
- Der Euro gibt gegenüber dem US-Dollar weiter nach und markiert ein frisches Zwei-Monats-Tief.
- Erwartungen an weitere US-Zinsanhebungen stützen den Greenback.
- Schwache Konjunkturaussichten in Deutschland belasten die Gemeinschaftswährung zusätzlich.
EUR/USD notiert am Donnerstag bei rund 1,1470 und damit etwa 0,22 Prozent schwächer im Tagesverlauf. Das Paar bewegt sich nahe seinem tiefsten Stand seit zwei Monaten und setzt den Rückgang von den Niveaus oberhalb von 1,1600 fort, die zu Wochenbeginn erreicht worden waren. Treiber ist vor allem der feste US-Dollar, der von einem restriktiveren Ausblick der US-Notenbank profitiert.
Fed hält den Leitzins, signalisiert aber weitere Straffung
Die Federal Reserve beließ ihren Leitzins am Mittwoch wie erwartet in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die aktualisierten Projektionen zeigten jedoch, dass rund die Hälfte der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) bis Jahresende noch mindestens eine weitere Zinsanhebung für angemessen hält.
In seiner ersten Pressekonferenz als Notenbankchef bekräftigte Kevin Warsh, die Inflation nachhaltig auf das Ziel von 2 Prozent zurückführen zu wollen. Er verwies dabei auf den robusten US-Arbeitsmarkt und den anhaltend hohen Preisdruck.
Die jüngsten Konjunkturdaten stützten diese Linie. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Woche zum 13. Juni auf 226.000, nach revidierten 230.000 zuvor. Die Folgeanträge stiegen hingegen auf 1,81 Millionen. Insgesamt deutet dies auf einen Arbeitsmarkt hin, der stark genug ist, um eine restriktive Geldpolitik zu rechtfertigen.
Geopolitik entspannt sich, doch die Zinsfantasie dominiert
Zugleich haben sich die geopolitischen Risiken etwas verringert, nachdem eine vorläufige Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran angekündigt wurde, die die Spannungen im Nahen Osten beenden soll. Nach Einschätzung der Rabobank könnte eine dauerhafte Beruhigung die Nachfrage nach sicheren Häfen senken. Kurzfristig überwiegt am Devisenmarkt jedoch der Effekt der restriktiveren Fed.
Schwache Aussichten in Deutschland belasten den Euro
Auf europäischer Seite bleiben die wirtschaftlichen Perspektiven für die Gemeinschaftswährung gedämpft. Das ifo Institut bestätigte seinen Ausblick auf schwaches Wachstum bei gleichzeitig erhöhter Inflation für die größte Volkswirtschaft der Eurozone. Die Forscher erwarten in diesem Jahr eine durchschnittliche Inflation von 2,9 Prozent und 2,7 Prozent für 2027. Das Wirtschaftswachstum wird für dieses und das kommende Jahr bei lediglich 0,8 Prozent gesehen. Diese Projektionen verstärken die Sorgen um die konjunkturelle Dynamik der Region.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane erklärte, weitere Zinserhöhungen seien auch in einem milderen Konjunkturszenario gerechtfertigt. Die EZB könne über vorübergehende Schocks hinwegsehen, sofern diese die Inflation nicht dauerhaft beeinflussten. Trotz dieser Aussagen sorgen sich Anleger derzeit stärker um das nachlassende Wachstum in der Eurozone als um das Risiko einer weiteren geldpolitischen Straffung.


