ESMA hat die CFD-Bombe platzen lassen

28.03.2018 - 11 Minuten Lesezeit

Nun liegt sie schwarz auf weiß vor, die Produktintervention der ESMA CFDs und Binäre Optionen betreffend. Bei den neuen Hebeln fragt man sich bei vielen Unterlyings echt ob die zuständigen Damen und Herren einfach nur, wie soll man es diplomatisch ausdrücken..."nicht vom Fach" sind. Oder schlicht einer Lobby hörig sind, die CFDs am liebsten kaputtreguliert sehen möchte. Sinnvoller Kundenschutz sieht jedenfalls anders aus.

In Summe kommt man nicht daran vorbei festzuhalten: Anleger werden bevormundet, und es liegt eine massive Ungleichbehandlung von Produkten vor. Die eine Einladung für Juristen darstellt, die sich nicht erst seit gestern auf die Veröffentlichungen stürzen. Verschiedene Quellen gehen von zumindest teilweise erfolgreichen juristischen Gegenmaßnahmen aus.

Erste Broker-Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten: IG warnt seine Anleger vor einem Gewinneinbruch, und LYNX wird mit Ende März den CFD-Handel einstellen (der CFD-Anteil dürfte bei einem Futures-Broker aber ohnehin minimal gewesen sein).

Los geht es ja schon mal damit, dass Produktinterventionen eigentlich absolute Notmaßnahmen darstellen für den Worst Case, dass Anleger vor sich selbst geschützt werden müssen. Ist das bei CFDs denn der Fall? Nein, absolut nicht, wir sind alle mündige Trader. Bei Binäre Optionen allerdings sieht die Sache anders aus.

Verbot Binäre Optionen

Es gab (und gibt immer noch) genügend uninformierte oder naive Leute da draußen, die sich durch YouTube-Videos von Typen im AMG SLS oder vor einer schönen Finca, in Sport- und Pferdewetten-Foren dazu hinreißen ließen, ihr hart erspartes Geld in das Casino Binäre Optionen zu tragen. Wo der massive Bankvorteil (bei Verlust sind 100% weg bei maximal 90% Auszahlung) langfristig keine Gewinnchancen zulässt.

Dieser Abzocke wird nun endlich der Garaus gemacht, Binäre Optionen werden verboten. Ist das gelebter Anlegerschutz den wir unterstützen? Oh ja.

yeah

Endlich brauchen wir uns mit diesem mangelhaften Konstrukt nicht mehr rumärgern, müssen keine Warnungen mehr aussprechen und versenden. Aus und vorbei, damit kommen wir zum Kernthema, CFDs und FX.

Abschaffung der Nachschusspflicht

Ist ja für deutsche Trader nichts Neues, diesen für Trader grundsätzlich erfreulichen Aspekt haben wir bereits vor längerer Zeit in diesem Artikel ausführlich beleuchtet.

Die spürbarste Folge davon war, dass die meisten Broker mit dem Hebel standardmäßig runtergegangen sind auf 1:50 bis 1:100. Und vor wichtigen News bzw. Wochenenden gerne situativ die Margin erhöht haben.

Die Abschaffung der Nachschusspflicht ist prinzipiell eine tolle Sache. Damit wird den Verfechtern der intransparenten Zertifikate und Optionsscheinen ihr wichtigstes Totschlagargument entrissen, nämlich dass man mehr als die Einlage verlieren kann. Das war natürlich eine große Herausforderung für das Risikomanagement der Broker. Die offensichtlich gut gelöst wurde vom Großteil der seriösen Anbieter. Jetzt hätte also volle Attacke auf die Onlinebroker gerittten werden können.

Wenn da nicht immer noch manche Anbieter mit Hebel von 200, 400 und mehr geworben hätten. Gut für die Wahlfreiheit der Kunden? Ja, sicher. Aber was wenn so ein Anbieter bei einem Black Swan wie dem 15. Januar 2015 in Schieflage gerät, er Dutzende oder gar Hunderte Kundenkonten die ein Minus aufweisen ausgleichen muss. Wird er sich dafür in Unkosten stürzen, einen Investor suchen bzw. Fremdkapital aufnehmen, oder einfach Konkurs anmelden?

Diese Gefahr war immer noch real. Daher hat die Branche eine Hebel-Obergrenze ohnehin erwartet, wenn nicht sogar begrüßt. Da diverse Broker ja ohnehin bereits von sich aus auf 50er oder maximal 100er Hebel runtergegangen sind, um ihr Risiko im Griff zu behalten.

Und wie hat die ESMA das nun gelöst? Absolut furchtbar bei manchen beliebten Basiswerten.

Hebelbeschränkung auf 1:5 bis 1:30

Die wichtigsten Obergrenzen auf einen Blick:

Underlying HebelAuswirkungen
FX-Majors30:1im EUR/USD künftig 333 EUR pro Mini-Lot Margin statt 100 EUR bei Hebel 100
FX-Minors20:1der EUR/AUD ist nebst anderen Währungspaaren beliebt bei Tradern und wird künftig pro Mini-Lot nach 500 EUR Margin statt 100 EUR bei Hebel 100 dürsten
Hauptindizes wie GER30, US30, und Gold20:1hier beginnen die Schmerzen:

  • DE30 künftig 625 EUR Margin pro CFD statt bisher 62,5-125 EUR!
  • US30 künftig 1.200 USD pro CFD statt 240 USD
Rohstoffe außer Gold und sekundäre Indizes10:1
Aktien-CFDs und andere Basiswerte wie BUND5:120% Margin auf Aktien-CFDs gab es auch bisher schon bei manchen Brokern, speziell über Nacht. Anleihen und Zinsen trifft es aber schwer, siehe unten
Krypto-CFDs2:150% Margin bedeutet beim Bitcoin etwa, dass man aktuell 4.000 USD pro CFD benötigt

Um nur zwei haarsträubende Beispiele heranzuziehen:

Der Mini-Dax-Future, der 5 EUR pro Punkt bewegt, verlangt Intraday je nach Broker zwischen 500 und 1.500 EUR Margin.

5 Dax-CFDs bedürfen nach der neuen Regelung 3.125 EUR Margin, also 2-6x mehr als der Future!

Und jetzt haltet euch fest: der bei Tradern sehr beliebte Euro-Bund Future verlangt etwa nach 800 EUR Intraday-Margin als Future, der 10 EUR pro Cent bewegt. Der Bund-CFD hat bisher im Schnitt um die 1% Margin gehabt, was bei 10 CFDs, um ebenso auf 10 EUR pro Cent zu kommen, dann 1.605 EUR entsprach. Schon das war mehr als beim Future, wenn man diesen nur Intraday hielt. Aber das ist noch gar nichts gegenüber einer Verzwanzigfachung wie geplant, das wären dann wahnwitzige 32.100 EUR!

Der nennenswerte Vorteil der CFDs wäre dann nur noch die flexible kleine Stückelung. Ich wiederhole nochmal zusammenfassend:

Die ESMA will uns konservative Staatanleihen wie den bei Tradern sehr beliebten BUND-Future als hochriskant und volatil verkaufen. So wird bei einem Hebel von 5:1 der mit dem Future vergleichbare CFD-Trade nach 32.100 EUR Margin verlangen, der Future selbst aber nur 800 EUR Intraday!

wtf

Gerade diese wirren Restriktionen die umsatzstarken Werte wie DE30, US30, BUND & Co betreffend werden sich selbstredend auf das gehandelte CFD-Volumen auswirken. Es weiß bloß noch niemand wie massiv. Auf jeden Fall wird bereits an Alternativen getüftelt, wie ich weiter unten ausführen werde.

Neue Stop-Out Regeln

Bisher hatte jeder Broker eigene Regeln, wie und wann Positionen im Verlust automatisch vom Broker geschlossen werden. Um den Kunden zu schützen, aber natürlich auch um den Broker selbst zu schützen. Schließlich drohen manche überinvestierten Konten ohne vernünftige Stopps in volatilen Phasen ins Minus zu geraten. Und seit Wegfall der Nachschusspflicht müsste das der Broker ja aus eigener Tasche berappen. Die einen gingen nach dem First In, First Out-Prinzip vor, andere haben die größte Verlustposition geschlossen etc.

Tatsächlich ist uns Tradern und den Brokern in diesem Fall der Worst Case doch noch erspart geblieben. War ursprünglich nämlich geplant, diese Stop-Out-Regel auf jede einzelne Position auszulegen, soll nun doch wieder bloß das gesamte Konto herangezogen werden. Und zwar mit dem Grenzwert von 50%. Berücksichtigt man die deutlich gesenkten Hebel, wird es ohnehin schwierig, 50% der gesamten Margin durch Buchverluste auffressen zu lassen. Jeder vernünftige Trader kennt sich und sein Risiko- und Moneymanagement.

Wer sich die Lektüre der gesamten Publikation antut stößt übrigens auf so manche "amüsanten" Widersprüche. So begründet die ESMA die neue Stop-Out-Regel von 50% damit, dass bei einer geringeren Schwelle die Gefahr besteht, dass Kunden mehr als ihre Einlage verlieren könnten. Um im nächsten Absatz aber die Abschaffung der Nachschusspflicht zu beschreiben, die genau das ja bereits verunmöglicht...

Verbot monetärer Anreize

Nach der verstörenden Lektüre was die Hebelrestriktionen betrifft hier nun wieder ein Lichtblick. Keine Einzahlungsboni mehr, keine Wiederauflade-Boni, keine Aktionen mehr mit Spread zurück oder reduzierten Kommissionen. Kurz gesagt: die Broker dürfen die Kunden nicht dazu verführen Trades einzugehen, die sie sonst vielleicht nicht machen würden. Darunter fallen natürlich auch Rabattaktionen, manche Broker haben am Ende des Monats Vieltradern einen Teil des Spreads oder der bezahlten Gebühren zurückerstattet.

Da klingelt doch etwas? Richtig, auch BrokerDeal belohnt Trader (egal ob sie einen Trade oder tausende tätigen im Monat) mit einer monatlich im Nachhinein erstatteten Gutschrift. Das bleibt allerdings unbedenklich, dieser Anreiz kommt ja schließlich nicht vom Broker selbst. Und Brokerdeal liefert mit den Gutschriften, den Artikeln, dem Newsletter und Webinaren einen regelmäßigen Mehrwert.

Risiko-Hinweis

Künftig muss in jeder noch so unwichtigen Kommunikation zwischen Broker und Kunde ein deutlicher Risikohinweis zu finden sein. Soweit noch nichts Besonderes. Neu ist aber, dass künftig in Prozent angegeben werden muss wie viele Konten in den letzten 12 Monaten Verluste gemacht haben.

Die Berechnungsgrundlage ist dabei streng standardisiert, könnt ihr bei Interesse auf Seite 8 nachlesen. Den Grundstein für diese Maßnahme haben wohl die immer wiederkehrenden Vorwürfe gelegt, dass 90% oder mehr der CFD-Trader Geld verlieren. Dazu kursieren etwa Aussagen der irischen oder polnischen Behörden mit einer Schwankungsbreite zwischen 74-89% an Konten die einen Verlust aufweisen (wie groß das Minus war ist nicht bekannt).

Auf die meisten größeren Märkte ist das aber wohl nicht umzulegen. Man sehe sich etwa die vierteljährlichen Berichte der US-Forex-Broker an. Der den Kunden von OANDA, Interacitve Brokers & Co eine durchschnittliche Erfolgsquote von 32,5% bescheinigt. Und wie eine Studie des CFin Research Center for Financial Services in Deutschland ermittelt hat, verbuchten in dieser Untersuchung nur 62,7% der deutschen Kunden Verluste beim Handel mit CFDs.

Es wird mit Sicherheit spannend die Unterschiede zwischen den Quoten bei den verschiedenen Brokern auf einen Blick vergleichen zu können. Auch daraus lassen sich ja gewisse Rückschlüsse ziehen was die Qualität der Kursstellung und der Ausführungsqualität betrifft.

Broker mit kreativen Lösungen?

Ältere Stellungnahmen diverser Broker waren bereits im Vorgängerartikel zu lesen. Welche Schlupflöcher und mögliche Lösungen nun in den Köpfen der Broker rumspuken, darf ich erstmal nur inoffiziell zitieren.

  1. Broker gewährt Kreditrahmen
    Es gibt bereits einen Aktien-Broker, der gewährt den Kunden einfach einen Kredit, direkt auf das Handelskonto gebucht. Eine sogenannte "tradeable asset". Dafür werden zwar gesalzene Zinsen fällig. Aber theoretisch könnte man so mit nur 1 EUR Einlage wieder massiv gehebelt handeln. Einer Bewertung enthalte ich mich dazu erst einmal, ich möchte es nur erwähnt haben.
  2. Als professionellen Kunden einstufen lassen
    CMC, IG und andere Broker bieten mittlerweile bereitwillig an, sich statt als "retail investor" dann als "professional client" einstufen zu lassen. Die Hebelbeschränkungen würden dann nicht gelten für dieses Konto, können wieder frei verhandelt werden. Dafür muss man aber auch wieder darauf verzichten von der Nachschusspflicht befreit zu werden. Was Trader die wissen was sie tun nur allzu gerne hinnehmen werden.
    Zudem ein Gesprächspartner bereits angedeutet hat, trotzdem auf die Nachschusspflicht verzichten zu wollen. Wer sich dafür näher interessiert soll mir eine Mail schicken.
  3. Kunden über Offshore-Niederlassungen leiten
    Das würde dann im Grunde ca. so ablaufen: der Broker ist in der EU reguliert. Hat aber auch eine Zweigniederlassung z.B. auf einer exotischen Insel. Man ruft als Kunde dort an und erkundigt sich nach höheren Hebeln. Die Antwort wäre dann in etwa "Tut mir leid, die neuen Vorschriften untersagen höhere Hebel. Wir könnten Sie allerdings auf unsere Niederlassung auf Gilligans Insel umschlüsseln wenn Sie das wünschen?".

Und ich gebe zu bedenken: nach dem Brexit 2019/2020 wird wohl auch UK nicht mehr an diese Restriktionen gebunden sein wenn die FCA das möchte! Also alles andere als ein exotisches Offshore-Land.

Überhaupt reiben sich Broker aus dem EU-Ausland aktuell fleißig die Hände, und empfangen CFD-Trader die auf höhere Hebel angewiesen sind mit offenen Armen. Viele Herkunftsländer, speziell manche Inseln, werden sich zwar schwer tun skeptische Anleger zu gewinnen, die dorthin zigtausende Euros überweisen sollen. Renommierte Anbieter etwa aus Australien können sich aber meiner Meinung nach berechtigte Hoffnungen auf ein Bombengeschäft machen. Auch hierzu halten wir euch natürlich auf dem Laufenden, sind schon mit zwei Anbietern im Gespräch die wir uns als attraktive Alternative für euch in der Hinterhand behalten wollen.

Wie geht es nun weiter?

Die neuen Vorschriften treten am 1. August in Kraft. Juristische Maßnahmen können erst nach den ersten 3 Monaten ergriffen werden.

Mit Spannung bleibt zu erwarten wie sich die ESMA vorstellt verhindern zu können, dass wir Trader einfach Broker im EU-Ausland wählen. Dabei verlässt man dann natürlich den regulatorischen Schirm der EU, womit in Sachen Anlegerschutz eigentlich genau das Gegenteil erreicht werden würde.

Mit Sicherheit werden auch Futures-Broker wieder interessanter, auch hierzu stehen wir im Gespräch mit einem neuen interessanten Anbieter zwecks Vorteilen für Mitglieder von BrokerDeal.

Was mich persönlich einfach massiv ankotzt ist die Ungleichbehandlung mit anderen nicht börsengehandelten Produkten. Allen voran Optionsscheinen und Zertifikaten, die großteils im Direkthandel mit den Emittenten umgesetzt werden. Wie Trader hierbei abgezockt werden ist unvorstellbar und habe ich schon in mehreren Artikeln thematisiert.

Ich möchte mich hier nicht wiederholen, verweise an dieser Stelle bei Interesse lieber auf das kurze Beispiel im Fazit im Vorgängerartikel.

Leider ist die ESMA bei ihrer harten Linie geblieben was den ersten Entwurf die Hebelreduktionen betreffend angeht. Wie absurd und realitätsfern die Behörde hierbei vorgeht habe ich hoffentlich veranschaulichen können.

Gut kapitalisierte Trader werden sich davon nicht verschrecken lassen. Kleinkonten stehen allerdings vor einer Herausforderung, die Brokerbranche mit Sicherheit auch. Kreative Lösungen werden aber schon entworfen.

Und eine Hoffnung darf ich am Ende noch äußern: vielleicht wird es den deutschen Online-Brokern damit auch zu bunt bzw. zu unrentabel CFDs anzubieten. Die sie ja zu horrenden Konditionen anbieten in dem Wissen, dass der Großteil ihrer Kunden die sie aus dem bisherigen Wertpapiergeschäft schon hatten damit bei ihnen handelt statt nach einem "richtigen" CFD-Broker zu suchen.

In dieser Branche wird es jedenfalls nie langweilig, ich freue mich auf eure Kommentare und Feedbacks,

viel Erfolg beim Trading
Michael Hinterleitner

Quellen: ESMA product intervention & ESMA FAQ 

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Klaus kommentierte am 26.07.2018 um 13:17 Uhr

    Hallo,
    gibt es noch keine Neuigkeiten bzgl. Auslands-Brokern, zB. in Australien ?
    Ich dachte, die würden sich die Hände reiben - ich lese nirgends etwas.
    GCI - der einzige Offshore-Broker hier auf BrokerDeal - kann man wohl getrost vergessen, wie sehr viele Kommentare im Netz belegen.
    Und was das Risiko bei Auslandsbrokern angeht: Denen würde ich nur einen kleinen, überschaubaren Betrag überweisen. Bei niedrigen Hebeln reicht das oft.

  • freem kommentierte am 25.07.2018 um 22:21 Uhr

    In Verbindung mit der bereits abgeschafften Nachschusspflicht geht die Hebelreduzierung völlig zu Lasten der Kleinanleger, die bei extremen Marktbedingungen(starken Kursschwankungen/Crashs) und Brokerinsolvenz ein drastisch erhöhtes Risiko haben, weil sie viel mehr Geld an den Broker überweisen müssen, um das gleiche Volumen handeln zu können. Diese Risikoerhöhung ist der eigentliche Zweck der Regulierung. Das Risiko das den Brokern durch die bereits abgeschaffte Nachschusspflicht entstanden ist, wird so auf die Kleinanleger abgewälzt.

    Ein Beispiel:

    Für 1 CFD auf den DAX bei einem Hebel von 400 muss der Kleinanleger eine Margin von 30 € beim Broker hinterlegen (DAX bei 12000 Punkten, 1 Punkt im DAX = 1 €).

    Bei dem von der ESMA vorgeschlagenen Hebel von 20 muss der Kleinanleger eine Margin von 600 € für 1 CFD hinterlegen.

    Angenommen es kommt zu einem Crash von 100 Punkten, dann verliert der Kleinanleger im Falle des 400er Hebels nur 30 €, weil es keine Nachschusspflicht mehr gibt.

    Im Falle des 20er Hebels der ESMA verliert der Kleinanleger 100 €.

    Für den zwar sehr unwahrscheinlichen, aber möglichen Fall eines Crashs von 600 Punkten, verliert der Kleinanleger beim 400er Hebel wieder nur 30 €, aber beim 20er Hebel der ESMA die gesamten 600 €.
    Das Risiko der Kleinanleger hat sich durch die Hebelbeschränkung der ESMA also auf maximal das 20fache erhöht.

    Auch allein dadurch, dass sich die Einlagen bei den Brokern erhöhen, kann mehr Geld verloren werden.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 26.07.2018 um 09:11 Uhr

    Kurzer Einwand: Auch beim 400er Hebel gehen 100 EUR verloren bei einem Kursrutsch/Gap um 100 Punkte. Denn man wird ja kaum bloß 30 EUR auf dem Konto haben. Das ist ja nur die Sicherheitsleistung, die für die Positionseröffnung hinterlegt werden musste.

    Anders sieht es aus wenn man das Kapital ziemlich ausgereizt hat, sagen wir knapp vor dem 50%igen Stop-Out-Level, und es ist Freitag Abend. Am Montag kann es dann, befeuert durch etwaige Geschehnisse, durchaus zu einer großen Kurslücke kommen.

    Die einen dann in der Tat mehr kosten wird also bei einem höheren Hebel. WENN man mehr Kapital eingezahlt hatte, um weiterhin mit den gewohnten Positionsgrößen handeln zu können.

  • freem kommentierte am 27.07.2018 um 09:04 Uhr

    Es reicht aus, wenn nur die Sicherheitsleistung hinterlegt wird.
    Dadurch wird ja gerade das Risiko beschränkt, weil es keine Nachschusspflicht gibt. Beim 400er Hebel ist der Verlust dann nur 30€.
    Einen Crash kann es jederzeit, nicht nur am Wochenende, geben.

  • Ralf Resch kommentierte am 27.06.2018 um 03:45 Uhr

    Es ist ja nicht zu überbieten wie man hier in den freien Finanzhandel eingreift und damit erhebliche Nachteile von Hundertausenden von Tradern schafft und überdies erhebliche finanzielle Schäden zudem noch anrichtet.Verfassungsrechtlich gesehen ist das überhaupt nicht tragbar zumal man damit auch gegen Grundsatzrechte eines Jeden verstößt.Rechtlich gesehen muss man nicht abwarten bis der Irrsinn in Kraft tritt,sondern kann dem zuvor kommen mit einer einstweiligen gerichtlichen Verfügung,das sollten die Broker mal schnell ins Auge fassen.

  • markus spalding kommentierte am 03.06.2018 um 10:07 Uhr

    Viele Argumente...warum die ESMA so entschieden hat....

    Aber kaum ein Argument was den Nagel auf den Kopf trifft:

    Keiner sieht den Wald vor lauter Bäumen...es geht nicht um den Schutz der Kleinanleger....etc...

    Es geht nur ums Geld und die Global Player...Banken,Broker,etc.sowie die Offenlegung der Vermögen von den Leuten die weiterhin mit hohem Hebel handeln möchten...

    Oder glaubt Ihr wirklich, dass die ESMA sich Sorgen um den Kleinanleger und sein Vermögen macht...die scheren sich einen Dreck drum...

    Allen viel Erfolg und vergesst nicht das Leben geht auch ohne den hohen Hebel weiter....

    LG

  • Jörg kommentierte am 18.05.2018 um 17:43 Uhr

    Wenn ich 1000 Euro einzahle dann waren sie vielleicht weg nach einer Woche. Entweder kommt dann der Lerneffekt oder die nächsten 1000 € sind weg. Wenn ich jetzt aber das zehnfache einzahlen los um gleich zu handeln dann zahle ich direkt 5000€ Ein und bin damit schon 3000 € drüber über dem was ich eigentlich anlegen wollte beziehungsweise verspielen wollte. Fazit ist dann das die 3000 € geringer gehebelt nur wesentlich länger dauern um weg zu sein wenn dass Chart nicht selbstdiszipliniert handele. Ich schraub so lange die Stückzahl runter bis 62,5€ auf dem Konto ist. Max 0,1cfd handelbar.

    Das ist doch eine Farce wenn man das mal recht betrachtet.

  • Jens kommentierte am 03.04.2018 um 07:15 Uhr

    schlomo, dann handel auch nur mit deinem Geld. Der Broker gibt dir einen Kredit. Dieses Geld gehört dir nicht. Wer im Konzert der Großen mitspielen will, der sollte auch genügend Cash auf dem Konto haben. Möchtegern-Trader mit kleinen Konten, haben da nichts zu suchen. Seid doch froh, das ihr weiterhin mit Hebel 20 auf Aktienindizes handeln dürft. Eure Chuzpe darüber dann noch zu jammern, ist eine bodenlose Frechheit.

  • Schlomo kommentierte am 04.04.2018 um 23:13 Uhr

    Ja...das wäre auch noch ein sinnvolles und sachgerechtes Kriterium, wer durch Frechheit oder groben Undank auffällt, dem wird der Hebel auf 1:1 gekürzt; kommt bestimmt als Nächstes.

  • Hannah Czerny kommentierte am 21.06.2018 um 01:39 Uhr

    @Jens:
    Im Konzert der Großen mitspielen? Möchtegern-Trader mit kleinen Konten, haben da nichts zu suchen und sollen über Brosamen (kleine Hebel), die man Ihnen vorwirft, gefälligst froh sein?
    Was ist "groß" daran, entweder zufälligerweise mit "goldenem Löffel" im Mund geboren worden zu sein oder sich via Ausbeutung (Dumping-Löhne, Landraub, moderne Sklaverei, Betrug, etc.) von Menschen (oder auch Tieren) ein hübsches Finanzpolster aufgebaut zu haben?

    Es ist eine reine Frage der Logik (wieviel Wohlstand kann ein einzelner Mensch ausschließlich aus eigener Kraft, mit ehrlicher Arbeit, bei 24 Stunden pro Tag erwirtschaften), daß größere Vermögen in den allermeisten Fällen nur zu einem herzlich geringen Anteil etwas mit ehrlicher Arbeit und/oder "selbst erwirtschaftet" zutun haben.
    Somit ist es also auch nur recht und billig, daß ein "Kleiner", der einen Kredit von z.B. von seinem Broker in Anspruch nehmen muß, in gleicher Weise im besagten Konzert mitspielen darf wie ein "Großer", der auch nur aufgrund oben erwähnter nicht gerade coolerer Ursachen groß ist.

    Davon abgesehen ist es nicht unbedingt klug, andere nicht mitspielen zu lassen. Denn wie die Geschichte zeigt, gilt: "Teile und herrsche".
    Ansonsten, auch das wurde ja schon oft genug praktiziert in der Geschichte, geht das durchaus auch schon mal ganz schnell, daß "Große" auf einmal wieder klein werden. Bzw., genauer gesagt: Klein gemacht werden. Genauer gesagt, um ca. 1 Kopflänge gekürzt werden...

    In diesem Sinne: Andere auch leben lassen und Augenmaß behalten!

  • Stefan kommentierte am 04.07.2018 um 16:55 Uhr

    Ich hör mir dann das Gejammer vom lieben Jens an wenn Ihm die Damen und Herren Bürokraten das risikoreiche Autofahren verbieten und er nur noch mit einem Fortbewegungs-Hebel von 1:5 auf dem Fahrrad anstatt der 1:200 mit dem Auto fahren darf (gibt dann ja noch staatliche Verkehrsmittel für die armen kleinen). Über-Regulierung macht niemals Sinn und es gibt auch gute Trader mit kleinen Konten auf dieser Welt. Liebe Grüße

  • Schlomo kommentierte am 29.03.2018 um 15:31 Uhr

    Das ist schon eine echte Frechheit!
    Seit wann hat eine Behörde das Recht, mir vorzuschreiben, wie ich mein Geld anlege?
    Die sollen bitte schön dafür sorgen, dass es keine betrügerischen Angebote gibt bzw. solche entsprechend benennen, aber das war's dann auch.
    Es ist schon wirklich abenteuerlich, dass eine Behörde auf Basis eines zeitlich begrenzten Interventionsrechtes zur kurzfristigen Gefahrenabwehr jetzt mir nichts dir nichts eine etablierte, rechtmäßige und regulierte Anlageklasse / Branche de facto planiert.
    Wenn man den Leuten alles verbieten will, was komplex und risikoreich ist, dann kann man ihnen ja gleich das Wahlrecht entziehen; da entscheiden viele auch über Dinge, die sie möglicherweise trotz Volljährigkeit nicht verstehen und laufen Gefahr, dass sich ihre Erwartungen nach der Wahl nicht erfüllen.
    Wenn ich mir jetzt die Alternativen zu CFDs für das Daytrading vorstelle, dann ist das alles deutlich aufwendiger, kostspieliger und / oder intransparenter und auch im neuen CFD-Umfeld wird der Kunde im Rahmen der jetzt aufkommenden Umgehungskonstruktionen garantiert schlechter gestellt, als es bisher der Fall war.
    Ich neige eigentlich nicht sonderlich zum Wutbürgertum, aber hier kann auch ich nur sagen: Danke EU!

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 29.03.2018 um 18:47 Uhr

    Kann ich nur unterstreichen.

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