Verbessern Sie Ihre Performance: Analyse & Trading

16.06.2016 - 6 Minuten Lesezeit

Kann es sinnvoll sein, teurer zu kaufen als nötig? Ja, wenn sich dadurch das Risiko sinnvoll reduzieren lässt. Im aktiven Handel geht es nicht nur um potenzielle Gewinne, sondern auch um die Begrenzung von Verlusten.

Erfolg im Trading hat nichts mit „einem glücklichen Händchen“ zu tun, sondern basiert auf klar definierbaren Eigenschaften und Vorgehensweisen. Der Ausgangspunkt eines erfolgreichen Trades ist eine klare Vorstellung des Trades von der weiteren Kursentwicklung. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob eine einzelne Prognose schlussendlich tatsächlich eintritt oder nicht. Wichtiger sind die Prinzipien, denen ein Trader seine Meinungsbildung unterstellt.

Zwei Kernfragen müssen vor jedem Trade gestellt und klar beantwortet werden können:

  • In welche Richtung (long oder short) wird sich der Markt mit einer größeren Wahrscheinlichkeit bewegen?
  • Ist der Zeitpunkt für eine Position in die Richtung mit der größeren Wahrscheinlichkeit günstig?

Die Wahrscheinlichkeit der Marktrichtung abschätzen

Die Basis für Handelsentscheidungen bilden stets Überlegungen zur wahrscheinlichen Richtung, in die sich ein Markt bewegen wird. Eine Konstellation, in der eine von beiden Richtungen sich im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit klar herausbildet, ist notwendige (aber nicht hinreichende) Bedingung für einen erfolgreichen Trade.

Zu den entscheidenden Analysemethoden zählt der Trend. Eine zentrale Prämisse der Technischen Analyse lautet, dass

ein einmal existierender und signifikanter Trend sich mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit fortsetzt, als dass der Markt die Richtung wechselt.

Die Technische Analyse stellt Tradern diverse Methoden zur Trendmessung zur Verfügung. Dazu zählen Trendlinien- und kanäle, die entlang der Hochs bzw. Tiefs gezeichnet werden und für sich bereits Ein- und Ausstiegssignale markieren können. So können Trader z. B. eine Longposition eröffnen, wenn der Markt sich knapp oberhalb einer getesteten Aufwärtstrendlinie befindet.

Neben Trendlinien sind diverse weitere Instrumente zur Trendmessung verbreitet (und in nahezu jeder Software auch enthalten), darunter z. B. Elliott Waves, Fibonacci Retracements, gleitende Durchschnitte (die eine Art geglättete und in automatisierte Handelsstrategien integrierbare Trendlinie darstellen) u.v.m.


Methoden zur Trendmessung: Trendlinie, gleitende Durchschnitte u.v.m.

Trader sollten sich für eine Methode entscheiden, die zum eigenen Handelsstil und Marktverständnis passt.

Grundsätzlich sollten Methoden zur Trendmessung sich im Hinblick auf die erzielten Ergebnisse nicht allzu stark unterscheiden – liegt ein Trend vor, zeigt die Trendlinie aufwärts und der kürzere Durchschnitt kreuzt den längeren.

Wichtig ist, nicht mehrere trendfolgende Indikatoren und Werkzeuge zu nutzen und die Aussage jedes einzelnen Indikators als zusätzliches Indiz für die eigene Meinung zu betrachten – ein typischer Anfängerfehler.

Praktische Anwendung von Trendmessungsmethoden

Es ist dringend zu empfehlen, Trendmessungsmethoden nicht nur gedanklich bei der Lektüre des Lehrbuchs, sondern auch praktisch im Chart anzuwenden. Das gilt ganz besonders für Trendlinien, deren Platzierung weniger objektiven Regeln folgt als Indikatoren.

Der Erfolg hängt oft von Details in der Verwendung von Trendmessungsmethoden ab.

Dazu zwei Beispiele.

Erstens: Trendlinien sollten sowohl in Stunden- als auch Tages- und Wochencharts betrachtet werden. Oft werden signifikante Trendlinien intraday oder während der Handelswoche verletzt. Dieser Trendbruch sollte aber auch auf Wochenbasis bestätigt werden. Wer auf diese Bestätigung verzichtet, verpasst einige der besten Einstiegsmöglichkeiten.

Zweitens: Werden Überkreuzungen gleitender Durchschnitte für die Ermittlung von Wahrscheinlichkeiten genutzt, sollten die Signale parallel für eine Bandbreite von Parametereinstellungen generiert werden. Mit den Daten lässt sich ein Teil der Fehlsignale verhindern.

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Den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg ermitteln

Die meisten Trader unterschätzen die Bedeutung des Einstiegszeitpunkts und wähnen sich nach der Ermittlung einer signifikanten Wahrscheinlichkeit bereits in einer aussichtsreichen Position. Dabei kann es gute Gründe geben, den Einstieg zunächst nicht vorzunehmen.

Wie sich die Vernachlässigung des Einstiegszeitpunktes in der Praxis auswirken kann, soll das folgende Beispiel verdeutlichen:

Aktie A notiert gegenwärtig bei 100 € und bewegt sich in einem getesteten und weiterhin intakten Aufwärtstrend. Innerhalb des Aufwärtstrends hat die Aktie in den zurückliegenden Handelstagen deutlich hinzugewonnen. Dennoch sehen Sie ein weiteres Kurspotenzial bis auf 110 € und taxieren die Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario für die nächsten Handelstage auf 65 %. Im Chart stellt sich die Situation (schematisch dargestellt) wie in der folgenden Abbildung dar:

Einstiegszeitpunkt wählen

Die Situation:
Der Markt hat ein neues Hoch markiert und ist danach minimal zurückgefallen. Ein sofortiger Einstieg würde kurz unter dem Hoch und damit unterhalb des nächsten charttechnischen Widerstands erfolgen.

Dieser Widerstand erhöht ebenso das Risiko einer Korrektur wie die für den dargelegten Trend relativ starke Bewegung nach oben. Zudem: Ein Stop Loss könnte hier wahrscheinlich ohne logische Verbindung zur Charttechnik platziert werden, da der Abstand zum vorangegangenen Tief recht groß ist.

Die Überlegungen könnten sich deshalb auf die mit großer Wahrscheinlichkeit anstehende Korrektur fokussieren, die vor der anzunehmenden Marktbewegung in Trendrichtung zu erwarten ist. Korrekturen unterscheiden sich im Hinblick auf ihr Ausmaß und ihre zeitliche Ausprägung. Deshalb kann bei einem sofortigen Einstieg ein Verlust durch Stop Loss nicht ausgeschlossen werden.

Es stehen demnach zwei Handlungsoptionen im Raum:

  • Sofortiger Einstieg zu 100 € und Stop Loss bei 90 €
  • Warten auf eine Korrektur

Einstiegszeitpunkt wählen - Stop Loss

 

Für die Abwägung der beiden Optionen bietet sich eine Betrachtung des Erwartungswertes an. Dabei sei im Hinblick auf den sofortigen Einstieg an das unterstellte Kurspotenzial von 10 € mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 65 % erinnert.

Die Restwahrscheinlichkeit von 35 % entfällt auf das Stop-Out-Szenario mit 10 € Verlust.

Der Erwartungswert berechnet sich deshalb als:

0,65*10 € - 0,35*10 € = 6,5-3,5 = 3,0

Eine Handelsstrategie, bei der ausschließlich Trades mit diesem Erwartungswert durchgeführt werden, verspricht nach 100 Trades einen Gesamtgewinn in Höhe von 300 €. Der hier angesetzte Erwartungswert ist selbstredend nicht mit Erwartungswerten zu vergleichen, die sich auf fixe Wahrscheinlichkeitsverteilungen wie z. B. bei Würfel- oder Roulettespielen (Laplace-Wahrscheinlichkeiten) beziehen. Der erwartete Gewinn basiert auf Erfahrungswerten.

Für den Erwartungswert des zweiten Szenarios – warten auf eine Korrektur – müssen ebenfalls solche Annahmen getroffen werden. Es sei deshalb davon ausgegangen, dass der Kurs zunächst um weitere 4 € steigt, dann um 5 € nach unten korrigiert und anschließend erneut um 3 € steigt, bevor der Einstieg erfolgt. Der Einstandspreis liegt damit um 2 € höher als im ersten Szenario.

Einstiegszeitpunkt wählen Erwartungswert Szenario 2

Das verbliebene Gewinnpotenzial ist durch den höheren Einstandskurse von 10 € auf 8 € geschrumpft. Aber: Die Korrektur hat ein neues Tief und damit ein sinnvolles Stop Loss-Niveau geschaffen. Das Stop Loss wird bei 99 € platziert. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung für steigende und fallende Kurse wurde durch die Korrektur nicht berührt – die Annahmen basierten auf der Existenz des Trends, der unverändert intakt ist.

Einstiegszeitpunkt wählen Erwartungswert Szenario 2 - Stop Loss

Der Erwartungswert für dieses Szenario ergibt sich demnach als

0,65*8 – 0,35*3 = 5,2 -1,05 = 4,15

Nach 100 Trades wäre demnach ein Gewinn in Höhe von 415 € zu erwarten – 115 € mehr als im ersten Szenario. Der Zugewinn beim Erwartungswert ist auf das deutlich enger gesetzte Stop Loss zurückzuführen. Die enge Platzierung wurde durch das im Zuge der Korrektur herausgebildete Tief erleichtert. Das Abwarten hat sich in diesem Szenario demnach ausgezahlt, obgleich der Positionsgewinn geringer ausgefallen wäre.


Einschränkung der vorangegangenen Betrachtungen

Es sei an dieser Stelle wiederholt, dass die Erwartungswerte überwiegend auf Annahmen beruhen und deshalb nur mit großen Einschränkungen wissenschaftlichen Anforderungen genügen können. Trader müssen stets damit rechnen, dass der Markt nach einem neuen Hoch ohne Korrektur seinen Trend fortsetzt. Möglicherweise führt eine defensive Haltung in solchen Fällen dazu, dass besonders dynamische Trends zum Teil verpasst werden.

Aber: Das schematische Beispiel verdeutlicht, dass ein zeitlich verschobener Einstieg auch in intakten Trends sinnvoll sein kann – selbst, wenn der Einstand infolge dessen tatsächlich zu einem höheren Kurs erfolgt. Das Timing ist ein entscheidendes Instrument zur Risikokontrolle, weil es erlaubt, Stop Loss Orders auf charttechnisch sinnvollen Niveaus eng zu setzen.

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Über den Autor

Rene Berteit

Rene Berteit

Rene Berteit beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit den Finanzmärkten und dem Trading von Aktien, Währungen, Rohstoffen und den wichtigsten Indizes. Während der Riesenhausse bis ins Jahr 2000 stand für die meisten Trader Verlieren nicht auf der Agenda. Egal was man kaufte, es stieg. Dies lockte auch den BWL-Studenten Rene Berteit an die Märkte. Er platzierte die ersten Orders – mit Erfolg . Doch mit Ende des Hypes im Neuen Markt kam auch für ihn die Zeit der Qualen. Dennoch beschäftigte er sich neben dem Studium und während der späteren Tätigkeit als Logistikleiter jede freie Minute mit Märkten und Strategien und sammelte so ein breites Know-how. Sein Spezialgebiet: der kurzfristige Handel – das so genannte Daytrading – von Dow Jones, DAX und dem Währungspaar Euro/US-Dollar. Seine Erfahrung kommt auch den Teilnehmern des von ihm seit 2007 bei GodmodeTrader betreuten Ausbildungs-Services zugute. Folgen Sie Rene Bereit auf Guidants.

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