Commitment of Traders Report (CoT-Report):
Was bringen diese Informationen beim Trading?

18.05.2015 - 8 Minuten Lesezeit

Mit dem sogenannten CoT Report erhalten Sie Insiderinformationen über die Handelsentscheidungen großer Anleger wie Banken, Hedgefonds und Konzernen. Bauen Sie den CoT Report in Ihre Marktanalyse mit ein und schauen Sie, wohin das „Smart-Money“ fließt.

Wann werden CoT-Reports veröffentlicht und mit welchem Ziel?

Der Commitment of Traders Report wird in regelmäßigen Abständen von Commodity Futures Trading Commission veröffentlicht und zwar jeden Freitag um 21:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der CFTC Webseite. Diese Reports werden seit dem 30. Juni 1962 erstellt und in der heute bekannten Form seit 1992 veröffentlicht.

Ein Commitment of Traders Report zeigt aktuelle Handelspositionen anzeigepflichtiger Marktteilnehmer in Termingeschäften. Das Ziel des CoT-Reports ist es, Transparenz zu gewährleisten was die aktuell offenen Optionen- und Future-Kontrakte angeht – Open Interest also. Somit werden an jedem Freitag alle Bestände veröffentlicht, die es nach Handelsschluss gibt. Auf diese Weise können alle anderen Marktteilnehmer die Positionierung der großen Investoren nachvollziehen.

Was bedeutet der Begriff Open Interest?

Als „Open Interest“ wird das Gesamtvolumen aller unbedingten und bedingten Termingeschäfte bezeichnet. Als solche Geschäfte gelten die oben genannten Optionen- bzw. Future-Kontrakte. Beachten Sie, dass die Summe des Open Interest aller Teilnehmer am Markt immer Null ist, denn jedem Käufer steht immer ein Verkäufer gegenüber. Trotz dieses Ausgleichs können dem CoT Report trotzdem sehr wertvolle Informationen entnommen werden, denn die Verteilung der Positionen auf die einzelnen Marktteilnehmer kann ein wichtiges Merkmal darstellen.

Damit diese Verteilung sichtbar ist, werden beim CoT-Report die Marktteilnehmer in drei wesentliche Bereiche unterteilt:

  • Commercials
  • Non-Commercials
  • Non-Reportables

Steigt das Open Interest an, bedeutet es, dass das Handelsvolumen angestiegen ist und umgekehrt verhält es sich genauso: Nimmt das Open Interest ab, fällt somit das Handelsvolumen.

Marktteilnehmer im CoT-Report im Detail

Grundsätzlich können alle anzeigepflichtigen Marktteilnehmer in drei unterschiedliche Bereiche kategorisiert werden, die wir oben bereits kurz erwähnt haben. Ebenfalls ist das in älteren CoT-Reports der Fall: Inzwischen wurden diese Kategorien erweitert und mit dem „erweiterten CoT-Report“ beschäftigen wir uns etwas später.

Commercials: Unternehmen, die mit Absicherungsgeschäften arbeiten

Als Commercials werden Marktteilnehmer bezeichnet, die an den Terminmärkten vor allen aus Gründen der Absicherung agieren. Solche Teilnehmer bauen also regelmäßig Gegenpositionen auf und werden auch als „Hedger“ bezeichnet. Laut der Commodity Futures Trading Commission werden Commercials durch folgende Faktoren gekennzeichnet: Zum einen muss die gehaltene Position die vorgeschriebene kritische Anzahl an Kontrakten überschreiten und zum anderen muss sich der entsprechende Marktteilnehmer selbst offiziell als „Hedger“ bezeichnen.

Im Grunde sind Commercials erzeugende, verarbeitende und/oder produzierende Unternehmen, die sich im Terminmarkt absichern wollen, um die Abhängigkeit von zum Beispiel Rohstoffpreisen zu umgehen. In erster Linie spielt die Tatsache eine Rolle, dass Commercials nicht spekulieren sondern sich absichern wollen, indem sie entgegen den Erwartungen Positionen eröffnen.

Non-Commercials: Spekulative Geschäfte zur Gewinnsteigerung

Marktteilnehmer, die in die Kategorie Non-Commercials fallen, folgen in Grunde der Absicht, Gewinne zu erzielen und tätigen daher spekulative Geschäfte. Bei den Non-Commercials handelt es sich zum Beispiel um institutionelle Marktteilnehmer, wie Hedgefonds oder Money Manager aber auch Privatinvestoren, die aufgrund der Größe ihrer Positionen zwar unter die Meldepflicht beim CFTC fallen, aber nicht die Kriterien eines „Hedger“ erfüllen. So sind Non-Commercials institutionelle Händler, die die Mindestkriterien erfüllen, um beim CFTC meldepflichtig zu sein.

Non-Reportables: Teilnehmer ohne Meldepflicht

Bei den Non-Reportables handelt es sich um die Differenz zwischen den Open Interest Marktteilnehmern und den Positionen, die meldepflichtig sind. Die Non-Reportables stellen also kleine und individuelle Marktteilnehmer dar. In diese Kategorie fallen somit private Investoren. Eine verbreitete Bezeichnung für die Positionen dieser Teilnehmer ist „Dumb Money“. Dieser Ausdruck entstammt der Tatsache, dass solche Anleger häufig zu spät in bestehende Trends einsteigen und mangelnde Positionsgrößen aufbauen.

So kann der CoT-Report eingesetzt werden

Mit dem CoT-Report sind wichtige Einsichten in die Positionen der unterschiedlichen Marktteilnehmer möglich. Die Summe aller Positionen ergibt, wie bereits erwähnt, Null und vor diesem Hintergrund sollte die Verteilung der Positionen der drei Teilnehmer-Kategorien genauer betrachtet werden.

Eine weitverbreitete Vorgehensweise ist es, dem „Smart Money“ zu folgen oder zumindest keine Positionen einzugehen, die gegen die des Smart Moneys laufen. Als Smart Money gelten die Positionen der Commercials, weil es bei ihnen um Profis handelt, die sich auf die jeweilige Asset-Klasse spezialisiert haben und über eine hohe Kaufkraft verfügen.

Wenn sich also ein Unternehmen, das große Mengen Zucker für die eigene Produktion benötigt, mit den eigenen Positionen intensiv gegen fallende Kurse absichert, ist davon auszugehen, dass das Unternehmen fallende Kurse erwartet. Um das Ganze noch zu verdeutlichen, erläutern wir nachfolgend ein Beispiel.

Eine weitverbreitete Vorgehensweise, wenn es darum geht, den CoT-Report in die eigene Analyse mit aufzunehmen, ist es, die Nettopositionen der Commercials zu berücksichtigen. Im unteren Bild sind diese Positionen als blaue Linie an unteren Bildrand dargestellt. Das Bild zeigt den Kursverlauf eines Zucker-Futures und darunter finden sich die Nettopositionen der drei Marktteilnehmer-Kategorien.

Commitment of Traders Report

Wer sich mit der Interpretation des CoT-Reports auskennt, erkennt, dass die Kurven immer gegenseitig verlaufen – dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Gesamtpositionen ja immer Null ergeben. Man kann sagen, dass im Normalfall die Positionen der Non-Commercials und der Non-Reportables entgegen der Positionen der Commercials platziert werden.

Der Clou besteht im Grunde darin, große Änderungen der Positionen der Commercials zu erkennen, aus diesen Änderungen Taktiken abzuleiten und diese Strategien mit bestimmten Methoden wie zum Beispiel mit technischer Analyse zu verfeinern.

So kann man in unserem Beispiel erkennen, dass von Ende Mai bis Ende Juni die Verkaufspositionen der Commercials in großem Maße abgebaut wurden (auch wenn per Saldo noch immer ein geringer Verkaufsbestand zu Buche stand). Zugleich wurde auch das Open Interest geringer, was man daran erkennen kann, dass sich alle Drei Linien dem Nullpunkt nähern. Dies sind Anzeichen dafür, dass die vorherige Abwärtsbewegung schon bald zu Ende ist und in einen Seitwärtsmarkt übergeht. Ein frühes Zeichen für eine kommende Gegenbewegung.

Auch für Ausstiege können die Nettopositionen der Commercials einen Anhaltspunkt darstellen. Seit Anfang Juli ist die Anzahl der Verkaufspositionen wieder gestiegen. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung und auf diese Weise werden Möglichkeiten geboten, die eigenen Positionen zu verringern oder glattzustellen.

Der CoT-Index – Ein weiterer Indikator für die eigene Analyse

Der CoT-Index ist eine weit verbreitete und beliebte Methode, die dazu dient, Bestandsänderungen bei den Nettopositionen noch deutlicher aufzuzeigen. Für die Ermittlung des CoT-Index werden die entsprechenden Nettopositionen aller Marktteilnehmer ins Verhältnis zum Höchst oder Tiefstkurs eines bestimmten vorangegangenen Zeitabschnitts gesetzt. Auf diese Weise entsteht ein Oszillator, der zwischen zwei Extrembereichen und um die Nulllinie schwingt.

Im unteren Bild ist noch deutlicher erkennbar, wie sich die Nettopositionen verteilen. Die beiden linken Boxen im Bild zeigen unten wie die Verkaufspositionen abgebaut wurden und zeigen oben, wie sich der zugehörige Kursverlauf verhielt. Die untere Box auf der rechten Seite zeigt, wie die Nulllinie durchbrochen wurde und wieder immer mehr Verkaufspositionen aufgebaut wurden. In der oberen rechten Box ist zu sehen, wie der Kurs an dieser Stelle ein Top ausbildet.

cot2

Schlussendlich gibt es kein Rezept und auch keine Anleitung dafür, wie der Commitment of Traders Report oder der CoT-Index interpretiert werden sollten und die oben beschriebenen Beispiele sind nur ein kleiner Teil der verschiedenen Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass jeder Markt eigene Gesetze hat und sich somit keine generellen Aussagen treffen lassen. Grundsätzlich gilt jedoch: Vor allen bei mittel bis langfristigen Anlagen kann es sich durchaus lohnen, die jeweiligen Underlynings auch in Hinblick auf die Positionierungen bedeutender Marktteilnehmer zu betrachten, um auf diese Weise größere Umschichtungen zu erkennen.

Der CoT-Report – Erweiterungen seit dem Jahr 2009

Seit Anfang 2009 wird der Commitment of Traders Report um einen weiteren Report ergänzt, der 22 Rohstoffmärkte enthält und für zusätzliche Transparenz sorgen soll. Dort wird ersichtlich, welche Positionen die Marktakteure innehaben. Die Marktteilnehmer und ihr Bezug zum bisherigen Report lauten:

  • Producer, Merchant, Processor, User (Commercials)
  • Swap Dea­ler (Commercials)
  • Money Mana­ger (Non-Commercials)
  • Other Reportables (Non-Commercials)
  • Non-Reportables

Die Nachteile des CoT-Reports

Der CoT-Report hat allerdings nicht nur Vorteile, nachfolgend sollen auch die Nachteile erwähnt werden:

Nur Terminkontrakte werden berücksichtigt

Wie bereits erwähnt, bezieht sich CoT-Report nur auf Termingeschäfte. Somit findet der Report bei einzelnen Aktien keine oder nur sehr bedingte Anwendung. Geht es aber um Rohstoffe, Indizes oder auch Devisen, können aus dem Report aber viele nützliche Informationen entnommen werden.

Nur US-Kontrakte

Einen weiteren Kritikpunkt stellt die Tatsache dar, dass sich der CoT-Report ausschließlich auf die Termingeschäfte bezieht, die im US-Amerikanischen Raum gehandelt werden. Somit macht der Report nur einen Bruchteil der weltweit gehandelten Positionen aus. Allerdings kann der Report trotzdem als Indikator taugen.

Relativ seltene Veröffentlichungen

Der Fakt, dass der Report nur ein Mal in der Woche erscheint, stellt einen weiteren Nachteil dar. Das macht den Report für kurzfristige Anleger undbrauchbar und nur mittel- bis langfristige Trader können von den enthaltenen Informationen profitieren. Daytrader können den Report aber immerhin dazu nutzen, die institutionelle Grundstimmung auszumachen.

So erhalten Sie den CoT-Report

Den Report finden Sie direkt auf der CFTC-Webseite und können diesen kostenlos sowohl aktuell als auch historisch herunterladen. Sie werden feststellen, dass Ihnen dabei zwei Varianten zur Verfügung stehen. Da wären zum einen die reinen Handelspositionen der Future-Kontrakte und zum anderen finden sich die Daten zu den Optionen-Kontrakten. Die letztgenannte Alternative ist beliebter bei Anlegern, weil dort die Stimmung der Marktteilnehmer umfassender dargestellt wird. Auch zu empfehlen sind die historischen Daten, in denen Sie den langjährigen Verlauf des CoT-Reports nachvollziehen können.

Über den Autor

Philipp Berger

Philipp Berger

Philipp Berger entdeckte seine Leidenschaft für die Kapitalmärkte mit seinem ersten Aktienkauf mitten im Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Mit Ausbildung zum Finanzassistenten und abgeschlossenem Studium der Wirtschaftswissenschaften schreibt Philipp Berger regelmäßig auf Godmode-Trader.de und ist seit 2009 Webmaster vom Tradingblog Youngbrokers.net. Langfristig bevorzugt er Investments nach dem Value-Ansatz, kurzfristig hat er sich überwiegend dem Swingtrading von Aktien und Währungen verschrieben.

Kommentare

  • NG kommentierte am 17.02.2016 um 15:56 Uhr

    Open Interest ist per Definition die Gesamtmenge der offenen Kontrakte, wobei Long- und Short-Seite zusammen als ein Kontrakt (nämlich dessen beiden Vertragsseiten) gezählt werden. Die Angabe, dass das summarische Open Interest Null ist, trifft darum nicht zu.

  • Martin kommentierte am 25.02.2016 um 23:43 Uhr

    Deinen Kommentar NG verstehe ich nicht. Warum soll es nicht null sein?

  • Martin kommentierte am 16.01.2016 um 20:19 Uhr

    Hallo Philipp,
    ein sehr interessanter Artikel, der den CoT Report gut umreißt.
    Für das Trading muss man sich aber auf jeden Fall detaillierter mit dem Report auseinandersetzen. Gerade der neue Bereich "Swap Dealers" muss näher beleuchtet werden. Wieso? Nun, Swaps werden nicht über die Börse abgewickelt, aber genau diese Swap Dealers, allein JP Morgan, Citibank, Bank of America und Goldman Sachs verwalten ca 200 Billion, nur im OTC Market!! Deshalb hat die ISDA (International Swaps und Derivatives Association) auch mehrmals versucht den Bereich SWAP Dealers vom CoT Report entfernen zu lassen.

    Ich finde es mehr als erstaunlich und wundere mich immer wieder, dass es immer noch so wenig detaillierte und aufbereitete Informationen hinsichtlich der Geldbewegungen gibt. Gerade einmal 2000 Suchanfragen pro Monat (Cot Report9 im deutschen google. Dabei sind die Marktteilnehmer, die alle Märkte bewegen, USA, Europa, Asien.
    Anstatt beschäftigen sich die "Trader" und Investoren ständig mit Fibonaccis und Unterstützungszonen, ohne den wahren Geldfluss zu studieren.

    Die Wortwahl "Nachteile" ist ebenso unglücklich gewählt. Der Report hat keine Nachteile. Die Nachteile liegen in der Bequemlichkeit der Finaninteressierten, sich mit dem zu beschäftigen, was wirklich zählt.
    Der Report wurde früher monatlich erstellt, was gut war. Der wöchtentlich könnte eher kontraproduktiv sein, da auch die Commercials ihre Positionen adjustieren (gerade in der Erntesaison) und durch den wöchentlichen Report kann es bei den sowieso nur oberfläch studierenden Tradern zu Fehlinterpretationen kommen.

  • Jay kommentierte am 18.05.2015 um 14:52 Uhr

    Hallo,

    vielen Dank für diesen Bericht und diesen Hinweis. Diese Information hatte ich bisher nicht. Ich werde versuchen diese Information für mein Trading zu nutzen.
    Klasse!

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