Ist der Bitcoin Schuld am Bankensterben? Deutsche Bank entlässt fast 20.000 Mitarbeiter

12.07.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Nachdem die Deutsche Bank angekündigt hat, knapp 20.000 Stellen abzubauen, fragen sich viele, wie es um den Bankensektor in Deutschland generell bestellt ist. Denn immerhin handelt es sich bei der Bank nach wie vor um das größte Kreditinstitut in Deutschland. Doch spätestens seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 befindet sich die gesamte Branche im Umbruch. So galt Deutschland beispielsweise schon immer als „overbanked“: Im Vergleich zur Anzahl der Kunden existieren zu viele Banken und Filialen. Dazu kommt, dass man jahrelang wichtige Entwicklungen verschlafen hat. Außerdem schicken sich nunmehr die Kryptowährungen an, den Banken weitere Geschäftsfelder streitig zu machen.

Was ist bloß mit der Deutschen Bank passiert?

Viele Anleger reiben sich wahrscheinlich im Moment verdutzt die Augen, wenn sie sich die Wertentwicklung ihrer Deutsche Bank Aktien ansehen. Dies gilt umso mehr, wenn man zum Beispiel im Jahr 2000 die Aktien des building-50084_640Unternehmens zum Preis von rund 80 € gekauft hatte. Kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2007 notierten die Papiere der Deutschen Bank sogar bei über 90 €. Bereits seit geraumer Zeit lassen sich allerdings bei der Aktie nur noch fallende Kurse beobachten, weshalb es auch konsequent ist, dass die Papiere der Bank mittlerweile nur noch rund 6 € Wert sind.

Eine solche Kursentwicklung schreit förmlich danach, analysiert zu werden. Dies gilt umso mehr, als vor einigen Jahren noch folgende Devise galt: Wer auf der Suche nach einem soliden und sicheren Job war, dem wurde nicht selten zu einer Banklehre geraten. Heute hat sich die Situation allerdings fundamental geändert. Daher werden wir im Folgenden die Gründe für den Abstieg der Deutschen Bank genauer betrachten.

 

Investmentbanking und Regulierung

So hatte man bei der Deutschen Bank die Vision, zu den ganz großen „Playern“ der Branche zählen zu wollen. Dies sollte vor allem mit einer Konzentration auf das Investmentbanking erreicht werden. Zunächst schien dieser Plan auch aufzugehen und bis zum Jahr 2007 konnte die Bank in diesem Geschäftsbereich tatsächlich sehr viel Geld verdienen. Für einen kurzen Zeitraum war es der Deutschen Bank sogar gelungen, zur weltweit größten Investmentbank aufzusteigen. Die damaligen Aktienkurse von über 90 € erwiesen sich daher als durchaus gerechtfertigt.

Dann kam jedoch die Finanzkrise, welche den Höhenflug der Deutschen Bank äußerst unsanft beendete. So führte die Finanzkrise dazu, dass in der deutschen und europäischen Politik ein Umdenken stattfand. In Zukunft sollten solche Krisen verhindert werden, was vor allem mit einer stärkeren Regulierung der Kreditinstitute erreicht werden sollte. Insgesamt hat dies dazu geführt, dass Banken in Europa mit dem Investmentbanking heute fast überhaupt kein Geld mehr verdienen können. In den USA hingegen ging man einen völlig anderen Weg: Hier hatte die Politik erkannt, dass es wenig sinnvoll ist, die eigene Bankenlandschaft „kaputt zu regulieren“. Vielmehr wurden die Regulierungen gelockert, weshalb amerikanische Großbanken wie JPMorgan Chase, Wells Fargo und Bank of America bereits seit Jahren wieder prächtig verdienen.

Allein aufgrund der politischen Rahmenbedingungen ist die Deutsche Bank daher gezwungen, ihr Investmentbanking massiv zu verkleinern.

Bedrohen niedrige Zinsen das Geschäftsmodell der Deutschen Bank?

Eine weitere Folge der Finanzkrise war es, dass die Leitzinsen durch die Notenbanken massiv gesenkt wurden, um damit der Wirtschaft in den kriselnden Staaten zu helfen. Allerdings bedeuten niedrige Zinsen auch, dass Banken beim Verleihen von Kapital nur noch wenig Geld verdienen können. So beträgt zum Beispiel der Leitzins in der Eurozone nach wie vor 0 %. Wenn eine Bank Geld bei der Europäischen Zentralbank lagern möchte, so werden dafür sogar Strafzinsen in Höhe von -0,4 % fällig.

Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2019 (Stand: Mai 2019)

Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2019 (Stand: Mai 2019)

Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass sich die Politik der Notenbanken in Zukunft verändern wird. Vielmehr kühlt sich die Konjunktur in vielen Staaten bereits merklich ab, weshalb es bald wieder erforderlich sein dürfte, die Wirtschaft mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen zu stützen. Wie man sieht, fällt es daher der Deutschen Bank auch in ihrem „klassischen“ Geschäftsbereich zunehmend schwer, Gewinne zu erwirtschaften.

 

Weitere hausgemachte Probleme verschlimmern die Situation zusätzlich

Als ob diese Herausforderungen noch nicht groß genug wären, kommen bei der Deutschen Bank außerdem einige hausgemachte Probleme hinzu. So kann man dem Unternehmen zweifellos eine gewisse Arroganz unterstellen: Man erinnere sich nur an die Phase, in der man sich auf das Investmentbanking sowie die „reichen“ Kunden konzentrieren wollte. Die übrigen Kunden wurden hingegen an die Direktbank Deutsche Bank 24 „outgesourced“. Zwar wurde dieser Schritt nach einiger Zeit wieder rückgängig gemacht, jedoch merkt man sich als Kunde natürlich, welche „Wertschätzung“ man innerhalb der Bank genießt.

Außerdem hat das Image der Deutschen Bank in der Vergangenheit auch durch ihre Vorstandsvorsitzenden gelitten: So erinnern sich bestimmt viele Menschen noch an Josef Ackermann, welcher mit dem „Victory“ Zeichen vor den Kameras posiert hatte. Außerdem ist es unvergessen, wie er des Öfteren über „Peanuts“ sinnierte, was auf viele Menschen sehr arrogant wirkte. Allerdings muss man ihm zugestehen, dass ihm rechtzeitig der Absprung gelungen ist und er sich daher äußerst elegant aus der Affäre ziehen konnte.

Ist Deutschland wirklich „overbanked“?

Wie bereits angesprochen, gab es in Deutschland ohnehin schon immer zu viele Banken und Filialen. Dieses Problem betrifft beinahe alle Kreditinstitute in Deutschland, im besonderen Maße aber die Deutsche Bank. Über viele Jahre hinweg hat man es versäumt, diese Überkapazitäten abzubauen. Daher ist es auch vielen Direktbanken mittlerweile gelungen, an den „traditionellen“ Kreditinstituten vorbeizuziehen. Denn diese müssen kein teures Filialnetz unterhalten und können somit ihre Dienstleistungen viel günstiger anbieten.

Doch selbst mit so vielen Filialen sieht es in Bezug auf die Servicequalität der Banken häufig schlecht aus: Man denke nur daran, dass viele Banken nach wie vor Mittwochnachmittag geschlossen haben. Außerdem kommt es nur selten vor, dass ein Kreditinstitut zum Beispiel auch abends oder am Samstag geöffnet hat. Dies wären aber genau die Zeiten, in denen viele Kunden die Möglichkeit hätten, ihren Bankberater aufzusuchen.

Generell lässt sich daher beobachten, dass sich die meisten Banken über viele Jahre hinweg auf ihrem Geschäftsmodell ausgeruht haben. Sie sind dabei wahrscheinlich davon ausgegangen, dass man mit dem Verleihen von Kapital stets Geld verdienen wird. Wie gezeigt, hat sich dies allerdings als fataler Irrglaube herausgestellt.

Kryptowährungen können zunehmend Aufgaben der Banken übernehmen

Jedoch wird es für die Banken in Zukunft aller Voraussicht nach noch schlimmer kommen: Das hat vor allem mit Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum zu tun. Diese basieren auf der sogenannten Blockchain-Technologie: bitcoin-2730220_640Die einzelnen Informationen bzw. Transaktionen werden in miteinander verbundenen Blöcken abgespeichert. Die Besonderheit besteht darin, dass die Blöcke im Nachhinein nicht verändert werden können. Daher eignet sich die Blockchain auch sehr gut als Grundlage für digitale Währungen.

Allerdings bieten fortgeschrittene Blockchains (zum Beispiel bei Ethereum) noch viel mehr: So ist es möglich, die Ethereum Blockchain zu „programmieren“. Auf diese Weise kann man etwa intelligente Aktien auf Basis der Blockchain erstellen. Diese können dann zum Beispiel selbstständig Dividenden an ihren Inhaber ausschütten. Die Bank ist daher für diese Aufgabe nicht mehr erforderlich. Auch gibt es bereits Kryptowährungen, welche Kredite auf Basis der Blockchain Technologie vergeben.

Schon aus diesen beiden Beispielen wird deutlich, wie stark die Kryptowährungen die Bankenlandschaft in Zukunft verändern werden. Beschleunigen könnte sich dieser Trend durch die angekündigte Kryptowährung von Facebook. Denn das Unternehmen verfügt über knapp 2,4 Milliarden aktive Nutzer. Es ist davon auszugehen, dass viele Menschen – allein schon aus Bequemlichkeit – die neuen Zahlungsdienste von Facebook nutzen werden. Vielleicht wird man daher in einigen Jahren überhaupt kein Girokonto mehr für die Abwicklung von Zahlungen benötigen.

Hat die Deutsche Bank wirklich den Ernst der Lage erkannt ?

blockchain-3019120_640Für die Banken sind dies alles sehr beunruhigende Nachrichten. Jedenfalls scheint die Deutsche Bank mittlerweile den Ernst der Lage erkannt zu haben. So sollen durch die angekündigten Stellenstreichungen vor allem Kosten eingespart werden. Allerdings erscheint es fraglich, ob dieser Schritt nicht zu spät stattfindet. Denn andere europäische Großbanken wie zum Beispiel die französische PNB Paribas haben diese Maßnahmen bereits vor längerer Zeit eingeleitet. Außerdem fokussieren sich diese Banken schon seit Längerem auf das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Unternehmen.

Das „neue“ Konzept der Deutschen Bank ist somit alles andere als neu. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich daher zeigen, ob die Bank langfristig am Markt überleben kann. Jedenfalls würden wir davon abraten, in die Aktien des Unternehmens zu investieren. Zwar sind die Bewertungen aktuell sehr niedrig, jedoch ist es höchst ungewiss, auf welche Weise die Bank in Zukunft (nachhaltig) Geld verdienen wird. Deshalb ist es durchaus möglich, dass die Kurse der Deutschen Bank noch weiter fallen werden.

Um das Risiko besser zu streuen, ist es unserer Erfahrung nach ohnehin besser, in Aktienindices wie den DAX oder den Dow-Jones-Index zu investieren. Dies gelingt am einfachsten durch den Handel mit CFD bei einem Broker. Wer bislang noch nicht den passenden CFD Broker gefunden hat, kann dazu auch unseren großen Broker Vergleich nutzen. So ist es heute bei den meisten Anbietern möglich, bereits mit 100 € ein Konto zu eröffnen. Wer möchte, kann das Trading jedoch zunächst auch auf einem kostenlosen Demokonto trainieren. Häufig steht hierfür ein virtuelles Guthaben in Höhe von 10.000 € zur Verfügung, um das Trading mit CFD kennenzulernen. Bereits während der Demophase bekommt man dabei in der Regel Echtzeitkurse zur Verfügung gestellt, um den Handel mit CFD unter möglichst realistischen Bedingungen testen zu können.

 

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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