Marktscanner Vergleich: Funktionen und Kosten der bekanntesten Programme

Marktscanner gewinnen auch für Privatanleger und Trader zunehmend an Bedeutung. Die Kosten sind überschaubar, die Möglichkeiten groß. Wir haben uns Marktscanner der größten Anbieter am Markt genauer angesehen. Welche Kennzahlen und Filter gibt es? Wie viele Märkte können gescannt werden? Und was kostet die Nutzung?


Wie funktionieren Marktscanner?

Marktscanner lassen sich als eine Art Sortierfunktion beschreiben. Anwender legen Kriterien fest. Der Scanner untersucht Märkte auf das Vorliegen dieser Kriterien und listet jene Märkte auf, die die Kriterien erfüllen.

Ein Beispiel:
Sie legen fest, dass Sie sich für US-Aktien interessieren, die kürzlich ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht haben UND aktuell über diesem Niveau notieren UND über ihrem 20-Tage-Durchschnitt notieren.

Scanner können nach einzelnen Kennzahlen suchen (z. B. einem hohen Momentum), aber auch das gleichzeitige Auftreten mehrerer Voraussetzungen prüfen. Viele Scanner ermöglichen auch das Suchen nach konkreten Handelssignalen wie z. B. Expansion Breakouts oder Turtle Signalen.


Wie können Privatanleger Scanner einsetzen?

Der spezielle Nutzen für Privatanleger besteht in der Verringerung des Arbeitsaufwands. Mit einem Scanner kann eine Vielzahl von Märkten nach festgelegten Kriterien durchsucht werden. Dadurch können bereits angewandte Handelsstrategien auf zusätzliche Märkte ausgeweitet werden. Die Zahl der qualitativ hochwertigen Handelssignale steigt dadurch im besten Fall.

Aber: Trader sollten sich keinesfalls blind auf die Ergebnisse eines Scanners verlassen. Der Scanner teilt lediglich mit, welcher Markt aufgrund einer bestimmten Merkmalskonstellation interessant sein KÖNNTE. An diese automatisierte Feststellung sollte sich eine fallbezogene Analyse anschließen.

Wer als Privatanleger bislang ausschließlich Blue Chips gehandelt hat, sollte dies nicht nur wegen des Zugriffs auf einen Scanner ändern und in Scans nur Wertpapiere mit entsprechender Marktkapitalisierung berücksichtigen.


Scanner bekannter Entwickler und Broker im Portrait

Scanner werden von spezialisierten Dienstleistern angeboten. Zumeist sind diese Anbieter seit längerer Zeit mit verschiedenen Softwareangeboten und/oder Signaldiensten am Markt aktiv. Auch einige Broker bieten Marktscanner an. Wir haben uns die bekanntesten Angebote angesehen.

Guidants

Guidants wird durch die Guidants Trading GmbH und die Börse Go AG (beide ansässig in München) betrieben. Der Scanner ist einer von vielen Bestandteilen des Angebots. Der „Guidants Screener“ kann vollständig webbasiert genutzt werden, ein Download ist nicht erforderlich. Die Nutzung ist grundsätzlich kostenlos. Für einen Teil der hinterlegten Kennzahlen und Signale ist allerdings ein kostenloses Abonnement erforderlich. Im Tarif „Guidants ProUp“ fallen 19 EUR pro Monat an. Die Plattform verfügt über eine Schnittstelle zu verschiedenen Brokern, so dass Depotinhaber den Dienst in direktem Zusammenhang mit ihrem Portfolio nutzen können.

Der Scanner kann auf ca. 4.000 Aktien angewandt werden. Die Kurse werden durch die Börse Stuttgart bereitgestellt. Anwender können eigene Vorlagen aus mehreren Filterkriterien anlegen oder einzelne Scans durchführen. Hinzugefügt werden können Kennzahlen und Filter, aber auch Signale und Strategien.

Wählbar sind fundamentale und technische Kennzahlen bzw. Signale und Strategien. Im Bereich der fundamentalen Kennzahlen finden sich zum Beispiel Dividendenkennzahlen, die Liquiditätskennzahlen, Rentabilitätskennzahlen, Bewertungskennzahlen, Bilanzkennzahlen und Wachstumskennzahlen.

Die technischen Kennzahlen sind wiederum unterteilt in Performancekennzahlen, Volatilitäts- und Korrelationskennzahlen, Durchschnitte, Trendfolge- und Momentumkennzahlen sowie Hochs und Tiefs. So kann zum Beispiel nach den Märkten mit der höchsten Performance am aktuellen Handelstag, der letzten zwölf Monate oder in einem beliebigen Zeitraum gesucht werden. Auch gleitende Durchschnitte, Indikatoren wie MACD, Momentum, RSI und Relative Stärke nach Levy sowie Betafaktor, Korrelation und Volatilität sind mögliche Filterkriterien.

Im Bereich Signale und Strategien stehen zum Beispiel Ausbruchssignale (neue Hochs oder Tiefs), Trendsignale (zum Beispiel RSL Wert > 1 oder < 1, Ausbruch aus Bollinger Bändern usw.), Turtle Trading Signale und weitere Handelsstrategien zur Auswahl. Die fundamentalen Strategien beziehen sich zum Beispiel auf Unterbewertung gemäß Benjamin Graham oder Multiplikatoren wie PEG, Dividendenrendite, KGV oder KBV.

Screenshot: Ergebnis eines Scans bei Guidants

Screenshot: Ergebnis eines Scans bei Guidants

Die Ergebnisse werden als Tabelle ausgegeben. Die Tabelle kann nach jeder in einen Scan integrierten Kennzahl sortiert werden. Es können Alarme eingerichtet werden, die über das Auftreten von bestimmten Handelssignalen oder anderen durch Kennzahlen definierte Konstellationen informieren.

Tradesignalonline

Tradesignalonline ist eines der größten deutschsprachigen Portale zum Thema Technische Analyse und wird durch die Bremer Tradesignal GmbH betrieben. Neben Charting und einer Entwicklungsumgebung für mechanische Handelssysteme auf Basis der Sprache Equilla gehört auch ein Scanner zum Programm. Der Scanner ist wie das gesamte Angebot als Basisversion kostenlos. Der Zugang zum Premium-Scanner kostet 4,95 EUR pro Monat.

Mit der kostenlosen Basisversion können Teilmärkte (z. B. DAX) auf eine Vielzahl von technischen Kennzahlen hin untersucht werden. Die Ergebnisse können als Tabelle oder als kleine oder große Charts dargestellt und nach einer beliebigen Kennzahl sortiert werden. So ist es z. B. möglich, alle DAX-Werte aufsteigend nach ihrem aktuellen RSL-Wert zu sortieren. In der Basisversion können vor allem deutsche, europäische und US-Aktien sowie Devisen gescannt werden.

In der kostenpflichtigen Version können eigene Indikatoren für die Scans verwendet werden. Darüber hinaus ist es möglich, Gesamtmärkte zu scannen (z. B. Aktien DE), Scans zeitlich zu planen und mehrere Vorlagen zu speichern. Tradesignal sichert Nutzern des „Premium Scanners“ eine vorrangige Ausführung ihrer Scans zu. Auch in der kostenlosen Version dauerte es bis zur Ausführung während unserer Tests allerdings nur wenige Sekunden.

Traderfox

Traderfox ist ein Angebot der Traderfox GmbH aus Reutlingen. Die Software kostet 29 EUR pro Monat bei einer anfänglichen Mindestlaufzeit von drei Monaten und vier Wochen Kündigungsfrist. Bestandteil der Software sind – neben Kursdaten – u.a. der Trade Scanner und der Chartsignale Ticker. Die Scans beziehen sich auf ca. 3.000 Aktien. Abonnenten erhalten Zugriff auf das webbasierte Trading-Desk.

Der Trade Scanner ermöglicht die Suche nach Aktien, die aktuell ein bestimmtes Kriterium erfüllen. Ein Ausschnitt aus dem Tool ist in der Abbildung unten zu sehen. Zu den definierten Kriterien gehören z. B. Chartausbrüche (long oder short), Kerzenformationen und Keilformationen. Hinter jeder Kategorie ist angegeben, wie viele Signale am aktuellen Tag (linke Zahl) und unter Berücksichtigung aktueller Signale auch der Vortage (rechte Zahl) gerade auftreten.

Der Chartsignale-Ticker ergänzt den Scanner. Er informiert unabhängig von einem zuvor durchgeführten Scan über das Auftreten gleich welcher Chartsignale. Die Traderfox GmbH empfiehlt ihren Kunden, dieses Tool ganztägig auf einem separaten Bildschirm laufen zu lassen.

Der Scanner informiert auch über das Auftreten bestimmter Handelssignale. Genannt seien z. B. Jeff Cooper Expansion Breakout, Turtle Strategien, Gaps und die zahlreiche „klassische“ Kerzenformationen.

ProRealTime

Der ProRealTime “ProScreener” ist Bestandteil der ProRealTime Software. Diese wird durch die in Frankreich ansässige Betreiberin PROREALTIME SAS als „führende Workstation für Trader“ beworben. Nutzer können die Plattform auf Wunsch über Schnittstellen mit ihrem Broker verbinden und dann direkt über die Software Trades durchführen. Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des Entwicklers ca. 5,3 Millionen Trades auf diese Weise durchgeführt.

Die Basisversion von ProRealTime ist kostenlos und versteht sich als End-of-Day-Version. Für die kostenpflichtigen Versionen fallen für neue Kunden ca. 30-80 EUR pro Monat an – wer nicht über die Plattform handelt, zahlt zusätzlich Entgelte für Kursdatenabonnements. Die Plattform – aktuell in der Version 10.3 – muss heruntergeladen und installiert werden. Die Handhabung könnte an einigen Stellen benutzerfreundlicher sein. So öffnet die Plattform sehr schnell sehr viele Fenster.

In den Scanner sind nur eine Handvoll Indikatoren und Kennzahlen integriert, darunter RSI, Gleitende Durchschnitte und Engulfing Pattern. Die Bibliothek kann ausgebaut werden. Dies ist aber nur über die Plattform des als „Partner-Website“ vorgestellten Anbieters ProRealCode möglich. Scans können auf zahlreiche Märkte angewandt werden. Neben deutschen, europäischen und nordamerikanischen Aktien finden sich auch knapp 50 FX-Währungspaare in der Kursliste.

Die Ergebnisse werden als Tabelle ausgegeben und können nach jedem Merkmal aufsteigend oder absteigend sortiert werden.

Screenshot: “ProScreener” von ProRealTime

Screenshot: “ProScreener” von ProRealTime

Quelle: ProRealTime Complete

TraderWorkStation (z. B. bei LYNX)

Die TraderWorkStation (TWS) ist eine an Funktionen recht reiche Handelsplattform. Betrieben wird die TWS durch den britischen Broker Interactive Brokers aus London. Interactive Brokers ist über IB-Modelle auch auf dem deutschen Markt vertreten und steht z. B. hinter dem Angebot von LYNX.

Zum Funktionsumfang der TWS gehört auch ein Marktscanner. Die Plattform steht in mehreren Varianten zur Verfügung, die Client-Version (Download) ist jene mit den meisten Funktionen. Eine Demoversion der Software kann z. B. direkt bei Interactive Brokers heruntergeladen und aktiviert werden. Anwender sollten beachten, dass ein Teil der Software auch bei deutschen IBs von Interactive englischsprachig ist.

Der „Advanced Scanner“ ermöglicht Scans für Aktien, Indizes, Futures und Anleihen – insgesamt eine vierstellige Anzahl. Es gibt eine Vielzahl von technischen Kennzahlen, darunter auch relativ ausgefallene wie z. B. „Net Social Sentiment“.

Der „Mosaic Scanner“ bietet nichts wesentlich Anderes. Allerdings lassen sich hier die Filter mit wenigen Klicks und optisch etwas übersichtlicher festlegen. Die Ergebnisse werden als Tabelle ausgegeben, können aber auch in Excel exportiert werden.

Screenshot: Der Mosaic Scanner in der TWS

Screenshot: Der Mosaic Scanner in der TWS


WH Selfinvest

Der Luxemburger Broker WHSelfinvest bietet ein „Marktscanner-Paket“ für 25 EUR pro Monat an. Der Scanner durchsucht Aktienindizes, Rohstoffe und FX Währungspaare nach drei Signalen. Eines basiert auf Volatilität, eines auf dem Momentum und eines auf Bollinger Bändern. Der Scanner soll nach Aussage des Brokers „Einstiege für Daytrader und Swingtrader“ finden.

Letztlich handelt es sich bei dem Angebot von WH Selfinvest somit zum Teil um einen Signaldienst. Die Strategien setzen darauf, in Trendrichtung Positionen zu eröffnen, wenn ein bestimmtes Merkmal auftritt (Anstieg von Volatilität oder Momentum) bzw. Rücksetzer zum Einstieg in laufende Trends zu nutzen (Rücksetzer zu Bollinger Bändern).


Fazit

Es gibt mittlerweile einige Scanner am Markt, die ihren Dienst verrichten und die gezielte Suche nach Märkten in aussichtsreichen Situationen ermöglichen. Einige Scanner sind kostenlos, für andere fallen Abonnementgebühren an. Das gilt insbesondere für Scanner, die nicht nur Indikatoren, sondern komplette Handelssignale liefern. Bei einigen Angeboten (vor allem von Brokern) fällt die Abgrenzung zwischen Scanner und Signaldienst aufgrund der geringen Zahl der eingesetzten Filter schwer.

Marktscanner sind keine „Lizenz zum Gelddrucken“, sondern lediglich ein Instrument zur Verringerung des Arbeitsaufwands. Anwender können sich innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über Märkte mit Potenzial verschaffen. Vielen Privatanlegern erleichtert dies im besten Fall einen Blick über den Tellerrand: Interessante Aktien finden sich nicht nur in den großen Leitindizes.