Aus für CFDs/FX und Klagewelle gegen Knock-Out Zertifikate?

29.01.2018 - 16 Minuten Lesezeit

Es rumort gewaltig in der Branche. Die ESMA, zuständig für die EU-weite Regulierung der Finanzmärkte, hat weitreichende neue Regeln unter anderem für den CFD- und Forex-Handel vorgeschlagen. Jene Forderung, die maximal erlaubten Hebeln drastisch nach unten zu schrauben, sorgt zwar für den lautesten Aufschrei. Dabei liegt das größte Problem in einem anderen Vorschlag versteckt. Der hoffentlich nicht übersehen wird in der nun laufenden Einspruchphase, sonst gute Nacht viele Broker und Trader. 

Update 16. Februar 2018:
Auf die vielen Rückmeldungen hin zu diesem auch auf anderen Seiten verbreiteten Artikel bin ich nochmal kurz per Video auf die wichtigsten Implikationen eingegangen:

WENN die geplanten Änderungen tatsächlich so umgesetzt werden, wird das wohl nicht nur eine Konsolidierung in der Brokerlandschaft nach sich ziehen. Auch sehr viele Trader werden ihren Handelsansatz so nicht mehr durchführen können. Dabei wollen die Beamten doch nur den Kunden schützen, oder? Werfen wir dazu einen Blick auf die Kernforderungen der ESMA.

Verbot Binärer Optionen

JAAAAA, grandios, das wird aber auch endlich Zeit. Hinfort mit dem abzockerischen Unsinn. Darauf haben wir nicht bloß einmal hingewiesen, eine gute Zusammenfassung findet ihr etwa in diesem Artikel.

Wunderbar, das fängt doch gut an, was haben sich die Beamten denn außerdem noch für Gedanken gemacht?

Abschaffung der Nachschusspflicht

Ist ja für deutsche Trader nichts Neues, diesen für Trader grundsätzlich erfreulichen Aspekt haben wir bereits vor längerer Zeit in diesem Artikel ausführlich beleuchtet.

Die spürbarste Folge davon war, dass die meisten Broker mit dem Hebel standardmäßig runtergegangen sind auf 1:50 bis 1:100. Und vor wichtigen News bzw. Wochenenden gerne situativ die Margin erhöht haben. Alles noch kein Problem bislang. Aber jetzt kommt der erste Aufreger.

Hebelbeschränkung auf 1:5 bis 1:30

Die CFD/FX-Branche hat sich mental schon länger auf eine Obergrenze von 1:50 eingestellt. Und das ist auch begrüßenswert im Kampf gegen unnötige Lockangebote unseriöser Broker, die mit Hebeln von 1:500 oder gar 1:1000 werben. Was große Probleme mit sich bringt bei extrem volatilen Ereignissen, wenn so ein Broker dann auf dem falschen Fuß erwischt wird war es das für ihn, der meldet lieber Insolvenz an als Millionen auftreiben zu müssen für den Ausgleich negativer Konten. Was dann natürlich wiederum nicht nur den betroffenen Tradern, sondern auch allen seriösen Brokern schadet.

Aber eine Obergrenze von bis zu 1:5 für volatile und nicht sehr liquide Basiswerte wird natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Selbst die strengen US-Regulierungsbehörden haben sich mit 1:50 zufrieden gegeben. Beispielhafte konkrete Auswirkungen wären etwa:

  • statt 100 EUR Margin (100:1) für ein Mini-Lot EUR/USD würden dann 333 EUR (30:1) benötigt
  • statt 130 EUR Margin (100:1) für 1 CFD des DAX30-Index würden dann 650 EUR (20:1) benötigt
  • für 1.000 Aktien-CFDs der Commerzbank braucht man dann Intraday nicht mehr bloß 685 EUR (20:1), sondern 2.740 EUR (5:1) Margin

Gerade für Einsteiger sind CFDs ein wunderbar transparentes und bisher kostengünstiges Produkt. Die 5 EUR Flat Fee eines beliebten Online-Brokers für jede Zertifikate- und Optionsscheinorder etwa sind doch für ein kleines 1.000 EUR-Konto gar nicht finanzierbar. Diese Kleinanleger werden sich nun vermehrt von "Freetrade"-Aktionen locken lassen. Die entweder immer zeitlich begrenzt sind, oder nur für wenige Emittenten gelten. Langfristig kommt man dann um die schmerzhaften Provisionen nicht herum.

Während der CFD-Handel sehr viel günstiger ist. Künftig aber dickere Kapitalpolster benötigt, siehe Beispiel am Ende des Artikels. Ein Gesprächspartner, der anonym bleiben möchte, ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen

Ein so massiver Hebel-Cut wird den Brokern mehrere hundert Millionen Euro Einbußen bescheren.

Das mag eine etwas hochgegriffene Zahl sein, aber leichter wird das Business sicher nicht. Und was schlecht für die Broker ist, ist nicht automatisch gut für uns Trader, oft ganz im Gegenteil.

Darüber, dass Knock Outs-Zertifikate im Hebel nach oben hin gar nicht begrenzt sind, will ich erstmal noch gar nicht sprechen, denn jetzt kommt erst noch jene Spaßbremse, die viele noch gar nicht realisiert haben.

Neue Stop-Out Regeln

Bisher hatte jeder Broker eigene Regeln, wie und wann Positionen im Verlust automatisch vom Broker geschlossen werden. Um den Kunden zu schützen, aber natürlich auch um den Broker selbst zu schützen. Schließlich drohen manche überinvestierten Konten ohne vernünftige Stopps in volatilen Phasen ins Minus zu geraten. Und seit Wegfall der Nachschusspflicht müsste das der Broker ja aus eigener Tasche berappen. Die einen gingen nach dem First In, First Out-Prinzip vor, andere haben die größte Verlustposition geschlossen etc.

Die Vorgehensweise zu standardisieren klingt daher erst einmal vernünftig. Die ESMA schlägt nun aber ernsthaft vor, diese Margin Close-Out Regeln nicht mehr auf den Kontostand zu beziehen. Sondern auf jede einzelne Position. Und formuliert dies konkret so aus, dass der Broker eine Position zu schließen hat, wenn der Verlust der Position die Hälfte der Margin beträgt. Jede Position würde also künftig einen automatischen Stop-Loss eingebaut haben.

Konkretes Beispiel:

Für 1 CFD auf den Dax30-Index benötige ich aktuell 130 EUR = 1% Margin. Künftig werden es 650 EUR sein. Sobald diese Position jetzt 326 EUR (= Punkte) im Verlust notiert, wird die Position zum nächsten verfügbaren Kurs geschlossen werden müssen vom Broker. Egal wie viel Cash ihr noch auf dem Konto habt oder wie fett die Buchgewinne anderer Positionen sind!

Ein automatischer Stop Loss klingt nicht übel denkt jetzt der ein oder andere. Das Ganze wirft aber massive Problem auf:

  1. kein langfristiges Hedging mehr möglich künftig. Viele Trader, vor allem jene mit automatischen Handelssystemen, sind manchmal oder sogar permanent im gleichen Wert sowohl Long als auch Short positioniert. Das wird künftig nur mehr kurzfristig klappen, solange starke Bewegung in den Wert kommt, fliegt ja eine der beiden Positionen raus. Bitte verwechselt das nicht mit einem garantierten Stopp: bei Gaps wird es immer der nächste verfügbare Kurs sein.
  2. MetaQuotes ist laut einer Quelle nicht in der Lage, das technisch umzusetzen. MetaQuotes, für alle die es nicht wissen sollten, ist der Anbieter der populärsten Handelsplattformen überhaupt, MetaTrader 4 und 5. Wenn die Forderung der ESMA kommt, und das tatsächlich eine technische Hürde sein wird, dann ist das der Supergau für viele Broker.
    Eine zweite Quelle meint wiederum, das sollte sich über Plugins lösen lassen. Fügt dem Ganzen jedenfalls eine gehörige Prise unerwünschte Spannung und Unsicherheit hinzu.

Reaktion der Broker

Die meisten Broker haben sich nur off the record geäußert, die offiziellen Stellungnahmen findet ihr gleich im Anschluss.

Zusammengefasst lässt sich sagen: während für manche Broker feststeht, dass spekulativ veranlagte Kleinanleger sowie Anwender automatischer Handelssysteme (die sehr kapitalintensiv sind) zu Offshore-Brokern abwandern werden, wo diese erst recht wieder keinen Schutz genießen, verbreiten primär die Marktführer ruhige und sogar wohlgesonnene Stellungnahmen. Ein leicht panischer Unterton lässt sich in Summe aber nicht abstreiten. Was natürlich ganz davon abhängt welche Zielgruppe aktuell schon betreut wird. Eher fortgeschrittene, risikobewusste und gut kapitalisierte Trader jucken die Pläne der ESMA nicht sehr. Broker die von Kleinkonten und den dort üblichen hohen Hebeln leben, werden sich um ein anderes Geschäftsmodell Gedanken machen müssen. Oder im absoluten Worst Case auch jeder MetaTrader-Broker.

Zwei sehr prominente Broker sind mittlerweile sogar dazu übergegangen, da die Vorschläge der ESMA nur Retailkunden und damit Privattrader betreffen, Kunden vermehrt den Status als professioneller Anleger anzubieten. Damit würde man zwar individuell höhere Hebel ausverhandeln können. Auf der anderen Seite fällt man natürlich um den Verzicht auf die Nachschusspflicht um. Ohnehin ist die Zielgruppe für diese Maßnahme begrenzt, muss man doch diverse Kriterien erfüllen um überhaupt in Frage zu kommen für diesen Status (viele Trades im Jahr, Ausbildung bzw. Fachkenntnis nachweisen, 500.000 EUR Eigenkapital...)

Um es mit zwei Sätzen zusammen zu fassen, darf leider nur anonym zitieren:

Die BaFIN hat es ja noch relativ gut hinbekommen, Verzicht auf die Nachschusspflicht, aber jeder Broker kann sich selbst darum kümmern wie er damit umgeht. Jetzt aber auch noch zusätzlich den Hebel dermaßen zu beschränken und die Stop-Out-Regeln so umzugestalten, da fühlt man sich doch glatt weltfremd verarscht. Nicht nur als Broker, sondern auch als mündiger Verbraucher.

Statement von Admiral Markets

Admiral Markets begrüßt generell eine sinnvolle und auch starke Regulierung zum Schutz der Privatanleger. Dies ist seit langem über die strenge, britische Financial Conduct Authority FCA bei uns auch gegeben. Die Risikoaufklärung ist ein maßgeblicher Faktor in jeder unserer Kommunikation mit dem Kunden. Unsere Zielgruppe ist nicht jedermann, sondern das spezielle Segment der eigenverantwortlich handelnden Trader, die die Chancen vs. den Risiken einzuschätzen wissen und dies auch aktiv so wünschen.

Anders als bei vielen Wettbewerbern lässt Admiral Markets dem Kunden die Wahl über den Hebel. Jeder Kunde kann den Hebel auswählen: ob 10er Hebel, 50er oder maximal 500 - der Kunde wählt aus. Diese Auswahlmöglichkeit sollte nach unserer Meinung bei jedem Forex & CFD Broker gegeben sein, so ein Schritt wäre eine sinnvolle Regulierung. Warum Wettbewerber dies meist nicht anbieten, verstehen wir nicht.

Desweiteren ist eine Angemessenheitsprüfung bei Kontoeröffnung sinnvoll! So wie es in Deutschland bei Optionsschein-Trading mit der Finanztermingeschäftsfähigkeit seit Jahren Standard ist, so wie es Admiral Markets UK bereits tätigt.

“Der Hebel multipliziert die Gewinne, aber auch die Verluste. Das eine geht nicht ohne dem anderen”, sagt Jens Chrzanowski vom Hause Admiral Markets. “Wir glauben weiterhin an die Freiheit und wünschen uns, dass die persönliche Freiheit auch bei einer neuen Regulierung nicht zu kurz kommt. Ausschlaggebend ist aus unserer Sicht, dass der Kunde über die Risiken informiert ist und eine Hebel-Auswahl hat. Die deutsche BaFin hat im Jahr 2017 die Regulierung erneuert und hat keine Beschränkung der verfügbaren Hebelwirkung beschlossen. Beschlossen wurde ein hundertprozentiger Schutz vor Nachschusspflichten. Admiral Markets ist hier auf einer Linie mit der BaFin. Dies ist eine sinnvolle Regulierung, die richtige Balance zwischen Freiheit vs. Sicherheit. Dies könnte und sollte ein Beispiel für eine europaweite Regulierung für CFDs sein.”

STATEMENT VON JFD Brokers

JFD Brokers geht mit einer Reduzierung des Hebels einher, da dieser bekanntermaßen ein elementarer Schlüssel zum Money- und Risikomanagement ist. Leider wurde und wird dieser Hebel jedoch von einer Vielzahl der Trader völlig falsch verwendet. Insofern ist eine Reduzierung durchaus nachvollziehbar.

Hebel unter 1:50 diskriminieren allerdings gerade auch Kleinanleger, da insbesondere die Fortführung von irrsinnig höheren Hebeln seitens diverser Derivate wie Knock-Outs oder Optionsscheine offenbar unberücksichtigt bleibt. Hierbei sollte eine Gleichung für ALLE Marktteilnehmer gefunden werden.

Das generelle Verbot von binären Optionen ist überdies eine mehr als notwendige Maßnahme! Die Branche selbst wird konsolidieren, unseriöse Anbieter verschwinden und das generelle Handelsvolumen leicht abnehmen. Wir als JFD Brokers würden uns allerdings als einen Gewinner dieser Veränderungen ansehen.

STATEMENT VON XTB

Die Maßnahmen, die darauf abzielen, Privatanleger zu schützen und dem Forex- und CFD-Markt mehr Transparenz zu bieten, werden von uns durchaus begrüßt. Wir sind jedoch der Ansicht, dass ein verpflichtender Margin-Call (Stop Out) bei 50% für jede Position sowie eine solche restriktive Begrenzung der Hebelwirkung, die von der ESMA vorgeschlagen wird, nicht zum Schutz der Anleger beitragen wird.

  • Die von der ESMA vorgeschlagene Beschränkung der Hebelwirkung erhöht die Kosten für den Abschluss von Transaktionen mit CFD-Finanzinstrumenten für Privatkunden drastisch, da der Kunde verpflichtet ist, eine wesentlich höhere Einlage zu tätigen und zu halten;
  • Der vorgeschlagene Stop-Out-Mechanismus für jede Position bedeutet, dass die Position des Kunden bei einem sehr kleinen Verlust sehr schnell glattgestellt werden muss. Dies könnte bedeuten, dass CFDs nicht länger den Anforderungen von Privatkunden entsprechen und somit der Handel mit diesen Finanzinstrumenten in der EU enden wird;
  • Aufgrund der obigen Ausführungen besteht die Gefahr, dass der Vorschlag der ESMA die Nachfrage von Privatanlegern nicht befriedigt und europäische Investoren dazu ermutigt, ihre Investitionen auf ausländische und Grauzonenunternehmen zu verlagern, die auf dem EU-Markt äußerst aktiv sind, was zu einer tatsächlichen Verschlechterung des gesamten Niveaus zum Schutze von Kleinanlegern in der EU führen würde;
  • Durch den Vorschlag wird die Wettbewerbsposition von Unternehmen mit Sitz in Europa, die der Aufsicht diverser Aufsichtsbehörden der EU unterliegen, erheblich beeinträchtigt, im Vergleich zu ausländischen und Grauzonenunternehmen, die europäischen Kunden illegal eine breite Palette von Finanzinstrumenten anbieten;
  • In anderen wichtigen Ländern der Europäischen Union, die vor kurzem ihre eigenen Richtlinien, Interventionen und Vorschriften für den CFD- und Devisenmärkten eingeführt haben - wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien - gibt es auch keine vergleichbaren restriktiven Einschränkungen. In den großen Volkswirtschaften der Welt gibt es keine vergleichbaren Maßnahmen.

STATEMENT VON ActivTrades

ActivTrades has been putting the clients and their safety at its center since its  very first day. We therefore always welcome any directive from the regulator going in the same direction.

However, we consider the former proposal by the FCA, about a leverage reduction to 1:50 similar that in place in the USA, as more suitable for the common goal of client safety instances than the 1:30 requested by ESMA. Our latest research has revealed that the majority of our clients are well aware of their actions. Therefore some of them are starting to consider these decisions as an intrusion or even a limitation to their freedom of investing in financial markets.

LOWER LEVERAGE DOES NOT NECESSARILY MEAN HIGHER PROTECTION

Paradoxically, a leverage of less than 1:50 could determine an opposite result than the one expected by the regulator, because many traders could decide to move to non-European brokers which allow a much higher leverage than the 1:30 proposed by the ESMA. Unfortunately, the majority of those brokers do not offer the same standards of protection which are typical of the European ones. There could result in a massive exodus of traders from the Old Continent to brokers based in less regulated countries who  are often unable to offer adequate services or meet the traders’ expectations.

RISKS FROM NON-REGULATED COMPANIES

Within the general regulatory framework, a further question arises as mandatory: hitherto the regulator has become stricter and stricter with continuous attacks on the industry. Once the new regulation is effective, how does the regulator plan to protect the European brokers currently under its protection? The protection of European brokers is vital in order to restrain the outflow of traders towards non-regulated companies, which provide very low guarantees, in Europe as elsewhere.

ONLINE ADVERTISING, THE GIMMICKS TO BYPASS THE BAN

We believe that the new regulations on advertising and promotion of trading to non-European brokers is simply insufficient. In fact, those companies may advertise their products through several different media platforms, such as sport sponsorships, primarily Formula 1 or football. Forums and blogs also may represent a further form of manipulation, bypassing the ban imposed by the European regulator. In addition to imposing new rules, it is necessary to ask questions (and find solutions) on how to truly protect European clients – with guidelines, tools and adequate checks - such as the measures American authorities have been enforcing for a while, for example forbidding foreign brokers from opening accounts for residents in the US.

Noch kann reagiert werden

Bisher sprechen wir lediglich über Vorschläge der ESMA. Bis zum 5. Februar kann jeder Trader der Behörde seine Sicht der Dinge schildern. Das könnt ihr entweder direkt über die Seite der ESMA machen, die allerdings regelmäßig Aussetzer hat. Oder ihr nutzt diese sehr sinnvolle Seite die IG ins Leben gerufen hat, um euer Feedback zu sammeln und an eurer statt der ESMA zu übermitteln.

leverage_protection_esma

Unser Fazit

Dass der Endverbraucher vor noch mehr Unbill geschützt werden würde steht außer Frage. Aber zu einem sehr hohen Preis. Manche Zielgruppen werden ihr Trading so wie bisher gar nicht mehr ausführen oder überhaupt mit CFDs beginnen können. Dabei sind CFDs so ein großartiges, kostengünstiges Produkt, auch und gerade für noch nicht so fortgeschrittene Trader.

Manche werden nun zu Futures-Brokern abwandern, diverse Anbieter erlauben die Kontoeröffnung bereits mit 500 USD. Natürlich ist man mit diesem Instrument wieder voll in der Nachschusspflicht...

Und dann ist da noch die behördliche Bevormundung. Bzw. eigentlich genauer gesagt die Ungleichbehandlung verschiedener Instrumente. Vergleichen wir doch so einen künftigen DAX-CFD mit einem Trade mit den allseits beliebten Knock-Out-Zertifikaten.

DAX-Kurs = 13.340 Punkte
1 DAX-CFD wird künftig 666 EUR Margin benötigen, und bewegt 1 EUR pro Daxpunkt.

Das entspricht dem Kauf von 100 Knock Outs. Die Scheine kosten nun wenige Cent bis hin zu mehreren Euro. Je nachdem wie weit der Knock Out noch entfernt ist. Hebel von 200-300 sind dabei keine Ausnahme. Nehmen wir für unser Beispiel einen Schein der ca. 100 Punkte vom Knock Out entfernt liegt. Das wäre aktuell etwa der im Screenshot gezeigte Turbo Long von Morgan Stanley. Kostet 1,35 EUR und man braucht dafür also bloß 135 EUR auf dem Konto zu haben.

dax_knockout

Das ist schon mal sexy, d.h. Kleinanleger werden schon dadurch verstärkt zu Zertifikaten und Optionsscheinen hingezogen werden. Die nicht nur hoch gehebelt sind. Sondern, und wem ist es aufgefallen, die auch noch teuer und intransparent sind? Der Knock Out liegt 100 Punkte entfernt, aber der Schein kostet 135 Cent. D.h. zum inneren Wert von 100 Cent kommen noch 35 Cent Aufgeld. Die sich der Emittent freudestrahlend in die Tasche steckt bei jedem KO. Na Prost Mahlzeit, aber hier schimpft niemand groß von Konsumentenschutz und Kostentransparenz. Die Standardantwort der Emittenten auf solche Einwürfe lautet natürlich "Ja aber Moment mal, der maximale Verlust ist hier ja begrenzt, der Kunde kann nie mehr verlieren als der Schein kostet!".

Ja, das ist korrekt. Aber bei 35% Aufgeld ist das Augenwischerei, und hat mit professionellem, echtem Trading nichts zu tun. Und jetzt kommt´s: der CFD-Handel, wird ja immer argumentiert von der gegnerischen Lobby und den Behörden, ist ein außerbörslicher Marktplatz und gehört reguliert. Ja und was bitteschön ist dann denn der Direkthandel von Zertifikaten und Optionsscheinen mit den Emittenten? Das ist genauso OTC-Handel (Over the counter).

Und da reiben sich einige Anwälte mit Spezialisierung Bank- und Kapitalmarktrecht bereits die Hände, denn so eine Ungleichbehandlung wird nicht ohne juristische Folgen bleiben. Dazu braucht es keine Kristallkugel.

Vom reißerischen Titel dieses Artikels wird trotz aller Sorgen und Bedenken maximal die zweite Aussage eintreffen. Aber für viele Broker wird es mit Sicherheit schwierig, im harten Konkurrenzkampf weiterhin zu bestehen, auch wenn die Branche schon so oft ihre Flexibilität und Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat.

Dass gerade die besonders schutzbedürftigen Anfänger und Kleinanleger wieder vermehrt zu den unbrauchbaren Derivaten statt zu CFDs greifen werden, zeigt unterm Strich die ganze Unausgereiftheit der Vorschläge.

Viel Erfolg beim Trading
Michael Hinterleitner

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Rudi Weisser kommentierte am 09.04.2018 um 09:49 Uhr

    Sehr geehrter Herr Hinterleitner,
    nachdem ich einige male Ihre Kommentare verfolgt habe,
    muss ich leider gestehen, dass mir manches was "Brokerdeal"
    anbetrifft noch nicht so ganz klar geworden ist.
    Klar geworden, in sofern, was kann ich aus Ihren " klugen
    Ausführungen und auch Warnungen bezüglich Trading ",
    tun, um beispielsweise CFDs oder auch Optionsscheine,
    mit welchem Broker (Brokerdeal) haneln kann.
    Ich habe gefühlsmäßig Vertrauen in Ihre Art, die Dinge,
    so wie sie nun einmal sind, zu Beschreiben. Danke !
    Ich selbst bin ein "alter Mann", aber Klug was Traden
    anbetrifft, bin ich leider immer noch nicht, das zeigen
    auch meine Verluste, ohne näher darauf einzugehen.
    Vielleicht kann ich einmal, was Brokerdeal anbetrifft,von
    Ihnen näheres in Erfahrung bringen.
    Vielen Dank
    Rudi Weisser

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 23.04.2018 um 07:24 Uhr

    Guten Tag Her Weisser,
    vielen Dank für Ihr freundliches Feedback. Gibt es einen Aspekt oder einen Themenkomplex, wo ich Ihnen konkret behilflich sein könnte so gut ich es kann?
    Beste Grüße
    Michael Hinterleitner

  • Thomas Immler kommentierte am 03.04.2018 um 20:07 Uhr

    Meiner Meinung nach versucht man einfach wieder die Masse klein zu halten

  • Eduard kommentierte am 04.02.2018 um 10:54 Uhr

    Das mit dem Entfall der Nachschusspflicht kann ich gut nachvollziehen, es würde helfen, dass Frischlinge sich nicht hoffnungslos verschulden.

    Aber warum will die EU-Bürokratie noch weiter eingreifen? Ich frage mich wer profitiert davon, wenn hier wieder die Bürokratie siegt? Wahrscheinlich geht es wieder nicht wirklich um den Schutz der Feierabend Trader, sondern darum, dass gewisse Interessengruppen mit dieser Überregulierung köstlich Profit machen wollen.

    Wer profitiert wirklich davon?

  • SG kommentierte am 31.01.2018 um 16:58 Uhr

    Letter to ESMA
    -------------------------------------
    Dear Sir or Madam,

    we live in a free Europe where every entrepreneur has the right to do business in accordance with the law and every consumer has the right to make his - possibly wrong - decisions.
    Taking this principle of general freedom seriously, the newly created product intervention law on the basis of which it is now intended to intervene in various markets is a system failure. For this reason, the requirements for product intervention are high and measures taken must be re-examined every three months. Product intervention law is a kind of emergency right to react quickly to very dynamic and at the same time very damaging developments - Bitcoin would have been a potentially good use case here. However, if this product intervention right is used to regulate or destroy sustainable markets, some of which have existed for decades, then such an application may be considered a misuse of rights.

    The regulations regarding CFDs and FX in detail

    Negative Balance Protection
    Even if it contradicts the principle of the CFD, it is a valuable protection for consumers and also the brokers seem to have no significant problem here, since the introduction in Germany was without problems.

    Stop-out on a position basis
    This provision makes complex trading strategies difficult or impossible, and constitutes an unintelligible cut in the investor's freedom and should therefore be rejected.

    Limitation of the lever
    The proposed maximum leverage can only be classified as prohibitive. The consequence will be that investors will (have to) switch to other less favorable forms of investment or transfer their accounts to less regulated foreign brokers. If you continue to work with a European broker, you have to entrust this broker with much more money than before and you are exposed to much greater risks in the event of bankruptcy, because even with segregated accounts, access to the money for a long time is not possible. Regardless of which variant comes into play, consumer protection is rather weakened than improved.

    Ban on aggressive marketing
    This proposal is obsolete, as the serious brokers who are subject to European regulation are in any case rather discreet in their advertising, and those to whom it relates are in most cases not subject to European regulation.

    Restriction on incentivization of trading
    Using marketing measures to increase the trading frequency of small customers is a questionable approach. On the other hand, it must be possible to give discounts to customers with a high number of trades and thus reduce their costs, which in turn is very customer-oriented.

    Standardized risk warning
    After being warned only about cigarettes more intensively than about CFDs, a further tightening seems superfluous or differently asked: which part of "you can lose your entire deposit!" is not understandable?

    Overall, it should be noted that the proposed measures are either obsolete or so prohibitive that the FX / CFD market will be seriously damaged or destroyed and the goal of additional consumer protection will be missed.

    After all this criticism, what would be sensible measures?

    Now that the ESMA has been given additional responsibility for consumer protection, it would be able to set up its own neutral and independent education and training campaign to help consumers in their decision-making and improve overall consumer knowledge. The better the consumer is informed, the less he has to be protected from himself. Brokers may be required to link to this content to ensure that the consumer learns about it.

    The supervision could be carried out more strictly. For the consumer, European licensing would have added value if the following points were examined and presented transparently:

    The quality of the quote in relation to the underlying
    The execution quality of orders
    The economic health of the brokerage company
    The use of "hostile" Metatrader plugins or other malicious software to disadvantage the customer
    Deposit insurance and quick access to the segregated account in case of insolvency
    The requirement could be introduced that the consumer can define a maximum loss limit, the change of which only applies from the respective following day. This limits the very high risk of overtrading, especially after losses.

    If all of THESE points were met, the ESMA license would very quickly become a mandatory seal of quality for European brokers and consumer protection would indeed be improved.

    Best regards

  • m. resch kommentierte am 30.01.2018 um 16:38 Uhr

    es ist an der zeit die frage zu stellen, wer schützt den mündigen trader vor der beamten-bürokratie?
    gewisse rahmenbedingungen setzen ist ja in ordnung.
    nur mit mass und ziel und von leuten getan die von der materie ahnung haben und wissen wie sich ihre entscheidungen in der praxis auswirken werden.
    als jahrelanger privat-händler verwende ich einen 1:100 hebel (währungen) und bin höchst zufrieden damit.
    persönlich finde ich alle hebel die über 1:200 hinausgehen als entbehrlich.
    wichtiger als die hebeldiskussion (diese ist eigenlich als kosmetik, aber nicht als das problem an der wurzel packen, zu bewerten) wäre jedoch
    1. den teilnehmern klar einzuschärfen, dass ein gesetzter stopkurs keine garantie dafür ist, dass man auch zu den gewünschten kurs ausgestoppt wird.
    2. einschärfen, dass man niemanden (nicht einmal einer nationalbank) vertrauen entgegenbringen darf. siehe art und weise wie die schweizer nationalbank die wechselkurs-bindung beendet hat.
    man sich also immer schlagartige paradigmenwechsel vor augen zu halten hat.
    punkt 1 und 2 gemäss wäre also aufklärung einer regulierungswut der behörde vorzuziehen.
    dazu müssten die broker ihre (schon sehr umfangreichen) seminare noch um einige "was ist wenn es einmal schief läuft" punkte erweitern.
    3. am sinnvollsten wäre (anstelle des behördlichen "wundermittel" hebel herabsetzung und positons stop loss) die broker anzuhalten für ihre handelskonten einen quasi echtzeit stresstest ansatz zu implementieren. sprich ein konto muss jederzeit einen unvorhergesehenen kurssprung in der höhe von x % (könnte mir bei währungen eine grössenordnung um die 3% bis 5% herum vorstellen -für aktien metalle etc. kann man entsprechende individuelle grenzen festlegen) aushalten können.
    jedoch immer auf die gesamt-kontogrösse bezogen.
    dabei kann ich mir auch den kontogrössen entsprechend spezifische sätze vorstellen. dies da ein nachschuss in der höhe von beispielsweise € 1000 für ein sehr kleines konto wohl keine probleme bereiten wird ein nachschuss in millionenhöhe dagegen kann leicht kopfschmerzen bereiten....
    zum angestrebten positions stop loss ansatz möchte ich noch sagen, dass dieser wohl einen der schlechtesten ansätze darstellt (eigentlich eine teil-entmündigung !! des händlers) die mir je untergekommen sind und ich handle seit ende der 1980er jahre.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 31.01.2018 um 16:16 Uhr

    Dein beschriebener "Stresstest" gefällt mir außerordentlich gut. Ist natürlich für den Broker mit Aufwand verbunden. Die einfachere Lösung wäre zwar schon ein strikter Stop-Out, aber wie bisher auch auf das Konto bezogen, und nicht auf jede Position. Dazu ein Hebel von 1:100 bis von mir aus auch 1:50, und dann ist das ein tolles, unkompliziertes Produkt mit dem sich professionell traden lässt. Auch für jene die von Risikomanagement nichts verstehen...

  • Marten Zotner kommentierte am 30.01.2018 um 16:01 Uhr

    Der CFD Markt bzw. die damit verbundenen Einnahmen gehen bislang an den klassischen Banken mehr oder weniger vorbei. Zwar haben einige den Knall gehört und bieten den Handel mit CFD ebenfalls an, aber mit den darauf spezialisierten Brokern können sie nicht konkurrieren. Einhergehend mit dem Handel über CFD "leiden" potentielle Umsätze für Zertifikate und andere Spekulative Produkte der Banken, an deren Verkauf sie verdienen ( bislang auch eine Gelddruckmaschine für Banken, neben der Giralgeldschöpfung ) . Eine derartige (geplante) Einschränkung des einen Produktes schützt die Banken-eigenen ähnlichen Produkte. Das ist alles. Der ganze Hintergrund dieser Aktion. Hier wird ein Markt geschützt, eines der ältesten Prinzipien der Wirtschaft. Die neutralen Gremien die dies beschliessen oder vorschlagen sind genauso Verbraucherfreundlich wie die Normengremien in der Industrie, die heute beschliessen was morgen gebaut wird und ausschliesslich von den Produzenten "besetzt" sind. Die Banken werden hier ihre Macht ausspielen wollen, bis auch der letzte Trader wieder seine Kommissionen und Provisionen bei Ihnen lässt, so oder so. Mal sehen wer bei diesem Spiel der Spiele am längeren Hebel sitzt. (Achtung 2 Wortspiele in einem Satz) Beste Grüße an alle freiheitsliebenden Trader - Marten

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 31.01.2018 um 16:18 Uhr

    Das gute alte Lobbying. Wird nie langweilig....

  • Ramona kommentierte am 30.01.2018 um 14:59 Uhr

    Es geht hier doch garnicht um Kundenschutz, ausserdem sollte man mal aufhören die Menschen wie dumme Kinder zu behandeln,aber hier zeigt sich eben wieder wer die wahre "MAFIA" ist.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 31.01.2018 um 16:19 Uhr

    Wenn ich beide Augen zudrücken würde, könnte ich der ESMA sogar zugestehen, tatsächlich den Kunden schützen zu wollen. Siehe Verbot der Binären Optionen. ABER die gewählten Mittel sind unpassend, viel zu restriktiv und spielen anderen Playern der Branche in die Hände.

  • Fabian kommentierte am 30.01.2018 um 13:50 Uhr

    heißt das jetzt dass der CFD-Handel für kleine Konten nicht mehr rentabel ist, sonder man nur noch mit großem Konto traden kann???

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 31.01.2018 um 16:26 Uhr

    Die Frage ist nicht ob rentabel oder nicht. Darüber entscheiden ganz alleine deine Trades.

    Die Frage ist wie viel Kapital benötigst du für deine geplanten Sizes. Als Margin wird halt dann ca. das fünffache wie bisher notwendig sein.

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