Stopp Loss: Der Fallschirm für Trader in allen Details

FallschirmHandeln ohne Stopp Loss ist wie ein Sprung in die Tiefe ohne Fallschirm. Doch wie genau funktioniert ein Stop Loss? Welche Rolle spielt es bei der Entwicklung von Handelsstrategien? Schützt es wirklich zu 100 %? Und welche speziellen Risiken entstehen im Zusammenhang mit Stopp Loss Orders? Diese und weitere Fragen werden an dieser Stelle beantwortet.


Wie funktioniert ein Stopp Loss?

Stopp Loss Orders werden von Brokern, nicht von Börsen angeboten. Eine Stopp Loss Order kann direkt mit einer Order übermittelt oder nachträglich zu einer bestehenden Position hinzugefügt werden.

Bei Longpositionen markiert ein Stopp Loss einen Kurswert unterhalb des aktuellen Marktniveaus, bei dessen Erreichen automatisch eine Verkaufsorder ausgelöst wird. Der Broker wird somit beauftragt, bei Erreichen der Kursschwelle ohne weitere Weisung des Kunden die Position glattzustellen bzw. die Wertpapiere zu verkaufen.

Für die Wirksamkeit einer Stopp Loss Order spielt es keine Rolle, wie sich der Kurs nach dem einmaligen Erreichen der Kursschwelle entwickelt. Der Auftrag bleibt auch dann gültig, wenn der Kurs nach einem zwischenzeitlichen Rücksetzer wieder ansteigt und die Order zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgeführt wurde.


Warum ist ein Stopp Loss so wichtig?

Zu große Verluste gelten als Hauptursache für das Scheitern im aktiven Handel.

Stopp Loss Orders dienen der Risikobegrenzung. Trader können auf diesem Wege festlegen, wie viel sie maximal in einer Position bereit sind zu verlieren. Dadurch können große Verluste in einzelnen Positionen (weitgehend) ausgeschlossen werden.

Der Grund liegt auf der Hand: Werden 2 % des in einer Position eingesetzten Eigenkapitals verloren, ist im Anschluss daran ein Gewinn von 2,04 % erforderlich, um die Ausgangssituation wiederherzustellen. Werden dagegen 20 % verloren, bedarf es bereits eines Folgegewinns in Höhe von 25 %, um den früheren Status Quo erneut zu erreichen. Bei 50 % Verlust sind im Anschluss 100 % Gewinn erforderlich usw.


Beispiel für Stopp Loss Orders im Handel

Nachfolgend ein Fallbeispiel für den Einsatz von Stopp Loss Orders.

Beispiel I: Es wird eine Kauforder in einer Aktie erteilt, die zu diesem Zeitpunkt bei 50,02 zu 49,99 EUR notiert. Zusammen mit der Kauforder wird ein Stopp Loss bei 49,00 EUR platziert. Die Kauforder wird zu 50,02 EUR ausgeführt. Im Anschluss daran sinkt der Geldkurs auf 48,90 EUR, steigt jedoch sofort danach wieder auf 49,20 EUR an.

Was passiert? Da der Geldkurs (das ist der Kurs, zu dem jede Verkaufsorder und damit auch eine Stopp Loss Order ausgeführt wird) einmalig die Marke von 49,00 EUR erreicht bzw. unterschritten hat, ist die Stopp Loss Order unwiderruflich ausgelöst. Es handelt sich um eine unlimitierte Marktorder, die zum nächstbesten verfügbaren Kurs ausgeführt wird. Dieser kann unter, aber auch oberhalb von 49,00 EUR liegen.


Welcher Kurs genau löst ein Stop Loss aus?

Screenshot Orderbuch

Screenshot: Auch der Spread im Orderbuch entscheidet über das Auslösen einer Stop Loss Order

Wann genau ist der Stop Loss Kurs eigentlich „objektiv“ erreicht? Bei Market Makern ist dies der Fall, wenn die Quotierung des MM den SL-Kurs erreicht – bei Longpositionen der Geldkurs und bei Shortpositionen der Briefkurs.

Im börslichen Wertpapierhandel und bei DMA Brokern gestaltet sich die Definition des auslösenden Kurses etwas komplizierter. Ein Stop Loss wird hier ausgelöst, wenn der Kurs der Aktie am ausgewählten Börsenplatz das festgelegte Niveau erreicht. Für ein auf Xetra bezogenes Stop Loss spielt es demnach keine Rolle, wenn der Auslösungskurs an einer Regionalbörse unterschritten wird.

Hier wird das Orderbuch herangezogen. Ganz oben im Orderbuch sind der jeweils höchste Geldkurs und der niedrigste Briefkurs angegeben. Erreicht der höchste Geldkurs den SL-Wert, wird die Order ausgelöst. Prinzipiell können Broker auch andere Regelungen (z. B. Mittelkurs) anbieten.

Die Regularien der Börse spielen keine Rolle, da es sich bei einer Stop Loss Order um eine Vereinbarung ausschließlich zwischen Broker und Kunde handelt. Der Broker speichert den bedingten Auftrag auf seinen Servern und entlastet damit den Kunden von der Notwendigkeit, ständig den Markt zu beobachten.

Broker – gleich welchen Typs – setzen einen Mindestabstand zwischen Stop Loss und aktuellem Marktkurs fest. Die Mindestabstände variieren zwischen verschiedenen Anbietern - für Strategien mit sehr engen Verlustbegrenzungen kommen deshalb nur Broker mit entsprechend geringen Abständen in Betracht: Ein Vergleichsmerkmal, das viel zu selten berücksichtigt wird.


Trailing Stop, Stop Loss Limit und Take Profit

Trailing Stop Orders

Seit einigen Jahren sind Trailing Stopps bei fast allen Brokern möglich. Diese Ordertypen dienen dazu, angelaufene, aber noch nicht realisierte Gewinne abzusichern. Ein Beispiel: Eine Aktie wird zum Kurs von 70,00 EUR gekauft, der Kurs steigt daraufhin auf 80,00 EUR an. Wurde beim Kauf eine Stopp-Loss Order bei 68,00 EUR platziert, führt eine Korrektur bis auf dieses Niveau herunter zum vollständigen Verluste der zwischenzeitlichen Gewinne.

Um dies zu vermeiden, können Anleger zum einen den Markt laufend beobachten und Stopp Loss Orders manuell adjustieren. So könnte zum Beispiel für jeden Kursanstieg um 2,00 EUR auch das Stopp Loss Level um diesen Betrag angehoben werden. Mit einer Trailing Stop Order lässt sich dieses Vorgehen automatisieren, so dass kein ständiges beobachten der Marktentwicklung erforderlich ist.

Screenshot: Mit Trailing Stops warden Gewinne abgesichert

Screenshot: Mit Trailing Stops warden Gewinne abgesichert

Die Anpassung erfolgt bei Longpositionen ausschließlich im Bezug auf steigende Kurse. Trailing Stops können einen prozentualen oder absoluten Abstand zum jeweiligen Marktkurs vorsehen. Es handelt sich hier wiederum ausschließlich um eine Vereinbarung zwischen Broker und Kunde, die Börse ist bis zum Zeitpunkt der Auslösung der Order nicht involviert.

Stopp Loss Limit Orders

Wird eine Stopp Loss Order ausgelöst (ganz gleich, ob mit oder ohne Trailing Mechanismus), handelt es sich um eine unlimitierte Marktorder. Diese wird zum nächstbesten Kurs ausgeführt, der im Extremfall drastisch von den Vorstellungen des Traders abweichen kann.

Dazu wiederum ein Beispiel. Eine Aktie notiert bei 75,00 EUR, ein Stopp Loss wurde bei 74,00 EUR installiert. Aufgrund eines unvorhergesehenen, drastischen Ereignisses kommt es zu massivem Verkaufsdruck, so dass die Ausführung der Verkaufsorder erst zu einem Kurs von 65,00 EUR möglich ist. Kurz nach der Ausführung der Order normalisiert sich die Marktlage wieder und der Kurs steigt auf 72,00 EUR. Die Order wurde jedoch zu 65,00 EUR ausgeführt.

Eine nicht unumstrittene Möglichkeit zur Begrenzung solcher Ausführungsrisiken sind Stopp Loss Limit Orders. Damit wird eine gewöhnliche Stopp Order mit einem Limit kombiniert, das bei Verkaufsorders einen Mindestkurs festsetzt, unterhalb dessen die Ausführung durch den Anleger nicht gestattet ist.

Stopp Loss Limit Orders sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden Ausführungsrisiken vermieden, andererseits wird der Schutzmechanismus ausgerechnet für den Fall sehr drastischer Verluste deaktiviert.

Verwandt mit Stopp Loss Orders sind Take Profit Orders, auch wenn es hier nicht um die Begrenzung von Verlusten, sondern um die Realisierung von Gewinnen geht. Eine Take Profit Order definiert ein Kursniveau oberhalb des aktuellen Marktniveaus, bei dessen Erreichen automatisch eine Verkaufsorder ausgelöst wird. Take Profit Orders eignen sich bei sehr konkreten Vorstellungen vom Kurspotenzial.


Wo wird ein Stop Loss am besten platziert?

In der Theorie erfordert die Platzierung von Stopp Loss Orders keine größeren Überlegungen: Im Rahmen des Money Managements wird der maximale pro Position zugelassene Verlust definiert und die Verlustbegrenzung entsprechend angesetzt.

Dazu ein Beispiel. Das Handelskonto weist ein Guthaben in Höhe von 100.000 EUR auf. Der Einsatz pro Position soll 5000 EUR betragen. Der maximale Verlust pro Position soll auf 0,5 % des Gesamtkontos bzw. 500 EUR bzw. 10 % des Positionseinsatzes begrenzt werden.

Eine aussichtsreiche Aktie notiert bei 50 EUR, so dass mit 5000 EUR 100 Aktien gekauft werden können. Pro Aktie darf der Verlust den Vorgaben entsprechend 5 EUR nicht überschreiten, so dass ein Stopp Loss bei 95 EUR platziert wird.

In der Praxis bieten sich manchmal (überschaubare!) Abweichungen von einer rein rechnerischen Festlegung des Stopp Loss Levels an. Das wäre etwa der Fall, wenn im obigen Beispiel bei 94,00  EUR eine signifikante charttechnische Unterstützung anzutreffen wäre. Dann bietet sich eine Platzierung der Stopp Loss Order knapp unterhalb des Unterstützungsniveaus, zum Beispiel bei 83,50 EUR an.


Handelsstrategie: Risikobegrenzung ist die zuverlässigste Stellschraube

Die Bedeutung von Stopp Loss Orders für die Entwicklung von Handelsstrategien wird vor allem von Einsteigen häufig unterschätzt. Diese richten ihren Fokus oft stärker auf die Entry Signale anstatt auf die Verlustbegrenzung.

Es sei an die beiden Quotienten erinnert, aus denen sich der Profitfaktor zusammensetzt. Der erste Quotient (Trade Ratio, Trefferquote) bildet das Verhältnis von profitablen zu defizitären Trades ab. Der zweite Quotient (Payoff Ratio) das Verhältnis der Gewinne in profitablen Trades zu den Verlusten in defizitären Trades.

Ausschließlich der Nenner des zweiten Quotienten – also der durchschnittliche Verlust in defizitären Trades - lässt sich tatsächlich kontrollieren. Schon rein intuitiv erschließt sich, dass die am stärksten der Kontrolle zugeneigte Stellschraube keinesfalls vernachlässigt werden darf.

Bei der Bemessung des Stopp Loss Abstands ergibt sich stets ein Zielkonflikt. Einerseits gilt: Je enger der durchschnittliche Verlust pro Position begrenzt wird, desto geringer müssen Trefferquote und Durchschnittsgewinn profitablen Positionen ausfallen, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Andererseits gilt: Werden Verluste sehr eng begrenzt, sinkt notwendigerweise die ausschließlich am Ausgang von Trades orientierte Trefferquote.


Stopp Loss und Nachschussrisiken

Vor allem im Zusammenhang mit Margin Trading muss auf einen weiteren Zusammenhang hingewiesen werden. Ein Stopp Loss Level definiert keinen garantierten Ausführungskurs, sondern lediglich ein mit der Auslösung einer Order verknüpftes Kursniveau. Kommt es zu drastischen Abweichungen, kann dies bei gehebelten Positionen zu Nachschusspflichten führen.

Nachschussrisiken im Zusammenhang mit extremem Marktentwicklungen werden weder durch Stopp Loss Orders noch durch Close Out Level des Brokers ausgeschlossen. Es gibt lediglich zwei Möglichkeiten, diese Risiken rechtsverbindlich auszuschließen: Erstens eine Begrenzung der Verluste auf das Kontoguthaben gemäß der AGB des Brokers, zweitens garantierte Stopp Loss Orders, bei denen der Broker den Ausführungskurs garantiert. Letztere sind häufig mit einem größeren Mindestabstand und zusätzlichen Kosten („Versicherungsprämie“) verbunden.


Hedging und Protective Put: Alternativen zum Stopp Loss

Es gibt Alternativen zu Stopp Loss Orders. Insbesondere längerfristig orientierte Anleger können Wertpapierbestände auch mit Put Optionen absichern. Entspricht der Basispreis der Option dem Marktkurs des Portfolios, handelt es sich um eine 100-prozentige Absicherung. Die Kosten für eine Put Option fallen umso höher aus, je näher der Basispreis am Marktkurs notiert und je höher die Marktvolatilität zum Zeitpunkt des Optionskaufs ist. Die Partizipation an steigenden Kursen wird durch den Kauf von Put Optionen nicht beeinträchtigt.

Eine weitere Alternative ist Hedging. Ein DAX Portfolio kann zum Beispiel durch den Kauf eines Short DAX ETFs zu 100 % gehedged und die Kursentwicklung damit neutralisiert werden. Hedging bietet sich an, wenn Marktrisiken für einen begrenzten Zeitraum ausgeschlossen werden sollen, ohne den Wertpapierbestand zu veräußern.