Die DOW-Theorie

Der Ursprung der Technischen Analyse: Die DOW-Theorie

Die frühen Ursprünge der technischen Analyse gehen zwar auf Gold- und Reishändler im Japan des im 17. Jahrhundert zurück, denn die Geschäftsleute suchten eine Methode zur Berechnung von Preisprognosen. Die erste systematische Ausarbeitung der Technischen Analyse stammt jedoch von Charles Dow, der am 3. Juli 1884 in den USA einen Aktienindex kreierte, in dem 11 Aktien enthalten waren - hauptsächlich Eisenbahngesellschaften.

In 255 Artikeln des von ihm gegründeten Wall Street Journals hat Dow in den folgenden Jahren seine Untersuchungen über die Bewegungen am Aktienmarkt niedergeschrieben. Ein zusammenhängendes Buch übrigens, hat er nie verfasst.


Kernaussagen der Dow-Theorie

Die Dow-Theorie basiert auf folgenden Annahmen:

1. Im Index sind bereits alle Informationen enthalten

Im Index – oder eben auch im jeweiligen Aktienkurs - sind bereits alle Informationen enthalten, diskontiert, die es an Meldungen über den betreffenden Basiswert gegeben hat. Selbst die Einschätzungen der Akteure bezüglich der Zukunft, finden sich in den Kursen wieder.
Von entscheidender Wichtigkeit sind dabei die Trends, die in jedem Chart zu erkennen sind. Kurse bewegen sich immer in Trends. Wobei ein Aufwärtstrend sich durch steigende Hochs und steigende Tiefs auszeichnet, ein Abwärtstrend durch fallende Tiefs und fallende Hochs.

2. Der Markt weist stets drei Haupttrends auf

Der Markt weist drei Haupttrends auf. Der primäre Trend, der sekundäre Trend und der tertiäre Trend.

Der primäre Trend dauert mehrere Jahre. Dieser primäre Trend galt dem besonderen Interesse von Dow. Die folgende Graphik illustriert dies:

Grafik Primäre Trend

Der sekundäre Trend zeigt Korrekturen im Haupttrend auf. Die grundsätzliche Trendrichtung ist zwar nicht gebrochen, aber für 1 bis 3 Monate sind Gegenbewegungen möglich. Im Grunde handelt es sich hierbei um Zacken in der Trendrichtung. Bei diesen Zwischenkorrekturen kann es zu Einbrüchen von bis zu 66 % kommen.

Der tertiäre Trend schließlich hält nur wenige Tage an. Hier dominieren kurzfristige, untergeordnete Bewegungen, wie sie z.B. nach erhöhten Ordervolumina einsetzen. Oft besteht ein Sekundär-Trend aus mehreren kleinen Tertiär-Trends. Dow hat diese kleinen Trends als unbedeutend eingestuft und nicht weiter beachtet.
Zusätzlich zu diesen Überlegungen zur Trendrichtung hat Charles Dow weitere Kriterien hinzugefügt, um die Bewegungen in den Aktienmärkten zu beschreiben.

3. Der primäre Trend ist in drei Phasen aufgeteilt

Nun ist dieser primäre Trend seinerseits in drei unterschiedliche Phasen aufgeteilt.

Akkumulationsphase

Die erste Phase bildet die Akkumulationsphase, in der, nach einem wirtschaftlichen Abschwung, wieder die ersten Käufer in den Markt strömen. Clevere Investoren, das „smart Money“, bauen erste Positionen auf.

Partizipationsphase

In der Partizipationsphase haben sich bereits viele Anleger mit Aktien eingedeckt, aber noch geht die Kaufwelle weiter. Die Kurse steigen weiter, und immer mehr Trendfolger strömen in den Markt, weshalb die Kurse rasant nach oben schießen.

Distributionsphase

Die Distributionsphase markiert die Trendwende. Die ersten, cleveren Anleger nehmen ihre Gewinne mit und es kommt zu einer Seitwärtsbewegung, bevor die Kurse dann einbrechen. Die breite Masse hingegen kauft immer noch, obwohl die Rekordgewinne bei den Unternehmen den Höhepunkt überschritten haben und es mit der Wirtschaft wieder bergab geht. Die „zittrigen Hände“ gewinnen die Oberhand.

Dow Theorie - Drei Phasen einer Kursbewegung

4. Bei den Indizes gilt Das Prinzip der Bestätigung

Dow war er der Ansicht, dass nicht nur ein einziger Index die oben erwähnten Phasen durchlaufen muss, um aussagekräftig zu sein, sondern mehrere gelichzeitig. Hierzu sollte man wissen, dass es zu Dows Zeiten nur sehr wenige Aktien und noch weniger Indizes gab. Dow selbst hat 1897 seinen ersten Index aufgelöst und die heute noch existierenden Indizes, den Dow-Jones Industrial-Index sowie den Dow-Jones Transport-Index, der 20 Eisenbahn-Aktien enthielt, geschaffen. Nur wenn diese beiden Indizes in ihrem Kursverhalten annähernd gleich liefen, galt dies als Trendbestätigung.

5. Der Trend muss vom Volumen bestätigt werden

Doch all das reicht immer noch nicht aus, um einen Trend wirklich als nachhaltig einzustufen. Dazu bedarf es zusätzlich eines erhöhtes Ordervolumens. An der Börse ist es ja prinzipiell möglich, dass an ruhigen Tagen ein paar Käufer ausreichen, um eine Aktie nach oben zu hieven. Das geschieht, wenn z.B. keine Verkaufsorders und nur wenige Kauforders in die Orderbücher eingehen. Diese Phasen mit geringem Handel hat Dow nicht beachtet. Trends haben für ihn nur dann Substanz, wenn auch der Ordervolumen exorbitant ansteigt, denn das bestätigt, dass sehr viele Marktteilnehmer den Trend auslösen sowie anschließend bestätigen und eben nicht nur ein paar Spekulanten.

Im Prinzip soll dabei der Umsatz in Richtung des momentanen Trends ansteigen. D.h. In einem Aufwärtstrend steigt das Volumen bei steigenden Kursen. Bei fallenden Kursen innerhalb dieses Bullenmarktes, also z.B. im Zuge der oben beschriebenen sekundären Phase, verringert sich das Volumen. Andersherum verhält es sich in einem intakten Bärenmarkt. In diesem Abwärtstrend soll der Umsatz bei fallenden Kursen steigen und bei steigenden Kursen zurückgehen.

Kernaussagen der Dow-Theorie auf einen Blick

  • Alle Informationen sind bereits im Index enthalten
  • Der Markt weist drei Trends auf
  • Primäre Trends sind in drei Phasen aufgeteilt
  • Die Indizes müssen sich gegenseitig bestätigen
  • Das Ordervolumen muss den Trend bestätigen

Kritik an der Dow-Theorie

Zwar war die Dow-Theorie erste Untersuchung ihrer Art, doch sie konnte natürlich keine umfassende und bis ins Detail endgültige Fassung liefern. Denn Dow hat in seinen beiden Indizes lediglich 32 Aktien untersucht (12 im Industrie- und 20 im Eisenbahn-Index). Und aus den Bewegungen dieser wenigen Aktien allgemein gültige Aussagen über das Verhalten der Märkte mit den heute weltweit hundert tausenden Aktien abzuleiten, ist unmöglich.

Da Dow sich außerdem nur für Tagesschlusskurse interessiert hat, fielen die Beobachtungen von Tagesschwankungen völlig aus dem Raster seiner Überlegungen. Heutige Daytrader können mit Dows Theorie also kaum etwas anfangen. Denn Intraday Trendeinbrüche und Umkehrformationen sind nach der Dow-Theorie nicht erkennbar.

Scalper hätten schlichtweg kein Instrument in der Hand, wonach sie ihr Traden ausrichten könnten. Aber auch Swing-Trader müssten passen, denn eine Trendumkehr erkennt man oft erst viel zu spät. Es werden zwar entscheidende Signale generiert, wenn vorherige Hochs bzw. Tiefs unter- bzw. überschritten werden, doch zu diesem Zeitpunkt, das zeigen empirische Forschungen, sind schon gut 25 % der Gesamtbewegung vorbei.

Somit fehlen klare Regeln, unter welchen Bedingungen konkrete Käufe und Verkäufe zu tätigen sind. Bei komplexen Marktsituationen bleibt einfach viel zu viel im Vagen. Der Interpretationsspielraum ist viel zu groß. Doch man darf Charles Dow auch kein Unrecht tun. Es mag vielleicht überraschend klingen, aber Dow hatte gar nicht den Anspruch, exakte Prognosen über den Aktienmarkt abzuliefern. Er wollte eher einen Maßstab entwickeln, an Hand dessen sich ablesen lässt, wohin sich die Wirtschaft künftig entwickelt. Somit hat er im Grunde einen ökonomischen Frühindikator entworfen. Und das ist seine außergewöhnliche Leistung.

Dennoch dürfte für langfristig orientierte Fondsmanager die Dow-Theorie ein interessantes Hilfsmittel darstellen. Es gibt empirische Untersuchungen, die zeigen, dass die Theorie zwischen 1920 und 1975 68 % der Signale des Dow-Jones und Dow-Jones-Transport-Index sowie 67 % des S&P erfasst hat.