Drawdown: Über die Nachwehen großer Verluste

02.11.2017 - 4 Minuten Lesezeit

Der maximale Drawdown zählt zu den wichtigsten Kennzahlen für Handelsstrategien. Doch was genau sagt der Wert aus? Und welcher maximale DD ist noch normal oder schon besorgniserregend? Wir haben die wichtigsten Überlegungen zum Drawdown zusammengefasst.

Definition: Was ist der maximale Drawdown?

Der maximale Drawdown bezieht sich auf einen bestimmten Beobachtungszeitraum und gibt hier an, wie groß der höchste Kursverlust gemessen vom Ertragshoch des Betrachtungszeitraumes ausgefallen ist.

Ein Beispiel:

Ein Depot startet bei 100.000 EUR und steigt zwischenzeitlich auf 120.000 EUR. Danach kommt es zu einem Rückgang des Depotwertes auf 60.000 EUR. Der maximale Drawdown errechnet sich als 60.000/120.000 = 50 %.


Warum ist der maximale Drawdown so wichtig?

Der maximale DD ist eine von mehreren Risikokennzahlen, mit denen Handelsstrategien bewertet werden. Der DD gibt das bisherige Höchstschadensmaß an und gilt deshalb als Indikator dafür, was ein Anleger im Worst Case fürchten muss.

Eine Obergrenze für Verluste stellt der DD natürlich nicht dar: Es handelt sich wie bei allen Kennzahlen um eine vergangenheitsbezogene Betrachtung.

Das Höchstschadensmaß ist wichtig, weil es ein Indikator für die Regenerationsfähigkeit eines Depots nach Verlusten ist. Für die meisten Anlageklassen- und Zeiträume gilt rückblickend betrachtet, dass nur zu große maximale Kursverluste uneinholbar sind.

Die Abbildung unten verdeutlicht den Zusammenhang zwischen erlittenem Verlust und dem Gewinn, der anschließend notwendig ist, um die Ausgangssituation wiederherzustellen. Der notwendige prozentuale Gewinn fällt stets höher aus als der erlittene Verlust.

Je größer der Verlust, desto schwieriger und langwieriger ist der Versuch, jemals wieder die Gewinnzone zu erreichen.

Drawdown

Verliert ein Aktienportfolio 10 %, lässt sich das problemlos aussitzen: Ein Kursgewinn von 11,1 % ist für den Aktienmarkt jederzeit realistisch. Bei einem Verlust von 30 % wird bereits eine gestandene Hausse benötigt, bei 50 % Verlust nichts geringeres als eine Kursverdopplung.

Übersteigen die Verluste 50 %, sind sie womöglich über Jahrzehnte nicht mehr aufzuholen; um 80 % Verlust zu kompensieren, ist eine Aufholjagd im Ausmaß von 400 % notwendig.


Feldversuch: Der Drawdown als Auswahlkriterium bei Ayondo

Der maximale Drawdown ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Dennoch führt der Weg zum Erfolg nicht zwingend über eine allzu einseitige Minimierung dieser Kennzahl. Ein niedriger Drawdown kann etwa auch bedeuten, dass Positionen sehr früh nach dem Eintreten in die Verlustzone geschlossen werden und dass zugleich jede einzelne Position vergleichsweise klein ist. Je mehr Risiken ausgeschlossen werden, desto stärker verringern sich allerdings in der Regel auch die Gewinnpotenziale.


Wie viel Rendite kostet 5 % weniger Drawdown?

Wir haben uns gefragt: Gibt es einen Wertebereich des maximalen Drawdown, in dem eine weitere Verringerung sich besonders negativ auf die Ertragsperspektiven auswirkt? In diesem Fall wäre jeder Prozentpunkt, um den der Drawdown verringert wird, teuer, weil wenig „weniger Risiko“ gegen viel „weniger Chance“ getauscht wird. Gibt es andererseits einen Wertebereich des Drawdown, bei dem sich viel „weniger Risiko“ gegen wenig „weniger Chance“ tauschen lässt?

Eine mögliche Quelle für Antworten (die nicht den Rahmen dieses Beitrags sprengt) sind die Statistiken von Tradern auf Social Trading Portalen wie Ayondo. Ayondo ermöglicht das Filtern von Tradern anhand diverser Kennzahlen, darunter Performance und Drawdown. Wir möchten nun ermitteln, wie sich der Zusammenhang zwischen diesen beiden Kennzahlen gestaltet. Es sei vorangestellt, dass die nachfolgenden Ausführungen lediglich Gedankenspiele anhand von Fallbeispielen darstellen und keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen möchten.

Wie gehen wir vor? Wir lassen uns von dem Filtertool bei Ayondo für verschiedene max. DD-Werte die Top-10-Trader sortiert nach Gesamtperformance anzeigen. Wir ermitteln für jeden DD-Höchstwert die in den Top-10 durchschnittlich erzielte Rendite. Wir beginnen mit einem maximalen Drawdown von 50 %. Hier werden uns 101 Profile angezeigt.

Screenshot: Trader-Profile bei ayondo

Screenshot: Trader-Profile bei ayondo

Quelle: www.ayondo.de

Dabei berücksichtigen wir nur Echtgeld-Trader, die mindestens die dritte von insgesamt fünf Karrierestufen erreicht haben. Sowohl die Rendite als auch der maximale Drawdown beziehen sich auf den gesamten Zeitraum, in dem ein Profil gehandelt wurde. Es ergeben sich folgende gerundete Werte:

Maximum DrawdownDurchschnittliche Rendite der Top 10
50 %92,84 %
25 %92,84 %
20 %53,52 %
15 %42,36 %
10 %30,02 %
5 %7,22 %
4 %5,39 %

Wir hätten gerne Werte für DDmax von 3 %, 2 % und 1 % ermittelt. Dieses Kriterium erfüllten aber jeweils weniger als zehn Trader, weshalb wir darauf verzichtet haben. Was sagen diese Werte aus?

Ist der DD sehr hoch, kostet eine Verringerung zumindest in diesem punktuellen Feldversuch nichts. Die Herabsetzung der Obergrenze von 50 % auf 25 % hat fast keine Änderungen in der Zusammensetzung des Portfolios erzeugt. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus: Sehr gute Trader weisen selten sehr hohe Drawdowns auf.

Bei der Herabsetzung der Obergrenze von 20 % auf 15 % fällt der Verlust in Performancepunkten absolut in etwa so hoch aus wie bei der Herabsetzung von 15 % auf 10 %. Eine durchschnittliche Rendite von 30,02 % bei einem maximalen Drawdown von 10 % dürfte auf die meisten Investoren attraktiver wirken als eine Durchschnittsrendite von 53,52 % bei 20 % max. DD.

Wird der max. Drawdown auf Werte unterhalb von 10 % gesenkt, sind die Kosten in Form von verringerten Renditen hoch. Der Rückgang der Rendite von DDmax=10 bis DDmax=5 fällt in Prozentpunkten genauso groß aus wie der Rückgang von DDmax=20 auf DDmax=10.

Auch für die Suche nach dem optimalen DD-Wert gilt das Gesetz des abnehmenden Nutzens bzw. Grenzertrags. Wer ein sehr hohes Risiko auf sich nimmt, muss auf wenig Rendite verzichten, um das Risiko zu reduzieren. Ist das Risiko bereits stark reduziert, führt jede weitere Verringerung zu hohen Kosten in Form verringerter Renditen.


Fazit

Der maximale Drawdown gibt das Höchstschadensrisiko an, das mit einer Strategie gemessen an ihrer Historie einhergeht. Ein zu hoher DD ist über sehr lange Zeiträume immer unwahrscheinlicher aufzuholen und sollte deshalb vermieden werden. Die Verringerung des DD geht mit einem Rückgang der zu erwartenden Rendite einher. Wie unsere kleine Feldstudie mit den Profilen bei ayondo gezeigt hat, verläuft dieser Rückgang jedoch nicht linear. DD-Werte oberhalb von 25 % erscheinen nicht durch entsprechend höhere Chancen gerechtfertigt.

Über den Autor

Team BrokerDeal

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