UK und Zypern verschärfen CFD/FX-Regeln: Kundenschutz im Vordergrund

06.12.2016 - 4 Minuten Lesezeit

Zypern bzw. die CySec haben den Anfang gemacht, kämpfen gegen den schlechten Ruf der Insel indem der Hebel auf 1:50 begrenzt werden soll, und Bonuszahlungen verboten werden. Nur wenige Tage später überrascht die FCA (UK) mit fast ähnlichen Bedingungen. Wir begrüßen sämtliche Maßnahmen die Transparenz und Seriosität erhöhen und die Kunden schützen. Wie wird die BaFin reagieren?

Die FCA (UK) schützt besonders Einsteiger

Wer keine Tradingerfahrung von mehr als 12 Monaten hat, darf bei UK-Brokern künftig mit einem maximalen Hebel von bloß noch 1:25 handeln. Für den Rest gilt die Obergrenze von 1:50. Speziell vor News haben die meisten Anbieter diesen Deckel bereits zuletzt eingeführt gehabt, die Regel sind aber 1:100 (CFDs) oder sogar 1:200 im Devisenhandel. Ausnahmen sind nicht vorgesehen.

Weiter sollen sämtliche Einzahlungs- und anlassgezogene Boni verboten werden. Hierbei haben sich ja besonders die fragwürdigen Anbieter überboten mit Lockangeboten wie Flügen ins All oder Einzahlungsboni von 5.000 EUR und mehr. Die entweder keine echten ausbezahlten Boni waren letztendlich, oder mit viel Umsatz erhandelt werden mussten.

Und um die Transparenz zu erhöhen, müssen künftig sämtliche FCA-regulierten Broker Statistiken offenlegen, die zeigen wie groß der Anteil der Gewinner und Verlierer unter den eigenen Kunden ist. Damit hier nicht getrickst werden kann ist mit ziemlichem Mehraufwand von Seiten der Behörde zu rechnen. Oder man verdonnert die Broker einfach Audits durch Wirtschaftsprüfer selbst zu finanzieren.

Einen verpflichtenden Zeitrahmen hat die FCA noch nicht genannt.

Quelle: financemagnates.com

CySec (Zypern) strebt nach Seriosität

Zypern hat ja keinen einwandfreien Ruf, was die zahlreichen Broker auf dieser Insel angeht. Tatsächlich sind hier die Kosten und Hürden gering, wenn man eine Lizenz anstrebt. Um einen großen Schritt vorweg zu gehen und die schwarzen Schafe abzuschütteln, wird nun ebenfalls der Hebel auf 1:50 begrenzt werden. Man hält sich allerdings die Hintertür offen: wenn man einen noch zu definierenden Testfragebogen besteht, kann man individuell um einen höheren Hebel ansuchen. Ob das nicht simpel ausgehebelt (jaja, schwaches Wortspiel) werden kann, etwa in Form von Lösungen die im Netz kursieren, bleibt abzuwarten.

Ebenfalls verboten werden künftig Boni, die auf Tradingaktivität beruhen. Ob trotzdem weiterhin simple Einzahlungsboni angeboten werden dürfen, die dann etwa erst am Konto landen z.B. 3 Monate nach der Ersteinzahlung, ist noch nicht näher definiert.

Wenigstens legt Zypern einen straffen Zeitrahmen für diese Maßnahmen vor: bereits ab Februar 2017 müssen sich alle CySec-regulierten Broker an diese Vorgaben halten.

Quelle: financemagnates.com

Was macht die BaFin?

Vor einigen Wochen hat die deutsche Regulierungsbehörde mit einem Interview aufhorchen lassen, dass man auf ein Verbot nicht nur von Binären Optionen, sondern auch von CFDs hinarbeitet. So sehr wir Ersteres begrüßen, ein Verbot von CFDs wäre ein haarsträubendes Signal gegen Privatanleger. Bzw. ein großer Gefallen für die in Deutschland sehr mächtigen Emittenten von Optionsscheinen und Zertifikaten. Mehr darüber können Sie in diesem Artikel erfahren.

Wie wir aus gut informierten Kreisen wissen, wird der CFD-Verband in wenigen Tagen mit der BaFin an einem runden Tisch zusammenkommen. Hierbei können hoffentlich beide Seiten ihr Anliegen vortragen und Gehör finden.

Die Mitglieder des Verbands haben auch bereits proaktiv Maßnahmen vorgeschlagen, die in Richtung der von der CySec und der FCA getroffenen Maßnahmen zielen. Ergänzen könnte man das Paket etwa auch um bestimmte Mindesteinzahlungen, um die Kleinsttrader mit 100 oder 500 EUR an der Spekulation zu hindern. Oder dass jeder Broker wenigstens ein Konto ohne Nachschusspflicht anbieten muss.
Voraussetzung für eine sinnvolle Reglung wird jedenfalls sein, dass alle an einem Strang ziehen.

Zwei Argumente der BaFin, die ins Feld geführt wurden gegen die CFDs, muss man jedenfalls strikt zurückweisen:

  1. Dass man mehr als die Einlage verlieren kann, also eine Nachschusspflicht hat, ist ja beim professionellen Futures-Handel nicht anders. Außerdem finden sich mehr und mehr CFD/FX-Broker, die auf diese verzichten.
  2. Dass 80-90% der CFD/FX-Trader verlieren sollen, möchten wir an dieser Stelle nicht bezweifeln. Aber wieder: die Quote ist bei Aktien- und Futures-Händlern nicht besser. Und ganz sicher nicht besser bei Zertifikate- und Optionsschein-Tradern.

Wir sind gespannt zu welcher Lösung man kommt, man kann bloß hoffen, dass die Vernunft die Oberhand behält.

Die Aktienkurse von IG, CMC, Plus500 & Co reagieren jedenfalls alles andere als gelassen auf diese News mit Verlusten von bis zu -40%:

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Update 8. Dezember

Wenn es dabei bleibt scheint aktuell von der BaFin nicht mehr geplant zu sein, als die Nachschusspflicht zu verbieten. Na damit können wir und vor allem die Kunden sicher gut leben. Ist die Frage wie die Broker darauf reagieren werden, der Hebel wird dann sicherlich verringert werden. Meiner Meinung nach ist das kein Beschneiden der CFDs, sondern sogar eine Stärkung. Wird ein möglicher Verlust über die Einlage hinaus doch immer lautstark als größter Nachteil hingestellt.

Quelle: bafin.de

Viel Erfolg beim Trading
Michael Hinterleitner

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • J. kommentierte am 06.12.2016 um 10:53 Uhr

    Hallo Michael,
    vielen Dank für einen wie immer sehr informativen Artikel. Super, dass du die Brokerdealmitglieder auf den neuesten Stand bringst. Die Entscheidung der Bafin erwarten wir vermutlich alle mit Spannung. Ich fände es sehr gut, wenn wir uns hier davon lösen könnten, die Nachschusspflicht des börsenregulierten Futurehandels mit der Nachschusspflicht im CFD Handel zu vergleichen. Das sind einfach Äpfel und Birnen. Der gesamte CFD Handel ist was Regulierung und Transparenz angeht einfach nicht mit dem Futurehandel zu vergleichen-deshalb auch eben in bezug auf die Nachschusspflicht nicht. Bei der derzeitigen ("In"-)Transparenz im CFD Handel fände ich eine Limitierung oder auch gänzliche Abschaffung der Nachschusspflicht durchaus als positives Signal zum Schutz der privaten Anleger. Im Grunde genommen braucht es eine eigene regulierte "Börse" für den CFD Handel- dann kann man sich auch über eine Nachschusspflicht unterhalten.

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