Daytrading – Grundlagen und Strategieentwicklung Teil 2/3

Während im ersten Teil unserer Daytrading-Artikelserie einige Grundlagen des Daytradings behandelt wurden, widmet sich der zweite Teil dem Thema „Daytrading Strategien“. Zum einen soll es um die Merkmale einer Handelsstrategie allgemein gehen. Zum anderen geht es auch um konkrete Beispiele für Handelsansätze.

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Definition einer Strategie

Eine Handelsstrategie lässt sich als Regelwerk definieren. Das Regelwerk enthält eindeutige Aussagen zu folgenden Fragestellungen:

  • Unter welchen Umständen werden Positionen eröffnet?
  • Unter welchen Umständen werden Positionen geschlossen?
  • Wie viel Geld wird pro Trade eingesetzt und riskiert?

Eine Strategie legt fest, dass eine Position eröffnet wird, sobald in einem der betrachteten Märkte eine genau definierte Situation auftritt. 

Eine Strategie legt fest, dass eine Position eröffnet wird, sobald in einem der betrachteten Märkte eine genau definierte Situation auftritt. Dabei kann es sich z. B. um ein 30-Tages-Hoch handeln. Sehr häufig werden die Einstiegsereignisse zusätzlich mit einem Filter verbunden: Die Eröffnung einer Position erfolgt dann bei einem 30-Tages-Hoch, wenn zugleich das Handelsvolumen höher ist als an den drei vorangegangenen Handelstagen.

Die Kombination aus Vorbedingung (30-Tages-Hoch) und Filter (Umsatz) entspricht der Definition eines Einstiegssignals.

Im Rahmen von Risiko- und Moneymanagement wird zugleich festgelegt, dass bei Vorliegen eines Einstiegssignals (z. B.) 5 % des Kontoguthabens investiert werden. „Investieren“ sollte dabei ungleich „riskieren“ sein: Es ist festzulegen, dass bereits bei der Eröffnung einer Position ein Stop-Loss so platziert wird, dass maximal 10 % des Einsatzes bzw. 0,50 % des Kontoguthabens in der Position verloren gehen können. Von möglicherweise durch ein Stop-Loss nicht abgedeckten Risiken soll an dieser Stelle abgesehen werden.

Das Stop-Loss definiert ein Ausstiegsszenario, ist aber dennoch kein Ausstiegssignal.

Ein Ausstiegssignal definiert die Schließung einer profitablen Position, da nicht mit weiteren hohen Gewinnen gerechnet wird. Ein solches Ausstiegssignal könnte z. B. die Schließung der Position bei einem deutlichen Rückgang des Kursmomentums vorsehen.

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Leistungsmerkmale von Handelsstrategien

Es gibt unzählige Handelsansätze, die als „Daytrading Strategien“ bezeichnet werden. Die Komplexität einiger dieser Ansätze ist bemerkenswert. Einsteigern sei jedoch ans Herz gelegt, was Fortgeschrittene längst wissen:

Die einfachen Strategien erweisen sich langfristig immer wieder als die besten.

Das hat einen intuitiv leicht nachvollziehbaren Grund. Im Daytrading geht es darum, Märkte zu identifizieren, die sich in einer Phase mit Potenzial befinden. Alle Einstiegssignale basieren auf der Erkennung von in irgendeiner Form besonderer Aktivität im Markt. Besondere Aktivität wiederum ist mit relativ einfachen Methoden messbar.

Jede Handelsstrategie weist bestimmte Leistungsmerkmale auf. Entwickler können ihre Strategie an diesen Merkmalen messen, Anwender können im riesigen Pool umlaufender Handelsansätze gezielt nach gewünschten Profilen suchen.

Performance bzw. Profitfaktor

Die Performance gilt als das wichtigste Merkmal einer Strategie: Je mehr Geld verdient wird, desto besser. Aber es kann bei dem unberechenbaren und verlustgefährdeten CFD Handel kein Erfolg garantiert werden.

Die Performance gilt als das wichtigste Merkmal einer Strategie. Zumeist wird die Performance in Monaten und Jahren ebenso betrachtet wie die Gesamtrendite seit dem Beginn der Anwendung einer Strategie. Eine hohe Performance allein sagt nichts über ihre Zusammensetzung aus und ist deshalb sicherlich notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für das Vorliegen einer guten Strategie.

Anzahl Trades

Wie viele Trades werden pro Tag, Woche, Monat und Jahr durchgeführt?

Eine große Anzahl an Trades erhöht die Transaktionskosten, führt aber zumeist auch zu einer breiteren Verteilung der Gesamtgewinne auf viele einzelne Positionen. Entfällt ein sehr großer Teil der Gesamtperformance auf einige wenige Trades, ist eine genaue Analyse besonders wichtig: Möglicherweise spielte der Zufall eine große Rolle bei den Ergebnissen, die dann in Zukunft kaum wiederholt werden könnten. Auch der für das Daytrading notwendige Zeitaufwand hängt mit der Handelsaktivität zusammen.

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Payoff Ratio

Die Payoff Ratio wird ermittelt, indem der durchschnittliche Gewinn aus profitablen Trades ins Verhältnis zum durchschnittlichen Verlust aus defizitären Trades gesetzt wird. Die Payoff Ratio kann durch die Regeln zur Verlustbegrenzung direkt beeinflusst werden:

Im Idealfall weicht der durchschnittliche Verlust nicht wesentlich vom je Position maximal in Kauf genommenen Risiko ab.

Trade Ratio/Trefferquote

Die Trade Ratio gibt das Verhältnis von profitablen zu defizitären Trades an.

Die Trade Ratio gibt das Verhältnis von profitablen zu defizitären Trades an und entspricht damit dem Konzept der „Trefferquote“. Es gibt allerdings Unterschiede in der Darstellung: Werden von 100 Trades 60 mit einem Gewinn abgeschlossen und 40 mit einem Verlust, ergibt sich daraus eine Trade Ratio von 1,5 und eine Trefferquote von 60 %.

Je niedriger der Trefferquote ausfällt, desto höher muss die Payoff Ratio ausfallen, damit eine Strategie profitabel ist.

Einige Strategien erzielen sehr viele keine, andere nur wenige größere Gewinne. Es sei darauf hingewiesen, dass erst bei Abschluss eines Trades feststeht, ob dieser die Trefferquote verbessert oder verschlechtert. Eine Strategie mit sehr enger Verlustbegrenzung kann die Trefferquote verringern, die Ergebnisse aber verbessern.

Dazu ein hypothetisches Fallbeispiel.

Fall I: Das Handelskonto weist ein Guthaben in Höhe von 100.000 € auf. Pro Position werden 5.000 € investiert. Wird eine Verlustposition mittels Stop-Loss geschlossen, fällt ein Verlust von 500 € an. Nach 100 Trades weist eine Strategie eine Trefferquote von 50 % auf. 50 Trades wurden mit einem Verlust von jeweils 500 € und kumuliert 25.000 € geschlossen. 50 Trades wurden mit einem durchschnittlichen Gewinn von jeweils 600 € und kumuliert 30.000 € geschlossen. Daraus ergibt sich ein Gewinn in Höhe von 5 % bzw. 0,05 % pro Trade.

Fall II: Dieselbe Strategie wird mit einer engeren Verlustbegrenzung gehandelt. Pro Trade wird unter ansonsten gleichen Bedingungen ein maximaler Verlust von 200 € zugelassen. Damit werden alle im Fall I durch Stop Loss geschlossenen Positionen auch weiterhin geschlossen – zusätzlich aber weitere, im Fall I nicht betroffene Positionen. Die Trefferquote reduziert sich dadurch auf 35 %. 65 Trades werden mit einem Verlust von jeweils 200 € und kumuliert 13.000 € geschlossen. 35 Trades werden mit einem durchschnittlichen Gewinn von jeweils 600 € und kumuliert 21.000 € geschlossen. Dadurch ergibt sich ein Gewinn in Höhe von 8 % bzw. 0,08 % pro Trade.

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Max. Drawdown

Der maximale Drawdown gibt an, welchen bislang höchsten Verlust auf Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresbasis eine Strategie erlitten hat. Ebenso kann ein maximaler Drawdown für die Zukunft als „Reißleine“ definiert werden. Dann kann das Risikomanagement bei Erreichen eines bestimmten Verlustes z. B. die Schließung sämtlicher Positionen vorsehen. Der maximale Drawdown ist damit ein Maß für das Risiko, das von einer betrachteten Strategie zu erwarten ist.

Volatilität

Volatilität gibt die Schwankungsintensität an und kann sich nicht nur auf Märkte, sondern auch auf die Kapitalkurve einer Strategie beziehen.

Je niedriger die Volatilität, desto besser.

Verläuft die Kapitalkurve mit geringen Schwankungen, spricht das für eine hohe Trefferquote, kurze maximale Verlustserien und ein gelungenes Risikomanagement.

Sharpe Ratio

Die Sharpe-Ratio ist eine Maßzahl für die Überrendite im Verhältnis zum übernommenen Risiko. Die mit einer Strategie erzielte Performance wird zunächst um die sichere Rendite von Staatsanleihen (im Sinne der Opportunitätskosten) gekürzt und dann ins Verhältnis zur Volatilität gesetzt.

Technische Analyse für Daytrader: Wo spielt die Musik?

Fundamentaldaten wie Konjunktur, Bilanzgewinne, Zinssätze etc. sind für Daytrader nicht relevant – es sei denn, die Events werden im Rahmen einer Newstrading-Strategie fokussiert. Maßgeblich ist die Technische Marktanalyse. Daytrader benötigen Einstiegssignale mit einer möglichst großen Präzision. Diese findet sich immer dort, wo der Markt signifikante Änderungen im Verhältnis von Angebot und Nachfrage erkennen lässt.

Die grundlegende Prämisse des Daytradings lautet, dass auffällige Kursbewegungen zumindest für einen sehr kurzen Zeitraum weitere auffällige Marktbewegungen nach sich ziehen und dass diese zweiten Bewegungen eine Reaktion auf die ersten Impulse – und damit prognostizierbar – sind. Die Kernfrage für Daytrader lautet also: Wo spielt die Musik?

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Neue Hochs und Tiefs als Daytrading Einstiegssignal

Zu den klassischen Einstiegssignalen im Daytrading zählt das Auftreten neuer Hochs. So kann z. B. ein neues Zwei-Monats-Hoch (ebenso ein 2-Tages- oder Stunden-Hoch) als Einstiegssignal definiert werden. Werden solche Strategien ohne Filter eingesetzt, bleibt der dauerhafte Erfolg meistens aus. Es gilt, Hochs mit signifikanter Aussagekraft von „Rauschen“ zu unterscheiden. In der Praxis sind diese Filter sowohl der komplizierteste als auch der maßgebliche Parameter.

Das kann zum einen über die Betrachtung der Handelsspanne gelingen. Die Handelsspanne einer betrachteten Periode (Tag, Stunde, Viertelstunde usw.) sollte größer sein als die Handelsspannen der drei vorangegangenen Perioden. Zum anderen kann das Handelsvolumen innerhalb der Periode und im Vergleich mit anderen Perioden betrachtet werden. Das Volumen sollte größer sein als in den anderen Perioden und in Richtung des (erwarteten) Ausbruchs zunehmen.

Trends

Trends spielen auf allen zeitlichen Ebenen und damit auch im Daytrading eine wichtige Rolle. Sie lassen sich mittels Trendlinien und Indikatoren identifizieren und messen.

Der Handel in Trendrichtung zählt zu den häufigsten Anwendungen.

Besonders hohe Trefferquoten weisen Trendfolgestrategien mit zusätzlichem Filter auf, mit denen nur stabile Trends gehandelt werden.

Zu den bekanntesten Trendfolgestrategien mit Filter zählt die MACD-Handelsmethode. Hier wird ein Kaufsignal ausgelöst, wenn ein schnellerer (=kürzerer oder stärker gewichteter) gleitender Durchschnitt einen längeren Durschnitt von unten nach oben durchkreuzt.

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Indikatoren

Indikatoren werden in verschiedenster Form aus der Kursentwicklung abgeleitet und spielen im Daytrading eine sehr viel größere Rolle als die visuelle Chartanalyse. Während letztere eine manuelle Betrachtung des Marktes verlangt, können Indikatoren automatisiert berechnet und zur Erzeugung von Handelssignalen genutzt werden.

Zu den bekanntesten Indikatoren zählen gleitende Durchschnitte mit verschiedensten Gewichtungsmethoden und Intervalllängen. Gleitende Durchschnitte können auch als geglättete Trendlinien betrachtet werden und kommen trotz – oder gerade wegen – ihrer einfachen Konstruktion in zahlreichen Handelssystemen zur Anwendung.

Ein weiterer wichtiger Indikator ist der Directional Movement Index (DMI), der in einer geglätteten Variante auch als Average Directional Movement Index (ADX) bezeichnet wird. Der ADX zeigt sowohl die Richtung als auch die Stärke eines Trends an und wird deshalb häufig als vorgelagerter Filter (notwendige Bedingung) für Handelsstrategien eingesetzt: Eine Position wird z. B. nur eröffnet, wenn der ADX einen ausreichend starken Trend anzeigt.

Charttechnische Marken

Charttechnische Marken können im Daytrading zu verschiedenen Zwecken genutzt werden. Eine Möglichkeit besteht z. B. im Eröffnen einer Position in Trendrichtung kurz über einer Unterstützung. Ebenso sind Positionen in Richtung eines Ausbruchs über Widerstände denkbar. In den meisten Daytrading Strategien wird allerdings nicht die charttechnische Marke, sondern der Ausbruch mit seinen Begleiterscheinungen (ansteigendes Volumen und ansteigende Volatilität) als Einstiegssignal definiert.

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Entwicklung einer (automatisierten) Handelsstrategie

Für ambitionierte Daytrader ist die Entwicklung einer Handelsstrategie vergleichbar mit einer Leidenschaft, die bei planmäßigem Verlauf auch noch Geld einbringt. Bevor es um die Schritte auf dem Weg zur eigenen Strategie geht jedoch die gute Nachricht für „Entwicklungsverweigerer“ vorweg:

Es ist nicht zwingend notwendig, eine Programmiersprache zu erlernen und großen Aufwand in eine Daytrading Strategie zu investieren. Es existieren genügend fertige Strategien, deren Erfolg gut dokumentiert ist. Leicht auffindbar sind z. B. Skripte für die Handelsplattformen MT4 und MT5.

„Vollblut-Daytrader“ lassen sich das Vergnügen und die Herausforderung einer eigenständigen Strategieentwicklung erfahrungsgemäß nicht nehmen. Jede Strategie beginnt dabei mit einer Idee, die gleichsam Antworten auf zwei Fragen beantworten sollte:

  1. Welche erkennbaren Ereignisse (im Chart) gehen größeren Kursbewegungen voraus?
  2. Woran lässt sich frühzeitig erkennen, dass es doch nicht zu einer solchen Bewegung kommt?

Die Antworten auf diese beiden Fragestellungen bilden letztlich die DNA einer Handelsstrategie, weil sie erstens Bedingungen für den Einstieg definieren und zweitens eine qualitative Beurteilung der Einstiegssignale vornehmen. Die zweite Variante entscheidet in der Praxis über die Tragfähigkeit eines Ansatzes.

Werden diese beiden Fragestellungen auf der Grundlage eigener Beobachtungen und Überlegungen zu Märkten beantwortet, sollte das Wesen der Strategie zum Trader passen. Werden Strategien dagegen ohne den Kontext persönlicher Erfahrungen übernommen, passt die Strategie womöglich nicht zum eigenen Handelstyp.

Im zweiten Schritt müssen die Aussagen in objektive Regeln umgesetzt werden, die in Gestalt eines Algorithmus durch einen Computer umgesetzt werden können. Das ist auch dann empfehlenswert, wenn eine automatisierte Umsetzung gar nicht geplant ist:

Je objektiver und formaler die Kriterien definiert werden, desto aussagekräftiger sind alle Folgeergebnisse z.B. von Backtests.

Ambitionierte Daytrader müssen sich früher oder später mit Programmiersprachen auseinandersetzen. Sprachen wie Equilla (vergleichbar z. B. mit Visual Basic) oder MQL5 (Ähnlichkeiten zu C++) müssen allerdings nur in rudimentärer Form erlernt werden, wenn voreingestellte Indikatoren lediglich zu einem Handelssystem zusammensetzt werden sollen.

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Nachfolgend ein Beispiel für den Code eines Moving Average Crossover-Systems in der Sprache Equilla, die bei Tradesignalonline.com, einer der größten deutschsprachigen Communities für Technische Analyse und Daytrading, eingesetzt wird. Anhand des Codes lässt sich die Definition von verbindlichen Regeln in formaler Form gut verdeutlichen.

Die „Inputs“ sind zwei gleitende Durchschnitte (Moving Averagdes, MA) mit 20 bzw. 40 Perioden. Ein MA-Crossover-System basiert auf der Überkreuzung des langsameren Durchschnitts durch den schnelleren Durchschnitt. Bei identischer Gewichtung ist der MA mit der geringeren Anzahl Perioden (hier: MA 1) schneller.

Die „Variablen“ bestehen in diesem Fall aus den beiden Durchschnitten mit den unter „Inputs“ definierten Parametern. Ein Long-Signal wird generiert, wenn MA1 MA2 überschreitet. Ein Shortsignal liegt im umgekehrten Fall vor. Gleichzeitig wird festgelegt, das die Eröffnung einer Position in Form einer Market-Order zu erfolgen hat.

Das Handelssystem ist in dieser Form unvollständig, weil es keine Exit-Signale beinhaltet. Grundsätzlich würde bei „blinder“ Anwendung eine bestehende Longposition bei Auftreten eines Short-Signals lediglich neutralisiert und umgekehrt.

Nach demselben Muster kann ein Handelssystem auf Basis von Bollinger Bändern konstruiert werden. In diesem Beispiel dient das untere Band als Trigger: Überkreuzt der Markt das untere Band von unten nach oben, liegt ein Long-Entry-Signal vor, fällt der Kurs unter das untere Band, liegt ein Short-Signal vor. Die Parameter in diesem Fall sind die Länge des gleitenden Durschnitts und die Standardabweichung.

Auch  dieses System sieht keinerlei Ausstiegssignale vor. Es wäre lediglich möglich, ausschließlich entweder die Long- oder die Shortsignale zu nutzen und die Position beim Auftreten gegenläufiger Signale glattzustellen.

Vollständige Handelssysteme bestehen aus Long-Entry, Long-Exit, Short-Entry und Short-Exit-Signalen. Deutlich sichtbar wird dies z. B. anhand der MACD-Crossover-Methode, deren Equilla-Code im unten abgebildeten Screenshot abgebildet ist. In den Standardeinstellungen der meisten Chartig-Programme eignen sich die Parametereinstellungen für Daytrader nur bedingt. In diesem Fall basiert das MACD Crossover-System auf gleitenden Durchschnitten mit 9, 12 und 26 Tagen Länge. Die Anwendung ist jedoch genauso mit Minuten oder Stunden als Periodenlängen möglich.


Backtests und Parameter bei der Entwicklung von Handelssystemen

Kein Handelssystem wird in der Praxis eingesetzt, bevor es sich nicht zumindest auf dem Papier bewährt hat. Mit Backtest-Programmen können die Regelwerke einer Handelsstrategie auf historische Kurse angewandt werden. Im Ergebnis erfahren Entwickler (oder Nutzer, falls es sich um ein fertiges Skript handelt) dann im besten Fall, welche Performance ein Algorithmus in der Vergangenheit erzielt hätte. Zur Auswertung gehören Kennzahlen wie Performance, Drawdown usw.

Bei Backtests lauern eine Menge Fallstricke. Ein dringender Hinweis vor allen an ungeduldige Neueinsteiger:

Backtests dienen nicht als „Beweis“ für das Funktionieren einer Strategie, sondern als Hinweis auf mögliche Schwächen. Ein gutes Ergebnis im Backtest muss zunächst validiert werden, bevor es als gültig eingestuft werden kann.

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Das gilt es beim Backtest zu beachten:

  • Die Ergebnisse sollten sich bei geringfügigen Verschiebungen der Parameter nicht wesentlich ändern
  • Ändern sich die Ergebnisse bei Veränderungen des Betrachtungszeitraume oder des betrachteten Marktes, müssen dafür plausible Gründe gefunden werden

Grundsätzlich sollten Backtests von (Daytrading-) Strategien mit einer ganzen Bandbreite von Parametern und auf viele unterschiedliche Märkte und Betrachtungszeiträume durchgeführt werden. Lässt sich für ein bestimmtes Skript ein Test mit diesen Voraussetzungen nicht nachweisen, macht der Entwickler möglicherweise einen entscheidenden Fehler und verliert sich in der Überoptimierung.

Dabei wird ein Skript im Rahmen der Backtests so lange auf einen bestimmten Markt und einen bestimmten Betrachtungszeitraum angepasst, bis auf dem Papier exzellente Ergebnisse zu Buche stehen. In Wahrheit wurde das System jedoch nur auf die historische Marktentwicklung optimiert, die sich nicht wiederholt. Die Aussagekraft für die Zukunft ist deshalb gleich null.

Gute Handelsstrategien zeichnen sich dagegen durch eine klare Grundphilosophie und einfache Regeln aus, die zumindest prinzipiell in allen Märkten funktionieren.

Ergibt ein Backtest, dass die Ergebnisse der Strategie maßgeblich vom betrachteten Markt und/oder von der betrachteten Zeitspanne abhängen, belegt das allein jedoch keinesfalls die Untauglichkeit des Ansatzes. Stattdessen ist Ursachenforschung angesagt: Gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem vorherrschenden Trend und der Performance? Wenn ja: Wie reagiert das System auf den „falschen“ Trend: Werden lediglich keine Handelssignale erzeugt oder kommt es zu langen Verlustserien?

Diese und weitere Fragen und vor allem die Antworten darauf liefern die Basis für Weiterentwicklungen der Strategie. Im Laufe der Entwicklungsarbeit kann sich z. B. herausstellen, dass ein zunächst priorisiertes System sehr viel effektiver als Filter für ein anderes System eingesetzt werden kann.

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Definition von Ausstiegssignalen und Verlustbegrenzung

In der Praxis erfordert die Formulierung einer Handelsstrategie noch weitere Eingaben als in den bisherigen Beispielen dargestellt. Insbesondere ist festzulegen, wie mit nicht realisierten Gewinnen und mit Verlusten umzugehen ist.

Wie mit Buchgewinnen umzugehen ist, hängt von den persönlichen Präferenzen ebenso ab wie von der Beschaffenheit des Long-Exit- bzw. Short-Exit-Signals. Lässt dieses den Markt nach dem Einstieg „an der langen Leine“ und wird erst nach relativ großen Kursbewegungen entgegen der Positionsrichtung ein Signal zur Glattstellung erzeugt, kann die Integration einer Trailing-Stop-Regel in das System sinnvoll sein. Dann wird das anfänglich knapp unterhalb des Entry-Kurses platzierte Stop-Loss in festgelegten Intervallen an steigende Kurse angepasst.

Es gibt Situationen, in denen eine Position geschlossen wird, obwohl das Entry-Signal nicht durch die Handelsstrategie widerrufen und die Position auch nicht durch Stop-Loss geschlossen wurde. Das trifft auf profitable Positionen zu, denen weiteres Potenzial zugetraut wird. 

Merke: Es gibt Situationen, in denen eine Position geschlossen wird, obwohl das Entry-Signal nicht durch die Handelsstrategie widerrufen und die Position auch nicht durch Stop-Loss geschlossen wurde. Das trifft auf profitable Positionen zu, denen grundsätzlich weiteres Potenzial zugetraut wird. Ein plötzlicher Rücksetzer wird dann zur Gewinnmitnahme genutzt, bevor das System ein Exit-Signal generiert.

Daytrading ist ohne Strategie zur Verlustbegrenzung nicht darstellbar. Jede Position muss mit einem Stop-Loss ausgestattet werden, das den Verlust bei ungünstigem Verlauf auf ein notwendiges Minimum begrenzt. Die Toleranz gegenüber Verlusten und damit der Spielraum zwischen Entry-Kurs und initialem Stop-Loss ist mit entscheidend für die Wahl der Daytrading Strategie. Nicht jede Strategie lässt sich mit einer auf 1,0 Indexpunkte begrenzten Verlusttoleranz handeln.

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