Fed Zinssenkung: Wann kommt das Helikopter-Geld?

03.10.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Im September wurden in den USA die Leitzinsen gesenkt. Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist dies sehr erstaunlich: Zum einen betrug der Leitzinssatz bereits vor der Absenkung nur 2 %. Zum anderen geht es der US Wirtschaft nach wie vor recht gut. Wenn es aber tatsächlich zu einer neuen Wirtschafts- und Finanzkrise kommen sollte, fragt man sich, welche Maßnahmen die Zentralbanken in diesem Fall noch ergreifen können. Denn die Zinsen sind bereits jetzt sehr niedrig. Wird daher das schon öfters angesprochene Helikopter Geld zum Einsatz kommen? Im Folgenden werden wir dieser Frage nachgehen und auch auf mögliche Konsequenzen für den Anleger und den Trader zu sprechen kommen.

Welchen Einfluss haben die Zentralbanken auf die Wirtschaft eines Landes?

Wie man sich vorstellen kann, haben die Zentralbanken einen großen Einfluss auf die Wirtschaft ihres Landes. So sind sie die einzigen, welche Geld „drucken“ und die Leitzinsen festsetzen können. Das oberste Ziel ist es dabei, für Preisstabilität zu sorgen. Vor der Einführung des Euro war zum Beispiel die Deutsche Bundesbank berühmt dafür, dass sie von der Politik weitgehend unabhängig agierte und es ihr fast ausschließlich darauf ankam, Inflation zu verhindern. Dies ist nach den Erfahrungen der Weimarer Republik auch nachvollziehbar: Denn zu dieser Zeit kam es zu einer Hyperinflation, welche bekanntermaßen katastrophale Konsequenzen nach sich zog. Durch die Enteignung der breiten Bevölkerung aufgrund der Geldentwertung kam es im Endeffekt auch zu einer immer stärkeren Radikalisierung. Zu einer solchen Situation sollte es in Deutschland niemals wieder kommen. Neben der starken Wirtschaft Deutschlands war die Politik der Deutschen Bundesbank maßgeblich dafür verantwortlich, dass die D-Mark zu einer der weltweit stärksten Währungen wurde.

Nach der Einführung des Euro ist allerdings nicht mehr die Deutsche Bundesbank, sondern die Europäische Zentralbank (EZB) für die Währungspolitik der Eurozone verantwortlich. Auch diese soll eigentlich primär die Preisstabilität gewährleisten. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es ihr mindestens genauso wichtig ist, die Staaten der Eurozone und deren Wirtschaft durch geldpolitische Maßnahmen zu unterstützen. Sie gleicht sich damit der amerikanischen Notenbank Fed (Federal Reserve) an. Denn diese verfolgt die beiden folgenden Ziele: Zum einen Preisstabilität und zum anderen Vollbeschäftigung.

 Die Rolle des Leitzinssatzes

Im Wesentlichen können die Zentralbanken durch die Festsetzung des Leitzinssatzes auf die Wirtschaft Einfluss nehmen. Je niedriger die Zinsen sind, desto günstiger ist es für Unternehmen, sich zu verschulden. Daher fällt es ihnen auch leichter, Investitionen zu tätigen. Außerdem wird auch die Bevölkerung animiert, sich durch günstigere Kredite stärker zu verschulden. Allerdings konnte man gerade bei den Unternehmen beobachten, dass diese in den vergangenen Jahren nur relativ wenig investiert haben. So herrscht bei ihnen nach wie vor eine große Unsicherheit, was die zukünftige Entwicklung anbelangt. Daher wurde zum Beispiel ein großer Teil des „billigen Geldes“ dafür genutzt, eigene Aktien zurückzukaufen. Auch dies hat zu steigenden Kursen an den Aktienmärkten beigetragen. Auf diese Weise lassen sich ebenfalls die Hochs beim DAX, beim Dow Jones Index und beim Nasdaq 100 Index erklären. Zudem führten die billigen Hypothekendarlehen zu einem massiven Bauboom und einer sich immer weiter aufblähenden Immobilienblase.

Negativzinsen stehen vor der Tür

Allerdings wäre es vielmehr erforderlich, dass das Geld tatsächlich auch in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Ideal wäre es zum Beispiel, wenn die Bevölkerung mehr konsumieren würde, um dadurch die Wirtschaft anzukurbeln. Eine Möglichkeit, um dieses Ziel zu erreichen, bestünde darin, die Zinsen noch weiter abzusenken. Denn auf diese Weise wird das „Sparen“ für die breite Bevölkerung immer unattraktiver. Man wird daher praktisch dazu „gezwungen“, sein Geld auszugeben (bzw. auf andere Art und Weise anzulegen, zum Beispiel in Aktien).

Wie bereits angesprochen, steht der Leitzinssatz in den USA nach der vorgenommenen Zinssenkung nur noch bei 1,75 %. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen ist daher stark begrenzt. Noch schlimmer stellt sich die Lage in der Eurozone dar. Denn hier verharren die Leitzinsen bereits seit einigen Jahren bei 0 %. Hier kann daher die Devise nur lauten: Es müssen flächendeckend Negativzinsen eingeführt werden. Denn wer befürchten muss, dass sein Geld aufgrund eines negativen Zinssatzes auf dem Konto immer weiter an Wert verliert, wird es im Zweifel lieber abheben. Negative Zinsen werden daher wahrscheinlich recht effektiv sein, wenn es darum geht, die Bevölkerung zum Konsum zu animieren.

Geldpolitische Maßnahmen der Zentralbanken: Was versteht man unter Quantitative Easing?

Gerade während und nach der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 waren die Zentralbanken massiv gefordert. So kam es während dieser Zeit auch zum sogenannten Quantitative Easing (QE). Denn alleine über den Zinssatz war es nicht mehr möglich, die Wirtschaft zu stabilisieren. Was es mit dem QE auf sich hat, werden wir im Folgenden klären. So übersetzt man diesem Begriff auf Deutsch in der Regel mit „Quantitative Lockerung“. Damit bezeichnet man die unkonventionelle Ausweitung der Geldmenge. So kauft eine Zentralbank beim Quantitative Easing private oder öffentliche Wertpapiere von den Geschäftsbanken (zum Beispiel Staatsanleihen). Mit dieser Maßnahme erhöht sich die Geldbasis. Insgesamt hat alleine die EZB im Rahmen des QE Staatsanleihen im Billionenbereich aufgekauft. Dadurch konnte eine Senkung der langfristigen Zinsen am Anleihemarkt erreicht werden. Außerdem erhielt das Bankensystem auf diese Weise Liquidität.

Wann kommt das Helikopter Geld?

Begonnen mit dem QE hatten allerdings nicht die Europäer, sondern die USA. Auch bei einer erneuten Finanzkrise ist damit zu rechnen, dass die Anleihekaufprogramme von den Zentralbanken wieder aufgenommen werden. Allerdings ist fraglich, ob diese geldpolitische Maßnahme ausreichen wird. Denn bereits das bisherige QE hat nicht wirklich dazu geführt, dass die Unternehmen im großen Maße investieren. Wie gezeigt, wurde das günstige Kapital größtenteils anderweitig verwendet (zum Beispiel für Aktienrückkaufprogramme).

Wie kann man aber sicherstellen, dass das Geld wirklich bei der Bevölkerung ankommt? Ein Schritt in diese Richtung sind die bereits angesprochenen negativen Zinsen. Allerdings wird seit einigen Jahren eine noch effektivere Möglichkeit diskutiert: Das sogenannte Helikopter Geld. Darunter versteht man Maßnahmen, um das Geld der Zentralbanken direkt an die Bevölkerung zu verteilen. Bildlich gesprochen fliegen daher Helikopter mit Geldsäcken über das Land. So könnte die Politik bei einer neuen Finanzkrise beispielsweise beschließen, an jeden Bürger 10.000 € zu verteilen. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil dieses Geldes in Konsumgüter investiert werden wird. Dadurch erhalten die Unternehmen mehr Aufträge und müssen zum Beispiel auch wieder neue Stellen schaffen. All dies hilft dabei, die Wirtschaft zu stabilisieren.

Auswirkungen des Helikopter Gelds auf die Finanzmärkte

Allerdings haben solche extreme geldpolitischen Maßnahmen aller Voraussicht nach auch gravierende Nachteile. So führt eine Ausweitung der Geldmenge generell auch zu einem Anstieg der Inflation. Je mehr Geld dabei in das System gepumpt wird, je größer wird auch die Gefahr der Geldentwertung. So ist fraglich, ob in diesem Fall die angestrebte Inflationsrate der EZB von rund 2 % gehalten werden kann. Man sollte sich allerdings auch nicht wundern, wenn die tatsächliche Inflationsrate auf einmal bei 5 oder 10 % liegt. Gerade in Deutschland wird dies wahrscheinlich düstere Erinnerungen an die Weimarer Republik hervorrufen (siehe oben).

Um sich davor zu schützen, werden einem im Endeffekt nur Anlagen in Immobilien und in Aktien bleiben. Ohnehin ist damit zu rechnen, dass ein Teil des Helikopter Geldes auch an die Aktienmärkte fließen wird. Dies gilt umso mehr, als dass die Menschen im Falle von negativen Zinsen vermehrt in Aktien investieren werden. Insgesamt muss man daher als Anleger und Trader aller Voraussicht nach keine allzu großen Sorgen vor einer erneuten Finanzkrise haben. Denn die Politik und insbesondere die Zentralbanken werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Märkte mit noch mehr billigem Geld fluten. Im Endeffekt wird dies zu steigenden Kursen an den Börsen führen.

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Wer bisher noch nicht mit dem DAX oder mit Währungspaaren wie dem Euro / US Dollar (EUR / USD) gehandelt hat, kann dies auf einem kostenlosen Demokonto bei einem CFD Broker ausprobieren. Überhaupt ist ein Demokonto sehr gut dafür geeignet, um sich an die Kursbewegungen der Märkte zu gewöhnen. Denn auf diesem Konto handelt man nicht mit echtem Geld, sondern mit virtuellem Kapital. Häufig stellen einem die Broker zum Beispiel 10.000 € zur Verfügung, um das Trading ohne Risiko kennen zu lernen. Wie gesagt, sollte man als Trader keine Angst vor einer neuen Finanzkrise haben. Denn häufig lassen sich gerade dann, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, besonders gute Trades finden. Denn bekanntermaßen kann man an der Börse nicht nur Geld verdienen, wenn es nach oben geht, sondern auch, wenn die Kurse stark fallen.

Um einen guten Broker für den CFD Handel zu finden, kann man zum Beispiel auch unseren großen Broker Vergleich nutzen. Als Trader sollte man dabei vor allem darauf achten, dass einem der Anbieter gute Handelskonditionen zur Verfügung stellen kann. Dazu zählen zum Beispiel niedrige Spreads und die Möglichkeit, ohne Gebühren Einzahlungen und Auszahlungen vornehmen zu können. Außerdem sollte man darauf achten, dass man von dem Broker eine gute Handelssoftware erhält. Dabei ist es hilfreich, wenn man durch ein gutes Schulungsangebot beim Erlernen des Tradings unterstützt wird. Besonders gut gelingt dies unserer Erfahrungen nach mit Hilfe von Videos und Webinaren. Außerdem sollte man darauf achten, dass man den Kundensupport des Brokers möglichst gut erreichen kann. Wie gesagt, ist es empfehlenswert, den Anbieter zunächst im Rahmen eines kostenlosen Demokontos ausgiebig zu testen. Dafür steht einem in der Regel ein Zeitraum von 30 Tagen zur Verfügung.

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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