China wertet Währung ab: Steht die Welt vor einem Währungskrieg?

12.08.2019 - 8 Minuten Lesezeit

Der seit einiger Zeit schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China droht weiter zu eskalieren. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte das Geschehen dabei vergangenen Montag, als China seine Landeswährung Yuan abgewertet hat. Experten deuten dies als einen Warnschuss – gerichtet an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump – und als Zeichen für einen möglichen Währungskrieg. Ein solcher Währungskrieg würde die ganze Welt, und damit auch Deutschland, in Mitleidenschaft ziehen. Folgerichtig reagierten auch die weltweiten Aktienmärkte heftig und fielen teilweise um mehr als 3 %. Im Folgenden werden wir uns daher die Lage genauer ansehen und vor allem auch darauf eingehen, wie man als Anleger und Trader mit dieser Situation umgehen sollte.

 

Das gefährliche Zündeln von Donald Trump

Mittlerweile hat sich die Welt fast schon an die brachiale Rhetorik des amerikanischen Präsidenten gewöhnt. Über allem steht dabei „America First“ und Trumps Gefühl, dass die USA von vielen Ländern schlecht und unfair behandelt würden. So sind ihm bekanntermaßen die deutschen Exportüberschüsse schon seit langem ein Dorn im Auge. Sein Lieblingsfeind scheint allerdings seit einiger Zeit China zu sein. So schwelt bereits seit geraumer Zeit ein Handelskonflikt zwischen den beiden Großmächten. Angezettelt wurde dieser durch Donald Trump, der Strafzölle auf zahlreiche chinesische Produkte erheben ließ, um damit die eigene Wirtschaft zu schützen bzw. zu stärken. Wie man sich vorstellen kann, reagierte auch China seinerseits mit Gegenmaßnahmen. Bislang war der Streit allerdings auf den Handel beschränkt und wurde zum größten Teil mit Strafzöllen geführt.

China weitet den Kriegsschauplatz aus

Nunmehr ist es der Führung in China aber anscheinend zu bunt geworden: Anstelle den Handelskonflikt mit weiteren Strafzöllen zu führen, hat man sich nun dazu entschlossen, den „Kriegsschauplatz“ auszuweiten und auch die eigene Währung als Waffe zu nutzen. Man mag sich an dieser Stelle fragen, was genau der Unterschied zwischen Strafzöllen und dem absichtlichen Abwerten der eigenen Währung ist. Denn auf den ersten Blick erscheinen diese beiden Maßnahmen als nicht allzu unterschiedlich.

Dem ist jedoch nicht so: So beschränkt sich ein Handelskonflikt in der Regel nur auf die beiden daran beteiligten Länder: In unserem Beispiel sind dies die USA und China. So erhebt ein Land Strafzölle auf bestimmte Produkte, woraufhin das andere Land ebenfalls mit Strafzöllen reagiert. Insgesamt lässt es sich dabei ökonomisch relativ gut ausrechnen, welche (negativen) Folgen die jeweiligen Zölle auf die Volkswirtschaft der beiden Länder haben. Alles in allem ist daher ein Handelskonflikt relativ gut zu beherrschen und beschränkt sich, wie gesagt, zum Großteil auf die daran beteiligten Länder. Meistens kehrt bei den Beteiligten auch nach einiger Zeit die Vernunft ein und man einigt sich. Denn: Im Endeffekt sind Strafzölle negativ und belasten die Wirtschaft – beider Länder.

Die unkontrollierbaren Folgen eines Währungskrieges

Ganz anders sieht die Situation jedoch bei einem Währungskrieg aus. Dazu betrachten wir zunächst die Folgen der chinesischen Währungsabwertung: Dadurch, dass die Währung an Wert verliert, wird es für ausländische Käufer günstiger, chinesische Produkte zu erwerben. Dies betrifft sowohl Unternehmen, als auch Endverbraucher. So wird es beispielsweise günstiger, ein Smartphone des chinesischen Herstellers Huawei zu kaufen. Das Nachsehen haben dabei die Konkurrenten aus anderen Ländern. Denn aufgrund des niedrigeren Preises werden sich in Zukunft mehr Kunden für Huawei und gegen Samsung oder Apple entscheiden.

Schwache Währung hilft der heimischen Exportindustrie

Insgesamt hilft daher eine schwache Währung der heimischen Exportindustrie. So profitiert beispielsweise die deutsche Automobilindustrie schon seit Jahren von einem relativ günstigen Euro. Denn dadurch wird es für ausländische Kunden günstiger, Autos aus Deutschland zu erwerben. Die vergleichsweise niedrige Bewertung des Euros ergibt sich daraus, dass es sich dabei um eine Gemeinschaftswährung handelt. So müsste der Euro beispielsweise für Deutschland höher bewertet sein, da das Land wirtschaftlich sehr stark ist. Dagegen würden Länder wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland einen niedrigeren Euro benötigen.

Nachteile einer Währungs-Abwertung

Allerdings bringt die Abwertung der Währung auch Nachteile mit sich: So wird es generell teurer, Produkte nach China zu importieren. Dies betrifft zum einen den Endverbraucher, der in Zukunft zum Beispiel mehr Geld für sein Auto aus Deutschland bezahlen muss. Aber auch für Unternehmen wird es teurer, Maschinen und Rohstoffe aus dem Ausland zu importieren. Dazu kommt, dass viele chinesische Unternehmen in den letzten Jahren hohe Schuldenberge angehäuft haben. Häufig wurden die Kredite dabei in US Dollar aufgenommen. Wenn daher der Yuan an Wert verliert, wird es für diese Unternehmen schwieriger, ihre Schulden in US Dollar zu begleichen (sie benötigen dafür nunmehr mehr Yuan).

Es ist daher bereits jetzt absehbar, dass einige Unternehmen in Zukunft nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Schulden zu begleichen. Diese Zahlungsausfälle könnten zu einer Kettenreaktion führen. Aus diesem Grund warnen im Moment viele Experten davor, dass durch einen Währungskrieg eine neue Finanzkrise ausgelöst werden könnte. Wie man sieht, ist daher die Abwertung der Währung eine viel stärkere und vor allem auch unkontrollierbarere Waffe als die Strafzölle.

Donald Trump kämpft um seine Wiederwahl

Erschwert wird diese Situation zum einen durch den amerikanischen Präsidenten. Denn dieser möchte gerne nächstes Jahr wiedergewählt werden. Dazu ist es erforderlich, dass er die Wahlversprechen bei seinen Wählern einlöst. Ein Punkt ist dabei beispielsweise die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko sowie die insgesamt sehr strikte bzw. brutale Politik gegenüber den Migranten. Außerdem hatte Donald Trump seinen Wählern versprochen, gegenüber dem Iran härter aufzutreten. Entscheidend für seine Wiederwahl dürfte allerdings die Lage der amerikanischen Wirtschaft sein: Läuft diese gut, so sind auch die Chancen für seine Wiederwahl groß.

Allerdings hat der US Präsident das Problem, dass sich mittlerweile auch das amerikanische Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat. Aus diesem Grund drängt er die amerikanische Zentralbank Fed (Federal Reserve) schon seit einigen Monaten dazu, ihm dabei zu helfen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dazu soll die Fed die Leitzinsen senken, was wiederum eine Abwertung des US Dollars zur Folge hätte.

Auch China kann sein Gesicht nicht verlieren

Zum anderen wird eine Lösung des Problems auch dadurch erschwert, dass die chinesische Führung ihr Gesicht nicht verlieren möchte. So fordern einige hochrangige Vertreter der kommunistischen Partei schon seit längerem, dass China gegenüber Donald Trump härter auftreten müsse. Wahrscheinlich war auch dies der Grund für die am Montag erfolgte Abwertung der Währung. Damit wollte China vor allem ein Zeichen an den amerikanischen Präsidenten senden und seine Muskeln spielen lassen. Insgesamt kann es sich daher keine der beiden Seiten erlauben, nachzugeben. Man muss somit davon ausgehen, dass China auch in Zukunft seine Währung weiter abwerten wird, um damit seine Wirtschaft zu stärken. Es wird interessant sein, zu sehen, wie die chinesische Wirtschaft mit einem schwachen Yuan umgehen kann. Wie angesprochen, sind dabei vor allem die Schulden der Unternehmen in US Dollar problematisch.

Weltweiter Abwertungs-Wettlauf ist zu befürchten

Wie gezeigt, ist aber auch die Fed auf dem besten Weg, dem Druck von Donald Trump nachzugeben und den US Dollar zu schwächen. Insgesamt erscheint daher ein weltweiter Währungskrieg tatsächlich realistisch. Hart treffen dürfte dies vor allem auch die deutsche Wirtschaft. Denn ein schwacher Yuan und ein schwacher US Dollar bedeuten im Gegenzug einen starken Euro. Dies ist zwar vorteilhaft für deutsche Urlauber, allerdings dürfte sich dies sehr negativ auf die deutschen Unternehmen auswirken. Aus diesem Grund hat der Euro auch in den letzten Tagen im Vergleich zum US Dollar an Wert gewonnen.

Als Anleger sollte man daher damit rechnen, dass die deutschen Aktien in Zukunft schlechter performen werden, sollte sich der Währungskrieg tatsächlich ausweiten. Wer dagegen mit dem Währungspaar Euro / US Dollar (EUR / USD) tradet, sollte sich auf weiter steigende Kurse einstellen. Dies trifft jedenfalls solange zu, bis die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits beschließt, am weltweiten Abwertungs-Wettlauf teilzunehmen und daher den Euro gezielt schwächt. In nächster Zeit sollte man daher als Trader sehr genau auf die Statements von Mario Draghi (Präsident der EZB) bzw. dessen Nachfolgerin Christine Lagarde achten.

Mit dem Euro / US Dollar handeln

Wie man sieht, ist es daher an der Börse sehr wichtig, über die politischen Geschehnisse gut informiert zu sein. Dies gilt unserer Erfahrung nach vor allem auch beim Währungshandel. Wer dabei das Trading an der Forex (Börse, an der Währungsgeschäfte abgewickelt werden) einmal selbst ausprobieren möchte, kann dazu bei einem Broker ein kostenloses Demokonto eröffnen.

Bei den meisten Anbietern benötigt man für das Eröffnen eines solchen Kontos nur wenigen Minuten. Häufig bekommt man dabei Echtzeitkurse zur Verfügung gestellt, um damit das Trading unter möglichst realistischen Bedingungen simulieren zu können. Jedoch handelt man auf einem Demokonto nicht mit echtem Kapital, sondern mit virtuellem Geld. Viele Broker stellen einem beispielsweise ein virtuelles Guthaben in Höhe von 10.000 € zur Verfügung.

Insgesamt eignet sich ein Demokonto auch sehr gut dazu, sich mit der Trading Software des Anbieters vertraut zu machen. Überdies kann man auf einem solchen Konto ohne Risiko neue Märkte und Strategien ausprobieren. In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, die Schulungsangebote der Broker zu nutzen. Häufig bestehen diese heutzutage aus Webinaren und Videos. Erfahrungsgemäß lernt man auf diese Weise auch als Anfänger sehr schnell, wie das Trading funktioniert. Sobald man sich dann beim Handel auf dem Demokonto sicher fühlt, kann man auch den nächsten Schritt wagen und das Trading auf einem Live Konto mit echtem Geld fortsetzen.

Bevor man sich allerdings endgültig für einen bestimmten Broker entscheidet, sollte man sich auch genauer mit dessen Handelskonditionen beschäftigen. Dafür kann man zum Beispiel auch unseren umfangreichen Broker Vergleich nutzen.

 

Über den Autor

Christian Habeck

Christian Habeck

Nachdem Christian Habeck jahrelang an der Börse handelte, entschied er sich im Laufe der Zeit, das angeeignete Wissen mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden. Als Autor deckt er sämtliche Themen aus dem Finanzbereich und der Wirtschaft ab.

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