Neue EZB Chefin Lagarde: Folgen für den Euro und den Sparer

04.07.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Nunmehr steht endlich fest, wer im Herbst die Nachfolge von Mario Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) antreten soll: Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. Wie man sich vorstellen kann, wird diese Personalentscheidung weitreichende Folgen für den Euro und speziell auch für das Währungspaar Euro / US Dollar haben. Welche dies genau sind und wie man als Trader darauf reagieren sollte, werden wir im Folgenden analysieren. Dabei werden wir auch darauf zu sprechen kommen, welche Auswirkungen die Währungspolitik des bisherigen EZB Präsidenten auf die Finanzmärkte hatte.

Was steckt eigentlich dahinter?

Diese Woche ging es Schlag auf Schlag: So haben sich die Regierungschefs der Europäischen Union nach sehr zähen Verhandlungen endlich auf Ursula von der Leyen als neue Chefin der EU Kommission verständigt. Es ist wenig überraschend, dass es gerade diese Meldung auf die Titelseiten der großen Zeitungen geschafft hat. Denn zum einen handelt es sich bei Frau von der Leyen um eine Deutsche und zum anderen ist die Position des Chefs bzw. der Chefin der EU Kommission an sich schon mit sehr viel Prestige verbunden.

Dennoch ist die Entscheidung um den Chefposten bei der EZB für den Anleger und Trader von weitaus größere Bedeutung. Denn als künftige Präsidentin der EZB wird Christine Lagarde maßgeblich über die Geldpolitik bestimmen. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei zum Beispiel die Höhe des Leitzinssatzes. Dieser beträgt seit dem Jahr 2016 nur noch 0 %. Die Strafzinsen, welche die Kreditinstitute dafür bezahlen müssen, um ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank „parken“ zu dürfen, liegen sogar bei -0,4 %.

Jede Erhöhung des Zinssatzes hätte dabei weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaft und für die Wechselkurse. Frau Lagarde stehen aber noch weitere Mittel zur Verfügung, um auf die einzelnen Staaten der Eurozone und auf die Finanzmärkte Einfluss zu nehmen.

 „Whatever it takes“ Rede des bisherigen EZB Präsidenten

440px-Mario_Draghi_World_Economic_Forum_2013_cropDie „Macht“ des EZB Präsidenten lässt sich sehr gut an der Art und Weise veranschaulichen, wie der bisherige Präsident Mario Draghi sein Amt in den letzten Jahren ausgeübt hat. Wichtig ist dabei vor allem das Jahr 2014. Damals bestand die Gefahr, dass die Eurozone als Folge der weltweiten Finanzkrise auseinanderbrechen würde. So spekulierten die Märkte bereits darauf, dass Staaten wie Italien, Portugal und Griechenland die Währungsgemeinschaft verlassen würden. Dies hätte mit großer Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass die Ära des Euro beendet gewesen wäre.

Genau um dieses Szenario zu verhindern, hielt Mario Draghi seine mittlerweile berühmte „whatever it takes“ Rede. Darin kündigte er an, dass die Europäische Zentralbank alles („whatever“) unternehmen werde, um die Gemeinschaftswährung zu retten. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Rettungsstrategie bestand dabei darin, Staatsanleihen in Billionenhöhe aufzukaufen. Die Märkte fassten diese Aussage dabei folgendermaßen auf:

Die EZB wird in Zukunft im großen Maße Staatsanleihen der Euro Staaten aufkaufen, um die Staatshaushalte dieser Länder zu stabilisieren. Vereinfacht ausgedrückt wurden durch diesen Schritt den Staaten der Eurozone Schulden in beachtlichem Umfang erlassen. Von der Wirkung her ist dies vergleichbar mit „Gelddrucken“: Es kommt somit zu einer Ausweitung der Geldmenge. Dies wiederum hatte eine Schwächung des Euro zur Folge.

EZB Präsident schickte Euro / US Dollar in den freien Fall

Im Folgenden werden wir uns ansehen, wie stark die Kurse nach dieser Rede tatsächlich gefallen sind. So stand das Währungspaar Euro / US Dollar (EUR / USD) zunächst noch bei rund 1,4000 Pips (die Einheit Pips nutzt man beim Devisenhandel anstelle von Punkten). Nach der Rede von Mario Draghi ist die europäische Gemeinschaftswährung jedoch in den darauffolgenden Jahren fast ohne jegliche Korrektur auf rund 1,0500 Pips gefallen.

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Chart des EUR/USD seit 2014 bis heute

Chart des EUR/USD seit 2014 bis heute

Wer daher damals die fundamentale Lage richtig eingeschätzt hat und aus diesem Grund einen Short Trade bei rund 1,4000 Pips eröffnet hat, konnte sich beim Kurs von rund 1,0500 Pips über einen satten Gewinn in Höhe von 3.500 Pips freuen. Jedes Pip hat dabei in der Regel einen Wert von 10 US Dollar. Somit entspricht ein Gewinn in Höhe von 3.500 Pips einem Betrag von 35.000 US Dollar. Hier zeigt sich einmal mehr, wie lukrativ der Handel mit Devisen sein kann. Außerdem zeigt dieses Beispiel - wie angekündigt - sehr schön, wie wichtig der EZB Präsident bzw. die EZB Präsidentin für die Finanzmärkte ist. Jeder Trader sollte sich daher immer regelmäßig über die aktuelle Politik der Notenbanken informieren. Denn Wissen ist in diesem Zusammenhang tatsächlich „Macht“ – denn es winken sehr große Kursgewinne.

Wird Christine Lagarde die Währungspolitik von Mario Draghi fortsetzen?

LagardeDie für den Trader alles entscheidende Frage lautet allerdings, ob Christine Lagarde die Politik ihres Amtsvorgängers fortsetzen wird. Relevant ist dabei vor allem der Punkt, ob weiterhin eine „lockere“ Geldpolitik verfolgt wird oder ob sich in Zukunft die Politik der EZB eher an Deutschland (Stichwort: schwarze Null) orientieren wird.

Wäre zum Beispiel der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, zum neuen EZB Präsidenten gewählt worden, so hätte die EZB in Zukunft wahrscheinlich viel „konservativer“ agiert. So hatte sich Deutschland während der Finanzkrise immer dafür eingesetzt, möglichst „hart“ gegen Länder wie Griechenland, Portugal und Italien vorzugehen. Mario Draghi – selbst Italiener… – favorisierte dabei eine genau gegenteilige Strategie. Auch Christine Lagarde hat sich in solchen Situationen meist hinter Mario Draghi und damit im Endeffekt gegen Deutschland gestellt. Es ist daher nicht erstaunlich, dass man den Deutschen den Chefposten der Europäischen Kommission sehr gerne überlässt, wenn dafür im Gegenzug die Politik der EZB nicht geändert wird.

 

Schlechte Nachrichten für den deutschen „Kleinsparer“

Die schlechte Nachricht für den deutschen „Kleinsparer“ lautet daher, dass Frau Lagarde mit großer Wahrscheinlichkeit die Politik von Mario Draghi fortsetzen wird: Man muss sich daher auf weiterhin sehr niedrige Zinsen einstellen. Auch das (mittlerweile ausgelaufene) Anleihenkaufprogramm kann bei Bedarf bzw. im Notfall wieder aufgenommen werden. Dies hatte auch Mario Draghi erst kürzlich wieder bestätigt. Ein solcher Notfall könnte dabei durch eine erneute Finanzkrise eintreten. Wie real dieses Risiko tatsächlich ist, zeigt sich zum Beispiel an der schwachen Wirtschaft Italiens. Aber auch in den übrigen Ländern der Eurozone schwächt sich die Konjunktur mittlerweile merklich ab. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass der Handelskonflikt mit den USA nach wie vor nicht gelöst ist.

Wie man sieht, könnte sich die EZB daher früher, als mancher denkt, wieder dazu genötigt sehen, Maßnahmen zu ergreifen, um die kriselnden Staaten der Eurozone zu stützen.

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Deutschland spart dank Niedrigzinsen 368 Mrd. Euro

Vermutliche Kursentwicklung des EUR / USD

Viele fragen Sie bestimmt an dieser Stelle, was all das Gesagte nun eigentlich für den Kurs des EUR / USD bedeutet. Da zukünftig weiterhin von einem schwächeren Euro auszugehen ist, könnte auch das Währungspaar Euro / US Dollar bärisch sein. Winkt nun daher tatsächlich die schon vielfach angekündigte „Parität“: Für einen Euro erhält man einen US Dollar.

Diese Frage könnte man ohne weiteres bejahen, wenn man die andere Seite des Währungspaares – nämlich den US Dollar - komplett ausblenden würde. Dies werden wir aber natürlich nicht tun, vielmehr beschäftigen wir uns nun mit der Situation über dem großen Teich: So hatte die amerikanische Zentralbank Fed (Federal Reserve) bereits vor einiger Zeit damit begonnen, die Leitzinsen wieder anzuheben. Dies hat zu einer Stärkung des US Dollar geführt. Sind daher in Zukunft weitere Zins Anhebungen auf amerikanischer Seite zu erwarten.

Die Antwort lautet eindeutig „nein“. Dies liegt vor allem am amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dieser wird nicht müde, zu betonen, wie schädlich die „hohen“ Zinssätze für die amerikanische Wirtschaft seien. Manch einer könnte an dieser Stelle allerdings einwerfen, dass es sich auch bei der Fed um eine unabhängige Zentralbank mit eigener Entscheidungskompetenz handelt. Allerdings hat Donald Trump bereits des Öfteren bewiesen, dass er sich um bisherige Gepflogenheiten wenig bis gar nicht kümmert. Als Trader sollte man daher davon ausgehen, dass die Fed ihm früher oder später nachgeben wird und daher in Zukunft die Zinsen eher wieder sinken werden. Dies wiederum wird einen schwächeren US Dollar zur Folge haben.

Ein mögliches Szenario besteht daher darin, dass sich die EZB und die Fed zukünftig wieder sehr ähnlich verhalten werden. Beide Seiten schwächen daher ihre Währung, was im Endeffekt dazu führt, dass der Wert des EUR / USD ungefähr konstant bleiben wird. Wobei dies natürlich nicht bedeutet, dass das Währungspaar sich zum Beispiel in einer gewissen Range von 1,1000 Pips bis 1,2000 Pips bewegen kann. Als Trader kann man daher auch in Zukunft mit ausgeprägten Kursbewegungen beim Euro / US Dollar rechnen.

Kurzfrist-Handel ist zu bevorzugen

Allerdings würden wir derzeit eher den kurzfristigen Handel bevorzugen. Denn es liegt im Moment keine Situation wie 2014 vor, wo durch ein bestimmtes Ereignis (whatever it takes Rede) ein großer Abwärtstrend in Gang gesetzt wurde. Es macht daher wenig Sinn, eine Position mit dem Ziel zu eröffnen, sie über mehrere Monate oder gar Jahre hinweg laufen zu lassen.

Vielmehr besteht aus fundamentaler Sicht aktuell ein gewisser Patt zwischen der EZB und der Fed. Wie gezeigt, wird sich dies aller Voraussicht nach auch unter der neuen EZB Präsidentin Christine Lagarde fortsetzen.

Daher sollte man sich als Trader vor allem auf die Chartanalyse konzentrieren. Diese spielt erfahrungsgemäß auf den kleineren Zeiteinheiten eine größere Rolle als die fundamentale Analyse. Wer den Handel mit Währungen dabei einmal selbst ausprobieren möchte, kann dazu auch ein kostenloses Demokonto bei einem Forex oder CFD Broker eröffnen. Dort handelt man mit virtuellem Kapital und kann daher das Trading mit dem EUR / USD ohne Risiko kennen lernen. Um den richtigen Broker zu finden, kann man beispielsweise auch unseren Brokerdeal Vergleich nutzen.

 

 

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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