Trading vs Poker

10.03.2014 - 6 Minuten Lesezeit

Welche Eigenschaften haben Poker- und Tradingprofis gemein? Gibt es Wege und Methoden, besondere Fähigkeiten in einem Bereich in Gewinne im anderen umzumünzen? Die Gemeinsamkeiten die Sieger ausmachen, sind in beiden Disziplinen frappierend. Beides fesselt mich seit Jahren, nachfolgend mein Versuch, die Faszination Börse und Poker unter einen Hut zu bringen.

Herr der eigenen Zeit

Seit ein Internetzugang fast so etwas wie ein neues Grundrecht ist, kann man beiden Beschäftigungen praktisch rund um die Uhr nachgehen. Wann man will, und wo man will. Sowohl Onlinepoker als auch etwa Forextrading sind rund um die Uhr möglich. Und beide haben ihre sogenannten „toten“ Zeiten. Genauso wie europäische Aktien um die Mittagszeit herum am wenigsten Volumen haben und um 17:30 dicht machen, geht der Wirbel auf amerikanischen Pokerplattformen abends und eigentlich erst nachts richtig los. Beide punkten also mit maximaler Flexibilität, genauso droht natürlich aber auch rund um die Uhr das Suchtpotential. Wer seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, ist ohnehin verloren: nur wer rational denkt, Chancen sorgfältig aber rasch abwägen kann, seine Stärken und Schwächen kennt und auch in schwierigen Situationen cool bleibt, hat das Gewinner-Gen.

Risk- und Moneymanagement

Um eine hohe Varianz wird man bei Poker nicht herumkommen. Genauso gehören lange Pechsträhnen beim Trading dazu, und müssen in die Planung einkalkuliert werden. Mein persönliches Worst-Case-Szenario ist dabei: der bisher größte Drawdown/schlimmste Verluststrähne * 1,5. Wer es noch konservativer mag, nimmt sogar ein doppelt so schlechtes Szenario an. Solche Rückschläge dürfen den Akteur finanziell also nicht aus dem Spiel kicken.

Meine Lieblingsvariante bei Poker sind Turbo-Shorthand-Sit & Go´s. Dabei spielt man nur gegen fünf Gegner, und muss bei rasch anwachsenden Pflichteinsätzen und kleinem Startkapital unter die Top 2 kommen, um eine Auszahlung zu erhalten. Der Buy-In dafür kostet z.B. 33$. Mein Planungspolster sind aktuell 20 Buy In´s Reserve. Um mir die nächste Stufe leisten zu können, die 44$-Turniere, benötige ich also 20 * 44 = 880$ Kapitalzuwachs, erst dann lasse ich die 33$ Turniere hinter mir (vorläufig zumindest, sind die 20 Buy In´s weg, muss ich wieder um 33$ spielen).

Beim Trading sind es ca. 1% meines Kapitals pro Trade, die ich riskiere. Das erlaubt mir auch schmerzvolle Verluststrähnen zu überleben. Um Fehler in der Strategie aufzudecken oder mich an veränderte Verhältnisse anpassen zu können, bevor der finanzielle KO eintreten könnte.

Man sollte übrigens beides, sowohl Poker als auch Trading, nur mit frei verfügbarem Kapital betreiben. Wer mental unter Druck gerät, dass er auf das Geld oder gar potentielle Gewinne angewiesen ist, wird grandios unter die Räder geraten.

Zur mentalen Komponente gehört auch, sich Tagesziele zu setzen. Sowohl was einen Tagesgewinn, als auch Tagesverlust angeht. Das hat mir in beiden Bereichen wohl schon manchen „schwarzen Freitag“ erspart, dass ich z.B. nach 5 Buy In´s oder 3% Tagesverlust den PC abgedreht habe. Es gibt einfach so Tage, da meint es Fortuna nicht gut mit einem.

Chancen und Hebelwirkung

Bei Poker ist der maximale Verlust immer auf den Einsatz begrenzt. Und mit geringen Einsätzen können riesige Gewinne erzielt werden. So beträgt der Einsatz bei einem der beliebtesten Turniere, dem Sunday Million auf PokerStars.com, 215$, der Gewinner geht in der Regel mit 150.000$ nach Hause.

Von hohen Hebeln lebt zwar auch die Tradingbranche, allerdings ist der Verlust nicht immer auf den Einsatz begrenzt. Beim Handel mit Futures, CFDs oder Devisen kann theoretisch eine Nachschusspflicht entstehen, wenn der offene Buchverlust die Kontoeinlage übersteigt. Hier kommt wieder ein diszipliniertes Risikomanagement ins Spiel.

Auf jeden Fall sollte man möglichst nach Situationen mit dem optimalen Chance-Risiko-Verhältnis suchen. Genauso wie man an den Börsenmärkten nach guten Setups Ausschau hält, die man kennt und einschätzen kann, sollte man beim pokern sein eigenes Niveau und das seiner Gegner gut kennen. Wer sich als Anfänger in ein Heads Up (1on1) gegen einen Profi begibt, hat sogar schlechtere Chancen als 50:50.

Glücksfaktor

Poker wird von vielen immer noch als Glücksspiel missverstanden. Selbstverständlich hat Fortuna einen gehörigen Einfluss darauf, welche Karten man selbst und die Gegner erhalten. Und viele sogenannte „Bad Beats“, Niederlagen bei denen man eigentlich klarer Favorit war vor der letzten Karte, bleiben einem noch lange in schmerzlicher Erinnerung. Langfristig entscheiden aber sehr wohl Disziplin, Nervenstärke, Kapitalkontrolle und vor allem die eigenen Taktiken über Wohl oder Wehe.

Beim Trading ist es doch nicht anders: wir entdecken astreine Setups, der Markt schreit förmlich nach der einen oder anderen Richtung, und trotzdem kommt es anders als man denkt. Man wird auch nicht selten punktgenau ausgestoppt, bevor der Trade doch noch in die geplante Richtung gelaufen wäre. Extrem wichtig in beiden Disziplinen ist einfach: Plane deine Vorgehensweise, und halte dich auch daran. Dann sind Fehltrades und verlorene Einsätze einfach Teil des Spiels, die einen emotional nicht aus der Bahn werfen.

Journal & Optimierung

Ach Gott, was habe ich nicht in all den Jahren schon alles ausprobiert. Tightes Poker, looses Poker, hyperaggressives Spiel, Cashgame, verschiedene Turnierformate usw. Man probiert, lernt (schmerzvoll weil verlorenes Geld) und zieht daraus die (hoffentlich) richtigen Schlüsse. Bis man irgendwann sein Spiel findet, und endlich anfängt kontinuierlich Gewinne zu machen.

Beim Trading ist der Aufwand noch einmal eine Potenz größer, schließlich geht es in der Regel auch um größere Summen. In der Vergangenheit getätigte Trades werden durch den Optimierer gejagt, um die besten Ausstiege zu finden, oder eine Methode um den ein oder anderen Fehltrade filtern zu können.

Voraussetzung für nachhaltige Verbesserung ist in beiden Fällen ein sauberes Journal. Nur wer Buch führt nicht nur über Gewinne und Verluste, sondern auch seine Gedanken und Rückschlüsse notiert, kann daraus sinnvolle Rückschlüsse für eine ertragreichere Zukunft ziehen.

Kosten

Bei Poker wie auch beim Trading verliert der Großteil Geld, das ist leider Fakt. Um langfristig zu den Gewinnern zu zählen gehört viel Fleiß und Disziplin. Genauso muss man auch die Kosten im Auge behalten und zu optimieren versuchen. Ein erschreckend großer Anteil eigentlich solider Pokerspieler verliert etwa nur wegen dem sogenannten „Rake“ Geld. Der Rake ist jener Anteil, den der Plattformbetreiber von Einsätzen bzw. Gewinnen einbehält.

Im Trading entstehen Kosten primär durch den Spread (Differenz zwischen Ankaufspreis und Verkaufspreis) und anfallender Kommissionen an den Broker.  Sowohl beim Rake als auch beim Spread und den Gebühren sind die Unterschiede je nach Anbieter groß.

Pokerspieler sorgen für Abhilfe, indem sie ihr Konto bei den jeweiligen Anbietern über sogenannte Rakeback-Programme eröffnen. Dadurch erhält man 30-40% seiner gezahlten Rakes wieder retour.

Nicht anders funktioniert die Brokervergleichsseite www.brokerdeal.de . Bis zu 40% vom Spread und den Gebühren zu sparen bedeutet langfristig einen enormen Chancenvorteil im Haifischbecken Börse.

Fazit

Ob jetzt Pokerspieler die besseren Trader sind oder umgekehrt ist unerheblich. Auf jeden Fall helfen einem die Fähigkeiten der einen Tätigkeit beim ausüben der anderen erheblich weiter. Die Gewinnchancen, kombiniert mit der freien Zeiteinteilung, der Selbstdisziplinierung und dem Training der grauen Gehirnzellen sind jedenfalls meine Beweggründe, beiden Disziplinen leidenschaftlich nachzugehen.
Mein Geld ist mir aber zu schade leichtfertig riskiert zu werden, wer sein Risiko und Emotionen nicht unter Kontrolle hat, sollte gleich die Finger davon lassen. Ich wünsche allen ein gutes Blatt und gute Trades!

Sie haben Fragen? Sie erreichen uns unter der Telefonnummer +49 (0) 89-44455506 oder unter info@brokerdeal.de

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

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