Der europäische Luftfahrtriese Airbus sieht sich zu Beginn des Jahres 2026 mit erheblichen operationellen Herausforderungen konfrontiert. Das Analysehaus mwb Research warnte in einer aktuellen Einschätzung vor steigenden Ausführungsrisiken, die eine weitere Revision der Auslieferungsziele des Unternehmens wahrscheinlicher machen.
Aktuelle Auslieferungszahlen bleiben hinter Erwartungen zurück
Die Analysten von mwb Research prognostizieren für Mitte März 2026 etwa 95 ausgelieferte Flugzeuge, was lediglich 11,1 Prozent des Jahresziels von 870 Maschinen entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen die Schwierigkeiten, mit denen Airbus bei der Erfüllung seiner ambitionierten Produktionsziele konfrontiert ist.
Das Analysehaus stellte gleichzeitig klar, dass Gerüchte über noch niedrigere Auslieferungsraten von nur 6,2 Prozent bis Mitte März unbegründet seien. Dennoch zeigen die aktuellen Zahlen deutlich, dass das Unternehmen seine Produktionsziele möglicherweise nicht erreichen wird.
Triebwerkverfügbarkeit als zentraler Engpass
Ein Hauptproblem für Airbus bleibt die begrenzte Verfügbarkeit von Triebwerken. mwb Research identifizierte die Triebwerkverfügbarkeit als „weiterhin den wichtigsten Engpass“ in der Produktionskette. Diese Situation wird durch zusätzliche Lieferkettenprobleme verschärft, insbesondere durch die Abhängigkeit von Zulieferern im Nahen Osten.
Die Kombination aus Versorgungsengpässen und der Exposition gegenüber nahöstlichen Lieferketten erhöht das Risiko weiterer Produktionsverzögerungen erheblich. Diese Faktoren könnten dazu führen, dass Airbus seine Jahresprognosen erneut nach unten korrigieren muss.
Strategische Partnerschaften im Nahen Osten
Trotz der Risiken baut Airbus seine Partnerschaften in der Region weiter aus. Das Unternehmen hat seine Zusammenarbeit mit Strata erweitert, um Querruder für die A320-Familie zu produzieren. Dieses Arbeitspaket soll etwa die Hälfte des Bedarfs des Herstellers abdecken.

mwb Research betonte, dass diese Vereinbarung „die strategische Relevanz der nahöstlichen Fertigung erhöht“. Gleichzeitig warnen die Analysten vor zusätzlichen Risiken, da viele Produktionsanlagen in der Region in der Nähe von Flughäfen liegen, die potenzielle Ziele darstellen könnten.
Verteidigungsgeschäft als Werttreiber
Trotz der operationellen Herausforderungen sehen Analysten Potenzial in Airbus‘ Verteidigungsaktivitäten. Besonders hervorzuheben ist die 37,5-prozentige Beteiligung an MBDA, einem führenden europäischen Rüstungsunternehmen.
Nach Einschätzung von mwb Research wird diese Beteiligung am Markt unterbewertet. Der geschätzte Wert beläuft sich auf etwa 7 Milliarden Euro, was ungefähr 5 Prozent des Unternehmenswertes entspricht. Die Analysten argumentieren, dass diese Beteiligung „unter dem EBIT liegt und daher in der Aktiengeschichte unterbewertet wird“.
Möglicher Börsengang von MBDA
Ein potenzieller Börsengang von MBDA könnte erheblichen Wert für Airbus-Aktionäre schaffen. mwb Research erklärte, dass „ein möglicher Börsengang die Transparenz verbessern und Wert freisetzen könnte“. Ein solcher Schritt würde die Bewertung der Verteidigungsaktivitäten von Airbus transparenter machen und möglicherweise zu einer höheren Gesamtbewertung des Konzerns führen.
Die Analysten sehen in einem MBDA-Börsengang eine Möglichkeit, die Portfoliotransparenz zu verbessern und die Bewertung zu unterstützen. Dies könnte insbesondere in einem Umfeld steigender Verteidigungsausgaben in Europa von Vorteil sein.
Analystenbewertung und Kursziel
Trotz der identifizierten Chancen im Verteidigungsbereich bleibt mwb Research bei einer vorsichtigen Einschätzung der Airbus-Aktie. Die kurzfristigen Auslieferungsrisiken haben zugenommen, was die Analysten dazu veranlasste, ihre Schätzungen für 2026 leicht zu reduzieren.
Das Analysehaus bestätigte seine „HALTEN“-Empfehlung mit einem Kursziel von 173,00 Euro. Die Bewertung nach der Discounted-Cash-Flow-Methode bleibt trotz der reduzierten Schätzungen unverändert.
Ausblick und Risikofaktoren
Die kommenden Monate werden entscheidend für Airbus sein, um zu demonstrieren, dass das Unternehmen seine operationellen Herausforderungen bewältigen kann. Die Abhängigkeit von externen Triebwerkslieferanten und die geopolitischen Risiken in wichtigen Produktionsregionen bleiben zentrale Unsicherheitsfaktoren.
Investoren sollten die Entwicklung der monatlichen Auslieferungszahlen genau verfolgen, um frühzeitig Anzeichen für weitere Zielrevisionen zu erkennen. Gleichzeitig bietet die potenzielle Wertschöpfung durch das Verteidigungsgeschäft langfristige Chancen, die bei der aktuellen Bewertung möglicherweise noch nicht vollständig berücksichtigt sind.
Die Balance zwischen kurzfristigen operationellen Risiken und langfristigen strategischen Chancen wird die Performance der Airbus-Aktie in den kommenden Quartalen maßgeblich bestimmen.


