So handeln Sie Hebelzertifikate besonders effizient

05.11.2014 - 6 Minuten Lesezeit

Bei Hebelzertifikaten handelt es sich um komplexe und zugleich mächtige Finanzinstrumente und der Einsatz beim Trading sollte mit Vorsicht erfolgen. Wir zeigen Ihnen wie Sie mit Hebelzertifikaten effizientes Trading realisieren können.

Was sind Hebelzertifikate?

Hebelzertifikate werden auch KO-Scheine, Turbos oder Warrants genannt und ermöglichen es, an der Kursentwicklung eines Instruments teilzunehmen und zwar in größerem Maß – im Guten und auch im Schlechten. Diese Finanzprodukte ermöglichen eine breite Streuung des Risikos und werden gerne als Beimischung in Depots eingesetzt. Hebelzertifikate können sowohl auf steigende und auch auf fallende Kurse gesetzt werden, was praktisch und komfortabel zugleich ist. Nicht zu vergessen ist allerdings die Tatsache, dass mit Hebelzertifikaten nicht nur an Gewinnen überproportional partizipiert werden kann, sondern auch an den Verlusten.

Die Funktionsweise der Hebelzertifikate

Wer die Funktionsweise der Hebelzertifikate beschreiben will, kann dies auf unterschiedlichen Ebenen, die je nach der Betrachtungsweise, mehr oder weniger komplex sind. Das kann man mit einem Autofahrer vergleichen, für den es von Vorteil ist, die Grundlagen über die Funktionsweise eines Verbrennungsmotors zu kennen, er sie aber nicht zwingend kennen muss, um das eigene Auto regelmäßig nutzen zu können. Der Fahrer braucht nur zu wissen, welche Pedale, welche Schalter und welche Lenkbewegungen nötig sind – den Rest erledigt die Maschine.

So können Hebelzertifikate auch als eine Art „Black Box“ betrachtet werden – als ein Instrument, das sich in unterschiedlichen Situationen vorhersehbar verhält. Auf dieser Betrachtungsebene können sich klassische Hebelzertifikate in den folgenden Faktoren unterscheiden:

  • Basiswert
  • Basispreis
  • Optionsart: Call und Put
  • Spread: Ask und Bid
  • Knockout-Barriere

Vielleicht wundern Sie sich, warum in der Aufzählung der Hebel nicht als Merkmal vorkommt – der Grund dafür ist, dass sich der Hebel aus den oben genannten Merkmalen ergibt und aus diesem Grund oft nicht konstant ist und auch vom Kurs des Basiswerts abhängt.

Die Faktoren im Detail

Als Basiswert wird der Wert bezeichnet, der gehandelt werden soll. Im Prinzip kann es sich dabei um jeden Wert handeln, der an der Börse notiert ist. Egal ob es sich um Aktien, Rohstoffe, Indizes oder um Devisen handelt – in jedem Bereich existieren Hebelzertifikate. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass für jeden Basiswert ein Hebelzertifikat zur Verfügung steht.

Zertifikate werden von Emittenten angeboten – sie schnüren solche Pakete in der Regel für besonders beliebte und häufig gehandelte Werte. Wollen sie also einen kleinen Nebenwert mit einem Hebelzertifikat handeln, ist es gut möglich, dass Sie kein entsprechendes Zertifikat finden.

Sobald Sie sich für einen Basiswert entschieden haben, kommt der Basispreis ins Spiel. Der Basispreis dient in Kombination mit dem Kurs des Basiswerts als die bedeutendste Größe wenn es um den Zertifikatpreis geht. Je größer die Differenz dieser beiden Werte ist, desto höher ist der Wert des Zertifikats.

Daraus ergibt sich auch das Prinzip der Hebelwirkung. Wenn der Basispreis sehr eng am aktuellen Kurs liegt, ist auch der Wert des Zertifikats besonders niedrig. Dann würde eine geringe Änderung des Kurses ausreichen, um die Differenz und somit den Wert des Zertifikats deutlich zu erhöhen.

Die Knock-Out Barierre, auch Strike genannt, stellt einen weiteren wichtigen Faktor dar. Sollte der Kurs des Basiswertes diese Barriere erreichen, ist das Hebelzertifikat ausgeknockt und der Trade somit gescheitert. Tritt ein solcher Fall ein, ist die Kursentwicklung des Basiswerts nicht mehr von Bedeutung. Das Zertifikat wird seinen Wert nicht mehr ändern und verfällt wertlos.

In vielen Fällen ist die Knock-Out-Barriere mit dem Basispreis identisch und einige Zertifikate haben dagegen einen integrierten Stop-Loss. Bei dieser Variante würde das Zertifikat verfallen, bevor der Basispreis erreicht wird. Solche Zertifikate werden anschließend mit einem entsprechenden Restwert zurückgebucht.

Je nach dem ob es sich um ein Call- oder um ein Put-Zertifikat handelt, wird auf steigende oder auf sinkende Kurse gesetzt. Bei Call-Zertifikaten liegen die KO-Barriere und auch der Basispreis beim Kauf unterhalb des Kurses des Basiswerts. Steigt nun der Kurs des Basiswerts, erhöht sich auch der Zertifikatswert. Bei Put-Zertifikaten verhält es sich genau umgekehrt.

Der Spread beschreibt die Differenz zwischen dem Kauf- und dem Verkaufspreis eines Hebelzertifikats, wenn der Kurs des Basiswerts gegeben ist. Je größer diese Differenz und je kleiner der Hebel ist, desto weiter muss sich der Kurs in die richtige Richtung bewegen, bevor es möglich ist, das Zertifikat zum Einkaufspreis wieder zu verkaufen. Zudem wird in vielen Fällen eine geringe Gebühr berechnet, die bereits beim Kauf im Preis enthalten ist.

Die Handelsplätze für Hebelzertifikate

In Deutschland gibt es drei Zertifikatebörsen, und zwar in Stuttgart (www.boersestuttgart.de), Frankfurt (www.scoach.de) und Berlin (www.tradegate.de). Alle erhältlichen Hebelzertifikate werden an diesen Börsen gehandelt. Zudem können Sie diese Instrumente über Ihren Broker direkt bei den jeweiligen Emittenten kaufen und verkaufen.

So finden Sie das richtige Zertifikat

Auf zahlreichen Webseiten finden Sie umfangreiche Suchmasken, bei denen Sie die Hebelzertifikate suchen können. Sie können dabei unterschiedliche Eigenschaften definieren und ermitteln auf Basis Ihrer Kriterien die Wertpapierkennnummern der Zertifikate. Bevor Sie einen Trade tätigen, sollten Sie sich folgender Punkte im Klaren sein:

  • Was wollen Sie handeln? (Basiswert)
  • Setzen Sie auf steigende oder fallende Kurse? (Optionstyp)
  • Wie weit wollen die den Markt gegen Sie laufen lassen, bevor Sie den Trade als gescheitert ansehen (Knock-Out-Barierre)

Open-End-Zertifikate

Manchmal kommt es vor, dass ein Zertifikat an einem bestimmten Datum verfällt. In einem solchen Fall bestimmt dann der Schlusskurs an diesem Tag den endgültigen Wert des Hebelzertifikats. Bei anderen Zertifikaten wiederum gibt es im Prinzip keine Begrenzung der Laufzeit – Open-End-Zertifikate also. Im Laufe der Zeit ändert sich der Basispreis solcher Zertifikate dahingehend, dass der Wert der Zertifikate bei konstantem Kurs des Underlynings abnimmt – dieser Vorgang wird als Zeitwertverlust bezeichnet.

Diese Vor- und Nachteile gibt es bei Hebelzertifikaten

Beim Trading mit Hebelzertifikaten ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, Long- und Short-Trades zu tätigen und das mit verhältnismäßig geringem Kapitaleinsatz. Somit sind sie ein nützliches Werkzeug für Trader und bieten viele Möglichkeiten zur Gewinnmaximierung. Dank der breiten Diversifizierung wird das Gesamtrisiko des Depots zudem niedrig gehalten.

Allerdings ist das Risiko ungleich größer, wenn man jede einzelne Position betrachtet. Aus diesem Grund ist die jeweils geringe Gewichtung der Positionen wichtig. Eine der Gefahren des Tradings mit Hebelzertifikaten stellt die Aussicht dar, schnelle Gewinne im dreistelligen Prozentbereich erzielen zu können. Dieser umstand kann Trader dazu verleiten, besonders hohe Risiken einzugehen.

Entscheiden Sie also im Vorfeld, wie hoch der Maximalverlust sein soll, den Sie bereit sind, in Kauf zu nehmen. Ein wichtiger Pluspunkt von Hebelzertifikaten ist die Tatsache, dass Sie keine Nachschusspflicht fürchten müssen. Sie können in jedem Fall nur höchstens so viel Kapital verlieren, wie Sie eingesetzt haben. Wenn Sie also unnötige Risiken vermeiden, Ihre Strategie sorgfältig planen und die Verluste gering halten, werden Sie mit der Zeit automatisch Gewinne erzielen.

Über den Autor

Riccardo Hertel

Riccardo Hertel

Riccardo Hertel has been a member of the GodmodeTrader team since 2011. He is a physicist with a passion for the complexity and the dynamics of financial markets. In his work as a scientist he has reached an internationally leading position in theoretical nanomagnetism. He now works as a research director at a National Research Center in Strasbourg, France. In the wake of the financial crisis of 2008, Riccardo has developed a strong interest in technical analysis. Since then he is constantly active in the markets, seeking highly dynamic stocks with promising setups and an attractive risk-reward ratio. Folgen Sie Riccardo Hertel auf Guidants.

Kommentare

  • Pfeifer kommentierte am 22.05.2015 um 13:59 Uhr

    Können Sie mir eine Optionsscheinsbank empfehlen

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 23.05.2015 um 06:36 Uhr

    Bei den Online-Brokern sind die Echtgeldtests noch ausständig , daher dauert es noch bis voraussichtlich Sommerende bis wir aussagekräftige Erfahrungen teilen können.

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