Broker verstehen und den richtigen finden

14.07.2014 - 8 Minuten Lesezeit

Wer auf der Suche nach einem Broker ist, wird feststellen, dass weltweit eine riesige Auswahl an verschiedensten Anbietern existiert. Dabei gibt es mitunter deutliche Unterschiede was die Art, die Qualität und die Konditionen der Broker angeht. Die Wahl des eigenen Brokers sollte daher auf sorgfältiger Recherche und wohlüberlegten Entscheidungen beruhen.

Die Funktion eines Brokers

Für eine Privatperson ist es nicht möglich, die eigenen Kauf- und Verkaufsaufträge direkt an der Börse zu tätigen. Dies dient der Gewährleistung bestimmter Qualitätsstandards und der Effektivität. Aus diesem Grund benötigen Trader einen Broker, der über eine spezielle Zulassung einer Finanzbehörde verfügt und somit die Möglichkeit hat, die Aufträge an der Börse auszuführen.

Ein Broker bietet den eigenen Kunden allerdings nicht nur Zugang zur Börse, sondern auch zum außerbörslichen Handel, der auch Interbankenhandel genannt wird. So dient der Broker im Grunde als eine Schnittstelle zwischen den Tradern und der Welt des Finanzhandels.

Die unterschiedlichen Arten der Broker

Zur Unterscheidung der Vorgehensweise von Brokern fallen immer wieder die Begriffe Market Maker, Dealing Desk, ECN, STP und IB (Introducing Broker). Das sind aber keine klar unterscheidbare Definitionen, diese überschneiden sich viel eher zum Teil. Es gibt aber sehr wohl Unterschiede in der der Art der Orderausführung, und damit auch bei den Spreads. Eine kleine Begriffskunde zur Aufklärung:

Market Maker: Arbeitet ein Broker nach dem Market Maker Modell, werden die Kundenorders nicht direkt an die Börse weitergeleitet – der Market Maker stellt eigene Kurse und ist bestrebt, die Orders zunächst im eigenen System auszuführen. Dies geschieht indem der Broker die Aufträge der eigenen Kunden gegeneinander stellt. Manchmal geht ein Market Maker eine Gegenposition zum Auftrag eines Kunden ein, um die nötige Liquidität zu gewährleisten. Ein Market Maker erhebt in der Regel feste Spreads.

Dealing Desk: Jede aufgegebene Order gelangt zunächst zum Handelstisch (Dealing Desk) der Handelsabteilung des Brokers. Von dort aus wird sie entweder an die Finanzmärkte weitergeleitet oder Over The Counter ausgeführt. Letzteres ist zum Beispiel im Interbankenhandel der Fall.

NDD: Sogenannte No Dealing Desk Broker leiten die Kundenorders direkt an den Interbankenhandel weiter. Die Trader erhalten dabei die direkten Spreads dieses Marktes. Zu den NDD-Brokern gehören STP- und ECN-Broker.

ECN: Diese Abkürzung steht für Electronic Communication Network und ein Broker, der mit dem ECN Modell arbeitet, leitet die Orders der Kunden direkt an den Interbankenmarkt. Die Spreads sind in der Regel flexibel und in der Regel wird für den Handel eine Kommission berechnet, da der Broker am Spread nicht mehr verdient.

STP: Steht für Straight Through Processing und dabei werden die Kundenorders solcher Broker an einen oder mehrere Liquiditätsprovider, bei denen es sich um Banken oder andere große Finanzinstitutionen handelt, durchgeleitet. Im besten Fall konkurrieren die unterschiedlichen Provider um den besten Preis, der dann im Interbankenhandel zur Ausführung kommt. Die Spreads sind wieder flexibel, allerdings schlagen die Broker in der Regel einen Aufschlag darauf anstatt eine Kommission zu erheben.

IB: Als Introducing Broker werden all jene Anbieter bezeichnet, die das Netzwerk, die Software und das Trading Desk eines bestehenden Brokers nutzen und diesem lediglich Kunden vermitteln und diese auch betreuen. Der IB bekommt von diesem Broker Provisionen für jeden vermittelten Trade. Solche Anbieter sind vor allem im Bereich des Devisenhandels zu finden, und haben manchmal gar keine eigene Brokerlizenz.

Viele Broker lassen sich nicht ausschließlich in eine einzige der obengenannten Kategorien anordnen und Sie finden zahlreiche Mischformen. So kann ein Anbieter zum Beispiel sowohl als ECN-Broker als auch als Market Maker auftreten – je nachdem um welche Handelsinstrumente oder Kontomodell es geht. Überlegen Sie sich also im Vorfeld, welche Instrumente Sie am liebsten handeln wollen und schauen Sie genau, ob das Arbeitsmodell des Brokers beim Trading mit diesen Instrumenten Ihren Präferenzen entspricht.

Diese Kriterien spielen bei der Brokerwahl eine wichtige Rolle

Regulierung & Sicherheit: Brokerinsolvenzen sind zwar selten, aber längst keine Ausnahme mehr wie noch in den goldenen Jahren. Achten Sie darauf Broker mit EU-Sitz und damit einer EU-Regulierung zu wählen. So ist Ihnen ein gewisser Anlegerschutz sicher, ebenso eine Einlagensicherung von mindestens 20.000 Euro.

Kundenservice: Ein Kriterium, das für die Qualität eines Brokers steht, ist der Support, der den Kunden geboten wird. So sollte ein Ansprechpartner zumindest während der Handelszeiten schnell und direkt erreichbar sein. Im Optimalfall bietet der Broker einen deutschsprachigen Support und setzt bei seinen Kunden nicht automatisch Englischkenntnisse voraus.

Diesen Punkt sollten sie nicht unterschätzen, denn immer wieder kann es vorkommen, dass Sie auf die Hilfe seitens des Brokers angewiesen sind. So könnten Sie zum Beispiel Schwierigkeiten oder Fragen bei der Registrierung haben, sich mit der Handelsplattform nicht sofort zurechtfinden oder mit technischen Problemen zu kämpfen haben. Vor allem bei Ausfällen Ihrer Internetverbindung oder der Nichterreichbarkeit der Handelsplattform kann es sehr teuer werden, telefonisch niemanden zu erreichen. In solchen Fällen ist schnelle und kompetente Unterstützung wichtig – und ein guter Broker wird Ihnen diese bieten.

Handelsplattform: Überlegen Sie sich im Vorfeld, was Sie von einer Handelsanwendung erwarten. Ist Ihnen eine besonders professionelle Charting-Software wichtig? Welche Indikatoren und Ordertypen wollen Sie in Ihrem Alltag nutzen? Wollen Sie den Handel direkt aus dem Chart realisieren oder Ihre Orders in die üblichen Masken eintragen? In jedem Fall ist guter Datenfeed wichtig, und es sollten genügend historische Daten für eine Chartanalyse vorhanden sein. Nicht zuletzt sollte die Handelsplattform zu Ihrer persönlichen Arbeitsweise passen und so sollten Sie sich gründlich über die Funktionen und Möglichkeiten der gebotenen Plattform informieren. Speziell wenn Sie auf eigene externe Chartsoftware verzichten wollen.

Orderausführung und Slippage: Bei der Slippage handelt es sich um die Differenz zwischen dem im Vorfeld festgelegten Soll-Ausführungskurs, und dem tatsächlichen Kurs zum Zeitpunkt der Orderausführung. Vor allem in besonders volatilen Marktphasen kann es passieren, dass Sie einen abweichenden Ausführungskurs erhalten.

Allerdings gibt es auch da große Unterschiede, was die Höhe der Slippage angeht, und diese hält sich bei einem guten Broker im Rahmen. Selbst beim besten Anbieter entsteht von Zeit zur Zeit Slippage, und wenn ein Broker garantierte Kurse anpreist, sollten Sie ruhig auch mal den Allgemeinen Geschäftsbedingungen besonderes Augenmerk schenken bezüglich Schlupflöcher und den zusätzlichen Kosten.

Beschleicht Sie das Gefühl, etwas zu oft "Pech" zu haben bei knapp ausgestoppten Trades, machen Sie doch mal den Vergleich mit einem anderen Broker, bei dem Sie die identischen Orders aufgeben. Sie werden rasch erkennen, welche Anbieter Ihr Vertrauen und damit Ihre Einlage verdienen.

Requotes: Wenn sich der Kurs während Ihrer Orderaufgabe und dem Ankommen dieses Auftrags beim Broker bereits wieder geändert haben sollte, stellen manche Broker, speziell Market Maker, eine Re-Quote. Der Trader kann daraufhin entscheiden, ob er der Ausführung zu diesem neuen (in der Regel schlechteren) Kurs akzeptieren möchte oder nicht.

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: Sie geben eine Order auf und wählen die „Absenden“ Funktion. Im Idealfall erfolgt daraufhin die Orderausführung – es kann aber auch passieren, dass Sie stattdessen einen Hinweis sehen, dass die Order nicht zu dem von Ihnen angegebenen Kurs ausgeführt werden kann und sie können daraufhin entscheiden, ob Sie mit dem neuen Kurs einverstanden sind. Bei ECN/STP-Brokern sowie bei Orders die ohnehin direkt an die Börse gehen (Aktien- und Futures-Broker) gibt es automatisch keinerlei Re-Quotes. Die Order wird einfach zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, dieser kann besser, aber auch schlechter sein als zum Moment der Orderaufgabe.

Gebühren: Die Gebühren eines Brokers sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und sind vom gehandelten Produkt abhängig. So kann ein Basiswert, den Sie als Future handeln, andere Handelskosten zur Folge haben, als wenn Sie einen CFD auf diesen Future nutzen. So lohnt sich der Vergleich der einzelnen Kostenpunkte unterschiedlicher Broker, denn einige Gebühren kommen Tag für Tag auf Sie zu und können vor allem bei Kleinanlegern den Gewinn empfindlich schmälern.

Vor allem lohnt auch der Spreadvergleich, da manche Broker ja immer noch damit werben, keinerlei Kommissionen zu erheben. Dafür weisen diese dann höhere Spreads auf, die der Trader zu bezahlen hat (ein Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs). Je nach Broker und Basiswert variieren die Spreads, und auch hier sollten Sie diese Gebühren bei den einzelnen Anbietern vergleichen.

Beim Halten von Devisen, CFDs und Derivaten über Nacht werden üblicherweise auch Finanzierungskosten erhoben, da Sie dort Dank des Hebels sozusagen mit dem Kredit des Brokers spekulieren. Hier sind oft nicht unerhebliche Unterschiede festzustellen, die bei manchen schwarzen Schafen schon eher in die Richtung Halsabschneiderei gehen.

BrokerDeal hat sich diesbezüglich auch das Ziel gesetzt, einen bisher noch nie gesehenen Kostenvergleich auf die Beine zu stellen, der alle Kostenelemente abdecken soll.

Sie sollten Ihren Broker allerdings nicht nur nach dem Kostenfaktor aussuchen. Nicht immer ist billiger besser. Wenn Sie den für Sie perfekten Broker finden wollen, sollte das Gesamtpaket stimmen. Allerdings sollten Sie bedenken, dass kein Broker alle individuellen Präferenzen genauestens erfüllen kann, und so sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen und alle oben genannten Kriterien abwägen. Hilfreich sind auf alle Fälle auch immer Kundenbewertungen wie auf brokerdeal.de oder forexpeacearmy.com .

Wenn Sie mit unseren Filtern nicht mehr weiterkommen sollten, können Sie uns jederzeit auch per Mail oder telefonisch kontaktieren. Damit wir den für Sie passenden Broker finden können.

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

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