Der Ölpreis und die Suezkanal Blockade

Rund 12 Prozent des gesamten weltweiten Seehandels werden über den Suezkanal abgewickelt. Durch die Suezkanal Blockade des Schiffes “Ever Given” war dieses Nadelöhr, dass das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet komplett verstopft. Welche Einflüsse auf den Ölpreis hatte diese Blockade? Welche Gefahren zeigt dieses Vorkommnis auf und welche Prognosen für die Zukunft lassen sich hier ableiten?

Das Vorkommnis zeigt wieder einmal, wie anfällig der globale Handel ist. Ein einziges Schiff kann eine Handelsroute lahmlegen, auf der 12 Prozent des maritimen Welthandels abgewickelt werden. Auch wenn das Schiff mittlerweile wieder befreit wurde (am Montagnachmittag, 29. März), ist das Problem noch längst nicht gelöst.

Abgesehen davon, dass so etwas wieder passieren kann, und vermutlich auch wird, so hat die Suezkanal Blockade dazu geführt, dass sich eine Menge Schiffe gestaut haben. Doch nun fahren diese Schiffe alle gleichzeitig wieder los und die meisten haben ähnliche Zielhäfen.

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Das Problem, welches nun entsteht, ist, dass die angestauten Schiffe nun alle mehr oder weniger gleichzeitig in den Zielhäfen einlaufen. Dort ist dann der nächste Stau vorprogrammiert. Die Häfen werden mit dem Löschen der Ladungen nicht schnell genug nachkommen können. Gleichzeitig warten die Länder, in denen die Schiffe abgefahren sind, wieder auf die leeren Container, um ihre eingehenden Bestellungen zu verschiffen.

Das Unglück kostet nach Angaben der Versicherung Lloyd’s Unternehmen auf der ganzen Welt zusammengerechnet 400 Millionen Dollar – pro Stunde! Die Lahmlegung des Suezkanals für eine Woche kostet damit rund 67 Milliarden Dollar. Eine Schätzung der Allianz geht dagegen von “nur” 6 bis 10 Milliarden Dollar pro Woche aus.

Hat die Suezkanal Blockade Einfluss auf den Ölpreis?

Ja, kurzfristig hatte die Suezkanal Blockade Einfluss auf den Ölpreis. Deutlich wurde das an den steigenden Ölpreisen, was kurz nach Bekanntgabe des Unglücks zu beobachten war. Allerdings kann man nicht von dem Ölpreis sprechen. Jedes Ölfeld fördert sein eigenes spezifisches Öl. Der Großteil des weltweiten Ölhandels wird OTC (over the counter) abgewickelt. Das bedeutet, dass die Verträge direkt zwischen den Vertragsteilnehmern zustande kommen und nicht über eine Börse.

WTI Öl Chart

Bildquelle: tradingview.com

Aber um eine Referenz heranzuziehen, greifen Experten auf die beiden börsengehandelten Ölsorten WTI (wird in den USA gefördert) und Brent (Ölsorte aus der Nordsee) zurück. Beide Ölpreise stiegen am Mittwoch, einen Tag nach dem Schiffsunglück im Suezkanal, zwischen 2,3 und 2,6 Prozent.

Nun wird durch den Suezkanal aber weder WTI noch Brent-Öl befördert. Zudem sind europäische und US-Amerikanische Staaten kaum auf die Öl-Förderungen aus dem Nahen Osten angewiesen. Sie beziehen ihre Öllieferungen zum großen Teil aus anderen Teilen der Welt. Wobei natürlich auch Öl aus arabischen Ländern importiert wird.

Ein Blick auf die folgende Infografik macht deutlich, dass ein Großteil des OPEC-Öls dagegen nach Asien fließt, vornehmlich nach China. Davon wiederum stammt der größte Anteil aus den OPEC-Ländern des Nahen Ostens. Diese müssen ihre Öllieferungen aber nicht über den Suezkanal verschiffen. Das käme nur für Algerien und Tunesien in Betracht.

Infografik: Wohin das OPEC-Öl fließt | Statista Quelle: Statista

Abgesehen davon, sind Suezkanal Blockaden aufgrund eines Unglücks, wie das jüngste Beispiel zeigt, meist nur von kurzer Dauer. Daher hat die Suezkanal Blockade mittel- bis langfristig keinen Einfluss auf den Ölpreis. Das wäre höchstens dann der Fall, wenn es eine länger andauernde Suezkanal Blockade geben würde, zum Beispiel aufgrund einer politischen Krise.

Auch wenn der Kanal für Öltanker eine wichtige Route ist, so hat sie doch für Öllieferungen nicht die Bedeutung, wie andere Routen. Daher würde zwar im ersten Moment auch der Ölpreis steigen, aber das könnte sich auf mittel- bis langfristige Sicht wieder ausgleichen. Grund ist unter anderem, dass es weltweit gesehen viele Ölförderstätten gibt.

Wie in folgender Statistik aus dem Jahr 2019 zu sehen ist, importiert die EU nur aus zwei Ländern Rohöl, welche den Weg über den Suezkanal nutzen: Saudi-Arabien und Kuwait, zusammengenommen etwa 8,5 Prozent der gesamten EU Rohölimporte.

Ölimporte EU

Verteilung der Erdölimporte der Europäischen Union nach Herkunftsland / Bildquelle: statista.de

Wesentlich stärker als der Ölpreis wären von einer Suezkanal Blockade Lieferungen von Asien nach Europa betroffen. Denn hier gibt es nur die Alternative um das Kap der Guten Hoffnung herum, was jedoch einen Umweg von 6.000 Kilometern bedeutet und gleichzeitig ein deutliches Mehr an Kosten.

  • Suezkanal Blockade hat nur ganz kurzfristig Einfluss auf Ölpreis
  • Ölpreis wird durch viele Faktoren bestimmt
  • Weltweit gibt es viele Ölförderstätten

Einfluss einer Suezkanal Blockade auf den Welthandel

Über den Suezkanal fahren nicht nur Öltanker, sondern überwiegend Containerschiffe. Da, wie bereits erwähnt, 12 Prozent des gesamten Seehandels über diese Route führt, hätte eine Suezkanal Blockade, insbesondere wenn sie etwas länger andauert, dramatische Auswirkungen auf den globalen Handel.

Betroffen wären dabei alle Branchen. Abgesehen vom Ölpreis sind das Lieferungen von Asien nach Europa. In Deutschland wären das vor allem die Chemie- und Autoindustrie sowie der Maschinen- und Anlagebau.

Zwar plane man beim Seeweg einen Puffer zwischen zwei und fünf Tagen ein, allerdings sind die Lieferketten ohnehin bereits angespannt. Die Coronakrise hat ihr Übriges getan. Interessanterweise sind die Preise für Container weltweit gestiegen. Grund ist ein Mangel an leeren Containern. Das wiederum hat ebenfalls verschiedene Ursachen.

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Einerseits gab es im vergangenen Jahr einen Schock beim Ölpreis. Mitte des Jahres erreichte der Ölpreis (WTI) erstmals in seiner Geschichte einen negativen Preis. Das bedeutete, dass der Abnehmer Geld dafür erhielt, wenn er das Öl nimmt, anstatt es wie sonst üblich zu bezahlen.

Kurzfristig herrschte ein extremes Überangebot an Öl auf dem Markt. Aber wohin mit dem Öl? Die Lagerkapazitäten waren bereits erschöpft. Die Ölförderung kann man zudem nicht per Knopfdruck einfach mal herunterfahren. Das alles belastete zusätzlich den Ölpreis.

Als Ausweg mieteten sich Raffinerien und Ölgesellschaften riesige Tanker und lagerten ihr Öl auf See. Doch es gibt noch einen weiteren Grund.

Gleichzeitig boomte der Onlinehandel. Da die Wertschöpfungskette mittlerweile so komplex und global geworden ist, stieg die Nachfrage nach Gütern aus China. Diese werden überwiegend per Containerschiff nach Europa verschickt, wobei 98 Prozent des Schiffsverkehrs über den Suezkanal geht.

Durch die aktuelle Suezkanal Blockade wird das nicht einfacher, da die Container nun noch länger brauchen bis sie wieder zurück in China sind. Wie bereits erwähnt, gab es nun einerseits am Suezkanal Stau. Dieser wird nun mindestens eine Woche dauern, bis er abgebaut ist. Andererseits wird sich dadurch ein neuer Stau in den Zielhäfen ergeben.

Das wiederum belastet die Lieferketten noch mehr. Und hier betrug die Sperrung des Suezkanals nur eine Woche. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn der Suezkanal deutlich länger blockiert wäre. Zwar können Schiffe die Passage um Südafrika herum wählen, allerdings dauert das eben deutlich länger und kostet auch wesentlich mehr.

  • Die Lieferketten zwischen Asien und Europa sind aktuell sehr angespannt
  • Es herrscht ein großer Bedarf an Schiffscontainern
  • Durch eine Suezkanal Blockade würde sich diese Situation noch mehr verschärfen
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Mit Pipelines und Eisenbahn unabhängiger vom Suezkanal werden

Natürlich ist man sich um die Bedeutung des Suezkanals bewusst. Und man ist sich auch der Risiken bewusst, die durch eine Sperrung entstehen, aus welchem Grund auch immer.

Um dieses Risiko wenigstens zu minimieren und auch um unabhängiger vom Suezkanal zu werden, gibt es bereits seit Jahrzehnten diverse Projekte. So wurde bereits in Israel Ende der 1970er Jahre eine Ölpipeline zwischen Eliat (am Roten Meer) und der Hafenstadt Aschkelon (am Mittelmeer) gebaut.

Die Pipeline hat eine Länge von 254 Kilometern und eine Kapazität von täglich 600.00 Barrel Öl. Allerdings ist sie aktuell reparatur- und auch ausbaubedürftig. Inwieweit sie in den letzten Jahren genutzt wurde ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Suezkanal Alternativen

Bildquelle: Google Maps

Nun zwei größere Projekte zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel geplant. Das erste Projekt umfasst die Nutzung der Eliat-Aschkelon Pipeline. Dazu soll bei Eliat der vorhandene Hafen (derzeit nicht geeignet für Öltanker) um einen Tiefseehafen erweitert werden. Als Folge können dort dann auch schwere Tanker den Hafen anfahren. Im Anschluss wird das Öl dann über die Pipeline nach Aschkelon ans Mittelmeer weitertransportiert.

Finanziert werden soll das Ganze über den emiratischen Staatsfonds. Für den Ausbau des Eliat Hafens am Roten Meer sind 10 Milliarden Dollar veranschlagt.

Das zweite Projekt, welches überwiegend ebenfalls vom emiratischen Staatsfonds finanziert werden soll, ist eine Eisenbahnlinie zwischen den Emiraten am Persischen Golf über Saudi-Arabien und Jordanien bis an den israelischen Hafen Haifa am Mittelmeer.

Das Eisenbahnprojekt ist zwar ebenfalls überwiegend für Öllieferungen ausgelegt, allerdings könnten dort auch andere Waren transportiert werden, was in einer Pipeline nicht möglich wäre.

Bei der Eisenbahnverbindung hapert es momentan am Ausbau in Jordanien. Das Land verhält sich momentan noch neutral zu diesen Planungen. Zudem wäre es sehr kostspielig. Allerdings könnten dann Waren zwischen den Emiraten und Israel in nur zwei Tagen befördert werden. Über den Suezkanal dauert es 12 Tage.

Momentan sieht es so aus, als würde das Pipeline-Projekt gute Fortschritte machen und wohl auch in naher Zukunft umgesetzt werden. Bei der Eisenbahnlinie sieht das etwas anders aus. Die Idee ist auch nicht neu. Bereits 2017 sprach man davon. Was im Übrigen für Israel und auch einige andere Länger zum Vorteil wäre, wäre für Ägypten zum Nachteil.

Denn dadurch würden die Transitgebühren, die Schiffe beim Durchqueren des Suezkanals bezahlen müssen, zurückgehen. Auf der anderen Seite ist es auch nur logisch, dass Länder und Regierungen nach Alternativen zum Suezkanal suchen.

  • Öl-Pipeline in Israel zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer im fortgeschrittenem Stadium
  • Geplante Eisenbahnlinie zwischen den Emiraten und Haifa am Mittelmeer würde die Abhängigkeit vom Suezkanal noch weiter verringern
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Unabhängiger sein vom Suezkanal: Stabilität für den Ölpreis?

Das Unabhängig machen vom Suezkanal ist für den Ölpreis wichtig. Denn der Ölpreis an sich ist vergleichsweise volatil. Mit einer Alternative zum Suezkanal über Pipelines und Eisenbahnlinien würde, zumindest was den Transport von Öl betrifft, ein wenig mehr Stabilität in diese Region kommen.

Gleichzeitig muss aber auch gesagt werden, dass wohl kein anderer Rohstoff so sehr politisiert ist wie Rohöl. Daher ist eine Prognose für den Ölpreis im Allgemeinen nur sehr schwer möglich.

Zwischen den USA und der OPEC herrscht hier schon lange eine Art Kampf. Dabei geht es nicht nur um den Ölpreis an sich, der für die OPEC Staaten sowie Russland von immenser Bedeutung ist, sondern auch, in welcher Währung der Ölpreis notiert und abgerechnet wird.

Noch ist der US-Dollar die weltweit vorherrschende Währung. Zum Ausdruck kommt das dadurch, dass weltweit alle Ölgeschäfte in US-Dollar abgewickelt werden (müssen). Ein Umgehen dieser “Regel” hat dramatische Konsequenzen vonseiten der USA zur Folge. Die geplanten Projekte in Israel wären jedoch nicht davon betroffen.

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