Garantierter Stop-Loss

StopschildGarantierte Stop-Loss Orders: Nutzen, Kosten und Grenzen des Airbags

Mit einer garantierten Stop-Loss-Order sichern Trader gehebelte Positionen gegen Glattstellungsrisiken ab. Doch was kostet die Versicherung gegen Kurslücken und welche Broker bieten den „Airbag“ überhaupt an? Und nicht zuletzt: Welche Detailbestimmungen können den Schutz ad absurdum führen?


Wozu werden garantierte Stop-Loss-Orders benötigt?

Aktive Trader nutzen zur Verlustbegrenzung Stop-Loss-Orders:

Erreicht der Kurs einer geöffneten Position ein festgelegtes Niveau, wird automatisch eine Order zur Glattstellung ausgelöst.
Die Schwachstelle von Stop-Loss-Orders offenbart sich in turbulenten Marktsituationen.

In volatilen Phasen und insbesondere infolge starker, plötzlicher Kurseinbrüche kann der Ausführungskurs erheblich vom SL-Kurs abweichen. Dasselbe gilt bei über Nacht oder ein Wochenende gehaltenen Positionen, die nach der Wiedereröffnung mitunter mit einer Eröffnungslücke beginnen. Bei Positionen mit großem Finanzhebel führt dies zu beträchtlichen und im Extremfall (wie z. B. dem „Franken-Schock“) zu existenzbedrohenden Verlusten.


Wie funktioniert eine garantierte Stop-Loss-Order?

Einige Broker bieten deshalb garantierte Stop-Loss-Orders an:

Hier garantiert der Broker die Glattstellung der Position exakt zum gewünschten Kurs.

Der Broker trägt damit das Glattstellungsrisiko und muss die Kosten für Abweichungen ggf. selbst tragen. Im Gegenzug zahlen Trader fast immer eine Gebühr für die Garantie. Das Entgelt kann somit auch als Versicherungsprämie interpretiert werden. Dazu ein Fallbeispiel mit zwei Szenarien.

Fall A: Ein Trader sichert eine Longposition in einem DAX-CFD mit einem konventionellen Stop Loss ab. Die Kontraktgröße beträgt 1,00 € pro Punkt. Der Index notiert bei der Eröffnung der Position bei 10.500 Punkten, der Trader erwirbt 1,0 Kontrakte. Bei 10.350 Punkten wird ein nicht garantiertes SL platziert.


Beispiel für garantierte Stop-Loss Order

Es kommt infolge überraschend schwacher Konjunkturdaten zu einem starken Kursverlust; der Index gibt innerhalb weniger Minuten um 4 % auf 10.080 Punkte nach. Aufgrund des immensen Verkaufsdrucks gelingt dem Broker die Glattstellung erst bei 10.120 Punkten. Deshalb wird ein Gesamtverlust in Höhe von 380 € realisiert, obwohl das SL den Maximalverlust der Position auf 150 € begrenzen sollte.

Fall B: Bei ansonsten identischem Verlauf wird ein garantiertes Stop Loss platziert. Der Broker bucht die Glattstellung zu 10.350 Punkten ein, so dass dem Trader ein Verlust in Höhe von 150 Punkten entsteht. Den verbleibenden Verlust trägt der Broker. Dafür zahlt der Anleger einen um 1,5 Punkte breiteren Spread.


Was kostet eine garantierte Stop-Loss-Order?

Die Kosten für garantierte Stops können in Form einer zusätzlichen Gebühr oder über eine Ausweitung der Spreads vereinnahmt werden. Darüber hinaus können garantierte Stops nur mit Einschränkungen platziert werden. So ermöglichen längst nicht alle Broker die nachträgliche Einrichtung einer solchen Order. Außerdem müssen Trader häufig einen signifikant größeren Mindestabstand als bei konventionellen Stop-Loss-Orders beachten.

Der britische CFB Broker IG Markets nimmt für garantierte Stops einen Aufschlag auf die regulärem Spreads vor – beim DAX 1,5, beim Dow Jones 2,0 und beim S&P 500 0,25 Indexpunkte. Der Mindestabstand kann in Größenordnungen weiter entfernt vom aktuellen Marktkurs entfernt liegen als bei konventionellen Stop-Orders. Im Fall des DAX etwa sind 30 statt 6 Punkte notwendig.

Mindestabstand für garantierte Stops im DAX

Screenshot IG Markets I:
Der Mindestabstand für garantierte Stops im DAX beträgt 30 Punkte

 

 

höhere Gebühren für garantierte Stops

Screenshot IG Markets II:
Für garantierte Stops werden höhere Gebühren fällig

 

CMC Markets berechnet dagegen eine  GSLO-Prämeinsatz und multipliziert diesen mit der Kontraktgröße, um die Versicherungsprämie pro gehandelter Einheit zu berechnen. Für den Handel mit fünf Einheiten im DAX wird z. B. eine GSLO-Prämie in Höhe von 5,00 € fällig. WH Selfinvest gibt in einem in den Produktbedingungen aufgeführten Beispiel einen Mindestabstand von 5 % zum Marktkurs für garantierte Stops im Handel mit DAX-CFDs an.

City Index gibt für den DAX einen Mindestabstand von 40 Punkten und Gebühren in Höhe von 3 € je Kontrakt an. FXFlat ermöglicht garantieret Stops auf Indizes und teilt Mindestabstände und Konditionen direkt in der Handelsplattform mit. Auch andere Broker verfahren so – die Abstände und Prämien können dann in kurzer Zeit an die Marktvolatilität angepasst werden. Ayondo Markets bietet garantierte Stops für einen Teil des Basiswertekatalogs kostenlos an. Es wird allerdings eine maximale Handelsgröße (GSMS) definiert, die sich „je nach Marktlage“ ändern kann.


Alternative zu garantiertem Stop: Konto mit reduziertem Risiko

Ein wesentliches Problem für Daytrader und Kurzfristanleger stellt die Kostenstruktur der garantierten Stops dar, die bei fast allen Brokern unabhängig von der Haltedauer ist und stattdessen eine einmalige Gebühr bei der Eröffnung der Position vorsieht. Für Trader mit einer großen Anzahl an Transaktionen stellen die garantierten Orders damit einen beträchtlichen Kostenfaktor dar.

Es gibt durchaus Alternativen: Einige Broker verzichten ganz oder weitgehend auf Nachschusspflichten – entweder bei allen Kunden oder bei bestimmten Kontomodellen, die dann regelmäßig mit höheren Marginanforderungen verbunden sind. In diesem Fall greift der Schutz jedoch erst, wenn das gesamte Guthaben auf dem Handelskonto aufgezehrt ist.

 

Screenshot CMC Markets

Screenshot CMC Markets: Gebühren für garantierte Stops

 

Screenshot WH Selfinvest: Der Abstand der garantierten Order zum Markt beträgt 5 %

Screenshot WH Selfinvest:
Der Abstand der garantierten Order zum Markt beträgt 5 %