Swingtrading für Berufstätige

09.07.2015 - 20 Minuten Lesezeit

Nach einigen Auszeiten und wechselhaften Ergebnissen vor allem seit März war es an der Zeit, einen Schritt zurück zu treten und das Setup meines Tradings mit Aktien für Berufstätige einer objektiven Untersuchung zu unterziehen. Um langjähriges Vertrauen zu bestätigen, aber vor allem um eventuelle Schwächen auszumerzen und die Performancekurve zu glätten bzw. etwas steiler hin zu kriegen. Ob die Filterung mittels Wochencharts das Mittel der Wahl ist wird sich zeigen.

Strategie

Kurzfassung meiner Strategie: ich handle mit Blue-Chips aus Deutschland und Frankreich im Tageschart, die ich maximal vier Tage lang halte. Nach Signalen wird gemütlich nach Börsenschluss gesucht. Primäre Beute sind Aktien, die in einem klaren Trend korrigieren. Und dann kleine bullische Tageskerzen (für Longsignale, kleine bearische Kerzen für Shortsignale) ausbilden, die überdurchschnittlich oft den Beginn eines neuen Swings darstellen. Die Stop-Buy Order wird dann knapp über das Tageshoch gelegt, bei einem engen Stop-Loss der 0,6-fachen ATR kombiniert mit einem Kursziel im Ausmaß der 1,8-fachen ATR. Sekundäre Signale sind jene, die sich aggressiv an einem Boden/Topp zeigen, und tertiäre jene in einer Seitwärtsrange, die zumindest breit genug für unser Kursziel ist.

Die Entwicklung des Gesamtmarktes, übergeordnete Trends oder andere Faktoren hatten bisher keinen Einfluss auf die Einstiegssignale. Und zwar mit Recht, hatten solche zusätzlichen Parameter im Setup bisher doch nur negativen Einfluß auf die Ertragskurve.

Viel ausführlicher können Sie diesen simplen Ansatz in einem detaillierten Theorieteil nachlesen. Auch der Optimierung der Ausstiegsparameter habe ich bereits einmal Raum eingeräumt.

Optimierung

Das neue Optimierungsziel zielt diesmal aber nicht auf den idealen Ausstieg. Was zweifellos mindestens die Hälfte der Miete ist. Sondern auf eine Erhöhung der Qualität (und damit wohl auch der Quantität) der Einstiegssignale.

In 2015 bin ich mit den Shortsignalen extrem unzufrieden. Kein Wunder denken jetzt manche, warum auch Verkaufssignalen Folge leisten, wenn sich die wichtigsten Börsenindizes im klaren Aufwärtstrend befinden.

Tatsächlich war aber eine Stärke meines Swingtradings auf Sicht weniger Tage, dass selbst in Aufwärtstrends regelmäßig bearische Signale zum Erfolg führten. Was zu einer Glättung der Ertragskurve führte, weil ich häufig sowohl Long- als auch Shortpositionen im Depot hatte und so nur sehr selten alle Positionen im Stop Loss endeten.

Eine wichtige Erkenntnis in all meinen Jahren als Trader war aber, dass sich die Umstände jederzeit ändern können. Also will ich mit einer neuen intensiven Arbeit an der Strategie Zweifel entweder ausräumen und weiterhin so traden wie bisher. Oder Empfehlungen in Bezug auf Adaptionen umsetzen, wenn die Testergebnisse dazu raten sollten.

Variationen der Entrysignale

Indikatoren als Filter für Signale einzubauen und dergleichen Spielereien sind von mir nicht zu erwarten, wie langjährige Leser schon wissen. Meine Setups sind alle markttechniklastig, diskretionär und vor allem simpel. Der Chart spiegelt alles wieder was ich wissen muss (abgesehen von Unternehmenszahlen, die gecheckt werden vor einem Entry. Liegt ein solcher Termin an in den kommenden vier Tagen, wird ein sonst gültiges Signal ignoriert).

Naheliegend für mich ist also etwa die Hinzunahme des übergeordneten Zeitfensters als Trendfilter, konkret der Wochenchart. Und hier habe ich wieder zwei Alternativen zur Auswahl: ich kann den Index als Filter heranziehen, oder den jeweiligen Wochenchart jeder einzelnen Aktie mit einem Signal.

Vorgehensweise

Ich entscheide mich primär für Letzteres. Den Index als Filter zu nehmen wäre zwar wesentlich einfacher. Allerdings habe ich damit schon in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht. Beim Swingtrading auf Sicht so weniger Tage können sich Aktien kurzfristig immer wieder entgegen dem allgemeinen Trend entwickeln. Daher entscheide ich mich im ersten Schritt für eine Filterung aufgrund der Wochencharts der Aktien.

Ein Longsignal im Tageschart ist nur dann gültig, wenn der dazugehörige Wochenchart nicht zweifelsfrei im Abwärtstrend ist. Das klingt zunächst vielleicht etwas schwammig, was ich damit meine ist: der Wochenchart muss zumindest den Ansatz einer Bodenbildung zeigen, auch in Seitwärtsphasen werden Longsignale nicht gefiltert. Der Wochenchart kann also durchaus übergeordnet einen Abwärtstrend zeigen, der Fokus liegt auf der jüngsten Entwicklung: hat sich ein tieferes Tief nicht durchsetzen können und sind Anzeichen von Entspannung sichtbar, dann ist im Tageschart ein Longeinstieg erlaubt. Nur wenn klar Tief auf Tief folgt, heißt es Finger weg von Longs.

Als Beispiel soll uns Fresenius SE & Co. KGaA dienen mit einem Verkaufssignal am 12. Februar 2015 (blaue Ellipse im Chart 1). Ich habe grün und rot auch die Swings im Tageschart eingezeichnet. So sollte schön zu erkennen sein, dass ich auf den Beginn eines neuen Swings nach unten spekuliert habe mit der Stop-Sell Order unter dem Tagestief (blaue Linie). Ein Shortsignal war im Tageschart für mich erlaubt aufgrund des zuvor markierten tieferen Zwischentiefs, und weil eben dieser 12. Februar drauf und dran war ein tieferes Hoch zu manifestieren.

Diese aggressive Shortspekulation ist zum Teil auch aufgegangen, am vierten Tag des Trades bewahrte mich der Zeitstopp mit einem kleinen Gewinn vor der folgenden Trendwende nach oben (Exit zum Schlusskurs des vierten Tages, blauer Pfeil).

Fresenius SE & Co im Tageschart Anfang des Jahres 2015

Betrachte ich nun aber den Wochenchart dazu, muss ich dieses Verkaufssignal ignorieren. Dann nämlich besteht am Aufwärtstrend in der Woche des Signals (blaue Ellipse in Chart 2) absolut kein Zweifel, nicht einmal ein Doppeltopp ist in Sicht.

Fresenius SE & Co im Wochenchart des Jahres 2015

Optimierungsplan

Als Ausgangsbasis für potentielle Verbesserungen um simple diskretionäre Filter wie den eben vorgestellten und noch andere Optionen zu testen dienen mir sämtliche Signale der Dax30-Aktien von 1. Januar bis zum 20. April.

Dieses Sample ist groß genug um die jüngste Vergangenheit auf dem Schirm zu haben, und klein genug um mich nicht zu verzetteln. Den CAC40 und weiter zurück liegende Kurse lasse ich erst einmal links liegen. Bis ich die vielversprechendsten Empfehlungen auch mittels anderer Börsenphasen verifizieren möchte. Konkret meine ich damit Abwärtstrends und Seitwärtsphasen.

Man könnte das Ziel der aktuellen Arbeit also eigentlich auch einschränken auf die Frage:

Welche Shortsignale sind noch erfolgreich in so einem Aufwärtstrend wie im ersten Drittel des Jahres 2015.

Habe ich eine brauchbare Antwort auf diese Frage, werde ich die Empfehlungen in anderen Börsenphasen zu verifizieren versuchen. Alle Trendphasen auf einmal und damit einen sehr langen Zeitraum zu teste wäre zwar auch möglich. Ist bei manuellem und nicht automatischem Backtesting wie ich es machen muss bei meinem diskretionären Setup aber extrem zeitraubend. Und auch demotivierend, wenn man etwa nach zwei Tagen Arbeit sieht die Idee wird nicht fruchten, aber man muss die ganze Probe durchziehen um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

Ich habe am Wochenende also Aktie für Aktie und Tageskerze für Tageskerze durchgesehen und mir jedes valide Signal notiert. Diese Tabelle stelle ich auch gerne zur Verfügung, damit können interessierte Trader zu Praxiszwecken abgleichen ob die identischen Signale gefunden worden wären. Ich habe dabei auch nicht nachgesehen welche Signale ich in der Praxis tatsächlich umgesetzt habe. Sondern nutze diese distanzierte Nachbetrachtung auch selbst einmal wieder zur Sensibilisierung, warum ich Signal A umgesetzt habe, und nicht Signal B.

Das erste Backtesting wird sich um den Wochenchart der Aktien drehen. Danach sollte ich schon klüger geworden sein und einen schönen Vergleich haben. Der zweifellos zugunsten der Filterung spricht bei so einem klaren Aufwärtstrend wie heuer gesehen. Interessanter wird dann im zweiten Schritt der Vergleich mit einer Filterung via Dax30-Wochenchart statt dem Wochenchart der Einzelaktien.

Die weiteren Prioritäten habe ich noch nicht festgelegt, ich habe damit ohnehin schon mal einige Nächte lang zu tun. Wahrscheinlich gehe ich sofort nachdem ein Gewinner der beiden Wochenchart-Methoden feststeht dazu über die Variation auf Abwärts- und Seitwärtsphasen zu testen um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Ausgangslage

Im untersuchten Zeitraum bis 20. April dieses noch jungen Handelsjahres sind an 53 Tagen brauchbare Signale im Tageschart der Dax30-Aktien entstanden, ausgelöst wurden 44 Stück (die Stop-Entry Orders sorgen dafür, dass viele Fehlsignale verpasst werden). Bei Auftreten mehrerer Signale derselben Tendenz am gleichen Tag entscheide ich mich für das attraktivste. Das mag wieder sehr subjektiv klingen. Aber in der Regel sieht man

a: auf einen Blick, welches von den Signalen am schönsten swingt und am schärfsten korrigierte, und

b: wenn der gewählte Kandidat A zu einem Erfolg führte, wäre auch Kandidat B in der Regel ähnlich verlaufen.

Nochmal kurz die Zusammenfassung der Ausstiegsparameter: verkauft wird entweder beim engen Stopp der 0,6-fachen ATR (Volatilität der letzten 10 Tage), im Idealfall beim Kursziel im Ausmaß der 1,8-fachen ATR oder am Zeitstopp am Ende des vierten Handelstages. Dazwischen kommt nichts in Frage, kein Trailing Stopp, kein Break Even Stopp. Fire & Forget.

Performancekurve und Kennzahlen des Swingtradings für Berufstätige von Michael Hinterleitner

Die Ertragskurve und die Kennzahlen sind heuer bisher positiv, aber auch nur dank Januar und Februar. Seitdem humple ich eher seitwärts, wiewohl ich auch schon Phasen von drei Monaten ohne positive Action hatte. Und auch weitaus größere Drawdowns. Aber darum geht es jetzt noch nicht. Dies ist jedenfalls unsere Ausgangslage, ausgehend von einem Startdepot mit 10.000€, einem Risiko von 1 % pro Trade und Kosten von 0,1 % pro Order (0,05 % Kommission + Slippage in gleicher Höhe)

Mein Hauptaugenmerkt liegt auf dem Profit-Faktor von 2,2 und der Trefferquote von 52 %. Wobei hier die Longsignale die Gegensignale rausreißen müssen, die sogar negativ performten.

Ein Großteil dieser Shortsignale wird gefiltert werden. Damit ist doch ein logischer Erfolg des Backtestings vorprogrammiert? Nicht unbedingt, denn meist sind mehrere Signale an einem Tag aufgetreten. Wird das in diesem Sample umgesetzte Signal gefiltert, heißt das nicht, dass das für alle Verkaufssignale dieses Tages gelten muss.

Und außerdem will ich ja rausfinden was besser funktioniert: die Filterung mittels Wochenchart der Aktien, oder mit dem Dax30-Index.

Für Leser die sich noch nicht mit meinem Swingtrading für Berufstätige befasst haben mag es unverständlich erscheinen, übergeordnete Zeitfenster oder andere Filter nicht berücksichtigt zu haben bisher. Aber tatsächlich wissen langjährige Begleiter, dass mir die isolierte Betrachtung jedes einzelnen Signals für sich bisher gute Dienste geleistet hat.


Nach der Bestandsaufnahme und der Strategiebeschreibung für die angepeilte Optimierung meines Swingtradings für Berufstätige werden im Folgenden konkrete Ergebnisse der Filterung mittels Wochenchart vorgestellt. Vorsichtige Schlüsse lassen sich daraus zwar schon ziehen, es ist aber noch viel Arbeit nötig bis zum letzten Feinschliff.

Zielsetzung

Mein gemütliches außerbörsliches Trading mit Aktien auf Sicht weniger Tage hat seine Schwächen in sehr starken Trends und bei sich langsam vollziehenden Trendwechseln.

Ich habe mich lange gegen Adaptionen der langfristig ja ertragreichen Strategie gewehrt. Da jede Hinzunahme eines weiteren Parameters das empfindsame Gefüge des Setups gewaltig zerbröseln kann. Es mag dann zwar in starken Trends besser laufen, setzt dann aber z.B. bei Trendwechseln viel zu spät auf die neue Seite.

Nobody is perfect sozusagen, nichts desto trotz war es speziell aufgrund sich häufender Verluste bei den Shorttrades Zeit Maßnahmen zu ergreifen.

Das neue Optimierungsziel zielt diesmal aber nicht auf den idealen Ausstieg. Was zweifellos mindestens die Hälfte der Miete ist. Sondern auf eine Erhöhung der Qualität (und damit wohl auch der Quantität) der Einstiegssignale.

Da Indikatoren & Co für mich als Markttechniker nicht in Frage kommen und lediglich zu phantastischen Überoptimierungen führen, wähle ich als nächsten logischen Schritt die Berücksichtigung des Wochencharts. Und zwar sowohl betrachtet einmal jede Aktie mit einem Signal im Tageschart für sich. Als auch indem ich einfach den Wochenchart des jeweiligen Index als Filter heranziehe.

Wochenchart der Aktien

Ein Longsignal im Tageschart ist nur dann gültig, wenn der dazugehörige Wochenchart nicht zweifelsfrei im Abwärtstrend ist. Das klingt zunächst vielleicht etwas schwammig, was ich damit meine ist: der Wochenchart muss zumindest den Ansatz einer Bodenbildung zeigen, auch in Seitwärtsphasen werden Longsignale nicht gefiltert. Der Wochenchart kann also durchaus übergeordnet einen Abwärtstrend zeigen, der Fokus liegt auf der jüngsten Entwicklung: hat sich ein tieferes Tief nicht durchsetzen können und sind Anzeichen von Entspannung sichtbar, dann ist im Tageschart ein Longeinstieg erlaubt. Nur wenn klar Tief auf Tief folgt, heißt es Finger weg von Longs.

Nach dieser Filterung blieben von 44 Trades im Testzeitraum noch 38 übrig. Wie bei diesem massiven Aufwärtstrend heuer erwartet blieben 7 von 19 Shortsignalen auf der Strecke. So weit so gut, nur: ein positiver Profit Faktor bei den Shorttrades gelingt mir trotzdem nicht, liegt mit 0,9 noch knapp im negativen Bereich. Die Trefferquote hat sich geringfügig erhöht, ein besseres Abschneiden verhindert die Filterung dreier Gewinntrades. Was nicht überkompensiert werden kann durch die Filterung so mancher Fehlsignale.

Die Details zu den einzelnen Signalen findet der interessierte Leser wieder in der Tabelle, die zum Download zur Verfügung steht.

Auf der Habenseite dieser Filterung steht eine sichtlich schönere Ertragskurve, mit einem deutlichen Hoch zuletzt, und der Drawdown im März fiel wesentlich schmerzloser aus.

Ergebnis wenn ich mein Swingtrading für Aktien mit dem Wochenchart filtere

Also ein Fortschritt? Jein.

Zwar würde ich der Empfehlung sofort folgen und den Wochenchart der Aktie berücksichtigen für meine künftigen Trades. Wenn, und das ist ein gewichtiger Einwand, die Stichprobe größer wäre. Dafür dass heuer ein klarer Uptrend herrschte sind es nach meinem Geschmack immer noch zu viele Fehlsignale auf der Shortseite. Ich weiß jetzt aber noch nicht einmal wie sich dieser Filter in Seit- und Abwärtsphasen auswirkt. Daher muss ich den Zeitraum für diese Tests deutlich ausweiten.

Zur Veranschaulichung hier noch noch der Screenshot eines gefilterten Fehlsignals. Adidas produzierte im Tageschart am 12. März (blaue Ellipse im linken Chart) ein aggressives Verkaufsignal, ein potentielles tieferes Hoch mit günstigem Einstiegskurs.

Der Wochenchart rechts jedoch feierte zu diesem Zeitpunkt eine Bullenparty ohne dass Wolken am Horizont auch nur sichtbar wären.

Der Tageschart von Adidas im Vergleich mit dem Wochenchart

Wochenchart des Dax30

Nach diesem nicht eindeutigen Resultat war ich umso gespannter auf die Filterung der einzelnen Signale mithilfe des Wochencharts des Dax-Index. Sobald dieser keinen Zweifel an der jüngsten Trendrichtung zulässt, sind Gegensignale verboten.

Meine Erwartung war die Filterung der meisten für die Performance hinderlichen Shortsignale. Denn auch wenn Einzeltitel sich immer wieder mal gegen die allgemeine Tendenz stemmen können: hat der Index das Sagen, sollten Shortsignale in 2015 bisher kaum zum Zug gekommen sein.

Der Wochenchart des Dax30-Index

Und tatsächlich: von ursprünglich 19 Shortsignalen nach Frei Schnauze bleiben nach Berücksichtigung der Tendenz im zugehörigen Index lediglich 2 übrig. Die stammen von Anfang Januar, als der Dax noch kein neues Hoch markiert hatte, und wurden beide zu Verlusttrades.

Aber dann die Überraschung: am Ende habe ich sogar weniger Ertrag als mit der Filterung anhand des Wochencharts jeder einzelnen Aktie. Der Profit Faktor der Longtrades steigt zwar noch einmal auf 3,55. Aber schon der Blick auf die Ertragskurve zeigt: ein klarer Gewinner sieht anders aus.

Performance meines Swingtradings für Berufstätige wenn man mittels Wochenchart des Dax30-Index filtert

Ich könnte jetzt hergehen und einiges in die Ergebnisse reininterpretieren. Aber ich muss schon wie bei der Filterung zuvor rasch eingestehen: diese kleine Stichprobe ist schlicht nicht geeignet, um daraus solide, haltbare Rückschlüsse für meine tatsächliche Umsetzung in die Praxis zu ziehen.

Die erhoffte Abkürzung, indem ich nur die letzten vier Monate und nur die Dax30-Signale heranziehe für die Optimierung, hat zu keinem eindeutigen Ergebnis für die praktische Umsetzung geführt. Tendenzen sind zwar erkennbar. Ich verkneife es mir aber noch, bereits einen Gewinner zu küren (oder alles beim Alten zu lassen).

Stattdessen werde ich noch einige Nächte in eine Verdopplung des Zeitraums investieren, welcher Seit- und Abwärtsphasen beinhalten muss. Ich denke von September 2014 weg führen die Tests schließlich zu verwertbaren Erkenntnisgewinnen.

Im Folgendem finden Sie eine Gegenüberstellung aller Erkenntnisse in einem Aufguss.


Durch die seit Mitte April laufende Korrektur haben wir im Jahr 2015 endlich auch einen Abwärtstrend nach der steilen Bullenrallye der ersten Monate. Mein Swingtrading frei Schnauze hat sich in beiden Phasen gut behaupten können, wie der Rückblick auf die Performance der letzten sechs Monate zeigt. Spannend sind vor allem aber die beiden Ergebnisse einer Filterung, von der sich manche viel versprochen hatten. Auch ich war gespannt, ob sich die Schwäche von zu vielen Signalen gegen einen starken Trend sinnvoll ausmerzen ließe.

Zielsetzung

Mein gemütliches außerbörsliches Trading mit Aktien auf Sicht weniger Tage hat seine Schwächen in sehr starken Trends (weil trotzdem Signale des Gegentrends entstehen bei manchen Aktien), und bei sich langsam vollziehenden Trendwechseln.

Ich habe mich lange gegen Adaptionen der langfristig ertragreichen Strategie gewehrt. Da jede Hinzunahme eines weiteren Parameters das empfindsame Gefüge des Setups gewaltig zerbröseln kann. Es mag dann zwar in starken Trends besser laufen, setzt dann aber z.B. bei Trendwechseln viel zu spät auf die neue Seite.

Nobody is perfect sozusagen, nichts desto trotz war es speziell aufgrund sich häufender Verluste bei den Shorttrades Anfang des Jahres Zeit Maßnahmen zu prüfen.

Das neue Optimierungsziel war diesmal aber nicht der ideale Ausstieg. Was zweifellos mindestens die Hälfte der Miete ist, diese Parameter waren und sind aber weiterhin solide und bewährt. Sondern auf eine Erhöhung der Qualität (und damit wohl auch der Quantität) der Einstiegssignale.

Da Indikatoren & Co für mich als Markttechniker nicht in Frage kommen und lediglich zu phantastischen Überoptimierungen führen, wählte ich als nächsten logischen Schritt die Berücksichtigung des Wochencharts. Und zwar sowohl betrachtet einmal jede Aktie mit einem Signal im Tageschart für sich. Als auch indem ich einfach den Wochenchart des jeweiligen Index als Filter heranziehe.

Im Endeffekt fehlte uns zum damaligen Zeitpunkt aber noch ein Abwärtstrend für eine aussagekräftige Analyse. Das hat sich ja mittlerweile geändert.

Performance 1. Halbjahr 2015

Ausgangsbasis für erhoffte Verfeinerungen ist die Performance der Signale der Dax30-Aktien in den letzten sechs Monaten. Kurz genug um die jüngste Dynamik abzudecken, lang genug um sowohl Auf- als auch Abwärtstrend abzudecken. Ich habe heuer nicht so fleißig gehandelt wie sonst, da mich zum einen neue Strategien abgelenkt haben. Zum anderen weil die Shortsignale seit Dezember etwas frustrierend waren. Ich bin daher noch einmal ordentlich über die Aktien aus dem Dax30 gegangen und habe an jedem Tag maximal 1 Signal pro Richtung gewählt für diese Untersuchung. Die meisten davon wurden ohnehin im Forum besprochen, die Signale der restlichen Tage sind hoffentlich transparent nachvollziehbar dargestellt in dieser Exceltabelle für alle die es interessiert.

Die Performance meines Swingtradings im ersten Halbjahr 2015

Nach 67 Trades, einem Risiko von 1 % pro Trade bei 10.000€ Startkapital und 0,15 % Kosten pro Order steht ein netter Profit von 4.776 Euro zu Buche. Die Longsignale mussten das fast alles alleine stemmen, erst seit Mitte April sind auch die Shortsignale wieder ins Positive gekippt. Die Trefferquote ist wie immer bescheiden mit 50%. Die tragende Säule dieser Strategie ist das theoretische CRV von 3. In der Praxis sind die durchschnittlichen Gewinne immer noch doppelt so groß wie die Verluste, das reicht. So liegt auch der Profit Faktor bei 2. D.h. für jeden verlorenen Euro werden zwei Euro eingenommen.

Der Drawdown heuer war bescheiden, aber es wurden in unserem Kreis immer wieder die beiden folgenden Filtervarianten diskutiert, ob man damit in klaren Trends nicht weitaus besser aussteigen würde. Also war ich auch gespannt auf das Ergebnis.

Filterung mit Wochenchart der Aktie

Ein Longsignal im Tageschart ist nur dann gültig, wenn der dazugehörige Wochenchart nicht zweifelsfrei im Abwärtstrend ist. Das klingt zunächst vielleicht etwas schwammig, was ich damit meine ist: der Wochenchart muss zumindest den Ansatz einer Bodenbildung zeigen, auch in Seitwärtsphasen werden Longsignale nicht gefiltert. Der Wochenchart kann also durchaus übergeordnet einen Abwärtstrend zeigen, der Fokus liegt auf der jüngsten Entwicklung: hat sich ein tieferes Tief nicht durchsetzen können und sind Anzeichen von Entspannung sichtbar, dann ist im Tageschart ein Longeinstieg erlaubt. Nur wenn klar Tief auf Tief folgt, heißt es Finger weg von Longs.

Filterung der Swingtrading-Signale mit dem Wochenchart der Aktien

Nach dieser Filterung blieben von 67 Trades im Testzeitraum noch 58 übrig. Das klingt nach keiner großartigen Filterung. Aber dabei darf man nicht übersehen: wurde ein ursprünglich gewähltes Signal durch den Wochentrend gefiltert, konnte ja stattdessen ein anderes an diesem Tag sichtbares Signal gewählt werden.

Das war oft der Fall, hat sich aber auch nicht positiv ausgewirkt. Im klaren Aufwärtstrend bis Mitte April konnten die Zahlen und die Performancekurve zwar verbessert werden.

Die folgende Trendwende hat diesen Vorteil aber wieder mehr als zunichte gemacht. Im Endeffekt muss das Fazit lauten: Auf Sicht von nur 4 Tagen, wie ich die Positionen einschätze und halte, ist der Blick in den übergeordneten Trend nicht hilfreich, weil der eben gerade bei Trendwechseln viel zu träge reagiert.

Filterung mit Wochenchart des Dax30

Nach diesem etwas überraschend eindeutigen Resultat war ich umso gespannter auf die Filterung der einzelnen Signale mithilfe des Wochencharts des Dax-Index. Sobald dieser keinen Zweifel an der jüngsten Trendrichtung zulässt, sind Signale in die Gegenrichtung verboten.

Meine Erwartung war die Filterung der meisten für die Performance hinderlichen Shortsignale zu Anfang des Jahres. Denn auch wenn Einzeltitel sich immer wieder mal gegen die allgemeine Tendenz stemmen können: hat der Index das Sagen, sollten Shortsignale in 2015 bisher kaum zum Zug gekommen sein.

Und tatsächlich: von ursprünglich 19 Shortsignalen bis Mitte April bleiben nach Berücksichtigung der Tendenz im zugehörigen Index lediglich 2 übrig. Die stammen von Anfang Januar, als der Dax noch kein neues Hoch markiert hatte, und wurden beide zu Verlusttrades.

Aber dann brachte die einsetzende Korrektur die gleiche Schwäche zum Vorschein wie schon zuvor die Filterung mit dem Wochenchart der Aktien, wenn auch nicht so ausgeprägt: bei Trendwechseln hält uns so ein übergeordneter Chart zu lange Signale der neuen Trendrichtung vor, stattdessen setzt man noch viel zu lange auf Signale des vorherigen Trends.

Performance Swingtrading nach Filterung anhand des Dax30

Ein nachhaltigen Vorteil lässt sich für mich bei beiden Filterungen also nicht ausmachen.

Fazit

Es ist eine schöne Bestätigung für mich, dass meine simple Vorgehensweise, konzentriert nur auf den kurzfristigen Tageschart der Aktien, immer noch Früchte trägt. Ich bin auch nur ein Mensch, jeder Drawdown zehrt an den Nerven und am Selbstvertrauen. Gestärkt durch diese Untersuchungen werde ich jetzt selbst wieder intensiver mit dieser guten alten KISS-Methode arbeiten.

Aktien können also sehr wohl kurzfristig ihr Eigenleben entwickeln, ohne sich um den Index, das übergeordnete Zeitfenster oder das Börsenumfeld zu scheren. Nicht immer, aber oft genug um daraus einen kleinen Vorteil schlagen zu können.

Viel Erfolg beim Trading!

Michael Hinterleitner

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Trader kommentierte am 08.08.2016 um 12:33 Uhr

    Hallo Michael, vielen Dank für Ihre Strategie. Ich würde diese gerne selber ausprobieren. Welchen CFD Broker können Sie empfehlen bzw. welchen benutzen Sie zum Traden mit Aktien CFDs nach der 'Swingtrading für Berufstätige' Strategie?
    Danke schonmal für Ihre Antwort

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 08.08.2016 um 14:31 Uhr

    Danke für das Feedback. Ich nutze ActivTrades, da mir das Kommissionsmodell von nur 0,05% bei nur 1€ Minimum auch Experimente erlaubt, dazu gibt es ja noch Gutschriften für Mitglieder. Die Orderaufgabe ist allerdings standardmäßig nur möglich wenn der entsprechende Markt geöffnet hat. Dazu haben wir uns allerdings ein Tool gebastelt: http://www.candletalk.de/thread/3214-mt4-mt5-ea-s-fuer-ausserboersliche-orderaufgabe/

  • Dichter kommentierte am 08.04.2016 um 16:40 Uhr

    "Swingtrading....bleibt ein Erfolg". Ich war begeistert von diesem System und Ihrer Zielstrebigkeit (Backtest und Festhalten an den Eigben usw.)
    Jetzt lese ich im Candletalk, daß sie nicht mehr traden !!!°???
    Wie sollich das verstehen ? Wollte mich gerade hineinstürzen.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 13.04.2016 um 17:23 Uhr

    Meine Güte, nein, nicht falsch verstehen: ich habe geschrieben dass ich in letzter Zeit nicht ganz so aktiv war. Das ist alles, war erst heute etwa wieder live mit dabei :)
    vG
    Michael Hinterleitner

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