Stopps – Das Sicherheitsnetz für Trader

04.09.2014 - 11 Minuten Lesezeit

Im Trading-Alltag ist es für jeden Anleger von großer Wichtigkeit, das eigene Kapital zu schützen. Nur diejenigen, die über ausreichend Kapital auf ihrem Handelskonto verfügen, können weitere vielversprechende Marktchancen nutzen und erhalten sich somit die Möglichkeit, ihr Geld immer weiter zu vermehren. Dieser bedeutende Grundsatz sollte aber nicht damit verwechselt werden, dass es beim Trading darum geht, möglichst niemals zu verlieren. Verlusttrades gehören zum Trading-Alltag dazu. Wer allerdings gewisse Techniken kennt, die Verluste unter Kontrolle zu halten, wird auf lange Sicht das eigene Kapital trotzdem erfolgreich vermehren.

Die Stop-Setzung hat viele Facetten

Wenn davon die Rede ist, das eigene Kapital beim Trading zu schützen, geht es nicht darum, alle Verlusttrades zu eliminieren, sondern die Verluste der „schlechten“ Trades in Grenzen zu halten. Der einzige Weg für Trader, dies zu realisieren, ist das geschickte Setzen von Stops. Doch wo sollten Stops idealerweise platziert werden? Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage werden Sie schnell merken, dass die Problematik der Stop-Setzung wesentlich vielschichtiger ist, als es anfangs scheint.

So ist zum Beispiel der Ratschlag weit verbreitet, den Stop möglichst weit entfernt und außerhalb des Marktrauschens zu setzen, um nicht unnötigerweise ausgestoppt zu werden. Auch wenn diese Idee zunächst durchaus einleuchtend scheint, so ist sie doch sehr ungenau formuliert, wenn man die Vielfalt der individuellen Situationen bedenkt.

In allererster Linie sollten Sie den Stop immer im Hinblick auf Ihren eigenen Trading-Stil platzieren. Jemand, der schnelles Scalping mag, wird andere Stops setzen als der reine Trendtrader, der auch bereit ist, Korrekturen gegen seine Position abzuwarten und darauf hofft, dass der Kurs die ursprüngliche Richtung wieder aufnimmt. Auf der Suche nach dem perfekten Stop sollten Sie also zunächst Ihren individuellen Handelsstil näher unter die Lupe nehmen.

Das Scalptrading – Die schnellste Trading-Variante

Der Begriff „Scalptrading“ stammt ursprünglich auf dem Intraday-Handel, aber das Prinzip kann auch auf andere Zeiteinheiten und sogar auf den Monatschart übertragen werden. Beim Scalping hält der Trader seine Position gemessen am gehandelten Zeitrahmen nur ganz kurz. Wenn man das ganze losgelöst von zeitlichen Einheiten wie Minuten oder Stunden betrachtet, könnte man dies in Kerzen ausdrücken.

Der Scalper hält seine Position nur wenige Kerzen lang und will dabei größere Gegenbewegungen nicht zulassen. Der Scalper möchte in den Markt einsteigen, den Moment ausnutzen und schnell wieder aussteigen. Bei dieser Art des Tradings kommen oft Kursziele vor, die verhältnismäßig klein sind. Dadurch ergibt sich folglich auch ein kleines Chancen-Risiko-Verhältnis. Die eigene Performance ergibt sich vor allem durch die weit höhere Trefferquote oberhalb der 50 Prozent Marke sowie durch eine höhere Frequenz beim Trading.

Die Trendtrader – Mehr Geduld und großes Chancen-Risiko-Verhältnis

Die Trendtrader bilden die zweite Gruppe der unterschiedlichen Handelsstile. Solche Trader gehen Positionen ein indem sie darauf spekulieren, dass sich ein Trend entwickelt. Ein Trendtrader sitzt auch mögliche Korrekturen gegen seine Position aus und spekuliert darauf, dass die Kurse die ursprüngliche Bewegung schließlich wieder aufnehmen.

Trendtrading ist im Vergleich zum Scalping eine eher ruhige Variante, denn hier braucht der Händler Geduld. Das gilt sowohl beim Warten auf das optimale Setup als auch bei der Umsetzung der eigenen Trades. Wenn sich ein starker Trend entwickelt, kann es sein, dass die Position sehr lange gehalten wird.

Auch hier gilt eine Betrachtungsweise, die losgelöst ist von Zeitabschnitten wie Minuten oder Stunden – auch hier wird die Anzahl der Kerzen des beobachteten Zeitrahmens betrachtet. Mit andere Worten: Der Trendtrader hält die eigene Position viele Kerzen lang, wobei es sich im Intraday Handel auch nur um wenige Minuten handeln kann (bei einem Trend auf Tickbasis) oder auch Wochen und Monate.

Die Trefferquoten sind bei dieser Trading-Variante eher moderat und liegen teilweise deutlich unterhalb der 50 Prozent Marke. Die Performance des Trendhändlers ergibt sich durch das besonders gute Chancen-Risiko-Verhältnis – hat sich erst ein Trend entwickelt, ist es möglich, das Vielfache des ursprüngliches Risikos zu verdienen.

Swingtrading – Der Mittelweg

Bei Swingtrading handelt es sich um eine Mischung der beiden oben genannten Varianten. Ein Swingtrader versucht, den Mittelweg aus beiden Stilen zu wählen. So ist das Chancen-Risiko-Verhältnis entsprechend kleiner als beim Trendhandel, aber größer als beim Scalping. Auch wenn es um Trefferquoten geht und um die Frage, ob Korrekturen zugelassen werden, ist das Swing-Trading in der Mitte positioniert.

Im unteren Bild sehen Sie die Handelsstile in der Übersicht.

Swingtrading Handelsstil

Die Stop-Techniken variieren je nach Trading-Stil

Wie Sie sehen konnten, hat der Trader je nach eigenem Trading-Stil individuelle Zielsetzungen und dementsprechend kommen auch unterschiedliche Stop-Taktiken zu Einsatz. Die Stop-Größe nimmt dabei vom Scalptrading zum Trendhandel immer mehr zu.

Während der Scalper den Stop leicht unterhalb der aktuellen Kerze setzen könnte, wird der Trendtrader eher die letzten Zwischentiefs oder gar das Niveau des Julitiefs anvisieren. Damit würde der Trade einen ausreichend weiten Stop bekommen, so dass ausreichend Spielraum für Korrekturen entsteht.

Charttechnische Stops in der Praixs

Wenn Sie Ihren eigenen Handelsstil identifiziert haben, sind Sie auf dem Weg zur perfekten Stop-Setzung einen Schritt näher gekommen. Als nächstes geht es darum, zu entscheiden, ob Sie einen charttechnischen Stop oder einen Geld-Stop wählen möchten.

Der charttechnische Stop steht für ein Kursniveau, bei dessen Überschreiten bzw. Unterschreiten, der Händler über den weiteren Verlauf des Underlynings nachdenken muss. Geht der Trader von weiter steigenden Notierungen aus, würde der charttechnisch bestimmte Stop auf einem Niveau liegen, bei dem weiter steigende Kurse nicht mehr wahrscheinlich sind sondern eher von fallenden Kursen auszugehen ist. Charttechnische Stops werden zum Beispiel an vorangegangenen Hochs oder Tiefs platziert, an Unterstützungen sowie Widerständen und auch an Retracement-Marken und Trendlinien.

Geld-Stops – So werden sie eingesetzt

Als Geld-Stops werden Punkte bezeichnet, die sich vor allem durch die Nähe zu den Einstiegskursen auszeichnen. Diese Punkte sind charttechnisch weniger bedeutend. Diese Stops werden auf Grundlage der Überlegungen platziert, ein größeres Chancen-Risiko-Verhältnis zu erschaffen. Solche Stops können an Kerzenhochs und Tiefs platziert werden aber auch das Vielfache der durchschnittlichen Schwankungsbreite darstellen – diese lässt sich über die ATR messen. Auch kann ein solcher Stop ein reiner Prozent-Stop sein – also die prozentuale Entfernung zum Einstiegspreis.

Zusammenhang zwischen Stops und der Trefferquote

An dieser Stelle soll der Zusammenhang zwischen der Stop-Setzung und der Trefferquote erläutert werden. Wenn Sie Ihr vorhandenes Regelwerk behalten und nur die Stop-Setzung verändern, wirkt sich dieser Umstand auf die Trefferquote aus und somit auch auf Ihre Performance.

Wenn Sie Ihr Stop-Loss verkleinern, würde dies zu einer Verringerung der Trefferquote führen bzw. die Quote bleibt maximal gleich. Wenn Sie Ihr Stop-Loss dagegen vergrößern, würde auch die Trefferquote damit steigen. Dieser Zusammenhang gilt völlig unabhängig von konkreten Trading Signalen.

Wenn Sie Ihre Trefferquote verbessern möchten, können Sie Ihr Regelwerk wie bisher beibehalten und setzen einfach weitere Stops. Den gleichen Effekt erzielen Sie übrigens, wenn Sie die Kursziele verkleinern.

Dieser Zusammenhang soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der damit verbundene Effekt nicht eindeutig ist, was die Gesamtperformance angeht. Zwar kann sich die Performance mit höherer Trefferquote verbessern, aber sie kann sich auch verschlechtern.

Der Stop und die Größe der Position

Mit dem Stop ist die Wahl der Positionsgröße verbunden und somit bestimmt der Stop ebenfalls in großem Maße das Risiko eines Trades. Trading Profis wissen, dass je weiter der Stop-Kurs von dem Einstiegskurs entfernt ist, desto geringer sollte die Positionsgröße gewählt werden. Die Größe der Position hat direkten Einfluss auf die Performance eines Anlegers und somit wird der Stop tendenziell so eng wie möglich gesetzt.

Vor allem Kleinanleger haben häufig keine Wahl, als enge Stops zu setzen, denn in vielen Fällen kann nur so eine adäquate Positionsgröße entstehen und der Trade rechnet sich auch noch nach den Gebühren. So stellt diese Tatsache einen der Gründe dafür dar, dass zahlreiche Anleger den Intraday-Handel favorisieren, denn hier sind die Stops grundsätzlich kleiner als zum Beispiel im Tages- oder Wochenchart.

Stops sind für den Gesamterfolg der Handelsstrategie mitverantwortlich

Stops sind aus vielerlei Gründen notwendig. So würde es ohne einen Stop keine Rückversicherung für den Anleger geben – er würde ohne Risikobegrenzung traden und hätte letztendlich auch keine Möglichkeit, die Größe der Positionen strategisch festzulegen.

Ein weiterer Aspekt, der bei den Stops eine Rolle spielt ist die Tatsache, dass Stops integrale Bestandteile einer Handelsstrategie darstellen und somit grundlegend für den Trading-Erfolg mitverantwortlich. Somit kann das Setzen eines Stops niemals ohne das zugehörige Einstiegs- sowie Ausstiegssignal erfolgen. Diese drei grundlegenden Werte stellen eine Einheit dar, die für den Erfolg oder den Misserfolg der eigenen Handelsstrategie verantwortlich sind.

In den beiden nachfolgenden Abbildungen ist dieser Zusammenhang recht deutlich dargestellt. Sie sehen dort eine Trading-Strategie, die sich nur in der Stop-Setzung unterscheidet.

stop2

stop3

Während im ersten oberen Bild die gewählten Ein- und Ausstiege zum positiven Resultat führen, ist es in der zweiten Abbildung nicht mehr so und der Stop wurde hier lediglich verdreifacht. Im ersten Bild wurde die einfache ATR 10 vom Einstiegskurs gesetzt und in der zweiten Darstellung die dreifache ATR gewählt. Folglich sollte der Stop also so platziert werden, dass in Kombination mit den Ein- und Ausstiegspunkten eine gewinnbringende Strategie entsteht.

So finden Sie den optimalen Stop

Wie in vielen Bereichen des Lebens gilt auch bei der Stop-Setzung: Ohne Fleiß kein Preis. Wie wir bereits gesehen haben, hängt die Wahl der Stops auch vom persönlichen Trading-Stil ab. Für die richtige Stop-Setzung spielen neben dem eigenen Stil auch die konkreten Ein- und Ausstiegspunkte, die Größe des Handelskontos und die eigene Risikobereitschaft eine Rolle. So sind allgemeine Hinweise zum Setzen der Stops stets mit Vorsicht zu genießen.

Was für den einen Trader super funktioniert, kann dem anderen große Verluste verursachen. So funktioniert das Kopieren der Taktiken anderer Trader beispielsweise nur dann, wenn bei den oben genannten Faktoren ein großes Maß an Übereinstimmung gegeben ist. Ist dies aber nicht der Fall, so müssen eigene Taktiken her. Dabei müssen Sie nicht das Rad neu erfinden und können vorhandene Taktiken als Ausgangspunkt verwenden, aber wenn Sie Ihre eigenen Strategien optimieren und perfektionieren wollen, werden Sie auf eigene Stop-Taktiken zurückgreifen müssen.

Einige Stop-Taktiken im Überblick

Eine weit verbreitete Taktik für das Setzen von Stops ist es, diese an die letzten Hochs und Tiefs einer Bewegung zu setzen. Dabei handelt es sich um charttechnische Stops, denn innerhalb eines Aufwärtstrends sollte der Kurs nicht mehr unter das vorhergehende Tief fallen. Wird ein solches Tief durchbrochen, ist auch der Trend damit zu Ende und es macht keinen Sinn, die Position zu halten.

Auf dem folgenden Bild sehen Sie einige Beispiele für das Setzen von Stops an Hochs und Tiefs von Korrekturen. Eine Variante zum einfachen Bruch der Korrekturhochs und Tiefs wäre zum Beispiel die Situation, dass diese Hochs und Tiefs mindestens per Schlusskurs durchbrochen werden. Dies würde die Trefferquote erhöhen – der Effekt auf die Gesamtperformance würde allerdings wieder zweischneidig ausfallen.

Beispiele für das Setzen von Stops an Hochs und Tiefs von Korrekturen

Vor allem im mittelfristigen Trading werden einfache prozentuale Stops genutzt. Dabei wird der Stop ausgehend vom Einstiegskurs einen bestimmten Prozentsatz entfernt gesetzt. Für die Wahl des Prozentsatzes spielt neben der Kontogröße und dem persönlichen Handelsstil ebenfalls die Volatilität des zugrundeliegenden Marktes eine Rolle. Schwankt der Basiswert stärker, sollten die Stops tendenziell weiter entfernt gesetzt werden.

Eine weitere Stop-Taktik, die von der Volatilität abhängig ist, ist die ATR oder das Vielfache dieser. ATR steht für Average True Range und mittelt die Schwankungsbreite der einzelnen Kerzen. Der Indikator muss dabei nicht zwangsläufig selbst ausgerechnet werden – dieser ist in den meisten Fällen in die Charting-Tools und Handelsplattformen als Standard-Indikator integriert. Im unteren Bild sehen Sie die Stop-Level der dreifachen ATR 10 bei einer Aufwärtsbewegung.

Stop-Level der dreifachen ATR 10 bei einer Aufwärtsbewegung

Eine weitere Variante der Stop-Setzung stellen Indikatoren wie gleitende Durchschnitte oder der Parabolic SAR dar. Je nach Indikator laufen diese mit dem Kurs mit und können auch für die Trendbewertung verwendet werden.

In der letzten Abbildung sind der KAMA (adaptiver gleitender Durchschnitt nach Kaufmann)in blau eingezeichnet und in braun sehen Sie den Parabolic SAR.

Stop Setztung - KAMA und Parabolic SAR

Fazit

Viele Trader haben Angst, etwas beim Setzen der Stops falsch zu machen und daraufhin unvorteilhaft ausgestoppt zu werden. So verzichten einige Anleger lieber ganz auf einen Stop. Das ist allerdings sehr riskant, denn irgendwann wird mit Sicherheit eine Situation entstehen, bei der die Kurse unerwartet schnell und weit gegen die Trades laufen. Tritt ein solcher Fall ein, kann es passieren, dass damit die Arbeit von Wochen oder sogar Monaten zerstört wird. Wer Stops setzt, schützt sich vor solchen großen Verlusten und macht somit auch das Risiko planbar. So individuell die einzelnen Trader sind, so individuell sollte die Stop-Setzung geplant und auch getestet werden.

Über den Autor

Rene Berteit

Rene Berteit

Rene Berteit beschäftigt sich seit 1999 intensiv mit den Finanzmärkten und dem Trading von Aktien, Währungen, Rohstoffen und den wichtigsten Indizes. Während der Riesenhausse bis ins Jahr 2000 stand für die meisten Trader Verlieren nicht auf der Agenda. Egal was man kaufte, es stieg. Dies lockte auch den BWL-Studenten Rene Berteit an die Märkte. Er platzierte die ersten Orders – mit Erfolg . Doch mit Ende des Hypes im Neuen Markt kam auch für ihn die Zeit der Qualen. Dennoch beschäftigte er sich neben dem Studium und während der späteren Tätigkeit als Logistikleiter jede freie Minute mit Märkten und Strategien und sammelte so ein breites Know-how. Sein Spezialgebiet: der kurzfristige Handel – das so genannte Daytrading – von Dow Jones, DAX und dem Währungspaar Euro/US-Dollar. Seine Erfahrung kommt auch den Teilnehmern des von ihm seit 2007 bei GodmodeTrader betreuten Ausbildungs-Services zugute. Folgen Sie Rene Bereit auf Guidants.

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