele Trades pro Tag oder agiere ich lieber als Positionstrader mit einer Haltedauer von mehreren Tage oder Wochen?

Der Daytrader sollte auf Grund der hohen Tradezahl besonders auf die Ordergebühren pro Trade achten und hier jeden möglichen Cent einsparen. Für den Positionstrader sind diese Gebühren etwas weniger wichtig, dieser sollte aber unbedingt die Finanzierungskosten berücksichtigen, die ja jede Nacht anfallen und sich ebenfalls aufsummieren können. Der Daytrader hingegen hält in den seltensten Fällen Trades über Nacht und kann daher die Finanzierungskosten vernachlässigen.


Gibt es Cashback-Angebote und/oder einen Einzahlungsbonus für meinen Broker?

Ein weiterer Punkt in Anlehnung an die Kosten ist das Angebot von Cashback-Systemen. Brokervergleichsportale, die mit einem Broker kooperieren und für die Vermittlung eine Provision erhalten, zahlen üblicherweise einen erheblichen Teil der Ordergebühren an den Kunden zurück. Der bekannteste Brokervergleich mit Mitgliedervorteilen ist beispielsweise www.brokerdeal.de, die zusätzlich etwas für den guten Zweck abgeben.

Ein etwaiger Einzahlungsbonus kann ebenfalls berücksichtigt werden, sollte aber kein Hauptkriterium sein. Gerade Anfänger, die häufig nur über ein sehr kleines Konto verfügen, können sich somit aber einen hilfreichen Zuschuss holen.


Die Kursstellung und Orderausführung

Bietet der Broker börsenechte Spreads und Realtimekurse an oder handelt es sich um einen Market-Maker, der eigene Kurse stellt (die zwar nahe, aber nicht exakt an den echten Kursen sind)? Letzteres muss kein Nachteil sein, man sollte aber in Kenntnis dieses Umstandes sein. Ist die Oderausführung außerdem fair und wird diese schnellstmöglich zu den eingegeben Orderkriterien umgesetzt? Transparenz schaffen hier Bewertungen von Nutzern, die bereits Erfahrungen gesammelt haben. Brokerdeal.de bietet beispielsweise einen unabhängigen Bewertungsdienst an.


Brokerwahl Kriterium: Die Mindesteinlage des Brokers

Wie viel Geld muss ich mindestens einzahlen, um den Broker überhaupt nutzen zu können? Viele Broker verlangen nach einer Mindesteinlage über 100 €, 1000 € oder mehr. Manche Broker hingegen ermöglichen das Trading ohne Mindesteinlage. Hier kommt es letztlich wieder auf den eigenen Tradingstil bzw. die Kontogröße an.


Die Möglichkeit des Margin-Tradings und die Margin-Höhe

Bietet der Broker die Möglichkeit, durch automatische Kreditfinanzierung Trades mit einem Hebel zu handeln? Gerade bei CFDs und kleineren Konten ist Margin-Trading üblich und keinesfalls ein Hexenwerk, wenn man entsprechendes Money- und Risikomanagement anwendet. Sofern Margin-Trading möglich ist, sollte man in Erfahrung bringen, wie hoch die zu hinterlegende Margin ist.


Das Handling der Handelsplattform

Die Software des Brokers ist das Hauptinstrument des Tradinggeschäftes und sollte einem liegen. Zuverlässigkeit ist hier der wichtigste Punkt bei der Wahl des Brokers. Manche Softwarelösungen reagieren flott, andere träge. Manche Broker haben eine logisch-intuitive und benutzerfreundliche Menüführung, die schnelle Ordereingabe vereinfacht, andere Broker nicht. Auch in Puncto Design und Ästhetik gibt es große Unterschiede, die die Wahl aber letztlich weniger beeinflussen sollte als die Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit. Besorgen Sie sich eine Demoversion, um ein Gefühl für die Handelsplattform zu bekommen und die Broker vergleichen zu können.


Bereitstellung eines Charting-Tools und Angebot an Indikatoren? Ist der Handel aus dem Chart möglich?

Viele Broker bieten mittlerweile neben der Handelsplattform auch gleich eine Chartplattform an, mit der Sie Chartanalysen erstellen können und idealerweise sogar direkt aus dem Chart handeln können – also beispielsweise Stopp-Orders per Maus verschieben können. Sind die angebotenen Chartplattformen aber auch wirklich praxistauglich oder nur technische Spielereien?

Wenn Sie auf das Charting-Tool angewiesen sind, sollten Sie prüfen, ob alle für Sie wichtigen Funktionen und Indikatoren vorhanden sind und ob es möglich ist, Charts zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt abzufragen. Eventuell nutzen Sie aber sowieso eine professionelle externe Chartplattform und handhaben Chartanalysesoftware und Handelsplattform separat. Transparenz liefert hier abermals definitiv eine Demo-Version, die von allen seriösen Brokern angeboten wird. Handeln Sie Ihren Tradingstil einige Stunden auf Probe und Sie werden die Plattform schnell testen können.


Broker Angebot von Einführungsschulungen

Viele Broker bieten Einführungswebinare oder sogar Workshops vor Ort an, um den Kunden die Plattform näher zu bringen. Auf diese Weise übersehen Sie keine wichtigen Funktionen und haben häufig einen direkten Ansprechpartner. In Notsituationen werden Sie für einen Solchen dankbar sein. Dieser Punkt sollte bei der Brokerwahl unbedingt berücksichtigt werden


Möglichkeit von Telefonorders

Der Alptraum aller Trader ist es, einen Trade am Laufen zu haben während plötzlich der PC versagt und abstürzt. In solchen Fällen ist das Angebot von Telefonorders Gold wert. Dadurch können Sie Notfalls Ihre Positionen per Telefongespräch schließen, um Schaden abzuwenden.


Fazit – Was ist nun mein persönlich bester Broker

Wie Sie sehen, gibt es viele Kriterien, die Sie beim Broker Vergleich und der Wahl Ihres Brokers berücksichtigen müssen. Wie schwer die einzigen Punkte wiegen, müssen Sie letztlich selbst entscheiden, allerdings sollten Sie jedes Kriterium zumindest berücksichtigen. Jeder Broker hat seine Vor- und Nachteile, die je nach Traderprofil unterschiedlich ins Gewicht fallen. Mit diesen 13 Kriterien werden Sie die Auswahl zumindest stark einengen können.

Bei Sichtung der Informationen helfen Ihnen zahlreiche kostenlose und unabhängige Brokervergleiche im Internet wie beispielsweise www.brokerdeal.de, die den intensiven Vergleich zwischen den vielfältigen Angeboten vereinfachen und Ihnen bei der Brokerwahl helfen.

Gastkommentar von Philipp Berger, www.youngbrokers.net 

Über den Autor

Philipp Berger

Philipp Berger

Philipp Berger entdeckte seine Leidenschaft für die Kapitalmärkte mit seinem ersten Aktienkauf mitten im Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Mit Ausbildung zum Finanzassistenten und abgeschlossenem Studium der Wirtschaftswissenschaften schreibt Philipp Berger regelmäßig auf Godmode-Trader.de und ist seit 2009 Webmaster vom Tradingblog Youngbrokers.net. Langfristig bevorzugt er Investments nach dem Value-Ansatz, kurzfristig hat er sich überwiegend dem Swingtrading von Aktien und Währungen verschrieben.

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