Handelsplattformen: Welche es gibt, was sie können und was im Vergleich wichtig ist

Die Handelsplattform ist das Bindeglied zwischen dem Trader und den Finanzmärkten. Moderne Handelsplattformen ermöglichen weitaus mehr als nur die Übermittlung von Orders. Zum Funktionsumfang gehören auch Charting und Analyse, die Entwicklung von automatisierten Handelssystemen und Spezial-Funktionen z. B. für den Optionshandel. Dieser Beitrag stellt einige Plattformen mitsamt ihren Funktionen vor und zeigt auf, worauf Trader beim Vergleich achten müssen.


Welche Rolle spielt die Handelsplattform im aktiven Trading?

Die Teilnahme am Aktien- und Terminhandel ist für Privatanleger nur möglich, weil Orders in Bruchteilen von Sekunden vom heimischen PC an einen Finanzplatz übermittelt werden können. Diese Aufgabe übernimmt die Handelsplattform:

Trader senden eine Order über die Handelsoberfläche an ihren Broker und dieser leitet sie an die Börse weiter.

Laptop und CursorModerne Handelsplattformen können jedoch sehr viel mehr: Trader dürfen eine Komplettlösung für den Handel inklusive integrierter News, Kursdatenversorgung, Analyse-Funktionen, Charting-Tools und Entwicklungs- und Testumgebungen für automatisierte Handelssysteme erwarten. Nicht immer sind alle Leistungen kostenlos – Gebühren fallen jedoch bei den meisten Plattformen nur für optionale Zusatzleistungen an, die vorwiegend von professionellen Tradern benötigt werden.


Diese Funktionen können Bestandteil einer Handelsplattform sein:

  • Orderübermittlung (inklusive Stop-Loss, Kombinationsorders usw.)
  • Analyse-Tools: Portfolio-Zusammensetzung, Risiko-Analyse, Performance-Messung usw.
  • Handelssignale bestehender Strategien – auf Wunsch per Klick automatisiert umsetzbar
  • Charting-Tools: Zeichenwerkzeuge, Indikatoren…
  • Entwicklungs- und Testumgebung für Handelssysteme (Backtesting)
  • Spezial-Funktionen (z. B. Long Straddle auf Knopfdruck erstellen)

Was ist der Unterschied zwischen Desktop-, mobilen und webbasierten Plattformen?

Tradingplattform

Zu unterscheiden ist zunächst zwischen Desktop-Handelsplattformen und solchen, die vollständig browserbasiert genutzt werden können oder für den Zugang über ein mobiles Endgerät optimiert sind. Viele Handelsplattformen wie z. B. MetaTrader oder TraderWorkStation (TSW) stehen in allen drei Versionen zur Verfügung, unterscheiden sich aber im Funktionsumfang.

Tendenziell ist der Funktionsumfang bei einer Desktop-Anwendung mit Download am größten und bei mobilen Lösungen am geringsten. Neben der Anzahl der verfügbaren Funktionen gilt dies auch für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten für die Benutzeroberfläche. Der Leistungsumfang browserbasierter und mobiler Plattformen nimmt tendenziell zu und der Leistungsabstand zu Download-Versionen ab.

Typischerweise nutzen aktive Trader alle drei Zugangswege parallel und führen komplexere Aufgaben am heimischen Rechner durch. Die mobilen bzw. browserbasierten Anwendungen können für den flexiblen Zugriff auf das Handelskonto am Arbeitsplatz oder von unterwegs genutzt werden.


Was ist beim Vergleich von Handelsplattformen wichtig?

Der Vergleich verschiedener Handelsplattformen ist für Einsteiger und auch viele Fortgeschrittene nicht einfach, weil die potenziell zugänglichen Funktionen in ihrer Gesamtheit oft gar nicht bekannt sind. Nicht jede Handelsplattform ist bei jedem Broker verfügbar. Deshalb muss nicht nur der Funktionsumfang der Plattform, sondern auch das Gebührenmodell des Brokers zu den eigenen Anforderungen passen – und im Idealfall Raum für persönliche Weiterentwicklungen lassen.

Diese Kriterien können im Vergleich von Handelsplattform relevant sein:

  • Plattform muss bei gewünschtem Broker/ bei geeigneten Brokern verfügbar sein
  • Kostenlose Testphase – je länger, desto besser
  • Zugang zu allen vom Nutzer gehandelten Märkten
  • Alle benötigten Ordertypen müssen verfügbar sein
  • Angemessene Kosten (ggf. inklusive Realtime-Datenpaketen)
  • Analyse-Tools für Portfolio, Performance und Co.
  • Charting-Tools
  • Integrierte News-Funktionen
  • Einsatz und Entwicklung automatisierter Handelssysteme
  • Kurze Reaktions- und Ladezeiten, störungsfreier Ablauf
  • Qualifizierter Kundensupport
  • Möglichkeit zu telefonischen Orders

Eine gute Plattform gleicht keinen schlechten Broker aus

Wird keine Gebühr erhoben, sind die Kosten womöglich an einer anderen Stelle der Kalkulation versteckt.

Trader benötigen eine leistungsfähige Handelsplattform UND einen möglichst günstigen Broker. Eine gute Handelsplattform ist bares Geld wert. Dieses sollte aber möglichst durch Abonnements und nicht durch intransparente Kalkulationen in dem Gebührenmodell eines Brokers aufgebracht werden. Nur bei einer strikten Trennung der Gebühren für Orders und Plattform können Trader abschätzen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Für aktive Trader mit mehreren hundert Trades und mehr pro Jahr ist deshalb keinesfalls sinnvoll, Broker und Plattformen nur aufgrund einer Abonnementgebühr auszusortieren.

Ein Monat Testphase sollte es schon sein

Werden eine Gebühr – und womöglich ein längeres Abonnement - verlangt, sollte eine kostenlose Testphase angeboten werden. Diese darf nicht zu kurz bemessen sein; ein Monat sollte für den Test aller Handelsfunktionen und einen Überblick über die Entwicklung von automatisierten Handelssystemen ausreichen, wenn keine gänzlich neue Programmiersprache gelernt werden muss.

Zugang zu allen gewünschten Märkten

Früher oder später aber sollten ALLE Transaktionen über eine zentrale Plattform abgewickelt werden.

Für Einsteiger mit Lust an Neuem mag es noch kein Problem darstellen, für einen Teil der gehandelten Märkte eine zweite Handelsplattform und ein zweites Konto zu nutzen – etwa, weil der Broker keinen Zugang zum Eurex-Handel bietet. Früher oder später aber sollten ALLE Transaktionen über eine zentrale Plattform abgewickelt werden. Dementsprechend gestalten sich die Anforderungen an die Zahl der angebundenen Aktienmärkte, den Zugang zu den großen Terminmärkten und außerbörslichen Angeboten wie dem CFD Handel und FX-Handel.

Je mehr Ordertypen, desto besser

Moderne Handelsplattformen ermöglichen den Einsatz von 50 und mehr Ordertypen und Zusätzen. Auch die unter Einsteigern weniger bekannten Odertypen können im aktiven Trading sehr schnell nützlich werden. Genannt seien Box-Top-Orders, Bracket-Orders, Conditional-Orders, Market-if-Touched-Orders u.v.m.

Kosten für Plattform und Kursversorgung

Ein Großteil der Kosten in Verbindung mit professionellen Handelsplattformen entsteht durch die Kursdatenpakete, die Trader beziehen. Dabei gilt: Je mehr, je schneller und je exotischer, desto teurer. EoD-Daten für deutsche Standardwerte sind in aller Regel kostenlos, Realtime-Pushdaten für ausländische Aktienmärkte zumeist deutlich teurer.

Tools für Charting, Analyse und mehr

Die Integration von Agentur-News sollte ebenso eine Selbstverständlichkeit darstellen wie ein Charting-Tool. Dieses sollte mit allen gängigen Zeichenwerkzeugen und Indikatoren ausgestattet sein und den Handel direkt aus dem Chart heraus ermöglichen. Analyse-Funktionen sollten Kennzahlen für Portfolio und Strategie auf Knopfdruck ermitteln.

Handelssysteme entwickeln, testen und einsetzen

Ein entscheidendes Kriterium für Handelsplattformen betrifft automatisierte Handelssysteme: Diese sollten je nach Bedarf eingesetzt, besser aber zusätzlich entwickelt und getestet werden können. Für Trader mit Erfahrung in diesem Bereich spielt die verwendete Programmiersprache eine Rolle, für Einsteiger im Bereich Handelssysteme ist das nicht zwingend der Fall – Equilla, MQL und Co. lassen sich mit einem beherrschbaren Aufwand erlernen.

Vorteilhaft sind lange Backtesting-Zeitreihen, eine aktive Community mit vielen Entwicklern und eine große Reichweite bestehender und neu entwickelter Skripte. Letzteres ist erstens für Trader wichtig, die nicht selbst programmieren, sondern lediglich kopieren möchten. Zweitens ist die Reichweite für Signalverkäufer relevant, die z. B. über Social Trading-Plattformen Geld durch Follower verdienen möchten.

Anfälligkeit für und Behandlung von Störungen

Telefonische Orders müssen nicht zwingend umsonst angeboten werden.

Wo es in Sekunden um viel Geld gehen kann, muss Stabilität notwendigerweise ein entscheidendes Kriterium sein. Es ist hilfreich, im Vorfeld der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Handelsplattform einen Blick in einschlägige Internetforen zu werfen und gezielt nach Berichten über Abstürze zu suchen - und deren Behandlung durch Broker und Entwickler. Unabhängig davon sollte nicht nur in Notfällen die Möglichkeit zu einer telefonischen Orderübermittlung bestehen – schließlich kann auch eine schwache Internetverbindung den Zugang zum Konto sonst blockieren.

Einführung und Ausbildung

Der Umfang einer modernen und leistungsfähigen Handelsplattform kann Einsteigern nicht immer in einem 45-minütigen Webinar vermittelt werden. Wer sich mit den Funktionen grundlegend vertraut machen muss, sollte deshalb auf entsprechendes Engagement des Brokers oder Entwicklers achten – z. B. individuelle durch Schulungen am Telefon, via Skype oder Hilfe und Veranschaulichung mittels Teamviewer.


Sechs bekannte Handelsplattformen im Überblick

Ein vollständiger Überblick über alle für Trader und Anleger relevanten Handelsplattformen würde an dieser Stelle deutlich zu weit führen. Nachfolgend sind sechs bekannte Plattformen genannt und hinsichtlich ihres Funktionsumfang und einiger weiterer Merkmale skizziert.

MetaTrader

MetaTrader wird in den Versionen MT5 und MT4 durch zahlreiche Broker primär im außerbörslichen CFD- und FX-Handel eingesetzt. MT5 ist auch für den börslichen Handel geeignet. Die Plattform wurde durch MetaQuotes entwickelt und ermöglicht neben dem eigentlichen Handel auch den Import und die Entwicklung von Handelssystemen.  Die Programmiersprachen – je nach Version MQL4 bzw. MQL5 – gelten als leicht erlernbar, unterscheiden sich aber deutlich. MT5 ermöglicht anders als die Vorgängerversion keine gegenläufigen Positionen mehr.

NinjaTrader

NinjaTrader wurde von der NinjaTrader Group LLC in Denver entwickelt und wird im Handel mit Devisen (FX), CFDs und Futures eingesetzt – z. B. bei FXCM. Zum erweiterten Funktionsumfang gehört ein StrategyBuilder, mit dem automatisierte Handelssysteme ohne Programmiersprache durch die Definition von Bedingungen entwickelt werden können.

AgenaTrader

AgenaTrader wurde durch die INCLUDE Information Technologies GmbH mit Sitz in Wien entwickelt. Die Plattform kann an die Schnittstellen zahlreicher Broker angebunden werden. Zum Leistungsumfang gehören neben Charting-Tools Möglichkeiten zu Programmierung eigener Indikatoren und ein Marktscanner.

Guidants

Guidants ist eine Trading Software der Börse Go AG. Die Handelsplattform wird in einer kostenlosen Basisversion, als App und mit kostenpflichtigen Zusatzmodulen angeboten.

Zu den Funktionen der kostenpflichtigen Version gehören neben Echtzeitkursen, Chartfunktionen, News, Alarme u.v.m. Nutzer können Änderungen bei Musterdepots und Watchlisten ausgewählter Experten beobachten – damit bietet Guidants eine dem Social Trading nahekommende Lösung für Anleger, die Transaktionen von Profis kopieren oder zumindest nachverfolgen möchten.

TradeStation

Tradestation wurde durch ein US-Unternehmen entwickelt und ermöglicht den Handel von Devisen (FX), Aktien, Indexfonds (ETFs), Futures und Optionen. Neben Charting steht bei Tradestation insbesondere das Monitoring von Positionen und Portfolio im Vordergrund. Zum Leistungsumfang gehören u.a. eine Chartmustererkennung und Basket-Trading. Auch automatisierter Handel ist möglich.

Tradesignal

Tradesignal ist eine durch die Bremer Tradesignal GmbH entwickelte Software mit deutlichem und aus der Unternehmensgeschichte heraus resultierenden Fokus auf Charting, Technische Analyse und Handelssystementwicklung. Die Skripte der Plattform basieren auf der Programmiersprache Equilla. Zum Leistungsumfang gehören u.a. Charting-Tools und Marktscanner. Tradesignal ist nicht bei allen Brokern verfügbar. Dafür gibt es eine deutschsprachige Community mit starkem Bezug zur Handelssystementwicklung.

TWS

Die TraderWorkStation (TWS) – im Einsatz z. B. beim Interactive Brokers-IB Lynxbroker – ermöglicht den Handel an Aktien-, Termin- und weiteren Märkten. Zum Funktionsumfang gehören neben Indikatoren und zahlreichen Ordertypen auch Fundamentaldaten wie z. B. Unternehmenskennzahlen. Verschiedene Module sind auf spezielle Anforderungen ausgelegt – etwa eine besonders schnelle Oderübermittlung oder den Handel mit Optionen.