Broker ohne Nachschusspflicht

Nachschusspflicht: Wenn Trader (mehr als) Lehrgeld zahlen müssen

Es ist ein Extremszenario, aber durchaus im Bereich des Möglichen: Bewegt sich der Markt zu stark gegen Trader, kann das Eigenkapital einer gehebelten Position zu mehr als 100% aufgezehrt werden und der Kontostand einen negativen Betrag annehmen. Nachschusspflichten sind nicht ungefährlich – das verdeutlichte zuletzt der „Franken-Schock“ im Januar.

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Fakten zur Nachschusspflicht

  • Nachschusspflicht entsteht bei negativem Kontosaldo
  • Unter normalen Marktbedingungen werden „kritische“ Positionen geschlossen
  • close-out-Level schützen nicht gegen Kurslücken und Marktturbulenzen
  • Broker können Nachschusspflichten rechtsverbindlich ausschließen
  • Garantierte Stop-Loss-Orders sichern gegen Kurslücken ab

Broker ohne Nachschusspflicht

Nachschusspflichten sind Forderungen eines Brokers gegen seine Kunden

Technisch betrachtet kommt es im FX- oder CFD Handel ständig zu Nachschusspflichten zulasten von Tradern. Jeder Broker legt eine zur Eröffnung einer Position notwendige Initial Margin und eine zur Aufrechterhaltung der Position erforderliche Maintenance Margin fest.

Entwickelt sich eine Position ungünstig und fällt die Maintenance Margin unter den festgelegten Wert, liegt bereits eine Form der Nachschusspflicht vor: Broker räumen sich für diesen Fall das Recht zur sofortigen Schließung von Positionen ein, sofern der Kunde nicht umgehend weitere Mittel zur Verfügung stellt.

Letzteres geschieht zumeist lautlos und unspektakulär durch die automatische Umbuchung von Kontoguthaben zulasten des Postens „Frei verfügbares Kapital“ zugunsten von „Gebundene Margin“: Solange sich genügend Guthaben auf dem Konto befindet, wird dieses automatisch zur Aufrechterhaltung der Position herangezogen und kann nicht mehr zur Auszahlung angefordert werden.

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Problematisch sind Nachschusspflichten bei negativem Kontostand

Bei einer günstigen Marktentwicklung besitzen Sie einen Anspruch gegen Ihren Broker („Kursgewinne“), bei einer ungünstigen Entwicklung verhält es sich umgekehrt („Kursverluste“).“ maxwidth=“25%“ float=“right“]

Problematischer sind Nachschusspflichten im Zusammenhang mit einem negativen Kontostand: Wurde das gesamte Eigenkapital auf dem Handelskonto aufgezehrt und sind alle Positionen aufgrund unterschrittener Marginanforderungen geschlossen, ist der Broker im Besitz einer Forderung gegen seinen Kunden.

Mit der Kontoeröffnung bei einem CFD/FX Broker (die meisten Forex Broker lassen Währungspaare im rechtlichen Mantel eines CFDs handeln) schließen Sie einen Rahmenvertrag über Differenzausgleichsverträge ab. Dieser legt im Wesentlichen fest, dass zwischen Ihnen und dem Broker ein Vertrag über den Differenzausgleich zustande kommt, wenn Sie über die Handelsplattform eine entsprechende Order erteilen.

Daran ändert sich grundsätzlich nichts, nur weil Ihr Handelskonto kein Guthaben mehr aufweist – der Broker fordert Sie dann bzgl. seiner Forderung zum Nachschuss von Kapital auf – ggf. auch gerichtlich.

Screenshot Tradingview

Praxisbeispiel:
Vor allem Kurslücken führen zu Nachschusspflichten

Das größte Risiko für Trader im Hinblick auf eine Nachschusspflicht stellen Kurslücken, sogenannte Gaps dar.

Doch wie kann es überhaupt dazu kommen, dass das Kapital auf dem Handelskonto nicht nur einen Totalverlust (100 %) erleidet, sondern dass sogar über den Gesamteinsatz hinausgehende Verluste entstehen? Ein so extremer Verlauf des Kontos ist nur bei einem ebenso extremen Verlauf der Marktentwicklung zu erwarten. Das größte Risiko für Trader im Hinblick auf eine Nachschusspflicht stellen Kurslücken (Gaps) dar. Dies soll an einem hypothetischen Beispiel erläutert werden, das aus Gründen der Vereinfachung auf Spreads und Kommissionen verzichtet.

Auf einem Handelskonto befinden sich 10.000 €. Der Kontoinhaber eröffnet eine Longposition in einem CFD auf den Deutschen Aktienindex (DAX) im Umfang von 100 Kontrakten zu jeweils 10.000 €, so dass das Gesamtvolumen der Order 1,0 Mio. € beträgt. Die Order wird mit einem Stop Loss bei 9950 Punkten gegen Kursverluste abgesichert.

Noch am selben Handelstag kommt es zu einem völlig unerwarteten und als sehr negativ eingestuften Ereignis. Der DAX fällt binnen weniger als einer Minute stark, da eine große Zahl von Verkaufsaufträgen auf den Markt dringt und keine Käufer vorhanden sind. Dem Broker gelingt es aufgrund der Marktsituation erst nach mehreren Minuten, die Stop-Loss-Order auszuführen – zum nächstbesten Kurs von 9.750 Punkten. Dadurch entsteht ein Verlust in Höhe von 25.000 €, dem lediglich 10.000 € Eigenkapital gegenüberstehen. Der Broker fordert den Ausgleich des Negativsaldos von 15.000 €.

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Schweizerische NationalbankCloseout-Level und Stop-Loss schützen nicht immer

Zu Beginn des Jahres 2015 ereignete sich ein reales Extremszenario, das viele Trader zur Nachschusspflicht zwang: Die Schweizer Notenbank SNB hob über Nacht und vom Gros der Marktteilnehmer unerwartet die Franken-Bindung auf, woraufhin der CHF stark aufwertete und  sogar einige Broker insolvent wurden..

Das Beispiel macht deutlich, dass Stop-Loss-Orders unter extremen Marktbedingungen keinen absoluten Schutz bieten, weil ihre Ausführung vom Markt abhängig ist. Dasselbe gilt für close-out-Levels: Damit definieren Broker Margin-Szenarien, bei deren Eintritt automatisch Positionen glattgestellt werden, um einen negativen Kontostand zu vermeiden.

Für Broker sind Nachschusspflichten Teil der Kalkulation

Für Broker sind Nachschusspflichten zunächst eine logische Schlussfolgerung der Kalkulation von Differenzausgleichskontrakten. Verlieren Sie mit einer Longposition viel Geld, vereinnahmt ein anderer Kunde desselben Brokers mit einer gegenläufigen Position womöglich Gewinne im selben Umfang. Diesem Kunden gegenüber ist der Broker zum Differenzausgleich verpflichtet. Verzichtete der Broker Ihnen gegenüber auf die Nachschusspflicht, müsste der Gewinn des anderen Kunden aus anderen Quellen finanziert werden – etwa durch generell breitere Spreads oder zusätzliche Gebühren.

Nachschusspflicht

Rechtsverbindlicher Ausschluss der Nachschusspflicht – und der Preis dafür

Einige Broker verzichten tatsächlich auf Nachschusspflichten zulasten ihrer Kunden. Falls Sie gezielt nach einem solchen Broker suchen, sollten Sie unbedingt die Details im Kleingedruckten der Vertragsbedingungen beachten.

Wenig belastbar, da rechtlich im Zweifel hinfällig, sind Aussagen dieser Bauart: „Durch technische Vorrichtungen (close-out) werden negative Kontostände ausgeschlossen“. Es handelt sich letztlich um eine Information von geringem Wert, da jeder Broker im Marginhandel solche Systeme nutzt. Diese schützen aber eben nicht vor Nachschusspflichten infolge von Kurslücken und anderen extremem Marktereignissen.

Schließt ein Broker diese verbindlich aus, geht dies mit höheren Marginanforderungen und damit geringeren Hebelwirkungen einher. Ursächlich für Nachschusspflichten sind häufig sehr große Finanzhebel im Bereich von 100:1 und größer. Bei Konten ohne Nachschusspflichten wird der maximale Finanzhebel häufig auf 50:1 oder niedriger begrenzt.

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CFD und Forex Broker ohne Nachschusspflicht

FXCM (UK) kündigte im März an, Kunden bei negativen Kontoständen die ersten 50.000 € davon zu erlassen und auf die Rückzahlung der über 50.000 € hinausgehenden Anteile der Forderungen bestehen zu wollen.

Broker Nachschusspflicht

Die comdirect bietet CFD-Handel über verschiedene Kontomodelle an, darunter eines mit verbindlichem Ausschluss der Nachschusspflicht bei auf 20% erhöhten Marginanforderungen. Auch die Consorsbank verzichtet mittlerweile auf Nachschusspflichten, der britische Broker CityIndex bietet Konten mit obligatorischer Platzierung von garantierten SL-Orders an, die z. B. auch IG Markets für einen Teil des Basiswertekatalogs ermöglicht – ebenso wie bei CityIndex gegen zusätzliche Gebühren.

Bilderquelle:

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