Werden der DAX und der Dow Jones Index Dank der Zinssenkung der amerikanischen Fed weiter steigen?

24.09.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Am vergangenen Mittwoch hat die amerikanische Notenbank Fed (Federal Reserve) die Zinsen um 0,25 Basispunkte gesenkt. Da die meisten Marktteilnehmer diesen Zinsschritt erwartet hatten, kam es im Folgenden kaum zu Kursbewegungen. Allerdings stellt sich die Frage, wie sich die Zinspolitik der Fed langfristig auf den Dow Jones Index auswirken wird. Da die Börsen weltweit durch die amerikanischen Aktienmärkte dominiert werden, spielt diese Frage auch eine große Rolle für deutsche Anleger, welche mit dem DAX handeln. Auf der Rechnung sollte man dabei auch Donald Trump haben, welcher für seine Wiederwahl im kommenden Jahr möglichst hohe Notierungen an den amerikanischen Börsen benötigt.

Warum hat die Fed die Zinsen gesenkt?

Als erstes wenden wir uns der Frage zu, warum die Fed überhaupt die Zinsen gesenkt hat. Denn normalerweise werden die Zinsen durch die Notenbanken nur dann abgesenkt, wenn es der Wirtschaft nicht gut geht. Sehr gut konnte man dies beispielsweise während und nach der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 beobachten. So wurden die Leitzinsen zügig abgesenkt und erreichten sogar die 0 % Marke. In der Eurozone ist man nach wie vor auf diesem Niveau. In den USA hatte man dagegen die Leitzinsen zwischenzeitlich wieder auf 2 % erhöht, nachdem sich die Wirtschaft in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat. Auch aktuell geht es den Unternehmen in den USA immer noch gut.

Allerdings ist der Ausblick eher schlecht. Dies liegt vor allem an der Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten. So ist nicht absehbar, wie stark der Handelskonflikt mit China die US Unternehmen belasten wird. Dieses Argument hat auch die Fed als Begründung für die Absenkung des Leitzinses genannt. Allerdings hätte die Notenbank natürlich auch erst einmal abwarten können, bis sie die Situation besser einschätzen kann. Ein weiteres Argument für die Absenkung ergab sich diese Woche durch die Angriffe auf die Ölindustrie in Saudi Arabien. Denn auch dies bedeutet ein Mehr an Unsicherheit für die Weltwirtschaft. Die Fed möchte daher gewissermaßen „präventiv“ die Zinsen senken, um die Wirtschaft für eventuelle Krisen vorzubereiten.

Insgesamt gingen die Märkte mehrheitlich von einer Zinssenkung aus. Hätte die Fed daher den Zinssatz nicht verändert, so hätte sie die Erwartungen des Marktes enttäuscht. Aller Voraussicht nach hätte dies zu starken Kursverlusten an den Börsen geführt. So kann man bereits seit der Finanzkrise beobachten, dass die Fed sehr darum bemüht ist, die Märkte gerade nicht zu enttäuschen und auf diese Weise die Aktienkurse möglichst hoch zu halten. Das gleiche Verhalten kann man auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beobachten.

Der amerikanische Präsident Donald Trump bangt um seine Wiederwahl

Das Verhalten der Fed wird verständlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass die Aktienquote in den USA viel höher ist, als zum Beispiel in Deutschland. Das bedeutet, dass viel mehr Menschen Aktien besitzen und durch die Dividenden und Kurssteigerungen auch einen Teil ihres Einkommens auf diese Weise erzielen. Daher ist es für einen großen Teil der amerikanischen Bevölkerung sehr wichtig, dass es der Börse gut geht.

Das weiß auch Donald Trump: So versucht er schon seit einiger Zeit, die Fed dazu zu bewegen, die Zinsen schneller zu senken. Es ist zu vermuten, dass die Notenbank die Zinsen am vergangenen Mittwoch daher auch deshalb gesenkt hat, um Trump nicht weiter zu verärgern. Insgesamt ist davon auszugehen, dass der amerikanische Präsident weiterhin Druck auf die Fed ausüben wird. Denn er möchte nächstes Jahr unbedingt wiedergewählt werden und benötigt dafür hohe Bewertungen an den Aktienmärkten.

Warum führen niedrige Zinsen zu steigenden Kursen an den Aktienmärkten?

Wir haben bereits mehrfach angesprochen, dass niedrige Zinsen in der Regel zu steigenden Kursen an den Börsen führen. Im Folgenden werden wir erklären, warum das so ist. Am besten kann man dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. So war der Dow Jones Index während der Finanzkrise innerhalb kurzer Zeit von rund 14.000 auf 6.500 Punkte gefallen. Zu dieser Zeit ging es auch dem Unternehmen bekanntermaßen nicht gut: Die Umsätze und Gewinne brachen ein, außerdem wurden viele Arbeitsstellen gestrichen. Auch die Staaten litten unter der großen Schuldenlast. Daher begannen die Notenbanken damit, die Leitzinsen massiv zu senken.

Dies hatte folgende Effekte: Aufgrund der niedrigen Zinsen wurde es zum Beispiel für viele Menschen immer erschwinglicher, eine Immobilie zu kaufen. Wie man sich vorstellen kann, bedeutete dies ein Konjunkturprogramm für die Bauwirtschaft: Aufgrund der vielen Aufträge mussten neue Mitarbeiter eingestellt werden. Somit sank die Arbeitslosigkeit und viele Menschen hatten auf einmal wieder mehr Geld in der Tasche. Dies gaben sie zum Beispiel auch für neue Autos oder neue Smartphones aus. Dadurch mussten auch diese Hersteller wieder mehr Mitarbeiter einstellen. Manche Verbraucher nutzten die niedrigen Zinsen auch, um Konsumgüter auf Kredit zu erwerben. Dies ist zwar für den einzelnen in der Regel nicht wirklich empfehlenswert, allerdings hilft es natürlich trotzdem der Wirtschaft.

Anlagen in Aktien werden zunehmend attraktiver

Viele Menschen werden allerdings ihr zusätzliches Einkommen nicht vollständig konsumieren, sondern es auch anlegen. Aufgrund der niedrigen Zinsen werden allerdings traditionelle „Sparbücher“ zunehmend unattraktiv. So herrscht in der Eurozone nach wie vor eine Nullzinspolitik vor, was dazu führt, dass man als Sparer kaum noch eine Rendite erwirtschaften kann. Durch die Inflation wird das Geld im Endeffekt sogar Jahr für Jahr weniger wert. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen dazu entscheiden, in Aktien zu investieren. Zwar ist dies risikoreicher, als zum Beispiel ein Festgeldkonto. Allerdings sind im Gegenzug auch die zu erwartenden Renditen um einiges höher. Somit steigt insgesamt die Nachfrage nach Aktien an, was zu steigenden Kursen führt.

Attraktivität von Staatsanleihen sinkt

Allerdings sind die niedrigen Zinsen nicht nur für den normalen „Sparer“ ein großes Problem. Denn auch institutionelle Anleger haben mit der Niedrigzinspolitik zu kämpfen. Zu nennen sind hier vor allem Banken und Versicherungen. Früher legten diese ihr Geld sehr gerne in Staatsanleihen an. So benötigen die meisten Staaten auf der Welt Geld, um ihren Haushalt auszugleichen oder um bestimmte Projekte zu finanzieren. Dieses Geld leiht sich ein Staat allerdings in der Regel nicht von einer Bank, vielmehr gibt er Staatsanleihen aus. Er erhält daher Kapital und verpflichtet sich im Gegenzug dazu, das Kapital zu verzinsen. Allerdings funktioniert dieses System durch die Niedrigzinspolitik nicht mehr. Mittlerweile kann es sogar vorkommen, dass Staatsanleihen einen negativen Zinssatz haben. Dafür, dass man dem Staat Geld leiht, muss man im Endeffekt sogar noch bezahlen. Aufgrund dieser Situation ist es zum Beispiel für Deutschland auch seit Jahren möglich, einen ausgeglichenen Haushalt mit der berühmten „Schwarzen Null“ zu präsentieren.

Aufgrund dieser Situation wird es zum Beispiel auch für Lebensversicherungen immer schwieriger, das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen. Daher werden Staatsanleihen zunehmend unattraktiv - dafür investieren auch institutionelle Anleger verstärkt in den Aktienmarkt. Wie man sich vorstellen kann, wird dadurch die Nachfrage nach Aktien noch weiter gesteigert und es kommt somit zu immer neuen Hochs an den Börsen.

Langfristiger Trend zeigt an den Börsen nach oben

Allerdings kann es an der Börse bekanntermaßen auch zu Korrekturen kommen. Jedoch zeigt der langfristige Trend nach oben. Dies gilt umso mehr, als dass die Aktienmärkte durch die Politik der Notenbanken gezielt oben gehalten werden. So konnte sich der Dow Jones Index seit der Finanzkrise massiv erholen. Zunächst wurde das alte Hoch bei rund 14.000 Punkten wieder erreicht. Danach war für die Bullen allerdings noch lange nicht Schluss. So wurde sodann die psychologisch wichtige Marke von 20.000 Punkten in Angriff genommen. Nachdem auch dieser Bereich „geknackt“ wurde, gelang es dem amerikanischen Index in diesem Jahr sogar, auf 27.000 Punkte anzusteigen. Man kann dabei beobachten, dass kleine Kursrücksetzer von vielen Anlegern immer wieder dazu genutzt werden, um in den Markt zu günstigeren Preisen einzusteigen. Dies führt dazu, dass die Kurse tendenziell noch weiter steigen.

Zinspolitik der Notenbanken hat auch ihre Schattenseiten

So gut die Politik der Notenbanken für die Aktienindices im Moment auch sein mag, so sollte man als Anleger auch Folgendes bedenken: Falls es erneut zu einer Finanzkrise kommt, so wird es in dieser Situation schwierig werden, die Wirtschaft mit niedrigen Zinsen zu unterstützen. Denn die Zinsen sind bereits niedrig, wodurch der Handlungsspielraum stark eingeschränkt ist. Noch schlimmer ist dies in der Eurozone: Da die Zinsen hier nach wie vor auf dem Nul- Niveau verharren, bleibt der Europäischen Zentralbank (EZB) bei einer erneuten Finanzkrise nur, negative Zinsen einzuführen.

Allerdings können die Aktienmärkte durchaus noch für einen längeren Zeitraum weiter ansteigen. So ist es schwierig, zu prognostizieren, wann es zu einer erneuten Finanzkrise kommen wird. Allerdings muss man davor, gerade als Trader, keine Angst haben. Denn bekanntermaßen kann man an der Börse sowohl Long, als auch Short gehen. Falls daher die Märkte stark fallen sollten, kann man von dieser Situation als Trader sogar profitieren. Häufig bieten sich gerade in Krisenzeiten sogar die besten Chancen für den Anleger.

Wer das Trading einmal selbst ausprobieren möchte, kann dazu zum Beispiel ein kostenloses Demokonto bei einem CFD Broker eröffnen. Bereits auf einem solchen Konto bekommt man in der Regel echte Kurse zur Verfügung gestellt. Allerdings handelt man dabei nicht mit echtem Geld, sondern mit virtuellem Kapital. Auf diese Weise kann man den Handel an der Börse ohne Risiko kennen lernen. Viele Broker bieten einem außerdem hilfreiche Schulungsangebote, um sich mit dem Trading vertraut zu machen. Um einen guten Anbieter zu finden, kann man beispielsweise auch unseren großen Broker Vergleich nutzen.

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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