Australien keine Option mehr für ESMA-Flüchtlinge

15.04.2019 - 4 Minuten Lesezeit

Jetzt geht es Schlag auf Schlag in Australien. Bisher mit Abstand das wichtigste Land für EU-Trader, deren einzige Chance auf höheren Hebel nach den ESMA-Restriktionen die Wahl eines Offshore-Brokers war. Doch die australische Regulierungsbehörde wird dem nun einen Riegel vorschieben.

Begonnen hat es vor einigen Tagen damit, dass die ASIC, die australische Regulierungsbehörde, vom Parlament die gleichen Befugnisse wie die ESMA erhalten hat. Erste Reaktionen gingen davon aus, dass ab 2021 CFD-Trader in Australien die gleichen Restriktionen auferlegt bekommen wie EU-Trader. Davon war unter der Hand zwar schon länger die Rede.

Aber das aktuelle Tempo überrascht dann doch. Denn nur vier Tage später sind bereits alle Broker aufgefordert worden, umfangreiche Daten einzuholen und der Behörde bereit zu stellen.

Das kommt uns Europäern doch sehr bekannt vor, nicht wahr....

Man konnte zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgehen, dass es jetzt viele Wochen oder gar Monate dauern wird, bis die Behörde die Daten ausgewertet hat und diese als Basis für weitere Entscheidungen heranzieht.

Doch wieder nur wenige Tage später schon halten alle australischen Broker einen Brief der Behörde in Händen mit der Aufforderung, ihre Dienste keine Kunden aus Übersee mehr anzubieten, wenn der Broker dort keine entsprechende Lizenz hält.

D.h. australische Broker ohne EU-Lizenz dürfen auch keine EU-Trader mehr akzeptieren. Dem nicht genug, sollen sogar offenen Positionen von EU-Bestandskunden geschlossen werden bis Ende Mai.

Wir haben heute einige Kontoeröffnungen getestet, und aktuell kann man sehr wohl noch eine Zuordnung zur australischen Niederlassung der Broker wählen. Wird aber wohl nicht mehr lange klappen. Zwar wird diese ASIC-Entscheidung beeinsprucht werden. Die jeweiligen Compliance-Abteilungen neigen allerdings zur Vorsicht, wie wir aus vielfacher Erfahrung wissen.

EU-Broker atmen auf

Die europäischen Broker sehen diese Entwicklung natürlich mit Genugtuung. Zwar konnte jeder Trader der weiterhin hohen Hebel nutzen wollte versuchen sich als professioneller Trader einstufen zu lassen. Aber das ist durchaus mit Hürden versehen.

Die Mehrheit hat sich mittlerweile mit den bestehenden Hebeln arrangiert. Speziell Trader mit Kleinkonten und Nutzer von Expert Advisors waren dann aber doch versucht, sich einen australischen Broker mit bekanntem Namen zu suchen.

Das ist nun in Bälde keine Option mehr. Und die diversen anderen Offshore-Staaten die es neben Australien sonst noch gibt bedeuten sicherlich eine größere Hemmschwelle für den privaten Trader.

Konsolidierung in der CFD-Branche?

Die Herausforderungen für die CFD/FX-Branche sind mannigfaltig. Zum einen wird der bürokratische und regulatorische Aufwand immer größer = höhere Kosten.

Zum anderen haben die ESMA-Restriktionen für gehörige Dellen beim Umsatz gesorgt.

Und als wäre das noch nicht genug, geben auch die Märkte aktuell nicht genug Action her. So brachen die Umsätze von Plus500 im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um erschreckende 82% ein.

Kein Marktumfeld jedenfalls, das neue Anbieter anlocken würde. Und sicherlich auch keines, dass ein Überleben aller bereits bestehenden Broker gewährleisten kann. Eine Konsolidierung wird eigentlich bereits seit Jahren erwartet, blieb aber noch aus. Diese aktuell unglückliche, noch nie dagewesene Konstellation, ist aber wohl genau der Katalysator den es noch gebraucht hat.

Man darf gespannt sein wie die Brokerlandschaft in 12 Monaten aussieht.

Update 23.04.19

ASIC rudert etwas zurück

Die helle Aufregung unter australischen Brokern hat die Regulierungsbehörde ASIC dazu veranlasst, einige Forderungen teilweise zurück zu nehmen bzw. mehr Zeit für die Erfüllung dieser einzuräumen. Die Broker bekommen damit aber nicht viel mehr als eine Atempause, sie müssen ohnehin rund um die Uhr an der Zusammenstellung der Daten über ihre Kunden schuften, den die ASIC weiterhin bis 10. Mai haben möchte. Von Entwarnung also keine Spur.

Polen arbeitet Plan B aus

Während die Branche derzeit kein anderes Thema kennt als Brexit und die Aktionen der australischen Regulierungsbehörde, arbeitet die Behörde in Polen still und (nicht mehr) heimlich an einer neuen Einstufung als "Erfahrene Trader". Welche als Zwischenstufe zwischen dem Privatanleger und dem schwer zu erreichenden Status als professioneller Trader eingeführt werden soll. Mit Details wird noch hinter dem Berg gehalten, eine polnische KNF-Lizenz würde damit aber natürlich sofort äußerst attraktiv für viele Broker. Vorausgesetzt andere Länder ziehen nicht ohnehin rasch nach. Ein aktueller Partnerbroker von BrokerDeal mit Gutschriften pro Trade mit polnischer Lizenz ist etwa XTB.

Update 24.06.19

Während nach Polen auch die "Brokerhauptstadt" Zypern, bzw. die dortige Finanzaufsicht CySec, nachziehen und flexiblere Hebelregelungen testen wird, mehren sich die Nachrichten über australische Broker, die keine EU-Kunden mehr annehmen.

So haben mittlerweile auch Schwergewichte wie AxiTrader, OANDA und IC Markets ihre Kunden darüber informiert, dass ihre Konten nicht mehr in Australien und damit ASIC-reguliert geführt werden. Stattdessen werden Konten migriert in andere Offshore-Destinationen wie die Seychellen.

Andere wiederum wehren sich weiterhin gegen die Forderungen der ASIC, ich persönlich habe allerdings wenig Zweifel daran, dass die sture Bürokratie die Oberhand behalten wird.

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Thomas kommentierte am 24.06.2019 um 09:24 Uhr

    Das zurück rudern hat nicht lange angehalten. Ich habe die Nachricht erhalten, dass mein Konto nicht mehr in Australien geführt werden kann und es, wenn nicht widersprochen wird, in die Syschellen überführt wird. Hier gelten dann die gleichen Bedingungen (Hebel) weiter wie bisher. Nun, ob ich mein Geld in den Syschellen belassen will, werde ich mir noch überlegen.

  • Steffen Mutter kommentierte am 17.04.2019 um 18:35 Uhr

    Ich habe ein Konto bei einem Australier.
    Mein Support hat mir mitgeteilt, dass sie als Broker davon nichts wissen und er sehr überrascht ist, dass wir Deutschen mehr wissen als sie selber. Wie dem auch sei, die Performance bei einem guten EA oder einem Candlestick-Experten mit entsprechendem StopLoss für Worst Case ist bei einem Hebel von 1:500 gegenüber 1:30 - naja, da brauchen wir ja nicht drüber zu reden.
    Werde den Broker jedenfalls weiter nutzen, auch mit geringerer Hebelwirkung - die kann man sich bei dem im übrigen selbst aussuchen, wie hoch man sein Risiko gerne haben möchte.

  • Daniel kommentierte am 16.04.2019 um 16:12 Uhr

    Was passiert mit denen, die schon ein Konto haben?

    Viele Grüße
    Daniel

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 17.04.2019 um 08:44 Uhr

    Wie geschrieben: die ASIC möchte, dass auch offene Positionen bis Ende Mai geschlossen werden, und EU-Trader dann wohl keine neuen mehr öffnen dürfen. Ob und wie das durchsetzbar ist muss sich noch weisen.

  • Rizzi kommentierte am 21.04.2019 um 21:20 Uhr

    Die Frist zur Schließung der Positionen wurde auf den 30.06. Verschoben.
    Die Broker bekommen etwas mehr Zeit.

  • Dirk Held kommentierte am 16.04.2019 um 10:20 Uhr

    Danke für die Vorwarnung Herr Hinterleitner :-)

    Ich freue mich besonders über Ihre zukünftigen Berichte über Alternativen.

    Auf Australien bin ich vor einiger Zeit ebenfalls durch einen Bericht von Ihnen gestolpert.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 16.04.2019 um 14:05 Uhr

    Vielen Dank für das Feedback!

  • Drolph kommentierte am 16.04.2019 um 06:28 Uhr

    Lückenhaft recherchiert!

    Wenn man schon "nur" die financemagnates news übersetzt, sollte man sich die Mühe machen und ALLE lesen.

    Vorrangiges Ziel seitens ASIC ist hier wohl China, wo es aufgrund der komplexen wirtschaftlichen Verflechtungen wohl Hinweise auf illegale Angebote gab.

    Darüber hinaus ist noch nichts entschieden. Es gibt sogar anderslautende Meinungen, dass ASIC hier ihren Kompetenzbereich trotz neuer Befugnisse überschreitet. Soviel zur Überschrift.

    Die Unterschiede bei Alternativen zum retail status wurden hier erst gar nicht berücksichtigt - Stichwort wholesale client. Überhaupt nicht vergleichbar mit der europäischen Situation.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 16.04.2019 um 07:52 Uhr

    Vielen Dank für Ihr Feedback.
    Die Erfahrung der letzten Monate hat uns allerdings gelehrt, zwischen den Zeilen zu lesen und Optimismus eher zu dämpfen.

    Auch die ESMA-Restriktionen wurden vielfach als angreifbar und nicht durchsetzungsfähig tituliert. Und wie ging das wohl aus?

    Mit Stand heute wächst die Schar jener AUS-Broker, die bereits keine EU-Klienten mehr onboarden.

  • Drolph kommentierte am 16.04.2019 um 17:38 Uhr

    Nämlich welche? Picture or it did not happen. Das Gegenteil ist der Fall.

    https://www.financemagnates.com/forex/brokers/asic-decrees-tsunami-prompts-brokers-to-look-for-client-insurance/

    Zumal eine Offshorelizens mit ECHTER Versicherung der Einlagen deutlich mehr Wert ist als beispielsweise die europäische CySec, die im berühmten Falle von IronFX ja bekanntlich nichts gemacht hat!

    Europa ist hier weder Vorbild noch geeigneter Gegenstand eines Vergleichs. Aber so eine reißerische Überschrift erzeugt natürlich erstmal Aufmerksamkeit.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 17.04.2019 um 08:43 Uhr

    Wie in deinem verlinken Artikel zu lesen ist:

    ....This is tied with a broad-based move of clients from Australia to other jurisdictions offshore.

    Also nix mehr mit Kontoführung in Australien unter ASIC-Lizenz.

    Mit einer seriösen Versicherung kann man sicher einige auch nach Vanuatu & Co locken. Aber Australien war mit Abstand wesentlich attraktiver.

  • Drolph kommentierte am 18.04.2019 um 15:27 Uhr

    Es wird im Übrigen schon zurück gerudert!

    https://www.financemagnates.com/forex/brokers/breaking-asic-is-backpedaling-on-some-of-its-demands-to-brokers/

    Darüber hinaus geht es vor allem um China und die Werbung.

    Ich weiß aus sicherer Quelle (von den Brokern selbst!), dass nicht mal alle ASIC regulierten Broker diesen ominösen Brief erhalten haben, geschweige denn keine Klienten mehr aufnehmen.

    Lirumlarum - der Artikel schießt nach aktuellem Stand über das Ziel hinaus. Noch ist hier nichts fix. Spekulationen sind Panikmache.

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